Berlin.Table – Ausgabe 793

Streit um Reformen + Debatte um Übergewinnsteuer + Frust in der AfD

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Talk of the Town

Reformdebatte: Warum sich Markus Söder als Hardliner gibt und damit auch die eigenen Leute verärgert

In der CDU herrscht Ärger. Ausnahmsweise nicht über den Koalitionspartner, sondern über die kleine Schwester CSU, genauer gesagt deren Parteichef Markus Söder. Der hat in den vergangenen Tagen gleich zwei Dinge getan, die Friedrich Merz das Leben erschweren. Zum einen hat Söder in einem Interview mit dem Stern rasche Reformen bis Pfingsten angemahnt – dabei wollte Merz nicht mehr über Zeitfenster sprechen. Zum anderen engt der CSU-Chef den Rahmen für bevorstehende Verhandlungen ein. In der CDU befürchtet man nun, die Kontrolle über das Narrativ zu verlieren. Ein Abgeordneter klagt, der Kanzler habe sich dieses aus der Hand nehmen lassen. Klingbeil habe bei der Bertelsmann Stiftung die Rede gehalten, die man sich vor Wochen vom eigenen Parteichef gewünscht hätte. Dass auf Seiten der Union anstelle eigener Vorschläge nun vor allem Kritik aus dem Süden komme, mache „fassungslos“.

Söder lehnt eine Reihe zentraler Reformvorschläge ab. Er wolle in den Verhandlungen hart bleiben, heißt es aus Söders Umfeld in München. So schloss der CSU-Chef in der Steuer- und Sozialpolitik Belastungen für Familien und Spitzenverdiener aus. Einen höheren Spitzensteuersatz bei der Einkommensteuer oder eine höhere Erbschaftsteuer lehnt er ebenso ab wie die Abschaffung des Ehegattensplittings. Das hatte SPD-Chef Klingbeil in seiner Grundsatzrede am Mittwoch gefordert, und eigentlich hatten die Spitzen der Koalition sich auch darauf geeinigt, offen und ohne Veto-Drohungen zu diskutieren. Doch während Kanzleramts-Chef Thorsten Frei die Vorschläge des Finanzministers lobt und von „vielen positiven Ansätzen“ spricht, hagelt es vonseiten der CSU Kritik. Klingbeils Vorschläge hätten „eine Schieflage der Debatte ausgelöst“, so Alexander Hoffmann am Donnerstagnachmittag. Es reiche nicht, bei Reformen nur über die Einnahmenseite zu sprechen, „wir müssen zuallererst die Ausgabenseite in den Blick nehmen“. Konkrete Vorschläge, wo gespart werden könnte, machte der CSU-Landesgruppenchef allerdings nicht.

In der CDU sorgt das für Ärger: „Sofort immer von Tabus oder roten Linien zu reden, bringt uns nicht weiter“, sagt Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze Table.Briefings. „Ich wünsche mir, dass sich das alle Koalitionspartner zu Herzen nehmen“, so der CDU-Politiker. Die Lage sei klar, Deutschland brauche Reformen. Die CDU zeige, dass sie dazu bereit ist. „Auch Lars Klingbeil hat mit seiner Rede eine gute Grundlage für Debatten geschaffen.“ Es sei jetzt wichtig offen zu bleiben, das gelte „gleichermaßen für CDU, SPD und auch die CSU“.

Zumal sich einige Christdemokraten offen für Vorschläge zeigen. So sagt etwa ein CDU-MdB, man müsse „offen diskutieren“, dass es im Rahmen einer größeren Steuerreform auch bei Spitzenverdienern zu Mehrbelastungen kommen kann. Auch über Arbeitsanreize, etwa für Frauen, die derzeit in Teilzeit arbeiten, müsse man reden. Und bei dem Ehegattensplitting sei eine alternativlose Streichung zwar verfassungsrechtlich schwierig, allerdings gebe es auch hier Möglichkeiten, solange Ehepaare nicht schlechter gestellt werden als Singles. Die CSU habe mit dem Familiensplitting selbst Reformvorschläge vorgelegt.

Zumindest hinter vorgehaltener Hand zeigt sich selbst in der CSU mancher genervt vom eigenen Vorsitzenden: „Wenn jetzt alle sagen, was nicht geht, liegt am Ende nichts mehr auf dem Tisch“, sagt ein führendes Mitglied der CSU-Landesgruppe Table.Briefings mit Blick auf Söder. Darüber müsse man auch mit dem Vorsitzenden nochmal sprechen. Seinen öffentlichen Vorstoß hatte Söder mit der Landesgruppe nicht abgesprochen. Manch einer in Berlin vermutet, dass Söder so scharf reagiert, weil er zu einem angeblichen Treffen von Merz mit der SPD-Führung nicht eingeladen war. Andere mutmaßen, dass Söder in Bayern zunehmend unter Druck gerät und deshalb in Berlin umso mehr seinen Einfluss geltend machen will.

Auffällig ist, dass sich CSU-Innenminister Alexander Dobrindt, der starke Mann der CSU in Berlin, öffentlich zurückhält. Dobrindt gilt als Stabilitätsanker in der Regierung und wird inzwischen auch als möglicher Nachfolger Söders genannt, sollte der CSU-Chef irgendwann doch noch in die Enge kommen. Der Münchner Merkur berichtete unlängst über die Verärgerung in der Landtagsfraktion, weil Söder es nach den Wahlniederlagen an Demut habe vermissen lassen. Nun gehört Demut nicht gerade zu den hervorstechendsten Eigenschaften des CSU-Chefs: Doch dass in Bayern überhaupt über eine Zeit nach Söder diskutiert wird, ist bereits eine Neuigkeit.

Table.Today. "Reformdebatte: Warum Söder jetzt bremst"
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Arbeitsanreize: Auf welche Stellschrauben es ankommt. Als entscheidender Faktor für eine höhere Gesamtarbeitszeit gilt die Erwerbstätigkeit von Frauen. Fast jede zweite arbeitet in Teilzeit. Als Anreizbremsen gelten Minijobs, das Ehegattensplitting und die kostenfreie Mitversicherung in der Krankenkasse. Letztere zu reformieren könnte noch größere Arbeitsmarkteffekte haben als eine Abschaffung des Splittings, sagte Peter Haan vom DIW Table.Briefings. Positiver Nebeneffekt ihm zufolge: Werde die Mitversicherung selbst bezahlt oder zum Teil steuerfinanziert, könnten GKV-Beiträge sogar sinken. Eine Reform des Ehegattensplittings wiederum könnte zur Besetzung von zehntausenden Vollzeitstellen führen, sagte Lars Klingbeil am Mittwoch.

Mit der Abschaffung des Ehegattensplittings für neu geschlossene Ehen „befreien wir Frauen aus der Teilzeit-Falle“, heißt es in einem Papier aus der SPD-Fraktion. Aus der Unionsfraktion kommt Skepsis. Stefan Nacke, Chef der Arbeitnehmergruppe, verweist auf das Grundgesetz, wonach die Ehe besonders geschützt ist. Dringender sei das Thema Minijobs. Für deren weitgehende Abschaffung ist auch Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD). Was aus seiner Sicht die Grundvoraussetzung für die Umsetzung von Klingbeils Vorschlägen ist, lesen Sie in der Analyse des Berlin.Table. Okan Bellikli

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News

Eurogruppe: Klingbeil pocht auf Wiedereinführung der Übergewinnsteuer. Bei einem virtuellen Treffen wollen sich die Finanzministerinnen und -minister der Euro-Länder am Freitag über die wirtschaftlichen Auswirkungen des Irankrieges austauschen. Das erfuhr Table.Briefings aus Kreisen des Finanzministeriums. Dabei will Lars Klingbeil gemeinsam mit seinen europäischen Kollegen mögliche Maßnahmen beraten, um die Preissteigerungen abfedern zu können.

Klingbeil setze dabei weiterhin auf die Wiedereinführung einer Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne. Eine solche Steuer gab es bereits 2022, als im Zuge des Ukrainekrieges die Energiepreise massiv stiegen. Aus dem BMF heißt es, die EU-Kommission solle zügig dazu einen Vorschlag machen. Allerdings gibt es bei dieser Steuer verfassungsrechtliche Bedenken – entsprechende Verfahren laufen noch. Damals nahm Deutschland knapp 2,5 Milliarden Euro durch die Übergewinnsteuer ein.

Bei dem Treffen der Eurogruppe wolle Klingbeil zudem die Ergebnisse des E6-Formats zur Kapitalmarktunion vorstellen. In einem Brief vom 11. März informierten die E6-Staaten bereits die Finanzkommissarin Maria Luís Albuquerque über ihre beschlossenen Maßnahmen. Dazu zählen unter anderem die Stärkung des digitalen Euros, weitere Harmonisierung des Finanzrechts und die Vereinfachung von Börsengängen. Ziel sei es, noch in diesem Jahr den europäischen Kapitalmarkt zu vereinfachen und Investitionsbarrieren abzubauen. Laura Block

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Es ist Zeit, dass sich Innovationen in Europa lohnen. vfa. Die forschenden Pharma-Unternehmen.

Denn: Innovationen sind Europas beste Antwort.
Wir brauchen einen schnellen, einheitlichen und regelbasierten Marktzugang in Europa. Mit einem zukunftsfähigen AMNOG wird Deutschland Vorreiter sein. Machen wir uns bereit – am Pharmastandort EU und Deutschland.
Mehr beim vfa erfahren.

- Sponsor: Verband Forschender Arzneimittelhersteller e. V.
- Im Zusammenhang mit: EU Pharmapaket (COM 2023/193), BIOTECH (COM 2025/1022), Pharma- und Medizintechnik-Dialog; EU / Deutschland, national

Transparenzbekanntmachung

US-Handelsdeal: EU-Parlament knüpft Abkommen an Bedingungen. Das EU-Parlament hat am Donnerstag für Zollsenkungen auf US-Importe gestimmt, diese jedoch an Bedingungen geknüpft. Die Abgeordneten machen die Zollaussetzungen im Rahmen des Handelsdeals mit den USA unter anderem davon abhängig, ob die USA ihre eigenen Verpflichtungen erfüllen.

Die Zustimmung ebnet den Weg für Verhandlungen mit dem Rat und der Kommission. Der Vorsitzende des Handelsausschusses, Bernd Lange (SPD), kündigte an, in den nun beginnenden Gesprächen an der Position des EU-Parlaments festhalten zu wollen. Man erwarte von den anderen Institutionen, dass sie sich „dem Standpunkt des Parlaments annähern“. Was die Abgeordneten noch fordern und was das für die Verhandlungen heißen könnte, lesen Sie im Europe.Table. Antonia Zimmermann, Manuel Berkel

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Hätten Sie’s gedacht? Über 22 Prozent ihrer Einnahmen erzielen Arztpraxen mit Privatpatienten – dabei sind nur 10,5 Prozent der Menschen privat versichert. Doch für ihre Behandlung gibt es weniger Beschränkungen und meist höhere Honorare. Dieses Geld können die Ärzte in Personal oder bessere Praxisausstattung investieren. Gut für alle – auch die gesetzlich Versicherten. (mehr auf pkv.de)

Streit in der AfD: Außen- und Verteidigungspolitiker frustriert über Spitzenduo. Fachpolitiker der AfD beschweren sich zunehmend über nicht abgestimmte Aussagen von Alice Weidel und Tino Chrupalla. Die Arbeitskreise fassten in Sitzungswochen morgens Beschlüsse und würden bei der Pressekonferenz am Nachmittag dann davon überrascht, welche Linie die Spitze vorgebe. Das geschehe gerade in der Außen- und Verteidigungspolitik. „Jeder kotzt ab“, sagte ein AK-Mitglied Table.Briefings. AK Außen und Verteidigung pochen nun darauf, dass sich etwas ändert. Am 14. April wollen sie in einer gemeinsamen Sitzung besprechen, wie sie mit ihren Leitlinien besser zum Spitzenduo durchdringen können. Franziska Klemenz

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- Sponsor: Union Asset Management Holding AG
- Im Zusammenhang mit: 2./3. Lesung im Bundestag zum Entwurf zum Altersvorsorgereformgesetz; Deutschland, national

Transparenzbekanntmachung

Mondfahrt: Neue US-Strategie setzt Europa unter Zugzwang. Nach Einschätzung von Esa-Generaldirektor Josef Aschbacher muss die EU‑Raumfahrt auf die neue „Ignition“-Strategie der Nasa rasch reagieren. Die US-Raumfahrtbehörde hatte am Dienstag ein rund 20‑Milliarden‑Dollar‑Programm über sieben Jahre angekündigt, das eine dauerhafte Mondbasis vorsieht. Der erste bemannte Landeversuch soll 2028 stattfinden. Gleichzeitig pausiert das Gateway‑Projekt, an dem Europa, Kanada und Japan beteiligt sind. Aschbacher begrüßt die neue Klarheit der US‑Pläne, sieht aber erheblichen Handlungsdruck. Europas Schlüsselbeitrag bleibe das European Service Module (ESM) für die Orion‑Kapsel. Ohne das ESM seien Landungen vor 2028 „nicht möglich“. Sechs Module sind bereits beauftragt; über weitere Lieferungen müsse Europa jedoch erst verhandeln.

Die Pausierung von Gateway zwingt die Esa und ihre Partner zu einer schnellen Neubewertung. Ein erstes Treffen sei einberufen, die Entscheidungen sollen bis Juni für die Mitgliedstaaten aufbereitet werden. Aschbacher warnt vor europäischer Kleinteiligkeit: Die USA investierten sechsmal so viel in Raumfahrt, Unternehmen arbeiteten bereits an KI‑Rechenzentren im All. Europa müsse „extrem schnell“ Trends erkennen und koordiniert handeln – sonst verliere man den Anschluss. Was der Esa-Chef jetzt fordert, lesen Sie im Space.Table. Torsten Kriening

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Nigeria: Wie die Gasindustrie in Zeiten des Irankriegs Aufwind bekommt. Nigeria besitzt rund sechs Billionen Kubikmeter an Gasreserven, wovon 1,5 Billionen Kubikmeter noch nicht verplant sind: Dieses ungenutzte Vermögen könnte angesichts des Iran-Kriegs auch für die europäische Energiesicherheit wichtiger werden, wie aktuelle Marktentwicklungen und Experteneinschätzungen nahelegen. Die nigerianischen Gasexporte haben zuletzt rasant zugenommen. Energieexperte Dayo Okusami aus Nigeria bestätigt im Gespräch mit Table.Briefings das große Potenzial des nigerianischen Gases. Warum er dennoch befürchtet, dass es anderen Wettbewerbern wie den USA oder Guyana gelingen könnte, zuerst langfristige Verträge zu sichern, lesen Sie im Africa.Table. Silas Jonathan

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Subventionen: Unternehmen erhalten gut 1,6 Milliarden Euro. Für das laufende Jahr sind staatliche Zuwendungen in Höhe von mehr als 1,6 Milliarden Euro für die Förderung von Unternehmen aus den drei deutschen Aktienindizes vorgesehen. Das geht aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage der AfD hervor. 883 Millionen Euro entfallen auf Konzerne aus dem Dax, 404 Millionen Euro auf solche aus dem MDax und 333 Millionen auf die aus dem SDax. 2025 und 2024 betrug die Gesamtsumme jeweils gut 1,2 Milliarden Euro. Das meiste Geld unter den Dax-Unternehmen bekamen Infineon, RWE und SAP. Wie viel die einzelnen Konzerne erhielten, lesen Sie hier. Okan Bellikli

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Chemieagenda: Regierung will Bürgschaften für strauchelnde Unternehmen prüfen. Industrie und Klimaschützer kritisieren die am Donnerstag von BMWE und BMUKN vorgestellte Chemieagenda. Zwar erwägt die Bundesregierung, von der Insolvenz bedrohte Chemieunternehmen mit Bürgschaften zu unterstützen. Doch neue, kurzfristige Hilfen, beispielsweise zur Bewältigung der hohen Energiepreise, enthalte die Agenda kaum, kritisieren Industrievertreter. Weitere Inhalte und Lücken der Chemieagenda finden Sie im ESG.Table. Nico Beckert

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Einladung: Von Daten zu Taten: Umsetzung von Schüler-ID und evidenzbasierter Bildungspolitik. 15. April 17-18 Uhr im Livestream des Bitkom. Kostenlos anmelden

Table.Today Podcast

Table.Today CEO Edition "Wie fahren wir morgen? Mit Miles-CEO Oliver Mackprang und Opel-Chef Florian Huettl."

Die wegen des Iran-Kriegs stark gestiegenen Benzinpreise könnten der Elektromobilität in Deutschland neuen Auftrieb geben. „Ich kann mir vorstellen, dass die Aktualität im Moment den einen oder anderen darüber nachdenken lässt, wie das nächste Auto angetrieben sein soll“, sagt Opel‑CEO und Stellantis‑Deutschlandchef Florian Huettl im Podcast. Zudem geht er davon aus, dass nach der Wiedereinführung der Kaufprämie der Anteil reiner Elektrofahrzeuge in Deutschland bis Ende des Jahres auf circa 25 Prozent steigen wird. Wie Huettl die aktuelle Lage der Elektromobilität einschätzt und was er von den Plänen der EU‑Kommission zur Wettbewerbsfähigkeit hält, hören Sie in der CEO‑Edition von Table.Today am Samstag ab 5 Uhr hier.

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Table.Documents

Heads

Alexander Kluge ist tot. Der Autor und Filmemacher prägte die Kulturlandschaft Deutschlands seit den 1960er-Jahren. Für seine Werke wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter der Georg-Büchner-Preis und der Adolf-Grimme-Preis. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften hospitierte er bei Fritz Lang, wenig später erhielt sein Debütfilm „Abschied von Gestern“ in Venedig den Preis für das beste Erstlingswerk. Mit zehn weiteren Regisseuren des sogenannten „Neuen Deutschen Films“, unter ihnen Rainer Werner Fassbinder und Volker Schlöndorff, verarbeitete er 1978 den RAF-Terror in dem Episodenfilm „Deutschland im Herbst“. Mit seiner Produktionsfirma versuchte der Verfechter der Frankfurter Schule und Gefährte von Jürgen Habermas und Theodor W. Adorno ab 1987 dem sinkenden Niveau im Privatfernsehen etwas entgegenzusetzen. So entstand unter anderem Spiegel TV. Kluge sah sich selbst in erster Linie als Autor und veröffentlichte zahlreiche Bücher, sowohl Prosa als auch Theorie; ab 2013 machte er auch Ausstellungen. Er starb am Mittwoch im Alter von 94 Jahren in München. (SZ)

Henning Höne kandidiert für den Bundesvorsitz der FDP. Er fordert nach den schlechten Wahlergebnissen einen personellen Neuanfang und eine klare Strategie. Die Europaabgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann zog inzwischen ihren Vorschlag einer Doppelspitze wieder zurück und sprach Höne ihre „volle Unterstützung“ aus. Der amtierende Parteichef Christian Dürr will auf einem Parteitag Ende Mai ebenfalls wieder für den Bundesvorsitz kandidieren. (Zeit)

Henrik Maihack, bisher Leiter des Afrika-Referats der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES), soll nachTable.Briefings-Informationen die Leitung des neuen Sekretariats Nord-Süd-Kommission im Entwicklungsministerium übernehmen. Die Einrichtung dieser Kommission wurde im Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD vereinbart und soll die Zusammenarbeit mit dem Globalen Süden gezielt intensivieren. Maihack war seit 2011 für die FES in unterschiedlichen Positionen vor allem in Landesbüros in Afrika tätig. 2021 übernahm er die Leitung des Afrika-Referats in Berlin.

Claudia Voß übernimmt zum ersten April die Leitung des Afrika-Vereins der Deutschen Wirtschaft. Die bisherige stellvertretende Geschäftsführerin folgt auf Christoph Kannengießer. Dieser hatte den Afrika-Verein seit 14 Jahren geleitet. Weitere Details zu beiden Personalien lesen Sie im Africa.Table. David Renke

Sabine Andresen ist Präsidentin des Kinderschutzbunds. Auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaften (DGfE) wurde sie jetzt mit dem DGfE-Forschungspreis ausgezeichnet. Was es ihr zufolge für einen besseren Schutz von Kindern und Jugendlichen braucht, lesen Sie ⁠im Bildung.Table. Kirstin von Elm

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Best of Table

Security.Table: Entwicklungsfinanzierung als Investition in kollektive Sicherheit. Im Sinne einer mutigen Neuausrichtung internationaler Kooperationen brauche es eine Entwicklungsagenda, die Sicherheit von Anfang an mitdenkt, fordert Kanni Wignaraja, stellvertretende UN-Generalsekretärin, in ihrem Gastbeitrag. Welche Region besonders profitieren könnte, lesen Sie hier.

Security.Table: Stark Defence entwickelt Drohnenabwehrsystem. Damit steigt das Berliner Start-up in einen Markt ein, der bereits heiß umkämpft ist. Junge Unternehmen stehen in Konkurrenz zu traditionellen Rüstungskonzernen. Wer beim Thema Drohnenabwehr mitmischt, lesen Sie hier.

China.Table: Das Netz diskutiert über die Zukunft der Kunst. Elite-Kunsthochschulen Chinas streichen klassische Kreativfächer und ersetzen sie mit KI-Programmen. Im Netz wird diskutiert, ob Chinas eigenständige Ästhetik nun Gefahr läuft zu verflachen. Warum die Diskussion weit über China hinausweist, lesen Sie hier.

China.Table: Wie chinesische Hersteller vom Kipppunkt auf dem EV-Markt profitieren. Preise fallen, Marktanteile steigen und neue Gewinner drängen nach vorn. Chinesische Autobauer nutzen Europas E-Auto-Boom mit einer überraschenden Strategie. Zölle, Förderpolitik und Preiskampf wirken anders als gedacht. Welche Folgen das für die Branche hat, lesen Sie hier.

ESG.Table: Die Chemieindustrie braucht Artenvielfalt. Intakte Ökosysteme sichern Rohstoffe und Funktionen, die viele Produktionsprozesse erst ermöglichen. Aktuell ist die Industrie aber sehr mit einer wirtschaftlichen Krise beschäftigt. Welchen Beitrag sie trotzdem für Biodiversität leisten müsste, lesen Sie hier.

Bildung.Table: Adaptive Lernsysteme, Templates und Dashboards. Was im Gutachten der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission zum Einsatz von Daten im Unterricht und bei der Schulentwicklung steht, lesen Sie hier.

Bildung.Table: Wie eine Trendumkehr der Schülerleistungen gelingen soll. Vieles drehte sich am Donnerstag auf der Bildungsministerkonferenz um diese Frage. Auf welche Handlungsfelder sich die Bildungsminister geeinigt haben und was sie zu Social Media sagen, lesen Sie hier.

Agrifood.Table: Regierung lässt Landwirtschaft beim Klimaschutzprogramm im Ungewissen. In der Landwirtschaft werden in den 2030er-Jahren zusätzliche Anstrengungen nötig sein, um die gesetzten Klimaziele zu erreichen. Im Klimaschutzprogramm bleiben jedoch viele Fragen offen. Warum der Bund bei der Antriebswende mehr Ehrgeiz zeigt, lesen Sie hier.

Agrifood.Table: Tierhaltungslabel wird einfacher. Die Neufassung des Tierhaltungskennzeichnungsgesetzes (THKG) setzt stärker auf Freiwilligkeit. Für die niedrigste Stufe 1 ist keine Registrierung mehr vorgesehen. Das zeigt ein Referentenentwurf, der Table.Briefings vorliegt. Warum ungewiss ist, ob das staatliche Label wie geplant Anfang 2027 kommt, lesen Sie hier.

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Time.Table

27. März

Außenpolitik I: Ende des Außenminister-Treffens der G7 in Frankreich. Vaux-de-Cernay, 8:45 Uhr. Weitere Informationen

Außenpolitik II: Boris Pistorius schließt seine Pazifik-Reise in Brisbane ab.

Parteien: Sondersitzung des SPD-Präsidiums zur Reformagenda. Mit Statements von Bärbel Bas und Lars Klingbeil sowie Tim Klüssendorf (16:30 Uhr). Willy-Brandt-Haus

28. März
Demonstrationen: Landesweite Proteste in den USA gegen die Trump-Regierung unter dem Motto „No Kings“.

Gesundheit: Das Deutsche Psychotherapeuten Netzwerk (DPNW) ruft zu bundesweiten Demonstrationen gegen die von der GKV beschlossene Kürzung der Honorare für Psychotherapeuten um 4,5 Prozent auf.

29. März

EU: Am Rande der WTO-Ministerkonferenz treffen sich die EU-Handelsminister in Kamerun.

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Must-Reads

Handelsblatt: Rehlinger gegen reine Sparreform. Die stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende Anke Rehlinger unterstützt zwar Klingbeils Reformpaket grundsätzlich, zieht aber klare Grenzen: Kürzungen allein werde die SPD nicht mittragen. Stattdessen plädiert sie für einen Pflegekostendeckel bei 1.500 Euro, eine Entlastung der unteren 95 Prozent bei der Einkommensteuer und eine Reform der Erbschaftsteuer. Eine höhere Mehrwertsteuer lehnt sie ab. Die Partei müsse mehr Wirtschaftskompetenz zeigen und neben sozialer Sicherheit auch Aufstiegsperspektiven betonen. („‚Ein reines Kürzungspaket wird es nicht geben‘“)

Spiegel: Meta und Google zu Millionen-Schadensersatz verurteilt. Eine 20-Jährige hat vor einem Gericht in Los Angeles gegen die Konzerne gewonnen: Instagram muss 2,1 Millionen Dollar zahlen, YouTube 900.000 Dollar. Die Klägerin hatte geschildert, wie sie ab dem sechsten Lebensjahr auf den Plattformen aktiv war und diese zu sozialer Isolation, Depressionen und Körperdysmorphie beigetragen hätten. Branchenbeobachter sehen das Urteil als Dammbruch: Mehr als tausend ähnliche Klagen warteten bereits auf die Social-Media-Konzerne. („Wie eine junge Frau Meta-Chef Mark Zuckerberg besiegte")

SZ: Ex-Frontex-Chef wegen Push-Backs im Mittelmeer angeklagt. Gegen den Rassemblement-National-Europaabgeordneten und Ex-Direktor der europäischen Grenzschutzpolizei Fabrice Leggeri wird wegen Verdachts auf Beihilfe zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Folter ermittelt. Dies entschied ein Pariser Gericht in zweiter Instanz, nachdem eine erste Klage der französischen Menschenrechtsliga und einer NGO abgelehnt worden war. Der Hintergrund: Leggeri etablierte das Prinzip der Push-Backs auf hoher See, das besagt, Asylboote nicht ins Zielland, sondern von außereuropäischen Küstenwachen ins Ursprungsland zu eskortieren. („Ermittlungen gegen Ex-Frontex-Chef“)

NDR/WDR/SZ: Daniela Klette wird wegen RAF-Anschlägen angeklagt. Die Bundesanwaltschaft beschuldigt die 67-Jährige, an einem Angriff auf die US-Botschaft in Bonn, einem Sprengstoffattentat in Weiterstedt und einem Anschlag auf eine Deutsche-Bank-Filiale in Eschborn Anfang der 90er-Jahre beteiligt gewesen zu sein. An allen Tatorten sollen DNA-Spuren von Klette gefunden worden sein. Ein Prozess wegen späterer Taten während ihrer späteren Zeit im Untergrund läuft bereits, der Vorwurf der Mitgliedschaft in einer Terrorvereinigung ist verjährt. („Bundesanwaltschaft erhebt Anklage gegen Klette“)

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Schlagzeilen von morgen

Meistgelesenes von heute

Heute Abend in den Talkshows

Maybrit Illner, 22:15 Uhr: Carsten Linnemann, Anke Rehlinger, Gabriel Felbermayr, Boris Palmer, Kristina Dunz

Markus Lanz, 23:15 Uhr: Herbert Diess, Moritz Schularick, Claudia Kemfert, Andreas Peichl

phoenix runde, 0 Uhr: Lena Gumnior, Susanne Hierl, Theresia Crone, Ulf Buermeyer

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Interviews von morgen

Deutschlandfunk

6:50 Uhr: Jörg Asmussen, Gesamtverband der Versicherungswirtschaft: Reform der privaten Altersvorsorge

7:15 Uhr: Johann Wadephul, Bundesaußenminister (CDU): G7-Beratungen zum Iran-Krieg

8:10 Uhr: Andreas Bovenschulte, Bürgermeister von Bremen (SPD): Krise der SPD

ARD

7:15 Uhr: Thomas Jung, Oberbürgermeister Fürth (SPD): Krise der SPD

8:15 Uhr: Julia Jäkel, Initiative für einen handlungsfähigen Staat: Leistungsbilanz der Bundesregierung

rbb24–Inforadio

7:05 Uhr: Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur Finanztip: Reform der privaten Altersvorsorge

7:25 Uhr: Tarik Al-Wazir, Vorsitzender des Verkehrsausschusses im Bundestag (Grüne): Wie weiter mit der Deutschen Bahn?

phoenix

8:45 Uhr: Frauke Heiligenstadt, finanzpolitische Sprecherin der SPD, und Katharina Beck, finanzpolitische Sprecherin der Grünen: Reform der privaten Altersvorsorge

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Geburtstage von morgen

27. März

Sebastian Groth, Botschafter in Kenia, 54

Emmi Zeulner, MdB (CSU), 39

Daniel Walter, MdB (SPD), 35

Manuel Neuer, Fußballspieler, 40

28. März

Claudius Fischbach, Botschafter in Togo, 67

Zada Salihović, MdB (Linke), 27

29. März

Jens Peter Lütkenherm, Botschafter in Ecuador, 65

Clemens von Goetze, Botschafter in Mexiko, 64

Olaf Joachim, Staatssekretär im BMWSB, 61

Carsten Stawitzki, Abteilungsleiter im BMVg, 60

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Nachttisch

Unser Tipp führt Sie heute zu einem Comic über Wirtschaft. Am 1. April erscheint nach fast 15 Jahren eine erweiterte Neuausgabe von Economix. Das Buch bietet in leicht zugänglicher Form eine Übersicht über Geschichte, Grundlagen und aktuelle Herausforderungen des Wirtschaftssystems. Behandelt wird auch die Klimakrise. Dazu kommen Kurzporträts von Ökonominnen und Ökonomen mit ihren Ideen, ein Glossar wichtiger Begriffe und viele Illustrationen. Okan Bellikli

Michael Goodwin/Dan E. Burr: Economix. Wie unsere Wirtschaft funktioniert (oder auch nicht) | Jacoby & Stuart

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Das war’s für heute. Good night and good luck!

Heute haben Nico Beckert, Okan Bellikli, Manuel Berkel, Laura Block, Michael Bröcker, Kirstin von Elm, Damir Fras, Daniel Friesen, Silas Jonathan, Franziska Klemenz, Torsten Kriening, Vincent Mikoteit, David Renke, Leonard Schulz, Sven Siebert, Sara Sievert und Antonia Zimmermann mitgewirkt.

Der Berlin.Table ist das Late-Night-Briefing für die Table.Media-Community. Wenn Ihnen der Berlin.Table gefällt, empfehlen Sie uns bitte weiter. Wenn Ihnen diese Mail weitergeleitet wurde: Hier können Sie sich kostenlos anmelden.

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