Grönland: EU-Regierungschefs loben ihre Einigkeit

Kanzler Merz und Regierungssprecher Stefan Kornelius (picture alliance/dpa | Michael Kappeler)

Grönland: EU-Regierungschefs loben ihre Einigkeit. „Wir haben in den vergangenen Tagen und Wochen etwas gelernt“, sagte die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen am Donnerstagabend in Brüssel. „Wenn wir klar und stark sind in der Bereitschaft, für uns einzustehen, werden die Resultate sich sehen lassen“, sagte sie, sichtlich erleichtert, dass die Krise um Trumps Grönlanddrohungen der vergangenen Tage zumindest vorübergehend entschärft wurde. Der außerordentliche EU-Gipfel war ursprünglich einberufen worden, um eine gemeinsame Position und Drohkulisse gegenüber den USA aufbauen zu können. Nun will man das Treffen nutzen, um die Ereignisse der vergangenen Tage Revue passieren zu lassen und Lehren für die Zukunft zu ziehen.

Die Episode der vergangenen Tage wirkte wie ein Schock auf viele Regierungschefs. „Wir müssen uns auf die veränderte Ordnung in der Welt einstellen, und zwar sehr schnell“, sagte der österreichische Bundeskanzler Christian Stocker. „Trump respektiert [die EU], wenn wir stark und geeint sind“, sagte der finnische Ministerpräsident Petteri Orpo. Deshalb müssten in den weiteren Verhandlungen alle Werkzeuge der EU auf dem Tisch bleiben. Wie die Regierungschefs die Ereignisse der vergangenen Tage analysieren, lesen Sie heute spätabends im Europe.Table.

Friedrich Merz hat lange in der Hoffnung gelebt, auch mit dem selbsternannten Dealmaker Donald Trump könne man irgendwie klarkommen. Man müsse ihm nur selbstbewusst und zugleich schmeichelnd begegnen. Dieser Glaube ist in den vergangenen Tagen wohl endgültig zerbrochen. Trotz des möglichen Einlenkens von Trump in der Grönland- und Strafzölle-Frage hat der Kanzler am Donnerstag in Davos deutlich vor den Folgen einer neuen Zeit der Großmachtpolitik, in der nur Macht zähle, gewarnt. Der Kanzler nannte Russland, China und die USA. Die internationale Ordnung der vergangenen Jahrzehnte sei „in ihren Grundfesten erschüttert“. Merz beschrieb eine solche Welt als „gefährlichen Ort“ – letztendlich auch für die Großmächte selbst.

Und dann stellte der deutsche Regierungschef eine Parallele zum finstersten Kapitel deutscher Geschichte her: „Im zwanzigsten Jahrhundert ist mein Land diesen Weg bis zu seinem bitteren Ende gegangen. Es hat die Welt in einen schwarzen Abgrund gestürzt.“ Man müsse die gegenwärtige Entwicklung indes „nicht als Schicksal hinnehmen“. Auf all die Drohungen und Herabsetzungen der Europäer durch den US-Präsidenten antwortete Merz in Davos, „unsere größte Stärke bleibt die Fähigkeit, Partnerschaften und Bündnisse zwischen Gleichberechtigten aufzubauen, die auf gegenseitigem Vertrauen und Respekt basieren“. Merz’ Rede können Sie hier nachlesen. Wie chinesische Medien den Auftritt Trumps kommentieren, steht im China.Table. János Allenbach-Ammann, Stefan Braun, Stephan Israel, Sven Siebert

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Letzte Aktualisierung: 22. Januar 2026