Frankreich: Agrarmesse startet zwischen Protest und Wahlkampf

Am Samstag eröffnet Emmanuel Macron die Landwirtschaftsmesse „Salon de l’agriculture“ in Paris – inmitten von politischen Spannungen und Unmut in der Landwirtschaft. Die Regierung will dort Eckpunkte eines „Dringlichkeitsgesetzes“ vorstellen.

20. Februar 2026
Bauernprotest Mercosur
Gegen das EU-Mercosur-Abkommen haben französische Bauern zuletzt protestiert. (picture alliance / Panama Pictures | Christoph Hardt)
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Erstmals seit 60 Jahren findet die größte französische Landwirtschaftsmesse ohne Rinder statt. Messepräsident Jérôme Despey begründete die Entscheidung mit dem Ausbruch der Lumpy-Skin-Krankheit. Aber auch darüber hinaus ist der diesjährige „Salon de l‘agriculture“ von politischen Spannungen in der französischen Agrarpolitik geprägt, die die Unterzeichnung des Mercosur-Abkommens zuletzt noch verschärft hat.

Bereits 2024 war es beim Besuch von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zur Eröffnung der Messe zu gewaltsamen Protesten gekommen. Seitdem halten französische Landwirte den Druck auf die Regierung weiter hoch. Zuletzt richteten sich laute Proteste im Dezember und Januar gegen das Krisenmanagement bei der Lumpy-Skin-Krankheit sowie gegen das Mercosur-Abkommen. Die zweitgrößte Agrargewerkschaft, Coordination rurale, kündigt zudem neue Protesttage zu Beginn der Landwirtschaftsmesse an.

Premierminister Sébastien Lecornu will mit einem „Notfallgesetz“ auf den Unmut in der Landwirtschaft reagieren. Erste Details soll Agrarministerin Annie Genevard während der Messe vorstellen. Drei Themen sollen im Zentrum stehen: Wasser, Raubtiere und Produktionsmittel. Die Regierung will etwa Investitionen in Bewässerungssysteme stärker fördern und den Umgang mit Wölfen neu regeln – möglicherweise auch mit Bären und Geiern. Was unter dem Schlagwort „Produktionsmittel“ zu verstehen ist, ist bisher offen – ebenso wie die Frage, ob dabei auch das heikle Thema Pflanzenschutz im Fokus steht.

Die Pestizidpolitik spaltet weiterhin die französische Öffentlichkeit. Eine Petition gegen die Wiederzulassung von Insektiziden mit dem Wirkstoff Acetamiprid hatte im vergangenen Jahr über zwei Millionen Unterschriften erreicht. Das französische Verfassungsgericht stoppte den Vorschlag. Die Regierung setzt nun stärker auf europäische Lösungen und wirbt für eine Harmonisierung der Zulassungsverfahren, um „Wettbewerbsverzerrungen im Binnenmarkt“ zu begrenzen.

Auch die Düngepolitik wird kontrovers diskutiert. Lecornu zeigte sich bereit, sich bei der EU-Kommission für Änderungen der Nitratrichtlinie einzusetzen. Welche genau, konkretisierte er nicht. Der Bauernverband FNSEA kritisiert bestehende Vorgaben als „realitätsfern“.

Parallel dazu hat sich die Wasserfrage zu einem politischen Schlüsselthema in Frankreich entwickelt. Die Aussicht auf chronischen Wasserstress bis 2050 sowie die sinkende Qualität der Ressourcen verschärfen die Spannungen zwischen Landwirten und anderen Nutzern. Zwischen 1980 und 2024 wurden 14.300 Trinkwasserfassungen geschlossen – mehr als ein Drittel davon wegen Verschmutzung. 2023 konsumierten 17 Millionen Menschen Leitungswasser, das die Grenzwerte für Pestizide überschritt.

Der Salon de l’agriculture hat in Frankreich auch breitere politische Bedeutung. Mit jährlich über 600.000 Besuchern gilt er als Barometer für die Stimmung im ländlichen Raum und als Pflichttermin für die Politik. „Obwohl die Landwirtschaft nur noch rund ein Prozent des BIP ausmacht, genießt sie eine außergewöhnliche politische Aufmerksamkeit“, sagt Sébastien Abis vom Pariser Thinktank Iris. Vom Staatspräsidenten bis zum Lokalpolitiker reiche die Präsenz.

Die Messe findet zudem kurz vor den Kommunalwahlen im März statt. Sie gelten als wichtiger politischer Stimmungstest vor der Präsidentschaftswahl 2027. So werde der Salon zum „großen Ball der Kandidaten“, sagt der Kommunikationsexperte Philippe Moreau-Chevrolet. Das traditionell konservativ geprägte Agrarmilieu könnte sich angesichts wachsender Frustration weiter dem Rassemblement national zuwenden.

Symptomatisch für die Sorgen der Landwirte ist der Einbruch der Agrarhandelsbilanz. 2025 fiel der Handelsüberschuss Frankreichs auf nur noch 200 Millionen Euro – der niedrigste Stand seit fast 25 Jahren. „Eine dauerhafte Erosion würde signalisieren, dass ein historisches Exportland sein landwirtschaftliches Potenzial nicht mehr in strategische Stärke übersetzen kann“, warnt Abis.

Letzte Aktualisierung: 27. März 2026