Satelliten-Technologie: Warum China in afrikanische Weltraumprogramme investiert

Chinas Ambitionen machen nicht bei der Erde halt, sondern erstrecken sich auch in den Weltraum. Der afrikanische Kontinent ist dabei ein wichtiger Partner. Es zeigt sich, dass die Chinesen auch in der Raumfahrtbranche einen klaren strategischen Ansatz verfolgen.

23. März 2026
Chinesische Long-March-2C-Trägerrakete mit dem Satelliten MisrSat-2. (picture alliance / Xinhua News Agency | Wang Jiangbo)

Im neuen Fünfjahresplan hat China seinen Vormachtanspruch in der Raumfahrtbranche klar formuliert. China tritt dabei in eine neue Phase ein: Raumfahrt wird stärker als strategische Zukunftsbranche und neues Industriefeld gedacht: Ausdrücklich taucht der Begriff „kommerzielle Raumfahrt“ auf. Der Plan nennt unter anderem den Aufbau wiederverwendbarer Trägersysteme und eine stärkere Industrialisierung der Raumfahrt. Auch global will China seinen Einfluss stärken. „Künftig werden Satelliten globale Kommunikation ohne blinde Flecken ermöglichen – wir werden Funklöcher hinter uns lassen“, sagte Zhang Tao, Abgeordneter des Nationalen Volkskongresses und Professor für Luft- und Raumfahrttechnik an der Beihang-Universität in Peking, im Interview mit dem Staatssender CCTV. Selbst mit gewöhnlichen Smartphones werde man auf dem Meer, in Wüsten oder auf Hochebenen telefonieren, im Internet surfen und Videos nutzen können.

Für die afrikanischen Länder ist China dabei längst zu einem der wichtigsten Technologielieferanten sowie Finanzierer von Weltraumprogrammen geworden. „China bietet einen deutlich umfassenderen Turnkey-Ansatz als die meisten westlichen Länder“, sagte Rebecca Nadin, Direktorin des Global Risks and Resilience-Programms des britischen Thinktanks ODI Global. Demnach biete China gewissermaßen „schlüsselfertige Komplettpakete“, die afrikanische Länder direkt nutzen könnten, so Nadin im Gespräch mit Table.Briefings.

Konkret lieferte Peking zuletzt nicht nur Satelliteninfrastruktur, sondern half auch beim Aufbau von Bodenstationen und Forschungseinrichtungen sowie bei der technischen Schulung von Fachpersonal. „Diese zunehmende Einbindung spiegelt einen gezielten Versuch Chinas wider, afrikanische Länder in seinen Einflussbereich zu ziehen und Peking damit erhebliche Vorteile zu verschaffen“, beschreibt das Center for Strategic and International Studies (CSIS) Chinas Weltraumpartnerschaften mit Afrika in einem aktuellen Report. Dass China seine Weltraumstrategie auch in seine Wirtschaftsvorhaben wie die Belt and Road-Strategie einbettet, legte der Staatsrat der Volksrepublik China bereits 2016 in einem White Paper dar. Darin ist auch eine engere Kooperation zwischen den Brics-Partnern vorgesehen.

Darin sieht Nadin einen zentralen Moment, in dem China seine Raumfahrtzusammenarbeit mit Afrika strategisch ausgerichtet hat: „Noch vor zehn bis 15 Jahren erfolgte die Zusammenarbeit stärker projektweise und war vorwiegend an Entwicklungslogik sowie prestigeorientierte Unterstützung einzelner Regierungen ausgerichtet.“ Mittlerweile unterhält China bilaterale Weltraumpartnerschaften mit mehr als 20 afrikanischen Ländern.

Allerdings unterscheiden sich die Partnerschaften mit Afrika deutlich in ihrer Tiefe. Die engsten Beziehungen unterhält China laut dem China Space Cooperation Index von CSIS mit Ägypten. Weltweit seien nur die Beziehungen mit Pakistan noch enger. Wichtiger Meilenstein in der ägyptisch-chinesischen Raumfahrtkooperation war der Aufbau einer Satellitenmontage-Anlage in der Kairoer „Space-City“ durch die staatliche Weltraumunternehmensgruppe China Aerospace Science and Technology Corporation. Im Dezember 2023 brachte China zudem Ägyptens Fernbeobachtungssatelliten MisrSat-2 in die Erdumlaufbahn. Der Satellit selbst war ebenfalls mit chinesischer Technologie ausgestattet. Dies markierte auch den Wechsel Ägyptens von russischer zu chinesische Weltraumtechnologie.

Weitere wichtige Raumfahrt-Partnerländer Chinas sind Äthiopien und Namibia. Letzteres verfügt über keinen eigenen Satelliten im All. Allerdings hat Namibia mittlerweile vergleichsweise gut ausgebaute Satelliten-Boden-Datenempfangsstation. Erst Ende 2025 übergab China eine solche neue Station an das staatliche Kommunikationsunternehmen Telecom Namibia in Windhoek.

Bei allen westlichen Warnungen vor neuen Technologieabhängigkeiten versprechen sich die afrikanischen Regierungen deutliche Entwicklungsvorteile durch den Einsatz der Satellitentechnik. „Der Hauptgrund, warum afrikanische Länder Raumfahrtprogramme entwickeln, liegt primär in der sozioökonomischen und nachhaltigen Entwicklung“, sagte Temidayo Oniosun, Geschäftsführer des nigerianischen Beratungsunternehmens Space in Africa. Mit Satellitentechnologie ließen sich grundlegende Probleme rund um die Ernährungssicherheit, Katastrophenmanagement sowie Ressourcenmanagement und -überwachung angehen. So könne man zum Beispiel mittels Satellitenbildern sehr schnell und konkret erkennen, wenn Ernten in bestimmten Gebieten durch Pflanzenkrankheiten angegriffen würden, so Oniosun weiter zu Table.Briefings.

Das Argument, dass sich afrikanische Länder in chinesische Abhängigkeiten begeben, will Oniosun nicht gelten lassen: „Das von China in Afrika entwickelte Modell der Finanzierung und Technologiebereitstellung wird mittlerweile von westlichen Ländern übernommen.“ Als Beispiel nannte er die Kooperation zwischen Angola und Frankreich bei der Entwicklung des Erdbeobachtungssatelliten Angeo-1 durch den Raumfahrtkonzern Airbus. Das rund 225 Millionen Euro teure Vorhaben würde dabei über Exportkredite der französischen Société Générale teilfinanziert.

Tatsächlich zeigt ein Blick in die Zahlen, dass Frankreich in den vergangenen 20 Jahren einen deutlich größeren Anteil an Weltraumtechnologie nach Afrika geliefert hat als China. Dies dürfte sich allerdings zukünftig ändern, meint Rebecca Nadin. Denn mit seinem staatsgetriebenen Ansatz sei China deutlich umfassender und Langzeit ausgerichtet als der vergleichsweise fragmentierte, marktgetriebene Ansatz westlicher Länder. Mitarbeit: Jörn Petring

Letzte Aktualisierung: 16. April 2026