BMZ-Pläne: Warum Afrika und die Ukraine in eine Abteilung rutschen sollen

Anfang des Jahres hat Ministerin Alabali Radovan ihre Ideen für die Neuaufstellung des BMZ vorgestellt – und dabei auch Veränderungen im Haus angekündigt. Erste konkrete Details zeigen, wie weitrechend der Umbau sein soll.

19. Februar 2026
Ministerin Reem Alabali Radovan bei der Vorstellung ihres Reformpapiers im Januar. (picture alliance / Geisler-Fotopress | Bernd Elmenthaler/Geisler-Fotopr)
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Dass Bundesministerinnen und Bundesminister bei Amtsantritt ihr Haus nach eigenen Vorstellungen gestalten, ist nicht unüblich. Im Auswärtigen Amt ist die Umstrukturierung bereits seit vergangenem Herbst in vollem Gange. Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan möchte, dass sich das BMZ auf Regionen konzentriert, die in der Nachbarschaft von Deutschland liegen. Das ist eines der vier Ziele, die Alabali Radovan in ihrem Reformplan formuliert hat. „Die Zusammenarbeit innerhalb dieser vier Ziele erfolgt weg von der Gießkanne, hin zu klarer, regionaler Schärfung“, sagte sie bei der Vorstellung des Plans im Januar. Das soll sich offenbar auch im Aufbau des BMZ widerspiegeln.

Die Struktur des BMZ soll sich nach Table.Briefings-Informationen künftig primär thematisch gliedern – und erst danach geographisch. Demnach soll eine Art „Superabteilung“ entstehen, wie Gesprächspartner aus der Entwicklungszusammenarbeit es gegenüber Table.Briefings beschreiben: Diese Abteilung soll den großen Komplex „Stabilität und Wiederaufbau“ bearbeiten – kurzgesagt sich um verschiedenste Krisen weltweit kümmern.

In dieser „Krisen-Abteilung“ sollen die Ukraine, das Horn von Afrika sowie der Sahel in einer Unterabteilung zusammengefasst werden. Das bedeute vermutlich, dass künftig die Ukraine-Winterhilfe dort ebenso gesteuert werde, wie Mittel für die vom Terrorismus gebeutelten Sahel-Länder, formulierte es ein Gesprächspartner. Insgesamt sind wohl drei Unterabteilungen vorgesehen.

Die zwei weiteren Unterabteilungen befassen sich zum einen mit der MENA-Region, zum anderen mit Flucht und Migration. Jede der drei Unterabteilungen dürfte fünf Referate haben, so regelt es Paragraph acht der Geschäftsordnung der Bundesministerien.

Spannend dürfte auch der exakte Zuschnitt der Referate werden. So wird der Sudan bisher nicht dem Sahel zugerechnet, was auch in Einklang etwa mit der EU-Sahelstrategie steht. Dennoch bestehen thematische Überschneidungen wie Klimawandelanpassung und Migration. Katalysiert wird die Verflechtung der beiden Regionen – Sahel und Horn von Afrika – auch durch den Terrorismus am Tschadsee, der nach Osten und Westen ausgreift und Menschen in beide Richtungen vertreibt.

Alabali Radovans erklärter Fokus auf Wirtschaft kommt nach Table.Briefings-Informationen in einer zweiten Abteilung unter dem Stichwort „multilaterale Zusammenarbeit und Wirtschaft“ unter. Mit gut zwei Dritteln der mehr als 60 Partnerländer betreibt das BMZ wirtschaftliche Zusammenarbeit. Einen ersten Aufschlag hatte Ministerin Alabali Radovan bereits im Oktober 2025 in diese Richtung gemacht, mit ihrem Aktionsplan „Starke Partnerschaften für eine erfolgreiche Wirtschaft weltweit“. Das BMZ teilte damals mit, die Wirtschaft vor Regierungsverhandlungen konsultieren zu wollen. Ziel sei, „Synergien gezielt zu identifizieren“. Ghana wurde als erstes Beispiel für den neuen Ansatz genannt. Außerdem stellte Alabali Radovan in Aussicht, fünf Länder („aufstrebende Volkswirtschaften“) noch enger mit der Wirtschaft verzahnen zu wollen. Der Aktionsplan fand zudem Eingang in das umfassende Reformpapier vom Januar.

Für Afrika bedeuten die Umbauten, so wie sie sich momentan abzeichnen: Der Kontinent wird nicht mehr unbedingt als Ganzes gedacht. Bisher gibt es laut aktuellem Organigramm im BMZ eine sehr klare geographische Struktur. Eine eigene Abteilung widmet sich derzeit „Afrika“ (Abteilung zwei). Eine weitere befasst sich mit „Asien; Südost- und Osteuropa; Naher Osten; Lateinamerika“ (Abteilung drei) – bislang ist hier auch der Stab für die Ukraine-Unterstützung angesiedelt. Das neue Organigramm will das BMZ nach Table.Briefings-Informationen Mitte April vorstellen.

Alabali Radovans Vorgängerin und Parteikollegin Svenja Schulze hatte während ihrer Amtszeit 2021-2025 im Rahmen ihrer Reorganisation des Hauses noch die Länderabteilungen aufgewertet. Sie richtete jeweils einzelne Regionalabteilungen mit Fokus Afrika sowie Asien, Lateinamerika und Osteuropa ein. Hinzu kamen die thematischen Abteilungen „multilaterale Entwicklungspolitik, Transformation, Klima“ sowie „Globale Gesundheit, Chancengerechtigkeit, Digitalisierung, Ernährungssicherheit“. Damit wollte Schulze ihre politischen Leitthemen der feministischen Entwicklungszusammenarbeit und der Unterstützung bei der Klimaanpassung Rechnung tragen. Alabali Radovan hatte diese Organisation des Hauses bei der Vorstellung des Organigramms im vergangenen Jahr zunächst übernommen.

Im Vergleich zu ihrem Vorgänger Gerd Müller (CSU) schuf Schulze also eine neue Abteilung im BMZ. Müller hatte die Länderabteilungen als drei Unterabteilungen (Subsahara-Afrika; Nordafrika, Nahost, Osteuropa, Lateinamerika; Asien) in der Abteilung „Entwicklungszusammenarbeit weltweit“ zusammengefasst. Übergreifende Themen behandelten die Abteilungen drei und vier: „Globale Zukunftsaufgaben“ und „internationale Entwicklungspolitik“. Die wirtschaftliche Zusammenarbeit hatte Müller in seiner Grundsatzabteilung mit einer eigenen Unterabteilung verankert. Dass diese unter Schulze abgeschafft wurde, hatte der SPD-Ministerin den Vorwurf eingebracht, eine zu große Distanz zur Wirtschaft zu haben.

Letzte Aktualisierung: 27. März 2026