Commerzbank: So reagieren die CEO, Politik und Wirtschaft auf das Unicredit-Angebot

Unicredit hat ein Übernahmeangebot für die Commerzbank vorgelegt. Während CEO Orlopp und die Politik ablehnen, gibt es auch wirtschaftliche Stimmen für eine europäische Bankenfusion.

18. März 2026
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Eine mögliche Übernahme der Commerzbank durch Unicredit stößt an vielen Stellen auf Ablehnung – es wird aber auch vor pauschalen Selbsterhaltungsreflexen gewarnt. Mit einem freiwilligen Übernahmeangebot will Unicredit-Chef Andrea Orcel die Commerzbank-CEO Bettina Orlopp an den Verhandlungstisch bringen. Konkret bietet die UniCredit 0,485 eigene Aktien pro Commerzbank-Aktie an. Das entspricht rund 30,80 Euro, was vier Prozent Aufschlag auf den Schlusskurs vom 13. März entspricht und deutlich unter dem Xetra-Schlusskurs am Dienstagabend von 32,40 Euro liegt. Die Commerzbank wird damit mit knapp 35 Milliarden Euro bewertet.

Orlopp reagierte kühl. Das Angebot enthalte „faktisch keine Prämie für unsere Aktionäre“. Die Commerzbank sehe keine Grundlage für Gespräche. Zuvor hatte Orlopp im Gespräch mit Table.Briefings gesagt: „Auf der Ertragsseite wären die Synergieeffekte aufgrund von Überlappungen im Kundenstamm sicherlich negativ.“ Wenn eine Transaktion in der aktuellen Situation keinen Wert schaffe, sei es keine gute Transaktion. Generell lehnt Orlopp Gespräche nicht ab – dafür brauche es aber keine Übernahme.

Das taktische Kalkül hinter dem Unicredit-Vorstoß: Die Großbank hält direkt 26 Prozent an der Commerzbank, mit Finanzinstrumenten 29,9 Prozent. Ab 30 Prozent greift im deutschen Übernahmerecht eine Pflichtangebotsschwelle. Durch das freiwillige Angebot umgeht Orcel ein teureres Pflichtangebot und verschafft sich die Flexibilität, weitere Aktien zuzukaufen. Offiziell soll das Angebot Anfang Mai vorgelegt werden, mit einer Frist von vier Wochen. Am 20. Mai tagt die Commerzbank-Hauptversammlung.

Die politische Front bleibt geschlossen gegen die Übernahme. „Eine feindliche Übernahme wäre nicht akzeptabel“, erklärte ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums. Bundeskanzler Friedrich Merz bekräftigte, die Bundesregierung setze auf eine eigenständige Commerzbank.

Die Deutsche Bank könnte vom Übernahmekampf um die Commerzbank profitieren. Sein Haus stehe bereit, neue Kunden an Bord zu nehmen, sagte CEO Christian Sewing laut dpa bei einer Finanzkonferenz der US-Bank Morgan Stanley.

Der europäische Finanzmarkt sei nach wie vor zu wenig integriert, und gerade deutsche Banken seien im internationalen Vergleich nicht besonders wettbewerbsfähig, glaubt die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer. Die ökonomische Logik spreche daher für eine ernsthafte Prüfung grenzüberschreitender Konsolidierung statt reflexhafter politischer Abwehr. Die Lage sei heute dank strengerer Kapitalregeln und europäischer Bankenaufsicht eine andere als vor der Finanzkrise. Politökonomisch könne eine europäische Bankenfusion sogar die enge Verbindung zwischen nationaler Politik und „ihren“ Banken lockern – und damit den impliziten staatlichen Rettungsreflex schwächen.

Allerdings stellt sich in diesem Zusammenhang die zentrale Frage, wie mit dem möglichen Scheitern großer, grenzüberschreitend fusionierter Banken umzugehen ist. Der britische Ökonom und frühere LSE-Professor Charles Goodhart habe dieses Spannungsfeld prägnant auf den Punkt gebracht, sagt ESMT-Präsident Jörg Rocholl zu Table.Briefings – „banks are international in life but national in death“. Um zu verhindern, dass im Krisenfall erneut die Steuerzahler belastet werden wie während der Finanzkrise 2008/2009, brauche es klare und glaubwürdige europäische Abwicklungsmechanismen. Deshalb sollte zunächst die Bankenunion konsequent vertieft und ein wirklich einheitlicher europäischer Bankenmarkt geschaffen werden, bevor größere grenzüberschreitende Bankenfusionen vorangetrieben werden.

Commerzbank-CEO Bettina Orlopp setzt weiter auf Wachstum als beste Verteidigung. Sie verordnete dem Konzern ehrgeizige Renditeziele, höhere Dividenden und den Abbau von rund 3.900 Stellen. Die Bank lieferte für das Geschäftsjahr 2025 erneut verbesserte Ergebnisse – mehr dazu lesen Sie hier. Alex Hofmann

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Letzte Aktualisierung: 18. März 2026