Was wissen Aufsichtsräte wirklich über Risiken?

Aufsichtsräte sollen Risiken kontrollieren – doch oft fehlt ihnen die Grundlage dafür. Eine neue Studie macht deutlich, warum quantitative Risikodaten entscheidend für wirksame Kontrolle und gute Governance sind.

HA
13. Mai 2026
Laut Hami Amirislani entscheiden Qualität und Umfang der Berichterstattung über wirksame Unternehmensaufsicht. (ESMT Berlin)

Aufsichtsräte tragen die Verantwortung für die Risikoüberwachung, doch diese ist nur so gut wie die Informationen, die das Management bereitstellt. Eine neue Studie von Forschern der ESMT Berlin, Wharton und INSEAD gibt seltene Einblicke in das, was Aufsichtsräte tatsächlich erhalten.

Die meisten Aufsichtsräte bekommen nur ein unvollständiges Bild. Nahezu alle Unternehmen berichten über bekannte Risiken, aber weniger als die Hälfte liefert quantitative Kennzahlen, und weniger als vier von zehn teilen formale Risikolimits mit. Aufsichtsräte erkennen, dass Risiken gemanagt werden, können aber nicht beurteilen, wie gut.

Die Implikationen für Führungskräfte sind konkret:

  • Erstens: Risikoberichterstattung ist eine strategische Entscheidung, keine Formalität. Ob Führungskräfte Risikomanagement als wertschöpfende Funktion oder als Compliance-Pflicht betrachten, ist der stärkste Prädiktor für den Informationsstand des Aufsichtsrats.

  • Zweitens: Berichte nicht kürzen. Umfassendere Berichterstattung führt konsistent zu besseren Governance-Ergebnissen, und zwar ohne Informationsüberlastung.

  • Drittens: Quantitative Daten sind unverzichtbar. Aufsichtsräte ohne Kennzahlen, Limite und Toleranzen sind strukturell eingeschränkt, unabhängig davon, wie ausgereift das Risikomanagement im Unternehmen ist.

Diese Lücke zu schließen, ist keine Formalität, sondern eine Frage guter Unternehmensführung.

Hami Amiraslani ist Assistant Professor of Accounting an der ESMT Berlin. Die CEO.Picks sind eine Kooperation zwischen der ESMT und Table.Briefings.

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Letzte Aktualisierung: 13. Mai 2026