Nach Nasa-Kehrtwende: Aschbacher drängt Europa zu schneller Mondstrategie

Die in der vergangenen Woche verkündete neue US‑Mondarchitektur setzt Europa unter Druck: Nach der angekündigten Pausierung des Gateway-Projekts und der Fokussierung auf eine permanente Mondbasis, fordert Esa-Chef Josef Aschbacher rasches Handeln – und warnt, dass Europas technologische Stärke ohne Tempo und Einheit verpufft.

26. März 2026
Esa-Generaldirektor Josef Aschbacher spricht auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2026
Neue Nasa-Pläne: Esa Generaldirektor Josef Aschbacher findet deutliche Worte zur angekündigten Gateway-Pause. (BMFTR/Hans-Joachim Rickel)

Nach der „Ignition“-Ankündigung der Nasa hat Esa-Generaldirektor Josef Aschbacher am Rande des Munich Space Summit die europäische Antwort skizziert – und unmissverständlich klargemacht, dass Europa sehr schnell handeln muss.

Die Nasa hatte am Montag unter Administrator Jared Isaacman ihre Mondarchitektur grundlegend neu ausgerichtet. Wie bekannt, soll dieser Tage die Mission Artemis 2 starten und den Mond umkreisen, 2027 mit Artemis 3 eine Crew im erdnahen Raum Systeme testen und Anfang 2028 mit Artemis 4 wieder zwei Astronauten auf die Mondoberfläche gebracht werden. Ebenfalls 2028 soll Artemis 5 landen. Isaacman erklärte auch eine Pausierung des Gateway-Programms, der geplanten Raumstation im Mondorbit, an der die Esa als einer von fünf Partnern beteiligt ist.

„Es ist gut, dass die Nasa eine Vision proklamiert, damit man weiß, in welche Richtung das geht. Das war in den letzten Monaten nicht ganz so klar“, sagte Aschbacher SpaceWatch.Global. Der Fokus liege nun klar auf der Mondoberfläche.

Aschbacher betonte die Schlüsselrolle des European Service Module (ESM), ohne das die Nasa-Ambitionen nicht umsetzbar seien. „Ohne das European Service Module mit der Orion-Kapsel wäre eine Mondlandung vor 2028 nicht möglich. Amerika verlässt sich auf diese europäische Technologie.“ Sechs Module seien beauftragt, über weitere Lieferungen nach Artemis 6 müsse aber erst verhandelt werden. „Die Diskussion ist noch nicht geführt und sicher nicht abgeschlossen.“

Zum Gateway habe man bereits ein Partnertreffen einberufen, um die Auswirkungen mit den fünf Partnernationen zu besprechen. „Das Announcement wurde gerade erst gemacht. Wir werden sehr schnell agieren und sehen, wie wir uns bestmöglich positionieren.“ Europa werde koordiniert auftreten. Die Pläne sollen in den kommenden Wochen konsolidiert und im Juni den Esa-Mitgliedstaaten zur Entscheidung vorgelegt werden.

Auf einem Panel  des Munich Space Summit hatte Aschbacher den breiteren Rahmen abgesteckt. Die USA investierten öffentlich sechsmal so viel in Raumfahrt wie Europa. In Washington habe er Gespräche mit Unternehmen geführt, die bereits an weltraumgestützten Rechenzentren mit künstlicher Intelligenz arbeiteten. „Europa muss extrem schnell erkennen, was diese Trends sind, und eine europäische Antwort finden.“

Gleichzeitig warnte er vor Fragmentierung: Wenn nationale Systeme nicht jetzt über gemeinsame Standards verknüpft würden, sei es später zu spät. Die Esa werde 2026 einen Rekord von 65 Satellitenstarts verzeichnen. Aber ohne europäische Einheit nütze auch diese Rekordaktivität wenig.

Die Nasa-Neuausrichtung verschärft den Handlungsdruck. Mit der Pausierung von Gateway steht Europas sichtbarstes Explorationsprojekt neben dem Service Module auf dem Prüfstand. Aschbachers Botschaft: Europa hat die Exzellenz. Was fehlt, sind Geschwindigkeit, Einheit - und die Bereitschaft, in Wochen statt in Jahren zu reagieren. Torsten Kriening

Letzte Aktualisierung: 31. März 2026