BDI-Hauptgeschäftsführerin Gönner: Bis zum Sommer müssen die Reformen kommen

22. April 2026
BDI-Hauptgeschäftsführerin Tanja Gönner: „Uns ist klar, dass auch wir einen Anteil bringen müssen“. (picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow)

Die Bundesregierung zieht sich zweieinhalb Tage zurück und kehrt mit einer kurzfristigen Senkung der Energiesteuer zurück. Tanja Gönner, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), identifiziert im Podcast Table.Today ein „trügerisches Gefühl“: Der Staat könne nicht alles regeln – und solle es nicht. Gönners Diagnose: Eine Erholung der deutschen Industrie ist 2026 nicht absehbar.

Den Jobabbau als Leitindikator hält Gönner für überholt. Bis steigende Arbeitslosenzahlen wirklich sichtbar werden, sei man „schon deutlich zu weit“. Seit fast drei Jahren warne der BDI davor. Die Industrie verliere weiter Stellen – aber das Kernproblem liegt tiefer: Deutschland sei im eigenen Standort nicht mehr wettbewerbsfähig.

Was Gönner unter Strukturreformen versteht, macht sie konkret. Lohnzusatzkosten sollen dauerhaft unter 40 Prozent gehalten werden. Die Staatsquote darf wegen der Verteidigungsausgaben steigen – nicht aber durch weiteres staatliches Eingreifen ins Wirtschaftsleben. Und bei Bürokratieabbau, Digitalisierung sowie Planungs- und Genehmigungsverfahren brauche es Umsetzung, keine neuen Vorschläge.

Beim Spitzensteuersatz signalisiert Gönner Kompromissbereitschaft – mit Bedingungen. Der weitaus größte Teil deutscher Unternehmen werde als Personengesellschaft geführt. Für sie greife das bestehende Optionsmodell kaum. „Uns ist klar, dass auch wir einen Anteil bringen müssen“, sagt Gönner. Aber nur als Teil eines Gesamtpakets – und nur, wenn der Staat seinen eigenen Beitrag zur Modernisierung ebenfalls leistet.

Der Koalition setzt Gönner eine klare Frist. Bis zum Sommer müssten die Reformen kommen. Ihr Vertrauen in die Bundesregierung formuliert sie derweil vorsichtig: Sie wisse, vor welcher Verantwortung diese steht.

Dass Brasilien in diesem Jahr Partnerland der Hannover Messe ist, liest Gönner als Hinweis. Das Land wächst, deutsche Unternehmen sind dort längst präsent und Teil des Aufschwungs. Was Deutschland von Brasilien lernen könne? Wie schnell Entscheidungen fallen – und wie konsequent sie umgesetzt werden.

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Letzte Aktualisierung: 22. April 2026