CEO.Table – Ausgabe 61

Das europäische Rüstungs-Netzwerk + Quantum Systems-CEO Seibel im Gespräch + Warum KI den Jobmarkt noch kaum bewegt

Teilen
Kopiert!

Executive.Summary

So weitreichend ist die Rüstungsindustrie verknüpft

Am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz wird klar, wie europäische Rüstung funktioniert: nicht (nur) als Wettbewerb, sondern als Netzwerk. Das machen etwa Hensoldt und das KI-Start-up Helsing mit der besiegelten Absichtserklärung zur gemeinsamen Entwicklung des autonomen Kampfflugzeugs CA-1 Europa deutlich – oder Quantum Systems, das gemeinsam mit Frontline Robotics die Drohnenproduktion für die Ukraine startet. Es werden keine Produktdeals sichtbar, sondern ein Strukturprinzip: Kooperationen, Beteiligungen und gemeinsame Firmengründungen nehmen zu, in einem Ausmaß, das andere Industrien kaum kennen. Und sie umfassen Milliardenbeträge.

Hensoldt ist dabei ein Knotenpunkt im Netzwerk. An dem Konzern, der selbst als Ausgründung aus Airbus’ Rüstungselektronik hervorging, halten die staatliche Förderbank KfW und der italienische Konzern Leonardo jeweils rund ein Viertel. Hensoldt selbst ist direkt in Quantum Systems investiert – einen führenden europäischen Anbieter für KI-gestützte Drohnen, zuletzt mit drei Milliarden Euro bewertet (siehe auch CEO.Talk). Gleichzeitig arbeiten Hensoldt, Helsing und der norwegische Konzern Kongsberg an einer gemeinsamen europäischen Satellitenaufklärungskonstellation, die bis 2029 einsatzfähig sein soll.

Unter CEO Armin Papperger betreibt der Dax-Konzern Rheinmetall eine Expansion, die das Unternehmen systematisch in nahezu jede Dimension der europäischen Rüstungsarchitektur bringt. 2025 kaufte der Konzern sich mit der Übernahme von Lürssens NVL ins Marinegeschäft ein. Bei Joint Ventures strebt Rheinmetall meist die Mehrheit an – auch beim deutschen Starlink-Konkurrenten, für den sich der Konzern gerade gemeinsam mit dem Bremer Anbieter OHB in Stellung bringt, könnte das laut Insidern das Ziel sein. Eine wichtige Ausnahme ist das 50:50-Joint Venture Leonardo Rheinmetall Military Vehicles (LRMV).

Doch nicht immer funktioniert die Verflechtung. Im September 2022 kündigten Rheinmetall und Helsing eine strategische Partnerschaft an, um landbasierte Verteidigungsfähigkeiten der nächsten Generation zu entwickeln. Materialisiert hat sich das Vorhaben nicht.

Ein aktiver europäischer Cross-Holder in der Branche ist Leonardo. Der italienische Konzern – der Staat hält rund 30 Prozent – sitzt gleichzeitig mit 25 Prozent bei der Lenkwaffenallianz MBDA, mit 21 Prozent bei der Eurofighter GmbH und jenen 50 Prozent bei LRMV, das Kampf- und Schützenpanzer für den italienischen Markt liefert: Programmvolumen rund 23 Milliarden Euro, Exportpotenzial bis zu 50 Milliarden Euro. Im Oktober 2025 folgte ein Memorandum of Understanding mit Airbus und Thales für ein gemeinsames Raumfahrt-Joint-Venture mit rund 6,5 Milliarden Euro Umsatz und 25.000 Mitarbeitern.

Im Start-up-Ökosystem ist die Verflechtung noch dichter. Quantum-Systems-Mitgründer Florian Seibel gründete 2024 parallel Stark Defence und wurde dabei von denselben Kreisen unterstützt: Peter Thiel ist bei beiden präsent – sein Kapital hat Stark jetzt zum Milliardenunternehmen gemacht, wie am Rande der MSC bekannt wurde und das Unternehmen auf Nachfrage von Table.Briefings bestätigte. Project-A-Mitgründer Uwe Horstmann ist CEO von Stark und war zuvor über Project A in Quantum Systems investiert. Entstanden ist ein dichtes Geflecht aus Ex-Soldaten, Drohnenpionieren und Rüstungsinvestoren rund um die Technische Universität München und die Bundeswehr-Universität: Dieselben Personen gründen, investieren, beraten und kaufen auf.

Den institutionellen Rahmen dieser Szene mitgeprägt hat auch Jeannette zu Fürstenberg. Die Europa-Chefin von General Catalyst sitzt im Board von Helsing und ist damit eine der wenigen, die gleichzeitig Zugang zum deutschen KI-Rüstungs-Start-up und zu dessen US-Vorbild Anduril hat – und die ihre Stimme konsequent auf politischer Bühne einsetzt, gerne auch an der Seite von Bundeskanzler Friedrich Merz.

Die Konsolidierung läuft bereits auf Hochtouren. Quantum Systems übernahm im Dezember 2025 das autonome Fahrzeug-Start-up Fernride, Helsing kaufte den Unterwasserdrohnen-Spezialisten Blue Ocean. Das Kapital folgt: Schon 2024 sammelten europäische Defence-Tech-Start-ups rund eine Milliarde Euro ein – für 2025 schätzt Dealroom die Summe auf mehr als das Doppelte.

Das verändert auch die Investorenlogik grundlegend. Rund 43 Prozent der europäischen ESG-Fonds hält laut Morningstar mittlerweile Anteile an Verteidigungsunternehmen. Die Anpassung der ESG-Regeln ermöglichten unter anderem den 150 Millionen Euro schweren Kredit, den das Drohnen-Start-up Quantum Systems nun von EIB, KfW und Hausbanken erhalten hat. Was lange als Tabu galt, ist zum attraktiven Investitionsfeld geworden – mit einer strukturellen Besonderheit: Wer hier investiert, investiert fast zwangsläufig mehrfach in dasselbe Netzwerk.

Teilen
Kopiert!

ANZEIGE

Powering Society. Securing Energy. Folgen Sie jetzt den Diskussionen im Livestream. BMW Foundation.

CEO.Talk

Quantum Systems-CEO: „Brauchen wieder Unternehmen wie Bosch und Siemens“

Das Drohnen-Start-up Quantum Systems ist auf Shopping-Tour. Sechs bis sieben Akquisitionen 2025, im Januar 2026 „bereits zweimal beim Notar“, weitere Abschlüsse im Februar und März. Florian Seibel, CEO des Münchner Drohnenunternehmens, nennt seine Übernahmeziele „Goldnuggets“ – und findet sie quer durch Europa. Das Ziel: ein „Neo-Defense-Prime“, agil genug, um mit Rheinmetall und Airbus Defence zu konkurrieren. „Nur gemeinsam können wir einen relevant großen europäischen Defense-Champion bauen“, sagt Seibel im Gespräch mit Table.Briefings.

Zu den kommenden Deals will Seibel noch keine Angaben machen. Die vergangenen Zukäufe umfassen unter anderem:

  • den nordrhein-westfälischen Drohnenhersteller AirRobot (März 2025),

  • den britischen Anbieter Nordic Unmanned UK,

  • die Thüringer Softwarefirma Spleenlab (Oktober 2025),

  • das Münchner Mobility-Start-up Fernride (Dezember 2025) sowie

  • den Autozulieferer Hacker Motor (Februar 2026).

Das finanzielle Fundament dafür ist solide: 340 Millionen Euro Finanzierung 2025, Bewertung auf drei Milliarden Euro verdreifacht, Umsatz knapp 300 Millionen Euro – und 2026 soll er sich mehr als verdoppeln. Ein Drittel kommt aus Deutschland, ein Drittel aus der Ukraine, ein Drittel aus den USA, Australien und dem Rest der Welt. Der 210-Millionen-Euro-Vertrag der Bundeswehr für 520 Aufklärungssysteme ist Anker – und zugleich Argument für Seibels schärfste Kritik.

Fregatten und Kampfjets bekommen Abnahmegarantien über Jahrzehnte – unbemannte Systeme liefen noch auf Ein-Jahres-Optionen. Dabei zeigt der Krieg in der Ukraine: 60 bis 70 Prozent der Angriffe an der Front geschehen mit Drohnen. „Viele Politiker halten das noch immer für eine Modeerscheinung“, sagt Seibel – eine Fehleinschätzung, die Europa teuer zu stehen kommen könnte.

Währenddessen sind nun auch Bankkredite in der Verteidigungstechnologie angekommen. Das Drohnen-Start-up hat im Rahmen der Münchner Sicherheitskonferenz ein Kreditpaket von 150 Millionen Euro bekanntgegeben, getragen von der European Investment Bank (EIB), Commerzbank, Deutsche Bank und KfW. Allein der EIB-Anteil beträgt 70 Millionen Euro – das Siebenfache ihrer ersten Investition in das Unternehmen aus dem Jahr 2021. Möglich wurde das durch gezielte Anpassungen der ESG-Rahmenwerke, die europäischen Banken nun erlauben, sicherheitsrelevante Technologien zu finanzieren.

Hinter dem Aufstieg von Quantum Systems steckt auch ein bekannter Financier: Peter Thiel. 2020 war der politisch umstrittene US-Investor einer der wenigen, der an europäische Dual-Use-Hardware glaubte. Seibel trennt scharf: Thiels Ansichten teile er kaum; seinen Instinkt als Tech-Investor schon. Ohne Thiels Marke wäre Quantum für europäische Venture-Capital-Firmen damals nicht finanzierbar gewesen. Thiel halte heute einen niedrigen einstelligen Prozentbereich und sitze in keinem Gremium.

Den langfristigen Horizont hat Seibel weit gesteckt. Quantum soll kein reines Verteidigungsunternehmen bleiben, sondern eine Robotik-Plattform werden, die Physical AI in zivile Märkte trägt. „Deutschland und Europa brauchen wieder Unternehmen wie Bosch oder Siemens“, sagt er.

Das vollständige Gespräch mit Florian Seibel hören Sie in Kürze im Podcast Table.Today. Der Quantum-Gründer verrät darin, wie sein Start-up in der Ukraine Kampferfahrung direkt in die Produktentwicklung einspeist, warum er den Rüstungsboom für keine Modeerscheinung hält – und wozu Europa einen neuen Typ Technologiekonzern braucht.

Teilen
Kopiert!

Transatlantische Beziehungen und die eigene Verteidigungsfähigkeit – die Eröffnung der vierten Münchner Sicherheitskonferenz während des russisch-ukrainischen Krieges zeigt, wie sich die Themen verschieben. In seiner Eröffnungsrede hatte Bundeskanzler Friedrich Merz zwar Russland als Aggressor gegen die Ukraine, gegen Europa benannt, aber die Neujustierung des Verhältnisses zu Washington ist das eigentliche Thema, das im Raum steht. Die Ukraine rückt in den Hintergrund, auch wenn sie in informellen Gesprächen des Kanzlers weiter zentral bleibt, wie es aus Regierungskreisen hieß.

In der MSC-Spezialausgabe widmet sich das Security.Table-Team nicht nur der neuen, politischen Atmosphäre im Bayerischen Hof in München, sondern berichtet auch über eine andere Zeitenwende: Die Ukraine wird zu einem Wissensvermittler für die deutsche Defence-Szene, die Bundeswehr und die Nato. „Build with Ukraine“ – das Programm, bei dem deutsche und ukrainische Unternehmen gemeinsam erprobte Waffen in Deutschland herstellen, nimmt Fahrt auf. Die erste Drohnenproduktion des ukrainisch-deutschen Joint Ventures Quantum Frontline Industries haben Verteidigungsminister Boris Pistorius und der Präsident Wolodymyr Selenskyj am Freitagmittag bei München eröffnet. Im MSC-Spezial lesen Sie außerdem Berichte zu Sicherheits- und Resilienzprojekten auf nationaler und europäischer Ebene. Viktor Funk

Teilen
Kopiert!

POLITISCHE ANZEIGE

1,1 Mio. Tonnen zusätzliches CO2. Weil die Generalsanierung dazu führt, dass über 1 Million Transporte von der Schiene zurück auf die Straße gedrängt werden. Rettet den kombinierten Verkehr. Hupac

- Sponsor: Initiative "Rettet den Kombinierten Verkehr", getragen von 1) Kombiverkehr KG, 2) Hupac SA, 3) TX Logistik AG
- Kontrolliert von: 1) Kombiverkehr KG, 2) Hupac SA, 3) TX Logistik AG
- Im Zusammenhang mit: Rahmenbedingungen für den Kombinierten Verkehr; Deutschland, national

Transparenzbekanntmachung

CEO.News

Was zivile Unternehmen in der Rüstungsbranche leisten könnten

Dass zivile Unternehmen auf Rüstungskonferenzen in Berlin die Netzwerkveranstaltungen bevölkern, ist für die alteingesessene Branche gewöhnungsbedürftig – für die Bundesregierung aber strategisch erwünscht. Ein einziger Satz im Gesetz zur beschleunigten Beschaffung für die Bundeswehr (BwPBBG) macht es möglich: „Bei der Erkundung sind auch zivile Märkte zu berücksichtigen." Der Bundesverband der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (BDSV) hat seine Mitgliederzahl binnen eines Jahres auf 472 fast verdoppelt. Wer dahintersteckt und was aus der neuen Matchmaking-Plattform SVI-Connect wird, die zivile mit Rüstungsunternehmen vernetzen soll, analysiert der Security Table. Gabriel Bub

Teilen
Kopiert!

ANZEIGE

Security.Table MSC Special. Exklusive Analysen, Hintergründe und News aus München. Unser Partner Sopra Steria.

KI-Gipfel: Wildberger will Digitalpartnerschaft mit Indien eingehen

Karsten Wildberger will sich bei seinem Besuch des „AI Action Summit“ in der kommenden Woche in Neu-Delhi für einen „alternativen Weg“ angesichts der Dominanz von den USA und China beim Thema Künstliche Intelligenz öffnen. „Wir erkennen das unglaubliche Potential von Indien; allein was Ressourcen und Talent angeht – technologisch ein wirklich fantastisches Land“, sagte der Digitalminister. In bilateralen Gesprächen soll eine digitale Partnerschaft verhandelt werden, wie es sie bereits mit Kanada gibt. Der Minister reist von Dienstag bis Freitag mit einer Wirtschaftsdelegation in die indische Hauptstadt. Neben SAP, Mercedes, DeepL und Langdock sind der Bundesverband KI, der TÜV und die EU AI Champions Initiative auf der Reise vertreten. Nach Seoul, Paris und UK ist es bereits der vierte weltweite Gipfel für Künstliche Intelligenz. Leonard Schulz

Teilen
Kopiert!

China-Reise von Merz: Größte Wirtschaftsdelegation seit Merkels erster Amtszeit

Wenn Bundeskanzler Friedrich Merz vom 24. bis 27. Februar erstmals als Regierungschef nach China reist, wird ihn eine 30-köpfige Wirtschaftsdelegation begleiten – die größte seit der ersten Amtszeit von Angela Merkel. Für deutsche Unternehmen stehen dabei zentrale wirtschaftliche Fragen im Mittelpunkt: Exportkontrollen, Wettbewerbsverzerrungen durch die chinesische Währung Renminbi, Marktzugang sowie faire Wettbewerbsbedingungen.

Derweil ist die wirtschaftliche Abhängigkeit von China zuletzt deutlich gesunken. Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft hingen 2021 noch rund 1,1 Millionen Jobs direkt oder indirekt vom China-Geschäft ab, inzwischen sind es rund 400.000 weniger. Der Anteil der Volksrepublik an den deutschen Exporten sank von 8,5 auf 5,2 Prozent. Das liegt auch daran, dass deutsche und europäische Unternehmen verstärkt mit einer Lokalisierungsstrategie den chinesischen Markt von vor Ort bedienen und sich der Wettbewerb verschärft hat.

Trotz des Rückgangs bleibt China für viele Konzerne strategisch bedeutend. Bei Volkswagen etwa dürfte es bald statt „In China, für China“ „In China, für die Welt“ heißen. Die dort entwickelten Modelle sollen verstärkt in Drittmärkte exportiert werden, um global wettbewerbsfähig zu bleiben. „Die in China entwickelten Technologien und Produkte eröffnen uns neue Exportchancen – in Regionen, die wir bislang von Europa aus nicht zielgerichtet bedienen konnten“, sagt VW-CEO Oliver Blume gegenüber Table.Briefings. Niedrige Produktionskosten, kürzere Entwicklungszeiten und ein günstiger Renminbi schaffen Vorteile, verschärfen aber auch den Zielkonflikt zwischen globaler Wettbewerbsfähigkeit und europäischer Wertschöpfung.

Auch Mercedes-Benz spürt den Druck: 2025 sank das Konzernergebnis um die Hälfte auf 5,3 Milliarden Euro bei einem Umsatzrückgang auf 132 Milliarden Euro, ein Minus von neun Prozent. Als Grund nennt der Autohersteller unter anderem das schwache China-Geschäft. In China ist der Absatz von Mercedes-Benz um rund ein Fünftel zurückgegangen.

Auf EU-Ebene wächst der Handlungsdruck. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen warnt vor Deindustrialisierung, Subventionen und Überkapazitäten, insbesondere aus China. Während Frankreich auf eine „Made in Europe“-Strategie und gemeinsame Schulden drängt, setzt Deutschland auf Produktivitätssteigerungen und neue Handlungsabkommen. Einig ist man sich vor allem in einem Punkt: Europas Wettbewerbsfähigkeit steht unter massivem Zeitdruck und das Verhältnis von China ist dabei ein zentraler Faktor. Lisa Brunßen

Mehr Analysen und Einordnungen zum Thema lesen Sie im China.Table.

Teilen
Kopiert!
Bitte den Bilderdownload in den Einstellungen oberhalb dieses Briefings aktivieren.

Autoindustrie verliert zehntausende Jobs: VDA warnt vor Standortnachteilen

Die Beschäftigung in der deutschen Autoindustrie ist im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen: Laut vorläufigen Zahlen des Verbands der Automobilindustrie (VDA) arbeiteten 2025 rund 726.000 Menschen in der Branche – 47.000 weniger als im Vorjahr und fast 107.000 weniger als 2019. VDA-Präsidentin Hildegard Müller macht dafür vor allem die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verantwortlich. 87 Prozent der Unternehmen gaben in einer aktuellen VDA-Umfrage an, dass die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts eine große oder sehr große Rolle beim Beschäftigungsabbau spielte.

Zugleich betont die Verbandspräsidentin, dass der Einsatz von KI erhebliche Produktivitätsgewinne ermöglichen kann – in Verwaltung, Produktion, Qualitätssicherung und auch im Aftermarket, etwa bei der automatisierten Schadenermittlung am Fahrzeug. Sie warnt jedoch, dass insbesondere Brüssel erkennen müsse, „dass in der Datennutzung in allen wirtschaftlichen Bereichen enorme Chancen liegen“. Aus ihrer Sicht setzt die EU weiterhin zu stark auf Regulierung und droht damit, Innovationen zu verhindern und Investoren abzuschrecken. Alexander Wiedmann

Teilen
Kopiert!

Klimaschutzprogramm: Große Lücke zwischen Zielen und Maßnahmen

Bitte den Bilderdownload in den Einstellungen oberhalb dieses Briefings aktivieren.

Das geplante Klimaschutzprogramm der Bundesregierung (KSP 2026) legt erstmals verbindliche Sektorziele für 2031 bis 2040 fest – und sie liegen deutlich unter den bisherigen Prognosen. Bis 2040 sollen die Emissionen um rund 150 Millionen Tonnen niedriger sein als offiziell erwartet, ohne dass bislang entsprechende Maßnahmen umgesetzt sind. Experten warnen, dass Verkehr, Gebäude und Industrie besonders gefordert sind und die bisherigen Instrumente für die Einhaltung der Ziele nicht ausreichen. Die künftige Umsetzung des KSP wird damit nicht nur über die Klimabilanz, sondern auch über politische und juristische Auseinandersetzungen entscheiden. Die ganze Analyse lesen Sie im Climate.Table. Bernhard Pötter

Lernen Sie alle Table.Briefings in voller Länge kostenlos kennen: Vier Wochen, ohne automatische Verlängerung, ohne Zahldaten – und informiert wie die Topentscheider.

Teilen
Kopiert!

CEO.Analyse

Zwischen Hype und Realität: Warum KI den Jobmarkt noch kaum bewegt

Bitte den Bilderdownload in den Einstellungen oberhalb dieses Briefings aktivieren.

Die angespannte Lage am deutschen Arbeitsmarkt hängt weniger mit möglichen Produktivitätsgewinnen durch Künstliche Intelligenz zusammen als mit der allgemeinen konjunkturellen Schwäche. Die Jobplattform Indeed meldete im Januar erneut einen Rückgang der veröffentlichten Stellenanzeigen um 1,5 Prozent gegenüber dem Vormonat – der Arbeitsmarktindex sank damit auf 113,3 Punkte, den niedrigsten Stand seit Mai 2022 (siehe Grafik). „Der Rückgang der Stellenausschreibungen in Büro‑ und Tech-Berufen setzte aber schon vor dem Release von ChatGPT ein. Wer diesen Rückgang heute vollständig der KI zuschreibt, vermengt zeitliche Koinzidenz mit echter Kausalität“, erklärt die Arbeitsmarktökonomin von Indeed, Virginia Sondergeld, im Gespräch mit Table.Briefings.

Was sie meint: Nur weil der Rückgang der Stellenanzeigen im Tech-Segment zeitlich mit dem Aufkommen von KI‑Tools zusammenfällt, bedeutet das nicht automatisch, dass KI die Ursache hierfür ist. Sondergeld verweist stattdessen auf den konjunkturellen Abschwung und eine Korrektur des überhitzten Pandemie‑Booms, „in dem Firmen stark digitalisierten und ungewöhnlich viele Tech‑Fachkräfte einstellten“. Der aktuelle Rückgang im Tech‑Sektor sollte daher, so Sondergeld, nicht allein auf den Einsatz von KI zurückgeführt werden.

Gleichzeitig zeigt der Blick auf die Stellenausschreibungen, dass KI in den meisten Unternehmen noch keine dominante Rolle spielt. Sondergeld zufolge stehen viele Betriebe beim Einsatz der Technologie erst am Anfang und suchen gezielt Mitarbeitende, die helfen, deren Potenziale zu erschließen. Das spiegelt sich auch im Datenmaterial: Nur rund 3,5 Prozent der auf Indeed veröffentlichten Anzeigen erwähnen aktuell überhaupt KI‑Begriffe.

In der Praxis ändern sich in den Unternehmen vor allem die Aufgabenprofile. Die DHL Group teilt auf Anfrage mit, dass repetitive und physisch anstrengende Tätigkeiten zunehmend automatisiert oder durch KI unterstützt werden. Gleichzeitig gewinne menschliches Urteilsvermögen, Empathie und Entscheidungsfähigkeit an Bedeutung. Zudem, so das Unternehmen, steige „der Bedarf an Kompetenzen in Datenanalyse, IT und im Umgang mit Künstlicher Intelligenz“. Auch die Rollen verschieben sich laut DHL hin zu anspruchsvolleren Tätigkeiten mit größerer Wertschöpfungstiefe.

Paul Achleitner, der ehemalige Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, sieht in der industriellen Struktur Deutschlands trotz KI-Veränderungen eine Chance. Im Podcast Table.Today argumentiert er, dass Deutschlands Stärke im industriellen Kern künftig an Bedeutung gewinnen könnte: „Hardware erlebt seine Renaissance. Auch handwerkliche Fähigkeiten kann mir die KI nicht ersetzen.“

Teilen
Kopiert!

CEO.Presseschau

Handelsblatt

Sicherheit: Investoren erwarten vermehrt Börsengänge im Rüstungssektor

Nach hohen Risikokapital-Investitionen in Rüstungs-Start-ups in den letzten zwei Jahren erwarten Investoren nun vermehrt Börsengänge und Übernahmen. Eine Umfrage zeigt Zuversicht, dass die Hürde der fehlenden Exits bald überwunden wird, gestützt durch langfristige Regierungsverträge. Langwierige Beschaffungsprozesse in Europa bleiben jedoch ein Hemmnis für das Wachstum.
Spiegel Online

Volkswagen: Wie beim Autokonzern plötzlich sechs Milliarden Euro auftauchen konnten

Volkswagen verzeichnete überraschend einen Cashflow von sechs Milliarden Euro statt der prognostizierten Null. Dies führt zum Vorwurf, der Vorstand habe die Zahlen künstlich verbessert, um höhere Boni zu erhalten. VW begründet dies mit Kostenarbeit und Bestandsmanagement. Der Betriebsrat fordert angesichts der Zahlen eine Anerkennungsprämie für die Beschäftigten.
WirtschaftsWoche

Deutsche Telekom-Chef Tim Höttges: „Der hohe Strompreis ist ein Virus“

Telekom-CEO Tim Höttges äußert Sorge um die deutsche Industrie. Er bezeichnet den hohen Energiepreis als "Virus", der alle Bereiche der Wirtschaft infiziere. Höttges kritisiert, dass der Industriestrompreis alte Industrien fördere statt neuer Digitaltechnologien. Zudem beklagt er überbordende Bürokratie, hohe Lohnkosten und mangelnde Investitionsbereitschaft, was Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit gefährde.
Financial Times

Wie die große Wette von Private Equity auf Software durch KI entgleiste

Die hohen Investitionen von Private-Equity-Firmen in Softwareunternehmen sind in Gefahr. Der Aufstieg von KI bedroht, spezialisierte Dienste überflüssig zu machen, während gestiegene Zinsen die Bewertungen belasten. Dies führt zu wachsender Besorgnis bei Dealmakern und Kreditgebern über die Rentabilität von Übernahmen, die einen Großteil der Marktaktivität des letzten Jahrzehnts ausmachten.
The Wall Street Journal

Autobauer aus Detroit erleiden 50-Milliarden-Dollar-Verlust, als die E-Auto-Blase platzt

Die drei großen US-Autobauer GM, Ford und Stellantis haben zusammen mehr als 50 Milliarden Dollar an Abschreibungen verbucht. Angesichts der abkühlenden Nachfrage nach E-Autos und regulatorischer Änderungen werden Investitionen und Kapazitäten reduziert und die Produktion teilweise wieder auf Verbrennungsmotoren umgestellt.
Teilen
Kopiert!

CEO.Personnel

Handelsblatt

Kollaborative KI: Roland Berger und Jonas Andrulis gründen Start-up

Die Unternehmensberatung Roland Berger und Aleph-Alpha-Gründer Jonas Andrulis gründen ein gemeinsames Start-up zur Entwicklung einer "kollaborativen KI". Diese soll menschliche Expertise systematisch einbinden und verlässlich funktionieren. Roland-Berger-Chef Stefan Schaible wird COO des neuen Unternehmens, das eine 100-prozentige Tochter der Roland Berger Holding ist.
Reuters

Sanofi ernennt Belén Garijo zur neuen CEO

Der französische Pharmakonzern Sanofi hat Belén Garijo zur neuen CEO ernannt, nachdem entschieden wurde, das Mandat von Paul Hudson nicht zu verlängern. Garijo, die zuvor bei L'Oréal und als CEO der Merck KGaA tätig war, wird ihr Amt nach der Hauptversammlung am 29. April antreten. Hudson wird zum 17. Februar zurücktreten.
Lebensmittel Zeitung

Kosmetikhersteller: Wella bekommt neuen CEO

Der Beauty-Hersteller Wella hat Calvin McDonald zum neuen CEO ernannt. McDonald war zuvor CEO von Lululemon und sammelte Beauty-Erfahrung bei Sephora. Er löst Glenn Murphy ab, der als Executive Chair im Unternehmen bleibt. Laut Medienberichten plant Eigentümer KKR einen Börsengang von Wella in den USA.
Teilen
Kopiert!

Grafik der Woche

Bitte den Bilderdownload in den Einstellungen oberhalb dieses Briefings aktivieren.

Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft werden 2026 zusammen rund 610 Milliarden US-Dollar in Rechenzentren und KI-Infrastruktur investieren – ein Anstieg von rund 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Jedes dieser Unternehmen gibt in diesem Jahr so viel aus wie in den drei Vorjahren zusammen. Zum Vergleich: Die Investitionssumme entspricht in etwa dem addierten Marktwert der vier größten Dax-Konzerne (Siemens, SAP, Deutsche Telekom und Airbus). Die Wette ist dieselbe bei allen vier: dass KI-Tools die Arbeitswelt grundlegend verändern – und wer die Infrastruktur besitzt, gewinnt. Die Aktienmärkte antworteten auf die Investitionsankündigungen mit einem Kursverlust von zusammen über 950 Milliarden US-Dollar.

Teilen
Kopiert!

CEO.Finance

Der digitale Euro könnte in einen Vertrauensverlust in den Euro münden

Unser Kolumnist zeigt, warum der digitale Euro mehr Misstrauen als Nutzen stiften könnte – und wie ausgerechnet ein Projekt zur Stärkung des Euros dessen Akzeptanz gefährden kann.

Der digitale Euro soll ein elektronisches Pendant zum Bargeld sein. Als offizielles Zahlungsmittel soll er von einer Wallet – einer Geldbörse auf dem Smartphone – zur anderen wandern können. Das Bargeld ersetzen soll er nicht. Darüber hinaus soll der digitale Euro ein besonders vertrauenswertes öffentliches europäisches Zahlungssystem sein. Die EZB verzeichnet die Transaktionen in ihrem Hauptbuch – personenbezogene Daten sollen aber nicht bei der EZB liegen.

Die EZB hat im Jahr 2020 mit einem Bericht zum digitalen Euro die Entwicklung angestoßen. Als Motiv gab die Konkurrenz mit privaten Währungen wie Libra und Bitcoin den Anstoß. Christine Lagarde nannte auch eine leichtere Bekämpfung von Geldwäsche und Steuerhinterziehung. Heute steht die Funktion als grenzüberschreitendes europäisches Zahlungssystems im Vordergrund. In Deutschland wirbt die Deutsche Bundesbank um das Vertrauen der Öffentlichkeit. Bundeskanzler Friedrich Merz will den digitalen Euro möglichst schnell, um den Euro als internationale Leitwährung zu stärken.

Die genaue Ausgestaltung hängt von einer Abstimmung im Europäischen Parlament ab. In der Offline-Variante soll der digitale Euro zeitweise ohne Internetverbindung von Nutzer zu Nutzer wandern können. In der Online-Variante soll er als grenzüberschreitendes Zahlungssystem Europas Souveränität gegenüber den USA stärken. Damit in Finanzkrisen ein schneller Abzug des digitalen Euros von den Geschäftsbanken diese nicht destabilisieren kann, soll es einen Höchstbetrag um die 3.000 Euro geben. Da der digitale Euro Software ist, kann er auch programmiert werden, auch wenn das derzeit nicht vorgesehen ist. Die EZB könnte beispielsweise im Rahmen ihrer Klimapolitik CO₂-intensive Flüge nach Bali teurer machen.

Doch es gibt bereits gut funktionierende elektronische Zahlungssysteme. Nicht nur US-amerikanischen Systeme wie Visa, Mastercard und Paypal, sondern auch die deutsche Girocard. Eine Gruppe europäischer Banken entwickelt derzeit Wero als privates europäisches grenzüberschreitendes Zahlungssystem.

Kritisch ist, dass die EZB in Konkurrenz zu den privaten Banken bei den Zahlungssystemen tritt, obwohl sie bereits die Aufseherin ist. Weil die EZB theoretisch Zugang zu den Informationen über Transaktionen und Kontostände haben kann, könnte der digitale Euro Europa dem gläsernen Bürger ein Stück näherbringen. Insbesondere, wenn eines Tages Bargeld abgeschafft oder sehr teuer gemacht wird.

China ist in der Entwicklung einer digitalen Zentralbankwährung bereits weit vorangeschritten. Dessen Regierung will auch mit sozialen Kreditpunkten das Verhalten der Menschen steuern. In der freiheitsliebenden Schweiz sieht die Zentralbank hingegen in einem digitalen Franken für die Bürger keinen Sinn. In den USA hat der Fed-Vorsitzende Jerome Powell einen digitalen Dollar ausgeschlossen, die Regierung unter Donald Trump hat entsprechende Initiativen gestoppt.

EZB und Deutsche Bundesbank forcieren eine digitale Währung, zu der eine Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger kein Vertrauen hat. Nicht zuletzt, weil der sehr komplexe digitale Euro schwer erklärt werden kann, könnte die Kampagne in einen weiteren Vertrauensverlust in den digitalen Euro sowie in die EZB und den Euro münden. In den USA könnte hingegen eine Stabilisierung des Dollars unter dem nominierten Zentralbankpräsidenten Kevin Warsh den Vorsprung des Dollar gegenüber dem Euro als internationale Leitwährung nochmals deutlich potenzieren.

Gunther Schnabl ist Professor für Volkswirtschaftslehre und Direktor des Thinktanks Flossbach von Storch Research Institute. In seiner Kolumne beleuchtet er regelmäßig Themen rund um die internationalen Finanzmärkte.

Teilen
Kopiert!

CEO.Picks

Lehren aus dem Leistungssport: Wie man Teams zu verlässlich hoher Leistung führt

High Performance entsteht nicht allein durch mehr Einsatz. Sie braucht Vertrauen. Gerade in dynamischen Umfeldern zeigt sich der Unterschied zwischen funktionierenden und wirklich leistungsfähigen Teams weniger in Maßnahmen, Tempo und individueller Exzellenz, als in der Qualität ihrer alltäglichen Interaktionen. Rollen, Aufgaben und Erwartungen werden regelmäßig abgestimmt, Feedback und Reflexion gehören zum Arbeitsalltag. Diese laufenden Gespräche schaffen Orientierung und ermöglichen es, auch unter Druck handlungsfähig zu bleiben.

Führungskräfte setzen hier immer den Rahmen. Sie leben dieses Verhalten vor und schaffen Räume, in denen solche Dialoge gewünscht und geschätzt sind.

Fangen Sie doch damit an, jede Woche Raum für ein oder mehrere der folgenden Gespräche mit dem Team oder Einzelpersonen zu schaffen:

  • Zeigen Sie Ihr Vertrauen in die Expertise und Fähigkeiten Ihres Teams: Formulieren Sie eine Bitte um Hilfe oder Rat.

  • Benennen Sie eine Unsicherheit oder teilen Sie einen eigenen Fehler, und zwar ohne Rechtfertigungen.

  • Stellen Sie eine Frage und hören Sie aufmerksam zu: Lernen Sie aktiv etwas Neues.

  • Wertschätzen Sie die Arbeit explizit: Gehen Sie über ein einfaches „Danke“ hinaus. Benennen Sie konkret, welche Handlungen oder Beiträge Sie schätzen.

Damit schaffen Sie nicht nur mehr Vertrauen und Verbindlichkeit, sondern erleichtern auch den Umgang mit Fehlern und Unsicherheiten und erlauben Ihren Teammitgliedern, unter schwierigen Bedingungen ihre beste Leistung abzurufen.

Als Führungskraft gestalten Sie mit jedem Gespräch – oder dessen Ausbleiben – die Beziehung(en) im Team. Das ist nicht immer einfach, aber wirkungsvoll.

Tina Manker ist Olympionikin, Weltmeisterin im Rudern und arbeitet als Coach für Start-up & High Performance Teams im DEEP – Institute for Deep Tech Innovation an der ESMT Berlin. Die CEO.Picks sind eine Kooperation zwischen der ESMT und Table.Briefings.

Teilen
Kopiert!

CEO.Quote

Teilen
Kopiert!

Briefings wie CEO.Table per E-Mail erhalten

Keine Bankdaten. Keine automatische Verlängerung.

Sie haben bereits das Table.Briefing Abonnement?

Anmelden