Iran und der Welthandel: Luftfrachtverkehr beeinträchtigt und teurer

Der Krieg im Nahen Osten stört den Luftfrachtverkehr. Das betrifft nicht nur Strecken in die Region selbst, sondern auch zwischen Europa und Asien. Lieferzeiten verlängern sich, Frachtraten steigen.

07. März 2026
Flightradar zeigt aktuelle Flurouten
Der Blick auf den Flug-Tracker am Freitagnachmittag zeigt, wie der aktuelle Flugverkehr von Europa nach Südosten den Persischen Golf umfliegt und über zwei Korridore drängt. (Flightradar24)

Luftraumsperrungen, geschlossene Flughäfen, Flugausfälle und reduzierte Kapazitäten – der Krieg im Nahen Osten trifft nicht nur den Luftfrachtverkehr in und aus der Region. Auch die Strecke Europa – Südostasien ist beeinträchtigt. Sie wird auf enge Korridore beiderseits des Persischen Golfs umgeleitet. „In Teilen Asiens entstehen erste Frachtstaus, und zeitkritische Warenströme nach Europa und in die Vereinigten Staaten spüren die Auswirkungen als Erste“, so eine Sprecherin des Logistikdienstleisters Rhenus zu Table.Briefings. „Das führt zunehmend zu höheren Frachtraten und kurzfristigen Engpässen bei der Verfügbarkeit in bestimmten nachgelagerten Märkten.“

Acht Flughäfen in der Region kämpfen laut Flightradar24 aktuell mit „Major Problems“, darunter Dubai, Doha, und Abu Dhabi, aber auch Riad und Teheran. Einige sind derzeit auch noch ganz geschlossen. Lufthansa Cargo fliegt nach eigener Aussage viele davon bis voraussichtlich Mitte März nicht an.

Die Kapazitäten auf der Route Europa – Asien seien „um 40 Prozent niedriger als vor einer Woche“, so Harald Kostial, Leiter der Luft- und Seefracht des österreichischen Logistikers Gebrüder Weiss im ORF. Die Südroute über die Türkei, den Irak und den Iran ist gesperrt. Der Verkehr verlagert sich auf zwei Korridore – einen über Ägypten und Saudi-Arabien und einen über Zentralasien, Usbekistan, Turkmenistan, Georgien und Aserbaidschan. Dieser Weg geriet zusätzlich unter Druck, als in der aserbaidschanischen Exklave Nachitschewan am Donnerstag Drohnen einen Flughafen trafen. Zudem verfüge dieser Transkaspische Transportkorridor nur über begrenzte Kapazitäten. „Einzelne Abschnitte sind bereits stark ausgelastet. Sollte sich ein deutlich höheres Transportvolumen auf diese Route verlagern, kann dies mittelfristig zu Engpässen führen“, so die Rhenus-Sprecherin.

Es dauert länger und kostet mehr: „Umroutungen können vereinzelt zu leicht verlängerten Flugzeiten führen. Auf der derzeit genutzten Routenführung vermeiden wir die Krisenregion“, erklärt Jan Paulin, Sprecher von Lufthansa Cargo, im Austausch mit Table.Briefings. Was die Kosten angeht, rechnet der dänische Logistikkonzern DSV mit „Volatilität der Frachtraten“ und „Aufwärtsdruck“ durch Angebotsknappheit, Kriegsrisikozuschläge und steigende Treibstoffkosten. Charter-Frachtflüge von Asien nach Europa, die normalerweise rund 500.000 US-Dollar kosten, würden derzeit laut Harald Kostial von Gebrüder Weiss für bis zu 700.000 US-Dollar gehandelt. Nina Anika Klotz

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Letzte Aktualisierung: 07. März 2026