Kommt jetzt die Inflation zurück?

Steigende Ölpreise nach dem Kriegsbeginn zwischen USA und Iran wecken neue Inflationssorgen. Die EZB signalisiert Wachsamkeit, während Experten vor möglichen Lohn-Preis-Spiralen warnen.

GS
21. März 2026

Inflation bezeichnet den anhaltenden Anstieg des allgemeinen Preisniveaus von Waren und Dienstleistungen. Sie wird üblicherweise von den statistischen Ämtern mit Hilfe von Konsumenten- oder Verbraucherpreisindizes gemessen. Kraftstoffe haben am Verbraucherpreisindex des Statistischen Bundesamtes (VPI) einen Anteil von 3,1 Prozent. Strom, Gas und andere Brennstoffe für das Wohnen, deren Preise möglicherweise auch bald steigen werden, haben einen Anteil von 4,4 Prozent. Die Bedeutung der Energie für die Kaufkraft scheint also begrenzt.

Doch die Lebensmittelpreise sind mit den Energiepreisen verbunden, weil Lebensmittel inzwischen ein Input für die Energieerzeugung sind. Die Weizenpreise haben auf den Spotmärkten bereits stark angezogen. Zudem gibt es Zweitrundeneffekte. Öl, Gas und Strom, welcher oft mit Gas erzeugt wird, sind ein wichtiger Input für Lebensmittel sowie alle anderen Waren und Dienstleistungen.

Wenn die Preise auf breiter Front steigen, fordern die Gewerkschaften höhere Löhne. Höhere Lohnkosten zwingen die Unternehmen dazu, die Preise anzuheben. Es entstehen „Lohn-Preis-Spiralen“. Die Preise mancher Güter – wie Wohnungen – sind an die Inflation gebunden. Das ist insbesondere in ehemaligen Hochinflationsländern wie Spanien der Fall.

Da diese Effekte aber verzögert sind, ist auf die kurze Frist durch steigende Öl- und Gaspreise zwar eine Veränderung der relativen Preise zwischen Gütern und Dienstleistungen, aber kein Preisanstieg auf breiter Front zu erwarten. Denn steigen die Preise an der Zapfsäule an, dann werden die Autofahrer zum Sparen gezwungen. Der geplante Restaurantbesuch oder der Wochenendtrip an die Ostsee fallen aus. Der Rückgang der Nachfrage dämpft den Preisanstieg bei anderen Gütern und Dienstleistungen.

Im Konsumentenpreisindex werden steigende Preise für Öl und Gas durch fallende Preise in anderen Wirtschaftsbereichen ausgeglichen. Das gilt insbesondere dann, wenn die Zentralbank der Inflation vorausschauend durch Zinserhöhungen entgegenwirkt. Die Inflation wird dann durch eine sinkende Nachfrage gedämpft. Doch die resultierende Kaufzurückhaltung dämpft die Konjunktur. Es kann zu Einbrüchen auf den Finanzmärkten kommen. Wenn Zentralbanken deshalb die Zinsen senken, um die Konjunktur zu stützen, dann kommt mehr Geld in den Umlauf, so dass die Preise auf breiter Front steigen können.

Die Regierungen tragen zur Inflation bei, wenn sie wie in der Corona-Krise mit schuldenfinanzierten Zuwendungen die Unternehmen und Konsumenten „retten“. Die Freude der Konsumenten hält aber nicht lange an, weil die staatlich aufgeputschte Kaufkraft auf die gleiche Menge Güter und Dienstleistungen trifft – weshalb die Preise steigen. Es wird sich zeigen, ob sich die EZB und die Regierungen im Euroland der reizvollen Rolle der Inflationsretter widerstehen können.

Gunther Schnabl ist Professor für Volkswirtschaftslehre und Direktor des Thinktanks Flossbach von Storch Research Institute. In seiner Kolumne beleuchtet er regelmäßig Themen rund um die internationalen Finanzmärkte.

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Letzte Aktualisierung: 21. März 2026