Isar Aerospace: Unabhängig werden von SpaceX

Europas Raumfahrtbranche steht unter Handlungsdruck: Hohe Nachfrage kontrastiert mit geringer eigener Startkapazität. Sicherheitsbedenken wachsen durch die Abhängigkeit von US-Anbietern.

25. März 2026
Investierte früh in Isar Aerospace: Earlybird-Gründer Hendrik Brandis ist gelernter Luft- und Raumfahrtingenieur (Earlybird)

Die Nachfrage nach europäischen Raketenstarts ist riesig. Isar Aerospace könnte zehnmal so viele Raketenstarts verkaufen, wie das Unternehmen produzieren kann, sagt Hendrik Brandis, Mitgründer des Wagniskapitalgebers Earlybird Venture Capital, im Gespräch mit Table.Briefings. Die Zahlen machen die Dimension greifbar: SpaceX bestritt 2025 allein 165 orbitale Missionen – mehr als die gesamte restliche Welt zusammen. Europa kam mit der Ariane 6 auf gerade einmal drei Starts. „Heute ist die Abhängigkeit enorm hoch“, sagt Brandis, der selbst in Luft- und Raumfahrttechnik promoviert hat und seit 2018 in Isar Aerospace investiert ist.

Heute Abend soll die Spectrum-Rakete des Münchner Start-ups erstmals den Orbit erreichen – mit sechs Nutzlasten an Bord. Für echte Unabhängigkeit werde der Mikro-Launcher mit einer Tonne Nutzlast allerdings nicht reichen, räumt Brandis ein. Dafür brauche Europa eine Rakete in der 20-Tonnen-Klasse – „und bis wir die haben, wird nach meiner Einschätzung noch mal sechs, sieben Jahre vergehen.“

Die Sicherheitsdimension verschärft den Handlungsdruck. Eine glaubwürdige Sicherheitsstrategie ohne eigene Weltraumkapazitäten hält er für unmöglich. 35 Milliarden Euro hatte Verteidigungsminister Boris Pistorius an Investitionen in Space-Verteidigung bis 2030 angekündigt.

Das große Risiko beim Raketenbau liege in der Finanzierung: Hunderte Millionen Euro müssen fließen, bevor der erste Umsatz kommt. Inzwischen ist Isar Aerospace mit mehr als zwei Milliarden Euro bewertet, zuletzt soll das Unternehmen eine Finanzierungsrunde über 250 Millionen Euro abgeschlossen haben. Die Raketen 3 bis 7 befinden sich bereits in Produktion. Brandis' Prognose: „Der Nachfrageüberhang wird auch noch für die nächste Dekade so bleiben.“ Alex Hofmann

Wieso Wiederverwendbarkeit von Raketen ökonomisch überschätzt wird, wie sich ein Raketenstart als Investor anfühlt und wann Europa im All wirklich unabhängig sein könnte – das hören Sie in der CEO-Edition des Podcasts Table.Today.

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Letzte Aktualisierung: 25. März 2026