Muss der US-Finanzminister den Yen retten?

Die Marke von 160 Yen pro Dollar gilt als Warnsignal. Nach einem mutmaßlichen Eingriff der Bank von Japan steht die Frage im Raum, ob Japan den weiteren Absturz seiner Währung aus eigener Kraft stoppen kann.

GS
09. Mai 2026

Nächste Woche wird der US-amerikanische Finanzminister Scott Bessent Tokio besuchen. Ein wichtiges Thema wird die anhaltende Schwäche des japanischen Yen sein, der von 76 Yen für einen US-Dollar im Februar 2012 auf heute 157 Yen abgewertet hat.

Am 30. April deutete ein großer Sprung des Yen gegenüber dem Dollar darauf hin, dass die Bank von Japan Yen gekauft hat, um die eigene Währung zu stützen. Auf den Finanzmärkten stellt man sich die Frage, ob Japan nur mithilfe der USA den weiteren Verfall seiner Währung stoppen kann. 160 Yen pro Dollar wird als psychologisch wichtige Marke gesehen.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Währungen schwanken Yen, Dollar und Euro frei. Die Zentralbanken stabilisieren den Wechselkurs nicht. Dennoch will das japanische Finanzministerium von Zeit zu Zeit „exzessive Volatilität“ verhindern. Die Bank von Japan setzt dann die Interventionen um. Bloomberg schätzt das Volumen der Intervention vom 30. April auf etwa 5,4 Billionen Yen, was rund 33 Milliarden Euro entspricht.

In der Vergangenheit hat das Finanzministerium meist dann intervenieren lassen, wenn der Yen stark aufgewertet hat. Das sollte dem Export helfen, weil eine Aufwertung des Yen japanische Waren im Ausland teurer macht. Wenn an einem Tag interveniert wurde, gab es oft weitere Interventionen an den folgenden Tagen. So hat das Finanzministerium riesige Dollarreserven in Höhe von 1.160 Milliarden Dollar angehäuft. Weil dieses Mal die Abwertung importierte Waren wie das ohnehin wegen des Irank-Kiegs teure Rohöl noch teurer macht, sollen die Interventionen den Yen aufwerten. Pulver hat Japan wegen der hohen Devisenreserven genug.

Kurzfristig ist die Wirkung von Devisenmarktinterventionen evident. Da mit der Bank von Japan ein großer Akteur auf den Markt kommt, kommt es in der Regel zu Kurssprüngen. Das gilt insbesondere dann, wenn private Akteure „auf den Zug aufspringen“, um mit den Kursveränderungen Spekulationsgewinne zu machen. Die Zinseffekte der Intervention können die Wirkung dauerhaft verstärken. Mit dem Verkauf von Dollar und dem Ankauf von Yen nimmt die Bank von Japan Liquidität aus dem Markt, sodass der Zins steigen muss. Das zieht internationale Kapitalflüsse an, die den Aufwertungsdruck verstärken.

Doch bei einer moderaten Inflation von derzeit 1,5 Prozent, einer dauerhaft schwachen Konjunktur und einer riesigen Staatsverschuldung sind weitere Zinserhöhungen für Japan wenig vorteilhaft. Eine Aufwertung des Yen reduziert zudem den Wert der riesigen Dollarvermögen von Finanzministerium, Banken und Pensionskassen gerechnet in Yen.

Das deutet darauf hin, dass der japanische Staat auf Dauer gar keine Aufwertung des Yen bewirken will. Für eine dauerhafte Hochzinspolitik, die den Yen dauerhaft stärken könnte, fehlt dem überalterten Land einfach die Kraft. Deshalb wird man den US-Finanzminister auch nicht um Hilfe bitten.

Gunther Schnabl ist Professor für Volkswirtschaftslehre und Direktor des Thinktanks Flossbach von Storch Research Institute. In seiner Kolumne beleuchtet er regelmäßig Themen rund um die internationalen Finanzmärkte.

Dieser Standpunkt spiegelt nicht zwingend die Meinung der Redaktion wider.

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Letzte Aktualisierung: 09. Mai 2026