100 Satelliten pro Jahr für Kunden aus unterschiedlichsten Branchen

Das Start-up Reflex Aerospace entwickelt „Satellite Buses“ für den boomenden Markt kleiner Satelliten. Mit verkürzten Produktionszeiten und enormer Anpassungsfähigkeit will es die etablierten Player des Raumfahrtgeschäfts ausbooten.

04. April 2026
Water Ballheimer Gründer und CEO von Reflex Aerospace
Walter Ballheimer, CEO von Reflex Aerospace, hat in Berlin Luft- und Raumfahrttechnik studiert und 2011 seinen ersten Satelliten gestartet (Reflex Aerospace)

12.900 aktive Satelliten kreisten nach Zählung der ESA Anfang 2026 um die Erde; täglich werden es mehr. Fast 10.000 davon gehören Elon Musk und geht es nach ihm, sollen bald 42.000 Starlink-Satelliten im LEO, dem Low Earth Orbit, schweben. Aber: Auch aus Berlin-Friedrichshain und aus Ottobrunn bei München kommen immer mehr kommerziell genutzte Satelliten. An beiden Orten hat Reflex Aerospace einen Sitz; es ist Deutschlands zweitgrößter Satellitenhersteller.

Der Markt für kleinere und mittelgroße Satelliten wächst signifikant. Deutschland liegt in Europa derzeit auf Platz 2 hinter Großbritannien und könnte 2026 laut einem Bericht von Fortune Business Insights 230 Millionen US-Dollar erreichen. Als Wendepunkt gilt, dass die Startkosten im Lauf von fünf Jahren rapide gesunken sind. „Das verändert den gesamten Markt“, sagt Walter Ballheimer, Gründer und CEO von Reflex Aerospace, im Gespräch mit Table.Briefings. „Es ist kein strategisches Alleinstellungsmerkmal mehr, etwas im Weltraum zu haben. Das kann jetzt fast jeder.“ Mehr noch – das muss jetzt jeder haben: „Ein weiser Mann hat mal gesagt: Wer in zehn Jahren den Weltraum nicht als Teil seines Geschäftsmodells ansieht, der hat kein Geschäftsmodell.“ Und er hat recht, glaubt Ballheimer.

Das Kundenspektrum von Reflex Aerospace ist entsprechend breit. Firmen, die mit seiner Hilfe ins All wollen beziehungsweise dort Daten für ihre Unternehmungen auf der Erde sammeln oder verarbeiten wollen, kämen aus den „unterschiedlichsten Ecken“, so der CEO: Es sind Unternehmen aus der Landwirtschaft oder dem Umweltschutz, für die Erdbeobachtung per Satellit relevant ist. Der Bereich Mobilität braucht Satelliten für Navigation und das Militär für Aufklärung. Auch Anfragen zu neuen Anwendungen wie Rechenzentren im All lägen bereits auf seinem Tisch, berichtet Ballheimer.

Reflex Aerospace liefert sogenannte „Satellite Busses“, das sind nur die Plattformen von Satelliten. Alles, was diese brauchen, um bestimmte Aufgaben im All zu erfüllen – etwa Kameras zur Erdbeobachtung oder Sender für die Kommunikation –, kommt von den Kunden. Hergestellt werden die Satellite Busses in der Münchner „Micro Factory“. Ende 2026 sollen dort 100 Satelliten jährlich produziert werden. Die Entwicklung von großen Satelliten durch etablierte Raumfahrtunternehmen passierte bislang in aufwendigen Einzelprojekten, die oft drei bis fünf Jahre dauerten.

Im vergangenen Jahr hat das Start-up eine Finanzierungsrunde in Höhe von 50 Millionen Euro abgeschlossen. Neben Wagniskapitalgebern wie der US-amerikanische Venture Capital Fund „Human Element“ und Alpine Space Ventures beteiligten sich auch Bayern Kapital und der High-Tech Gründerfonds. Beide investieren zumindest zum Teil staatliches Geld. Ballheimer meint allerdings, dass der Staat eine noch bessere Rolle spielen könnte: als Ankerkunde. „Das ist der große Unterschied zwischen dem US-amerikanischen Markt und dem deutschen: Hier glaubt man noch an das Instrument der Förderung“, so der CEO. „In Amerika hat man verstanden, dass der Ankerauftrag das eigentliche Mittel der Wahl ist.“

Walter Ballheimer gründete gemeinsam mit Alexander Genzel Reflex Aerospace 2021. Beide haben Luft- und Raumfahrt studiert – Ballheimer an der Technischen Universität Berlin, Genzel als Offizier an der Bundeswehruniversität in München.

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Letzte Aktualisierung: 04. April 2026