Brauchen wir noch Kampfflugzeuge? Mit Generalleutnant Holger Neumann.
Generalleutnant Holger Neumann, Inspekteur der Luftwaffe, erklärt im Gespräch mit Gabriel Bub, warum 2029 für die Rüstung „quasi übermorgen“ ist. Neumann zeigt sich offen für eine Beschaffung weiterer F-35-Kampfjets aus den USA. „Natürlich gibt es Überlegungen in der Luftwaffe, eine höhere Anzahl zu beschaffen, es gibt aber keine mir bekannten Pläne im Verteidigungsministerium.“ Die Entscheidung über die F-35 hängt auch davon ab, wie es mit Future Combat Air Systems (FCAS) weitergeht, das ja wegen Abstimmungsproblemen zwischen Deutschland und Frankreich ins Stocken geraten ist. Neumann sieht keine größeren Probleme, falls die USA nun doch keine Tomahawks in Deutschland stationieren. Solche Deep-Precision-Strike-Fähigkeiten (DPS) müssten nicht allein bodengestützt abgebildet werden, sagt Neumann. „Solche Fähigkeiten können auch von See oder aus der Luft bereitgestellt werden.“ [07:14]
Der Rentenbeitrag steigt. Ab 2028 soll er laut interner Berechnung der Rentenversicherung auf 19,9 Prozent klettern, ein Jahr später auf 20 Prozent. Bei einem Jahreseinkommen von 102.000 Euro bedeutet das knapp 700 Euro mehr pro Jahr. Die Rentenkommission soll am 30. Juni ihren Entwurf vorlegen – die Erwartungen sind hoch, die Skepsis in der CDU auch. [04:10]
Friedrich Merz und Hendrik Wüst haben sich im Sauerland getroffen. Ein Treffen, das schon länger geplant war, aber nach den Spekulationen der vergangenen Wochen an Bedeutung gewonnen hatte. [01:30]
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Im Sauerland das direkte Duell zwischen Henrik Wüste und Friedrich Merz. Aber natürlich nach den Spekulationen um einen Kanzlertausch ist die Stimmung zumindest offiziell gelöst. Man habe sich ausgesprochen. Dazu gleich mehr.
Sprecher 3: Arbeitnehmer müssen in Zukunft mehr für die Rente bezahlen als bisher gedacht. Laut interner Berechnung der Rentenversicherung müssen die Beiträge deutlich stärker steigen und das schon ab 2028. Wie hoch der Beitragssatz laut dieser Rechnung werden könnte, das sagen wir Ihnen hier heute.
Sprecher 2: Nächste Woche wird es knubbelig hier in Berlin. Nicht nur die Super Return kommt, die größte Investorenmesse der Welt, sondern auch die Luft- und Raumfahrtmesse ILA beginnt. Der größte Einzelaussteller der Messe wird die Bundeswehr sein. Was verspricht sich die Luftwaffe von der Messe? Woran arbeitet sie? Was sind die neuen Technologien? Und nach dem Aus von FKs brauchen wir jetzt einen eigenen Jet. Darüber sprechen wir mit dem Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Holger Neumann.
Sprecher 3: Kalendarisch hat der Sommer jetzt begonnen und das merken wir auch. Der Deutsche Wetterdienst hat die Zahl der Sonnenstunden der einzelnen Bundessender veröffentlicht. Und wir sagen Ihnen, wo es besonders sonnig ist und warum Sie überhaupt nicht auf eine Mittelmeerinsel fahren müssen, sondern auch einfach hierbleiben können. Es ist Dienstag, der 2. Juni. Schön, dass wir in diesem sonnigen Tag gemeinsam starten.
Sprecher 2: Professionell unaufgeregt, ruhig, so lauten die Vokabeln zum Treffen von Friedrich Merz und Henrik Wüst gestern im Sauerland. Die NRW-CDU hat zur Klausurtagung geladen und die beiden, um die so viel spekuliert wurde, kamen jetzt auch physisch nochmal zusammen.
Sprecher 3: Ja, das erste Mal seit diesen Spekulationen, die ja im Kanzleramt zu einem kleinen Wutausbruch geführt hatten und daraufhin zu Irritationen in Düsseldorf. Und jetzt, was sah man? Einen kurzen Händedruck, ein paar Bilder, alles wie gewohnt. Aber die Stimmung, so wird berichtet, soll jedenfalls am Anfang etwas gespannt gewesen sein. Dann haben sich die beiden zurückgezogen. Und ein klärendes Gespräch geführt, das wissen wir nicht, wir waren nicht dabei. Aber danach, da schienen die beiden etwas gelockert und gelöst.
Sprecher 2: Es gab einen Händedruck, es gab auch ein paar Bilder, aber die Wahrheit ist natürlich, der eine will Kanzler werden und der andere ist es. Und natürlich plant ein Hendrik Wüst auch außenpolitische Reisen. Nicht mit drei oder vier Regionalzeitungsjournalisten, sondern etwas größer. Und dann darf er sich auch nicht wundern, wenn die Gerüchte, was der Mann denn doch so vorhat in seiner Karriere, dann auch in diversen Blättern erscheinen. Also ich glaube, was dort... Erzeugt wurde. Helene hat am Ende selbst in Düsseldorf dazu geführt, okay, das ist jetzt auch nicht zuträglich für unsere Ambition. Henrik Wüst rudert ein wenig zurück.
Sprecher 3: Ein Lokaljournalist aus Düsseldorf jedenfalls erzählte mir dieser Tage, naja, da hat man vielleicht doch ein wenig den Bogen. überspannt und jetzt gemerkt, so sollte man es nicht machen. Jetzt wieder kleinere Brötchen backen und dann mal gucken. Denn das weiß Henrik Wüst natürlich, die Zeit ist auf seiner Seite. Er ist gerade mal 50 Jahre alt, er hat noch Zeit, er muss jetzt nicht mit dem Sieben-Meilen-Stiefeln ins Kanzleramt. Er kann das Ganze auf sich zukommen lassen. So viel Konkurrenz gibt es in seiner Partei nicht. Also ein bisschen den Gang rausnehmen und stattdessen doch den Kanzler loben und hundertprozentige Unterstützung signalisieren.
Sprecher 2: Und er wird trotzdem natürlich weiterhin auch öffentlich sichtbar sein wollen, jenseits der Landeshauptstadt. Demnächst ist wieder eine größere Auslandsreise geplant, da dürfte es wieder ähnliche Berichterstattung geben. Aber öffentlich ist jetzt klar, solche Personalspekulationen, vor allem der konkrete Kanzlertausch, so hat es Henrik Wüst jetzt nochmal zweimal öffentlich gesagt, die seien Quatsch. Wollen wir es ihm glauben? Und die Wahrheit ist, wie mir gestern ein Unionsabgeordneter sagte, der uns im Büro besuchte, wer will sich schon bei einem 0 zu 3 einwechseln lassen? Die Attraktivität des Kanzlerjobs in dieser Koalition ist auch gerade nicht sehr hoch. 18,6 ist der aktuelle Beitrag zur Rentenversicherung und er wird in den nächsten Jahren immer weiter steigen. Deswegen, Helene, ich sage es hier, aus meiner Sicht der größte Fehler von Friedrich Merz war es, im Koalitionsvertrag nicht eine Deckelung der Sozialversicherungsbeiträge reinzuschreiben, die 40-Prozent-Quote. Jetzt geht es immer weiter nach oben und ich weiß nicht, wie die Politik das noch wieder runterkriegen will.
Sprecher 3: Der Beitrag soll 2028 auf 19,9 Prozent steigen. Das sind weitere 1,5 Prozentpunkte. Und 2029 dann auf 20 Prozent. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Neulich berichtete mir ein Steuerrechter, der hat mal vorgerechnet, was es bedeutet, den Steuersatz plus Kirchensteuer plus dann möglicherweise eine Erhöhung der Reichensteuer plus Sozialversicherungsbeiträge. Natürlich bei den Gutverdienern, aber da bleibt prozentual wirklich nicht mehr besonders viel übrig.
Sprecher 2: Ja, und am Ende dieses Jahrzehnts können es dann bei einem Jahresgehalt von 60.000 Euro 390 Euro mehr im Jahr sein, die zu zahlen sind für die Rente. Bei 102.000 Euro Jahreseinkommen sind es dann sogar fast 700 Euro mehr. Ab 2028, die für die Rente vom Bruttolohn einbehalten werden oder bezahlt werden müssen. Also, der demografische Funnel, jetzt schlägt er erst richtig durch. Die Babyboomer gehen in Rente und wir brauchen dringend Reformen. Ich kann nur hoffen, Helene, dass diese Rentenkommission eine Einheit... ein wirkliches Votum abgibt, von dem die Koalition dann wirklich nicht mehr zurückgehen kann.
Sprecher 3: Friedrich Merz hat versprochen, dass in diesem Jahr noch eine große Rentenreform verabschiedet wird. Allerdings fehlt es der CDU, und das muss man so ganz hart sagen, an einem klaren Rentenkonzept. Es gab im Parteiprogramm die Koppelung an die Lebenserwartung. Das hat man aber weder im Wahlprogramm noch im Koalitionsvertrag sich getraut, so aufzuschreiben. Denn die CDU ist natürlich auch eine Rentnerpartei. Da kann die junge Gruppe tun und lassen, was sie will. Programmatisch. Da hat die CDU insgesamt einen Aufholbedarf. Neulich sagte eine böse Zunge, jenseits der Überschriften, ehrlich gesagt, hat die CDU programmatisch nicht viel mehr zu bieten als zu den Merkel-Zeiten.
Sprecher 2: Deswegen ist die Hoffnung auf die Kommission groß. Ein Mitglied hat mir neulich erzählt, dass es durchaus eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit gibt bei zwei, drei Maßnahmen, die wirken könnten. Der Nachhaltigkeitsfaktor wird sicherlich wieder eingeführt, damit eben die längere Lebenserwartung sich am Ende auch widerspiegelt. Und die berühmte 2 zu 1 Regel ist ein Expertenvorschlag, der offensichtlich mehrheitsfähig ist. Wer besagt, dass ein zusätzliches Jahr an Lebenserwartung im Verhältnis von 2 zu 1 aufgeteilt werden soll, eben in länger arbeiten und Rentenzeit. Auch das könnte abmildernd wirken und es wird eine verpflichtende Betriebsrente geben. Also ich hoffe sehr auf diese Experten. Wir sind gespannt, ob die schwarz-rote Koalition dann eben auch den Mut hat, das umzusetzen.
Sprecher 3: Und auch die Kraft hat, am 30. Juni soll der... Entwurf vorgelegt werden. Riesenhohe Erwartungen und manch einer in der CDU vermutet, dass da doch wieder nur eine ganz kleine Münze bei rauskommt.
Sprecher 2: 600 Aussteller aus 31 Nationen, 100.000 Besucher. So war es vor zwei Jahren bei der ILA, der berühmten Luftfahrtmesse in Berlin. Nächste Woche geht es hier wieder los. Und es ist vor allem natürlich die militärischen Optionen, die dort diskutiert werden. Die Bundeswehr hat diese Messe längst für sich gekapert. Und es geht darum, brauchen wir Drohnen, brauchen wir überhaupt noch eigene Jets? Sind deutsch-französische Kooperationen längst passé? Und was ist eigentlich mit dem amerikanischen Superjet F-35? Über all das diskutieren wir jetzt mit dem Mann, der es für die Bundeswehr entscheiden muss, Generalleutnant Holger Neumann. Er ist der Inspekteur der Luftwaffe. Und Gabriel Bub, unser Kollege aus dem Security Table, hat mit ihm gesprochen.
Sprecher 4: Herr General Neumann, schön, dass Sie da sind. Sagen Sie uns doch mal, was sind Ihre Erwartungen, was uns die ILA über die Zukunft der Kriegsführung zeigen wird?
Sprecher 5: Guten Tag, Herr Bub. Vielen Dank, dass ich hier die Gelegenheit bekomme, mich ein bisschen mit Ihnen auszutauschen. Ja, in Bezug auf die ILA. Wir erleben, dass sich der Charakter von Krieg und der Kriegsführung ändert. Wir erleben und sehen täglich und auch schon seit vielen Jahren den Einzug von unbemannten Systemen und dieser komplementäre Einsatz, also nicht den Ersatz von bemannten Systemen, sondern das gemeinsame Einsetzen von bemannten und unbemannten Plattformen. Ich glaube, das wird ein sehr tragendes Thema sein auf der diesjährigen ILA. Und, und das ist ja auch seit Jahr und Tag ein sehr starkes Segment auf der ILA, die Dimension Weltraum, für die die Luftwaffe ebenfalls zuständig ist. Ich glaube, viele unterschätzen noch die Bedeutung des Weltraums und der Fähigkeiten aus dem Weltraum für unsere Gesellschaft, aber auch für das Militär. Und nicht ohne Grund hat die NATO 2019 entschieden, den Weltraum als militärische Dimension. einzuordnen, weil dort viele Dinge passieren, die eben nicht nur mit friedlichen Applikationen zu tun haben.
Sprecher 4: Der Verteidigungsminister hat ja auch angekündigt, 35 Milliarden Euro in Weltraumkapazitäten investieren zu wollen. Was ist da zu erwarten?
Sprecher 5: Minister Pistorius und auch weitere Persönlichkeiten sprechen auch teilweise von einem Luftkampf im Weltraum, also Dogfight in Space, wenn Sie so wollen. Ja, und wir sehen Annäherungsmanöver, Orbitalmanöver, die durchaus den Charakter von Luftkämpfen abbilden können. Wir sehen im Moment vor allem ein wenig das Zurschaustellen von Fähigkeiten, sprich das Abschieben eines ausgehenden Satelliten in den sogenannten Graveyard-Orbit, also in einen Orbit in ca. 300 km Höhe überhalb der Erde. Das ist natürlich... Ein Fingerzeig, denn es beweist ja nicht nur, dass ich meine eigenen Satelliten dorthin schiebe, sondern theoretisch auch weitere.
Sprecher 4: Was China schon gemacht hat.
Sprecher 5: Was China schon öffentlich gemacht hat, es gibt Tests von Antisatellitenwaffen. Das Problem, was dort passiert, ist anders als bei einem Flugzeug. Dieser Satellit stürzt ja nicht per se ab, sondern wird zerstört. Und die Trümmerteile bleiben in dem Orbit erstmal vorhanden und weiten sich auch weiter aus. Das heißt, es betrifft dann alle Nutzer dieses Orbits, nicht nur eine Nation.
Sprecher 4: Blicken wir mal auf die Erde und in die Gegenwart. Also wir sehen in der Ukraine einen schrecklichen Krieg, den die Bundeswehr ja auch sehr genau beobachtet. Wie blicken Sie auf das russische Arsenal und sagen jetzt dem Verteidigungsminister, diese Fähigkeiten bräuchte ich?
Sprecher 5: In dem Krieg in der Ukraine, der russischen Föderation gegen die Ukraine, sehen wir einen gewandelten Charakter der Kriegsführung. Das Einführen von kostengünstigen, unbemannten Systemen. Wir sehen dort den Einsatz dieser Waffentypen in einem hohen Maß, in großer Anzahl. Jede Nacht, um eben die gegnerische Luftverteidigung, in dem Fall die ukrainische Luftverteidigung, zu überlasten, also zu saturieren, wenn Sie so wollen. Wir müssen dort sehr genau beobachten, was wir dort sehen und wie wir uns gegen diese Drohnen beispielsweise schützen können. Dort können wir auch sehr viel lernen durch die Ukraine, die einen... Bewundernswerten Verteidigungskampf führt gegen den russischen Aggressor. Wir müssen aber ein wenig aufmerksam bleiben in die Emy, nicht jede Lektion, die wir dort vermeintlich sehen, überführen unsere Fähigkeiten. Es gibt auch dort unterschiedliche doktrinnähere Ansätze. Beispielsweise die russische Föderation setzt ihre Luftstreitkräfte nur zur Unterstützung von Landstreitkräften ein, abgesehen von einigen strategischen Fähigkeiten. Das ist in der NATO-Doktrin und damit in unserer Doktrin deutlich unterschiedlich.
Sprecher 4: Jetzt gibt es ja in Europa sehr langfristige Rüstungsprojekte, das berühmte Future Combat Air System, FKAS, an dem Deutschland, Frankreich und Spanien für sehr viel Geld an einem gemeinsamen Kampfjet und einem vernetzten System arbeiten. Was sind denn aus militärischer Sicht Ihre Ansprüche an so ein System? Ist das so, dass man sagen könnte, wir entwickeln einen Kampfjet, haben da gemeinsam einen, wäre Ihnen das lieber, als dass jetzt Deutschland und Frankreich sagen, okay, jeder seinen Kampfjet, der auf die jeweiligen Anforderungen der Luftstreitkräfte ausgerichtet ist?
Sprecher 5: Das Kernstück von FCAS ist das sogenannte NGWS, also Next Generation Weapon System, bestehend aus einem bemannten Fighter, einem Command Fighter, wenn Sie es wollen, also einer bemannten Kontrollstationinstanz an Bord eines Kampfflugzeuges.
Sprecher 4: Um den sich der ganze Streit dreht.
Sprecher 5: Der im Moment im öffentlichen Interesse steht. Genau, das geht um das Kampfflugzeug. Das ist aber nur ein Teil des Gesamtsystems, weil die anderen beiden Teile, und die sind mindestens genauso wichtig, sind die unbemannten Anteile, die sogenannten Remot. Mode Carrier und das Ganze verbunden in einer Combat Cloud, also in einem sehr resistenten und sehr potenten Netzwerk. Und diese drei Anteile bilden dann das NGWS. Im Moment bin ich vollkommen bei Ihnen. Richtet sich der Blick sehr stark auf die bemannte Plattform, also den NGF, den Next Generation Fighter. Dort müssen wir eben beobachten, was sich da industriepolitisch tut. Alle drei Luftwaffenchefs, also Spanien, Frankreich und Deutschland, sind uns einig, dass wir einen Generationenwechsel brauchen. Alle drei Nationen betreiben sehr potente Plattformen der vierten Generation. In Frankreich ist das die Refall, in Spanien der Eurofighter und ebenso in Deutschland. Und wir brauchen danach einen Generationswechsel. Wir in Deutschland, wissen Sie, haben uns dazu entschieden, in die fünfte Generation einzusteigen durch den Erwerb der F-35. Und wir erwarten den Rollout, also das erste Kampfflugzeug, wenn Sie so wollen, im September dieses Jahr in den Vereinigten Staaten von Amerika. Wir alle, alle drei Luftwaffen brauchen aber einen Generationswechsel für die Frage, was kommt nach Rafale und was kommt nach Eurofighter. Und das ist das Projekt NGWS im Rahmen von FKAS. Und wir brauchen potentete Plattformen, die sehr schwer aufkleber sind, also diese berüchtigte Stealth-Technologie. Eben auch im Verbund mit unbemannten Systemen und in Zugriff auf ein Datennetzwerk, genannt die Combat Cloud, sodass wir alle quasi auf ein gemeinsames Bild schauen und den Kampf führen können.
Sprecher 4: Da gibt es ja die F-35, die aus US-amerikanischer Produktion diese Anforderungen erfüllen würde. 35 sind bereits bestellt. Die Franzosen haben ja auch schon deutlich gemacht, dass sie unglücklich damit sind, dass Deutschland F-35 kauft. Andererseits wollen sie ja die Flugzeuge der neuen Generation. Hätten Sie denn gerne noch mehr als diese 35 F-35?
Sprecher 5: Wir dürfen nicht vergessen, die Entscheidung zur Beschaffung der F-35 basiert ja insbesondere auf der Weiterführung unserer Verantwortung im Rahmen der sogenannten nuklearen Teilhabe. Das heißt, das Verbringen von US-Atomwaffen durch NATO-Verbündete, in unserem Fall durch die Luftwaffe. Wir haben 35 bestellt. Ein kleinerer Anteil davon wird in den Vereinigten Staaten von Amerika bleiben, um dort die Ausbildung unserer Piloten sicherzustellen. In Ebbing in Arkansas wird das Ganze stattfinden. Und natürlich gibt es Überlegungen innerhalb der Luftwaffe, eine höhere Anzahl zu beschaffen. Es gibt aber keine Pläne im Verteidigungsministerium. Das sind eben auch Fragen, die im Kontext mit dem Weiterführen von FKAS geklärt werden müssen. Ob und in welcher Art und Weise FKAS weitergeführt wird.
Sprecher 4: Das heißt, wenn FKAS jetzt nicht zu einer schnellen Lösung findet, Müssten Sie F35 nachbestellen?
Sprecher 5: Die Tranche 5, also die nächste Generation Eurofighter, wird in den Jahren 31 bis 34 auch. ausgeliefert. Ich habe das BMVG, das Verteidigungsministerium gebeten, dass danach, also ab 35, nur noch Flugzeuge der fünften Generation beschafft werden. Das ist nicht unbedingt lückenlos, also direkt im Anschluss 35 und folgende, aber alles, was danach kommt, nach 35, sollte die Anforderungen der fünften Generation erfüllen. Je nachdem, wie lange es dauert, solche Fähigkeiten in einem europäischen Kontext aufzubauen, kann es durchaus sein, dass wir noch weitere Überbrückungslösungen brauchen, Unter anderem könnte eine Möglichkeit sein, weitere F-35 zu beschaffen.
Sprecher 4: Und das wäre dann eher Größenordnung 15 war eine kolportierte Zahl oder eher Größenordnung 50 plus?
Sprecher 5: Das müssen wir dann mal sehen, wie es weiterlaufen soll. Da gibt es natürlich dann auch Infrastrukturfragen. Braucht man einen zweiten Standort? Wo käme der hin? Und so weiter. Das sind aber alles Fragen, die wir in Zukunft noch klären müssen. Wichtig ist, dass wir zunächst einmal die F35 einführen und dann möglichst zeitnah eine Entscheidung bekommen, wie weit und inwieweit und in welche Richtung FKAS-NGWS weiterläuft.
Sprecher 4: Eine weitere deutsch-amerikanische Frage sind die Deep Precision Strike Systeme, also weitreichende Präzisionswaffen. Die USA hatten ja zunächst angehört, diese Tomahawk-Marschflugkörper nach Deutschland zu liefern. Jetzt zeichnet sich ab, dass sie es doch nicht machen wollen. Man sieht das Militärische, auch wenn vielleicht die Beziehungen gut sind in die USA, kann sich dann diesen politischen Problemen nicht entziehen. Sehen Sie Alternativen in Europa zu diesen weitreichenden Präzisionswaffen?
Sprecher 5: Die Arbeitsbeziehungen Militär zu Militär sind unverändert sehr gut im Rahmen der NATO, aber auch im Bilateralen zwischen der Luftwaffe und der amerikanischen Luftwaffe. Was Washington angeht, als auch die europäischen Anteile der US-Luftwaffe hier in Rammstein. Wirklich auf Augenhöhe und wir tauschen uns sehr häufig aus zu Tagesaktuellen, aber auch anderen Themen. Zu der Befähigung Deep Precision Strike, also die Möglichkeit, weit im Gebiet eines Gegners zu wirken, gibt es natürlich verschiedene Möglichkeiten. Wir fokussieren im Moment in der Diskussion sehr stark auf diese Boden-Boden-Fähigkeit durch Tomahawk, Lenkflugkörper oder Titan auch genannt. Es gibt natürlich auch andere Möglichkeiten, von See aus zu wirken. Oder, wenn Sie so wollen, ist die F-35 als Waffensystem eine DPS-Fähigkeit. Wir können dort mit Marschflugkörpern operieren, die in Gänze zwar nur im dreistelligen Kilometerbereich Reichweite haben, aber in Verbindung mit der Trägerplattform der F-39, die in der Lage ist, sehr tief ein gegnerisches Gebiet einzudringen, wird eben in der Summe, also sprich Reichweite der Plattform und Reichweite der Waffe, wird auch eine DPS-Fähigkeit raus. Wir haben vor, und das ist schon sehr weit fortgeschritten, die Fähigkeit Taurus von dem Waffensystem Tornado auf das Waffensystem O. Eurofighter zu überführen und der Taurus soll auch noch weiterentwickelt werden in einem Projekt namens Taurus Neo, wo wir also eigene Fähigkeiten anschieben. Es gibt darüber hinaus bilaterale und EU-Überlegungen, um die Fähigkeit DPS weiter fortzuführen. Da gibt es ein Projekt zusammen mit Großbritannien, aber auch in anderen Konstellationen. Wir sind natürlich auch im Austausch. Mit beispielsweise unseren israelischen Freunden, die dort ähnliche Fähigkeiten sehen. Also wir müssen uns davon trennen, dass es immer nur eine Quelle gibt einer solchen Fähigkeit. Wir müssen an alle Dimensionen denken, die diese Fähigkeit abbilden können und müssen uns eben dann gegebenenfalls nach Alternativen umsehen.
Sprecher 4: In der Bundeswehr wird ja viel über diese Zeitlinie 2029 gesprochen. Da wäre Russland laut den Prognosen in der Lage, NATO-Gebiete anzugreifen. Könnte man bis dahin solche Fähigkeiten entwickeln?
Sprecher 5: 2029 ist, wenn Sie an Rüstungsentwicklung und an das Entwickeln von Waffensystemen denken, quasi übermorgen. Also wir haben nicht mehr besonders viel Zeit. Deswegen sind wir in vielen Bereichen... Dazu gezwungen, Zwischenlösungen zu akzeptieren. Sprich, wir kaufen es auf dem Weltmarkt ein, Dinge, die verfügbar sind. Parallel müssen wir aber schauen, dass wir in Europa diese Schlüsseltechnologien weiterentwickeln, weiter fortführen und eigene Fähigkeiten damit aufbauen. 29 ist ein, wenn Sie so wollen, ein Planungsziel. Wir können das unterscheiden, ist diese Fähigkeit bis 29 oder erst danach verfügbar. Das ist so ein Wicht. Wichtiges Kriterium in der Schwerpunktsetzung. Wichtig ist aber zu verstehen, dass unsere Einstellung Fight Tonight lautet. Das heißt, wir müssen heute Antworten auf die Fragen finden, die uns gestellt werden und nicht erst 29. Also das wird ab und zu mal vielleicht ein bisschen missinterpretiert, zu sagen, bitte kommen Sie erst 29 wieder, sondern wir müssen und wir werden mit allem, was wir haben, unser Land im Rahmen der NATO verteidigen gegen einen möglichen Aggressor. Aber in der Tat, die Entwicklungszeiträume bis 2029 sind begrenzt und wir müssen, wie bereits erwähnt, wahrscheinlich auf Überbrückungslösungen zurückgreifen.
Sprecher 4: Es wurde jetzt ja viel Geld in Verteidigung investiert. Merken Sie denn, dass das bei Ihnen ankommt, dass sich die Lage für die Bundeswehr oder auch die Luftstreitkräfte verbessert hat?
Sprecher 5: Kurze Antwort ja. Beispielsweise durch den Zulauf des Aero Weapon Systems for Germany, das wir seit 3. Dezember letztes Jahr in einer Erstbefähigung eingeführt haben. Dieses Jahr kommt der sogenannte Rollout der ersten deutschen F-35 in den USA. Ja, der Zulauf ist da und gesichert. Wenn Sie jetzt aber mit einem Operateur wie mir reden, sind wir immer geprägt von einer großen Ungeduld. Das muss schneller gehen und mehr, höher, schneller, weiter. Das ist, glaube ich, in unseren Genen so abgelegt. Es dauert noch, bis wir wirklich die gesamten Fähigkeiten zur Verfügung haben, aber es ist sehr viel angeschoben und es materialisieren sich Dinge. Wie beispielsweise die F-35 oder das angesprochene Arrow Weapon.
Sprecher 2: Also der Zulauf läuft und wir brauchen eben noch ein bisschen Zeit, bis wir alle unsere Fähigkeiten abbilden können. Vielen Dank für das Gespräch. Ich danke Ihnen, Herr Buhl.
Sprecher 3: Lieber Michi, du Sonnenkind. War noch was?
Sprecher 2: Du weißt ja, dass du mindestens seit zweieinhalb Jahren auf der Sonnenseite des beruflichen Lebens lebst.
Sprecher 3: Seit ich an deiner Seite bin.
Sprecher 2: So, danke. Aber auch die Berliner leben auf der Sonnenseite Deutschlands. Das zeigen zumindest die Zahlen des Deutschen Wetterdienstes von 2025. Und das war für mich doch überraschend. Berlin liegt bei den durchschnittlichen Sonnenstunden im Jahr auf Platz 1. Nicht etwa Freiburg oder Köln oder Bayern. Platz 2 ist das Saarland mit 2022 Stunden, gefolgt von Brandenburg mit 2008 Stunden. Also Berlin ist die Sonnenseite des Lebens. Gut, dass wir von hier unseren Podcast machen. Übrigens, auf dem letzten Platz die angeblichen Sonnenkinder aus Nordrhein-Westfalen mit nur 1820 Stunden.
Sprecher 3: Und Hamburg auf dem drittletzten Platz. Dabei kann ich sagen, die Hamburgerinnen, gerade die Hamburgerinnen, haben doch die Sonne im Herzen.
Sprecher 2: Diejenigen, die bei der Sonnenstatistik ganz unten sind, haben es gerade schwer. Nicht nur Henrik Wüste in Nordrhein-Westfalen, auch Hamburg hat ja jetzt verloren, weil die Olympischen Spiele keiner will in dieser Stadt.
Sprecher 3: Da muss die Sonne schon ganz schön gegen an scheinen. Na gut. Also in diesem sonnigen Sinne bis Mittwoch. Wir freuen uns schon jetzt auf Sie und schreiben Sie uns doch mal wieder unter podcast.table.media. Wir sind manchmal so einsam. Im Studio, wenn wir Florian Fischer nicht hätten, wäre es sowieso schon so hart. Also melden Sie sich.
Sprecher 2: Sagen Sie uns, was Sie über uns denken. Wir freuen uns über Anregungen, Ideen und bewerten Sie uns gerne mit einem Like oder was auch immer Sie machen wollen in der Podcast-App Ihrer Wahl. Bis morgen. Ciao, ciao.
Sprecher 6: Rescue. All right. F-Soul. Out, out, out, out, out, out.