Comeback für Europa - aber wie? Mit Ann-Kristin Achleitner und Torsten Toeller.
Table Today – Spezialausgabe vom Wirtschaftsforum NEU DENKEN in Palma de Mallorca. Rund 250 Gäste aus Politik und Wirtschaft debattieren, ob Europa als Kontinent eine selbstbestimmte, wettbewerbsfähige Zukunft hat. Michael Bröcker spricht mit zwei Stimmen, die das deutsche Comeback aus Wissenschaft und Mittelstand beleuchten.
Ann-Kristin Achleitner, Professorin an der TU München und stellvertretende Vorsitzende des Investitions- und Innovationsbeirats im Bundesfinanzministerium, verortet Deutschlands Problem nicht im Erkennen, sondern im Umsetzen. Hightech-Agenda, Quantentechnologie und agentische KI seien echte Chancen – auch für den bestehenden Mittelstand –, wenn Bund und Länder fokussieren statt sich gegenseitig zu duplizieren. „Ob es dann gut wird oder nicht, hängt maßgeblich von uns ab", sagt sie. [01:31]
Torsten Toeller, Gründer und Mehrheitseigentümer der Tierbedarfskette Fressnapf, würde sein Unternehmen trotz aller Standortklagen wieder in Deutschland gründen und investiert weiter, zuletzt rund 80 Millionen Euro in ein neues Logistikzentrum. Er fordert einen schlankeren Staat und ein Ende des Märchens vom anstrengungslosen Wohlstand: „Es wird gefordert, was nicht finanziert werden kann; es wird verteilt, was nicht erwirtschaftet wurde." [11:44]
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Transkript
Sprecher 1: Herzlich willkommen zu dieser Sonderausgabe von Table Today, direkt aus Palma de Mallorca, aus dem wunderbaren Hotel Castillos. Von wieder hier sind 250 Gäste aus Politik und Wirtschaft, vor allem aus dem Unternehmerlager, zusammengekommen, um über die Zukunft Europas zu diskutieren. Hat Europa eigentlich als Kontinent eine Zukunft, eine selbstbestimmte, eine ökonomisch wettbewerbsfähige? Darum ging es hier in anderthalb Tagen. Oder steigen wir zum Industriemuseum ab, das auf der Weltbühne nur noch als Zuschauer agiert. Darüber haben wir hier zwei Tage diskutiert. Neu denken heißt diese wunderbare Konferenz, die von der ehemaligen TV-Moderatorin Sabine Christiansen kuratiert und initiiert wurde. Zum neunten Mal findet sie bereits statt, in diesem Jahr unter anderem mit Joachim Gauck, dem ehemaligen Bundespräsidenten als Stargast und wieder einmal der Münchner Sicherheitskonferenz als Partner. Wir bringen Ihnen heute einen Ausschnitt aus diesen Gesprächen und Diskussionen. Was muss sich konkret ändern, damit wir in Europa die Comeback-Strategie schaffen? Das, was einst in der Lissabon-Agenda angelegt war. Wir sprechen gleich mit Ann-Christin Achleitner, der stellvertretenden Vorsitzenden des Innovationsbeirats im Finanzministerium, langjährige Unterstützerin der jungen digitalen Wirtschaft und Professorin an der Münchner TUM. Den Klartextblick aus dem Mittelstand gibt uns Thorsten Töller, Gründer und CEO von Fressenab, einem der führenden Unternehmen in Europa im Bereich Tierbedarf alleine mit 2.900 Märkten in Europa und über 20.000 Beschäftigten. Freuen Sie sich auf diese beiden Gespräche. Los geht's.
Sprecher 2: Du hörst jetzt das beste Gefühl der Welt. Und es passiert weiter nichts. Toll, oder? Denn das beste Gefühl ist, wenn einfach nichts passiert. Wenn du dir keine Sorgen machen musst um dein Zuhause, dein Auto oder ein kleines Missgeschick. Und wenn doch mal was ist, sind wir von der DEVK schnell und persönlich für dich da. DEVK. Gesagt. Getan. Geholfen.
Sprecher 1: Einen schönen guten Tag, Frau Achleitner.
Sprecher 3: Ja, herzlichen Dank, dass Sie mich hier haben.
Sprecher 1: Europas Zukunft, hat Europa eine Zukunft, heißt unsere Konferenz. Hat Europa eine Zukunft als wettbewerbsfähiger Kontinent?
Sprecher 3: Die Frage dürfen wir uns gar nicht stellen. Es muss ja so sein, aber nicht in dem Sinne, dass wir nichts tun, weil wir unterstellen, es kommt, sondern in dem Sinne, dass wir das Bestmögliche jeder von uns tun, dass wir die beste Zukunft haben, die wir haben können.
Sprecher 1: Sie waren auf den Panels immer so ein bisschen auch die Stimme, nicht nur der Vernunft, sondern auch der Konstruktivität, des Optimismus, hatte ich das Gefühl. Woher nehmen Sie gerade Ihren Optimismus für das Geschäftsmodell, das zukünftige Geschäftsmodell auch in Deutschland?
Sprecher 3: Ich glaube, unabhängig davon, worüber man redet, Optimismus oder konstruktiver Optimismus ist eine Grundeinstellung. Überlegen Sie sich mal, was die Alternativen sind. Deswegen ist das unabhängig von der Sache sicher so, dass ich so denke. Aber ich glaube, wir können es hier auch haben, weil wir haben unglaublich viele Einzelteile, die wir zusammen haben, die wir nur wieder zusammensetzen müssen, dass sie zusammen funktionieren. Deswegen auch das Auffordern, das gemeinsam zu machen. Ob es dann gut wird oder nicht, hängt maßgeblich von uns ab.
Sprecher 1: Wir müssen ja bei der griechischen Mythologie beginnen. In Ihrem Vortrag haben Sie den Akrasie-Effekt bezeichnet und ausgeführt, dass wir eigentlich kein Erkenntnisproblem haben in diesem Land, aber es an der Umsetzung hapert. Was fehlt uns genau? Warum tun wir nicht das, wo wir wissen, dass es richtig wäre?
Sprecher 3: Das ist eine ganz entscheidende Frage. Nehmen Sie zum Beispiel den Bereich Innovation. Da gibt es eigentlich nicht so große Unterschiede zwischen den Parteien. Da gibt es relative Einigkeit auch zwischen der Politik und den Unternehmen. Unternehmen. Das ist kein Kampffeld wie andere Felder, wo dann, sagen wir mal, ideologische Sachen mit reinspielen. Und trotzdem müssen wir in einen Umsetzungseffekt kommen. Das ist eine gute Frage, woran es liegt. Sicher ist eine Sache, dass wir keine Grundsatzstrategie haben, an der wir arbeiten müssen, in welche Richtung wir aber wollen. Was sind die Technologien, auf die wir vor allem setzen wollen für die Zukunft Deutschlands, wo die Sachen, die neuen Arbeitsplätze herkommen, aber auch die Technologien, die uns helfen, eine Schnittstelle zu unternehmen. Weil wenn ich zum Beispiel jetzt, das Wort fiel heute an, agentischer KI denke oder sowas, das ist ja keine Sache, wo es nur darum geht, neue Unternehmen zu gründen, sondern die bestehenden Unternehmen mitzunehmen und umzubauen.
Sprecher 1: Die Hightech-Agenda beinhaltet ja unter anderem auch die KI, aber eben noch anderes. Sind das die Schlüsseltechnologien, auf denen Deutschland ein neues Wirtschaftswunder aufbauen kann? Oder ist das ein verkopftes politisches Zielbild, damit man mal nach draußen hin überhaupt so etwas wie eine Strategie erkennen lässt?
Sprecher 3: Nein, die Hightech-Agenda ist ein erster Schritt, über die Technologien zu reden. Es ist ja zum Beispiel auch Quantentechnologie dabei, die entscheidend sind, wenn wir nach vorne gehen. Es ist ein bisschen breiter. Wichtig ist zum Beispiel auch die Raumfahrtindustrie, wo wir ja Fortschritte gemacht haben. Wichtig ist aber, dass wir da jetzt auch konkretere Pläne haben und auch den klaren Willen haben, an der Weltspitze zu sein, was Fokussierung voraussetzt. Weil innerhalb der Schlüsseltechnologien gibt es ja jeweils dann wieder verschiedene Ansätze und andere Fragen. Und da müssen wir einen stärkeren Push entwickeln.
Sprecher 1: Müssen wir auch ehrlich zu uns sein und sagen, den Wohlstand, den wir uns haben erarbeiten können durch die großen Branchen wie Automobil, Maschinenbau, Chemie, dass die in den neuen Technologien aufgrund des verschärften Wettbewerbs nicht das Wohlstandslevel, auch nicht das Beschäftigtenlevel halten können.
Sprecher 3: Das würde ich so nicht sagen, weil Sie sehen ja, was zum Beispiel mit anderen Technologien auch gekommen ist. Aber wenn wir sie nicht angehen und wenn wir auch nicht die bestehende Industrie umbauen, weil der Punkt ist ja nicht, eine existente Industrie komplett durch eine neue zu ersetzen, sondern es geht darum, dass wir einen Umschwung haben. Wir werden die neuen Industrien haben, die wir brauchen. Wir müssen aber auch in den bestehenden Industrien, die wir sind, wettbewerbsfähig sein. Das Thema, bevor ich überhaupt bei agentischer KI ist, Digitalisierung und andere Fragen angehen, das wird wichtig sein.
Sprecher 1: Wo sind die Bremsklötze? In den Unternehmen? Etagen, in den bürokratischen Apparaten, in den Verwaltungen oder auch in der Gesellschaft, die den Wandel gar nicht so sehr will?
Sprecher 3: Ich glaube, alle Punkte, die Sie angesprochen haben, ist wichtig. Das Thema Bürokratie ist ja nicht nur ein staatliches Thema. So wie es überhaupt nicht nur ein staatliches Thema ist, weil wenn wir darüber reden, auf der Unternehmensseite sehen wir auch sehr viele Sachen, wo wir uns bewegen müssen. Und Bürokratie gibt es auch in den großen Unternehmen. Also hier muss man schlanker werden und hier sind natürlich auch Digitalisierungsprozesse eine Chance. Man muss sie nur wirklich auch umsetzen und darf nicht in einer Pilotierungsphase sozusagen stecken bleiben.
Sprecher 1: Ein deutschlandweit exzellentes Beispiel, an dem Sie eben beteiligt sind, ist die TUM in München, die es geschafft hat, unternehmerische Expertise und Forschungsexpertise zusammenzubringen, auszugründen. Warum ist das immer noch so eine Art Leuchtturm, ein Einzelbeispiel? Warum ist das nicht Standard in Deutschland?
Sprecher 3: Also ich glaube, vielleicht zwei Sachen. ein großer strategischer Wurf, das auch zu machen. Man wusste, was man wollte und es kamen mehrere Sachen zusammen. Es kam damals ein sehr visionärer Universitätspräsident zusammen, Professor Herrmann, der es wollte. Es kam dazu, dass es eine bayerische Staatsregierung gab, damals Stoiber, der sehr stark darauf gesetzt hat. Viele der Sachen, die wir heute sehen, sind Folgen der damaligen Stoiberischen und anderen auch Hermannschen Sachen. Und es kam mit Frau Klatten jemand dazu, der das Engagement wirklich als Einzelperson gemacht hat. Das finanzielle Vorhaben? Ja, nicht nur finanziell, sondern sie war auch sehr stark engagiert. Sie ist bis heute, ich bin ja im Aufsichtsrat, sehr heute inhaltlich sehr strukturiert. Das ist kein einmaliger Scheck gewesen, sondern ein jahrzehntelanges Engagement. Und dann kam natürlich mit Helmut Schönberger auch ein Mensch dazu, der das auch nachhaltig getrieben hat. Deswegen würde ich sagen, diese vielen Ingredienzen, die kamen einfach zusammen und sind zusammengeblieben. Viele von uns sind ja seit Jahrzehnten jetzt gemeinsam daran beschäftigt, das zu machen, ich auch in einer anderen Rolle. Ich darf Ihnen aber widersprechen, dass es durchaus Bewegungen jetzt gibt in Deutschland, die beeindruckend sind. Man hat ja mit der Startup Factory sozusagen versucht, aus dem Münchner Modell zu lernen, wie geht es dann in die verschiedenen Gebiete rein. Es gab den Wettbewerb und zum Beispiel Hessen hat genau das gemacht, worüber wir sprechen. Eine große Strategie mit der Hilfe von Bain, das ist beeindruckend, was da aufgearbeitet ist, bringen die verschiedenen Ansätze zusammen, haben einen eigenen Fonds. Es gibt auch andere Bereiche, Hessen kenne ich jetzt besonders gut und finde ich besonders eindrücklich. Und auch in München ist es ja so, dass es... Immer mehr Unternehmertum, neue Entwicklungen gibt es, wie zum Beispiel der neue Vizepräsident der LMU, die neuen Ansätze der Max-Planck-Gesellschaft etwas zu machen und wir arbeiten alle eng zusammen. Das ist, glaube ich, das Geheimnis von München. Wir bekämpfen uns nicht, sondern wir arbeiten zusammen.
Sprecher 1: Und im Idealfall ist der Föderalismus dann so eine Art Wettbewerbsgeflecht, wo jeder besser sein will als der andere und hier ein neuer Startup-Inkubator und hier eine noch bessere Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft. Ist das denkbar, dass Föderalismus mal hilft?
Sprecher 3: Natürlich, wenn man Föderalismus so versteht, dass nicht jeder das Gleiche versucht zu duplizieren, sondern dass jeder auf das setzt, auf die Industrien setzt, zum Beispiel in denen er regional auch stark ist. Sie müssen mit der regionalen Wirtschaft arbeiten. Sie müssen die Universitäten haben in diesem Gebiet. Und auch München deckt ja sozusagen vor allem den industriellen Bereich ab. In manchen Bereichen sind wir weniger aktiv. Wenn Sie zum Beispiel an das ganze Biotech-Cluster auch denken, das gehört natürlich natürlicher um diese ganze Region Heidelberg, Mainz und andere Bereiche. Also ich glaube, wesentlich ist, dass Sie die Individualität haben oder wenn Sie an Hinterland denken, oben in Westfalen, dass wir das haben. Hand darum sind wir als Münchner, als Unternehmertum, darf ich sagen, natürlich bestrebt, dass wir dadurch, dass wir permanent uns neue erfinden, neue Sachen machen, vorne an der Kurve bleiben.
Sprecher 1: Agentic AI, müssen wir noch kurz ansprechen, Sie haben es eben schon genannt. Ist das die Comeback-Chance für den traditionellen industriellen Mittelstand, Maschinenbau, Chemie, Automobil oder ist es eigentlich ein Abbauprogramm? am Ende in diesen alten traditionellen Strukturen und Branchen?
Sprecher 3: Nein, im Gegenteil. Sie müssen es positiv sehen. Ich habe mich zum Beispiel die letzten Tage mit einem neuen Startup aus München enger beschäftigt, was Atira heißt, was genau agentische AI für technische Vertriebsprozesse einsetzt. Also wo es ja sehr aufwendig ist, wenn Sie im technischen Bereich im Maschinenbau bestellen, wie Sie die Angebotserstellung machen auf der Basis von diesen technischen Daten. In diesem Bereich können Sie, wenn Sie Agentensysteme einsetzen, nicht nur sehr effizienter arbeiten, natürlich auch viel schneller und damit auch Angebote machen, die Sie gar nicht hätten machen können mit der Geschwindigkeit. Von daher ist das zum Beispiel eine ganz klare Chance, wenn man agentische AI in diesem Bereich einsetzt. Und es macht sehr viel Sinn, sowas auch aus Deutschland daraus zu entwickeln. Ist auch ein Münchner Unternehmen.
Sprecher 1: Haben Sie das Gefühl, dass die Politik das verstanden hat, die Chance, und alles tut, dass wir dann nach vorwärts kommen?
Sprecher 3: Das ist sehr unterschiedlich, wer das wie gesehen hat.
Sprecher 1: Müsste das nicht von ganz oben kommen?
Sprecher 3: Also zumindest ist es essentiell, dass sie die Politik mehr haben. Sie haben zwei Bereiche natürlich von Politik. Zum Beispiel für uns für die Raumfahrt ist die Landespolitik auch sehr, sehr wichtig. Und da wird ja auch sehr eng gearbeitet. Deswegen kenne ich jetzt Bayern mehr. Es ist zweistufig. Auf der Landesebene ist es unterschiedlich. Da sehen Sie zum Beispiel das positive Beispiel ja im Quantenbereich. Da hat man das klar eingesehen. Und man hat es schon sehr früh klar eingesehen. Also da haben wir die zwei Milliarden, die damals zur Verfügung gestellt worden sind, in der Corona-Zeit im Zuge des Konjunkturpakets. Das hat ausgelöst dann, ich glaube es sind 600 oder so, die in der Ausschreibung, haben, auch durch DLR, dass wir durch die Bestellung von Quantencomputern, was ja ein anderer Ansatz ist, Staat als Kunde, dass wir durch diese Bestellung mitführen sind weltweit im Quantenbereich und dass eine Industrie damit wachsen konnte. Das ist jetzt zum Beispiel mal ein positives Beispiel, wo das sehr klar ist. Und Fusion zum Beispiel hat ja auch relativ viel Aufmerksamkeit.
Sprecher 1: Hoffen wir, dass Sie da recht haben. Zum Abschluss eine persönliche Frage, Frau Achleiner. Sie sind seit Jahrzehnten eine Beraterin, eine Sparringspartnerin, eine Investorin, gerade auch für junge Unternehmen. Ihr Mann engagiert sich, Sie tun das immer weiter, während ich hier gleichzeitig auf der Konferenz oft höre, ich habe meine Stiftung schon in der Schweiz, ich bin raus. Was treibt Sie an, dass Sie in Deutschland weiter... Die Wirtschaft voranbringen wollen und hierbleiben.
Sprecher 3: Deutschland ist ein fantastisches Land. Hier zu sein mit all den Möglichkeiten, die sie haben, dass sie zum Beispiel, wenn sie jung sind, wenn sie sozusagen eine Ausbildung haben können. Wir haben fantastische Universitäten, wir haben einen Rechtsstaat. Es gibt so viel, was wunderbar ist, dass ich zum Ersten sehr gerne hier bin und zum Zweiten finde, dass jeder in den unterschiedlichen Bereichen, in denen man das machen kann, seinen Beitrag leisten sollte. Wenn Sie mich auch fragen, warum ich Zeit in der Politikberatung verbringe.
Sprecher 1: Ein flammender Appell für Deutschland aus Mallorca. Vielen Dank, liebe Frau Achleitner.
Sprecher 3: Herzlichen Dank, Herr Wundt.
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Sprecher 1: Einen schönen guten Tag, Herr Töller.
Sprecher 5: Lieber Brücker.
Sprecher 1: Schön, dass Sie im Podcast zu Gast sind. Lieber Herr Tüller, würden Sie Ihr Unternehmen, wenn Sie es heute auswählen dürften, nochmal in Deutschland gründen?
Sprecher 5: Ja, würde ich. Du weißt, wir haben 3000 Läden, wir sind in 15 Ländern unterwegs. Auch wenn sicherlich Deutschland sich in den letzten Jahren in Relation zu den Ländern, wo wir sind, immer ein bisschen unterdurchschnittlich entwickelt hat, würde ich sagen, dass Deutschland für uns immer noch unser größtes Land ist, wie auch ein resilientes, profitables Land ist. Und gleichzeitig haben wir auch gerade nochmal investiert. Also ich habe nach der Gründung gefragt, würde ich machen, aber ich würde auch weiter investieren. Und wir haben ja gerade auch für 80 Millionen ein neues Lager in Norwegen gebaut, was wir mit Wüst vor ein paar Wochen eröffnet haben. Und von daher geben wir den Standort in Deutschland nicht auf, obwohl ich mir wünschen würde, dass man uns das Leben als Unternehmer in Deutschland so ein bisschen leichter macht.
Sprecher 1: Wir machen gleich auf jeden Fall das Kritische, aber lass uns mal eben anfangen. Was macht die Hoffnung, dass das Comeback für Deutschland als Volkswirtschaft gelingen kann?
Sprecher 5: Na gut, ist ja so, wenn wir uns die Situation heute in Deutschland ansehen und die Situation ansehen, wie die vor etlichen Jahren waren, in 1982, wo wir eine Krise hatten, erinnert mich immer so ein bisschen an den geilen Sturzflug, ich weiß nicht, kennst du noch? Selbstverständlich. Ja, jetzt wird wieder in die Hände geschwuckt, wir steigern das Bruttozahltprodukt. Dann ist das schon so, dass wir damals 10% Arbeitslosigkeit hatten und wir waren in einer echten Krise. Trotzdem haben wir einen Aufschwung geschafft. Und das hat den Geist eines Landes gespiegelt, was zwar in der Rezession steckte, einerseits aber nach Aufbruch und einer besseren Zukunft strebte. Und allen Widrigkeiten zum Trotz war der Wille anzupacken und der Wille zu leisten da. Und die Rahmenbedingungen sind vergleichbar. Die deutsche Wirtschaft lahmt, die Investitionen dümmeln dahin. Die Produktivität ist seit vielen Jahren rückläufig. Und der Geist unseres Landes, an dem wir uns 1982, aber auch mit Schröder nachher, ja nochmal aus dem Dreck gezogen haben letzten Endes, den müssen wir wiederbeleben. Den haben wir heute nicht, das glaube ich schon. Also Wohlstand wird nicht mehr als Produkt von Arbeit und Anstrengung verstanden, sondern als Gegenstand staatlicher Umverteilung. Es wird gefordert, was nicht finanziert werden kann. Es wird verteilt, was nicht erwirtschaftet wurde. Die Kosten werden nicht vermieten, wie das im Unternehmen der Fall ist, sondern eingereicht. Und so dieses Märchen vom anstrengungslosen Wohlstand, das müssen wir verändern. Und wenn wir den Menschen hier in Deutschland die Wahrheit sagen, Die Wahrheit, was es jetzt braucht, was jetzt notwendig ist. Dass wir alle ein bisschen was geben müssen, dass wir alle ein bisschen, ich sag mal, für den Aufschwung uns mehr engagieren müssen letzten Endes. Dann kriegen wir das auch wieder hin. Diesen Optimismus habe ich und deshalb würde ich auch wieder gründen hier.
Sprecher 1: Du sprichst viel von Mindset, das ist Psychologie, von Aufbruchsmentalität. Das kann man nicht erzeugen, das kann man nicht aufoktroyieren. Welche Partner braucht man dafür? Welche Persönlichkeiten sind entscheidend? Kann man überhaupt dieses Mindset umkonstruieren, wenn wir es ein bisschen verloren haben?
Sprecher 5: Ja, also ich denke mal, heute haben die Menschen Angst vor der Zukunft. Es ist weniger eine Verheißung, als dass sie Angst vor der Zukunft haben letzten Endes. Das ist ein bisschen das Thema, wo ich sage, wie kriegen wir es hin, dass am Ende die Politik und vielleicht auch die Unternehmer in Deutschland, dass wir an der Stelle wieder sehen, dass wir wohin arbeiten, wo es dann wieder besser wird. Ich sage mal, das ist, glaube ich, das Kernproblem, was wir heute haben, dass die Menschen nicht sehen, wo es hingehen soll. Und B, wenn wir das machen, wenn wir den Beitrag leisten, wenn wir an der einen oder anderen Stelle alle Abstriche machen, auch ich, dass wir dann in gutes Fahrwasser kommen und uns dann den Wohlstand, das ist ja das Wohlstandsversprechen, dass wir dann eben uns diesen Wohlstand ein Stück weit wieder erarbeiten können. Und das für uns, aber auch für unsere Kinder vor allen Dingen.
Sprecher 1: Man würde so sagen, ja, ich akzeptiere auch meinetwegen eine höhere Reichensteuer, ein oder zwei Prozent beim Spitzensteuersatz, wenn der Staat mir im Gegenzug verspricht, dass er unser unternehmerisches Leben einfacher, effizienter macht.
Sprecher 5: Ja, also auch ich bin bereit, einen Beitrag zu leisten, wie der konkret aussieht, müssen wir mal diskutieren. Aber was wir als erstes diskutieren müssen ist, dass wir heute eine Staatsquote haben, die bei über 50 Prozent liegt. Und wir hatten vor 20 Jahren so um die 450 Milliarden Steuereinnahmen bei einer ähnlichen Bevölkerung, wo wir heute 980, 990 Milliarden Steuereinnahmen haben. Das heißt, wir haben die Steuereinnahmen verdoppelt, aber wir haben natürlich auch die Staatsquote komplett ausufern lassen. Also ja, ich bin... bereit, einen Beitrag zu leisten. Ich bin auch bereit, Geld zu geben oder Steuern zu zahlen. Das tue ich ja schon viele, viele Jahre. Aber dann will ich auch wissen, dass das Geld vernünftig verwendet wird und dass wir damit nicht einen Staat und Bürokratie und die ganzen Dinge finanzieren, die wir über Jahre ja finanziert haben. Jedes Unternehmen ist in Transformation, in Wandel, ist auch immer wieder gechallenged als Unternehmen. Du hast immer Wettbewerb und musst dich immer wieder neu erfinden, musst dich effizient aufstellen, musst sehen, dass du dein Organisationsmodell veränderst, musst sehen, dass du Effizienzen hebst. Und das müssen wir im Staat auch. Und dabei haben wir natürlich eine Bürokratie. Wer braucht 16 Bundesländer? Wer braucht das Europa, so wie wir es konstruiert haben? Da sind ein paar Konstruktionsfehler, die wir aufräumen müssten. Und dann ist auch genug Geld da, dann ist auch auf Dauer genug Geld da, um an vielen Stellen dieses Wohlstandsversprechen, was die Bewohner ja, die Einwohner ja haben wollen, das auch ein Stück weit zu leisten. Und trotzdem muss man die Unterschiede machen und sagen, naja gut, wer arbeitet, muss auch mehr haben als der, der nicht arbeitet. Das sind ja die Themen, die uns allen bekannt sind. Wir haben ja kein Erkenntnisproblem. Wir wissen eigentlich genau, was zu tun ist. Alle Parteien wissen genau, was zu tun ist. Aber an der Stelle ist keiner bereit, irgendwas von sich aufzugeben und ein Stück weit die Fakten zu akzeptieren. Und das ist ein Kernproblem in Deutschland.
Sprecher 1: Bist du enttäuscht von der Regierung Merz oder verstehst du, dass es in einer Parteienkonstellation zwischen Union und SPD, wo eben unterschiedliche Sozialisierung, ideologischen... Themen vorhanden sind, dass es länger dauert, als wir uns alle wünschen?
Sprecher 5: Ja, also natürlich haben wir alle eine hohe Erwartung an Friedrich Merz und die Regierung gehabt. Und natürlich sind wir alle, wir sind ja auf dem Unternehmerforum, natürlich sind wir alle enttäuscht von der Regierung. Ist ja gar keine Frage. Und diese Enttäuschung hat auch damit zu tun, dass eine riesen Erwartungshaltung geweckt wurde, wo man gesagt hat, wir machen super Reformen und jetzt haben wir noch nichts. Und jetzt haben wir den Hoffnungslauf, dass das nochmal diesen Sommer was wird. Irgendwann ist es ja auch ein bisschen spät. Und von daher, natürlich bin ich enttäuscht. Gleichzeitig muss ich fairerweise aber auch sagen, dass natürlich diese Konstellation, die wir jetzt haben, Naja, nichts im Leben ist alternativlos. Aber ich sage mal, was ist denn die Alternative? Also wir wissen doch alle, CDU, CSU und SPD passen nicht zusammen. Und am Ende war es aber die einzige vernünftige Option, eine Regierung zu gründen und zu bilden. Und jetzt müssen die miteinander klarkommen und da muss was rauskommen. Und nochmal, die Fakten sind klar. Und da darf man eben nicht zu sehr seine Denkweise, seinen Besitzstand und auch nicht zu sehr in Richtung Partei alles verteidigen. Ich meine, die ganzen Minister haben geschworen, dass sie das Richtige, haben ein Eid geleistet, dass sie das Richtige für Deutschland tun. Nicht für den eigenen Machterhalt. Nicht für die Parteien. Nicht für die nächste Wahl. Dass sie das Richtige für Deutschland tun, für die deutsche Bevölkerung tun. Und das vermisse ich schon ein Stück weit.
Sprecher 1: Du gehörst also nicht zu den Unternehmern, die sagen, naja, vielleicht muss die... Union einfach auch mal nach rechts gucken und die Brandmauer zur AfD runterreißen, dann kann man mal in der Wirtschaftspolitik durchregieren?
Sprecher 5: Also eins ist mal klar, diese Brandmauer-Diskussion ist völlig verrückt. Denn diese Brandmauer-Diskussion, alle Parteien gegen eine AfD am Ende, macht ja die AfD nur stärker. Ich bin natürlich kein AfD-Wähler, ist ja keine Frage. Aber ich sage mal, diese Brandmauer-Diskussion macht die AfD stärker.
Sprecher 1: Und was wäre die Alternative?
Sprecher 5: Die Alternative ist, zu gucken, dass man die AfD in den Sachthemen, wo sie teilweise ja dünn aufgestellt ist, dass man die AfD in den Sachthemen stellt und grundsätzlich nicht raus...
Sprecher 1: Und wenn sie den Sachthemen eine gleiche Meinung hat und dann einen Antrag der Union im Bundestag unterstützen würde, was dann?
Sprecher 5: Ja gut, also ich sage mal, am Ende des Tages ist es so, dass ich glaube, die AfD kann sich weiterentwickeln und zwar in die richtige Richtung. Und die ganz Rechten am Ende möglicherweise auch rausschmeißen.
Sprecher 1: Thorsten Söder zum Abschluss. In deinem Unternehmen nochmal geguckt. Es gibt immer die gleichen Themen. Bürokratieabbau, hohe Energiekosten, Faktor Arbeit ist zu teuer, Fachkräftemangel. Was ganz konkret in deinem Alltag hemmt dein Wachstum im Moment am meisten?
Sprecher 5: Also eines ist ja klar. Ich sage mal, wir nehmen mal ein Beispiel und das kostet nichts. Deshalb ist es so ein schönes Beispiel. Dieser Bürokratieabbau. Wir ersaufen in Verordnungen. Wir ersaufen in Bürokratie. Und das ist Europa, das ist der Bund, dann sind es teilweise die Länder.
Sprecher 1: Kannst du das mal beziffern können für deine Unternehmen?
Sprecher 5: Ja, guck mal, also wir haben dann, ich sage mal, Lieferketten, Sorgfaltspflichtgesetz. Wir haben dann DSGVO und viele, viele andere Verordnungen, die alle neu reinschwappen. Compliance-Themen. Und ich kann meine Rechtsabteilung, meine Compliance-Abteilung, kann ich um zehn Leute aufstocken am Ende des Tages mit den Verordnungen, die über die letzten Jahre gekommen sind. Und jetzt sind wir ein großes Unternehmen und haben sowieso schon ein bisschen was davon machen müssen. Und dass dann einzelne Verordnungen, das war ja jetzt noch so ein Heilungsprozess, dass dann einzelne Verordnungen beim Lieferketten-Sorgfaltgesetz oder bei anderen Gesetzen, dass man dann sagt, große Unternehmen müssen das machen, aber kleine Unternehmen müssen das nicht machen. Also entweder ist eine Verordnung richtig oder ist nicht richtig. Und wenn sie nicht richtig ist, dann ist sie nicht für große Unternehmen richtig und für mittlere nicht. Also das versteht kein Mensch. Und das wäre ja einfach, das zu tun.
Sprecher 1: Mein Anteil an deinem Umsatzwachstum jedenfalls ist gesichert. Meine beiden Katzen essen sehr viel und viel zu viel. Sehr schön. Insofern, meine Unterstützung hast du. Vielen Dank für die Unterstützung. Sehr gerne, danke dir.
Sprecher 6: Wenn früh am Morgen die Werksirene dröhnt und die Stechur beim Stechen lustvoll stöhnt, in der Montagehalle die näheren Sonne strahlt und der Gabelstaplerführer mit der Stapelgabel prallt, ja dann wird wieder in die Hände gespuckt, wir steigern das Bruttosozialprodukt, ja ja ja, jetzt wird wieder in die Hände gespuckt. Wenn früh am Morgen die Werksirene dröhnt, Und die Stecher beim Stechen lustvoll stöhnen. Dann hat einer nach dem anderen die Arbeit gut gepackt. Und jetzt singen sie zusammen im Arbeit. Tak, tak, tak, tak, tak, tak, tak. Ja, jetzt wird wieder in die Hände gespuckt. Wir steigern das Bruttosozialprodukt. Ja, ja, ja, jetzt wird wieder in die Hände gespuckt. Wir steigern das Bruttosozialprodukt. Ja, ja, ja, jetzt wird wieder in die Hände gespuckt. Wir steigern das Bruttosozialprodukt. Ja, ja, ja, jetzt wird wieder in die Hände gespuckt.