Exklusiv: Wie Merz auf die Wüst-Spekulation reagiert
Dauer: 24:45

Exklusiv: Wie Merz auf die Wüst-Spekulation reagiert

Die Reaktionen auf die Gerüchte um Hendrik Wüst fallen überraschend scharf aus. Die Spekulationen über einen möglichen Wechsel von Wüst nach Berlin seien eine „naive Idee" und „gefährliche Lust an der Zündelei", heißt es aus dem Umfeld des Bundeskanzlers: „Wer diese Spekulationen anstellt, betreibt das Geschäft der AfD und raubt der politischen Mitte die Autorität." [01:08]

Aminata Touré, Sozialministerin und Vize-Ministerpräsidentin in Schleswig-Holstein, tritt als Spitzenkandidatin der Grünen zur Landtagswahl 2027 an. Touré macht klar, dass die schwarz-grüne Zusammenarbeit in Kiel besser funktioniert als das schwarz-rote Bündnis im Bund. 

Die Herausforderungen auf Bundesebene seien zwar andere als in einem Bundesland. Die Grünen aber seien „absolut in der Lage" auch im Bund mitzuregieren. Man könne sich mit der CDU an einen Tisch setzen und über „die Verantwortung sprechen, die wir haben." [09:03] [09:03]

Die NASA hat Pläne für Mondmissionen, die an Science Fiction erinnern. 81 Starts mit 73 Mondlandungen sind geplant, und auf dem Mond soll eine dauerhafte Basis entstehen. [21:27]

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Transkript

Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.

Sprecher 2: Das Kanzleramt reagiert ziemlich scharf auf die Wechselgerüchte rund um Hendrik Wüst, inklusive einer kleinen Warnung an die eigene Partei. Von Wüstenspekulationen ist die Rede, dazu gleich mehr.

Sprecher 3: Der Kanzler ein Wortspieler, so kann man sagen. Aber schauen wir nach Schleswig-Holstein. Dort gibt es eine Kampfansage der Grünen. Aminata Touré, die derzeitige Vizeministerpräsidentin, will bei der Wahl 2027 den Spitzenkandidaten Daniel Günther herausfordern und gleichzeitig weiter mit ihm zusammenarbeiten. Wie soll das eigentlich gehen und was treibt sie eigentlich an? Dazu sagt sie selbst Verantwortung. Was das genau bedeutet, darüber sprechen wir gleich mit ihr.

Sprecher 2: Sollen wir einfach einen Teil der Menschheit auf den Mond schießen? Das ist zumindest der Plan der NASA. Die erste dauerhafte Außenstation der Menschheit soll am Südpol des Mondes gebaut werden. Wie genau das geht, wer dann in Frage kommt, das sagen wir Ihnen zum Schluss an diesem Donnerstag, den 28. Mai.

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Sprecher 2: Helene, jetzt ist die Causa Wüst erst recht eine.

Sprecher 3: Ja, wirklich interessant. Also wenn wir uns die Zitate anschauen, die das Kanzleramt freigegeben hat, das ist natürlich wirklich spektakulär. Der Kanzler richtig erbost über, ja vielleicht nicht Hendrik Wüst persönlich, aber doch um die Leute drumherum, die diese Wechselgerüchte aufgebracht und weitergesponnen haben von Wüst, denn Spekulationen ist die Rede, naive Idee, gefährliche Lust an der Zündelei. Die Spekulation zeuge von bemerkenswerter Unkenntnis der Verfassung und Realität. Also so klar spricht der Kanzler selten und bemerkenswerterweise findet er diese klaren Worte nicht für seinen Koalitionspartner, die SPD, nicht für die Koalition, sondern für seinen Ministerpräsidenten, seine eigenen Partei, des eigenen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen. Einer der beliebtesten Politiker dieses Landes. Was sagen wir dazu?

Sprecher 2: Ja, und es geht ja noch weiter, was wir da recherchiert haben, ist heftig. Er sagt, die Stabilität des Bundestags werde durch diese Aktionen gefährdet. Angesichts der Weltkrisen, die Friedrich Merz da gerade zumindest mitzulösen hat, sei das doppelt fahrlässig. Und dann ein Satz, der noch für Zündstoff sorgen wird. Wer diese Spekulation anstellt, betreibt das Geschäft der AfD und raubt der politischen Mitte die Autorität. Das ist natürlich ein Frontaleingriff, eine Gegenoffensive zu Wüst und denjenigen, die auch immer ein Interesse daran hatten, dass diese Spekulation den Weg in die Medien geführt hat. Man muss dazu sagen, wir haben es ja hier schon mal gestern gesagt. Wenn 20 Journalisten mit Henrik Wüst auf einer Auslandsreise sind, dann kann es sein, dass es ein Porträt über diesen Mann gibt, das logischerweise lautet, der Mann nach Merz. Von konkreten Szenarien ist eigentlich nirgendwo in der CDU die Rede. Weder will Henrik Wüst jetzt vor den Landtagswahlen oder danach eingewechselt werden. Er muss erstmal überzeugend die Wiederwahl im Frühjahr gewinnen. Aber dann natürlich ist der einflussreichste Chef der NRW-CDU und NRW-Ministerpräsident. Natürlich ist er der Kandidat Nummer 1, falls Friedrich Merz frühzeitiger doch abgeben muss.

Sprecher 3: Und auf der Liste der Talking Points der nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten des Aktuellen und der der Vergangenheit steht immer drauf, natürlich ist der Ministerpräsident des bevölkerungsreichsten Bundeslandes auch willens und in der Lage, Bundeskanzler zu werden. Das muss so sein, denn Hannelore Kraft hat das einmal abgelehnt und war danach verzwergt und nicht mehr zu halten als Ministerpräsidentin, um die Geschichte ein bisschen abzukürzen. Also das ist eine Standardfloskel. Die wird so kolportiert aus seinem Umfeld. Das ist an sich überhaupt nicht überraschend, denn wie gesagt, das wird immer gesagt. Jetzt kommt natürlich dazu, dass der Kanzler schwächelt, in Umfragen schlecht dasteht, unbeliebt ist, die Unzufriedenheit mit der Regierung groß ist und so weiter. Und so wird aus diesem einen Satz eben dann schon mal schnell mehr. Und das Interessante, Michael, ist doch aber, dass der Kanzler nun in dieser Form so deutlich wird. Und wie gesagt, es geht nicht gegen irgendeinen Gegner, sondern es geht um seinen Partner in Nordrhein-Westfalen, aus seinem eigenen Bundesland. Also ich finde es dann doch ein wenig... Überempfindlich, dass man da so reagiert oder nicht.

Sprecher 2: Es gibt natürlich zwei Szenarien, wie er es auch hätte machen können. Man kann Henrik Wüst einfach per Umarmungsstrategie tot machen, indem man sagt, das ist mein Mann, er ist auch ein Verfechter der politischen Mitte. Wir sind froh und stolz, dass wir so kluge, tolle Ministerpräsidenten haben, die die CDU hat und die die SPD vielleicht nicht hat. Man hätte es direkt wieder in eine Spitze gegen den politischen Gegner bringen können. Aber nein, Merz ist, wie er ist. Und das war er auch schon 2024, als Henrik Wüst mit seinem Gastbeitrag in der FAZ, Helene, du wirst ja für diese Zeitung arbeiten, wo man gerne die großen politischen Gastbeiträge gegen politische Gegner, gerne auch parteiinterne Gegner veröffentlicht. Jedenfalls hat Henrik Wüst da in einem FAZ-Gastbeitrag einige Spitzen gegen den Kanzler losgelassen. Und er war kurz davor, zurückzutreten, hat intern davor gesprochen, macht doch euren Scheiß alleine. Also Wüst macht das nicht einfach so. Er will natürlich perspektivisch ins Kanzleramt. Er ist ehrgeizig, war es schon immer und er ist auch bereit.

Sprecher 3: Diese von dir so schönst gezielte Umarmungsstrategie wäre natürlich die souveränere gewesen, muss man ganz klar sagen. Ich verstehe auch nicht, warum der Kanzler sich in dieser Form die Blöße gibt, so offen zu zeigen, wie sehr ihn das verletzt, dass ein junger Parteifreund und erfolgreicher Ministerpräsident solche Ambitionen hat. Man hätte das auch einfach aussitzen können, gar nicht kommentieren können. Ich meine, wir haben im Podcast eigentlich alles Nötige dazu gesagt. Das ist eine Spekulation, die derzeit nicht eintreten wird. Warum muss man sich in dieser Form jetzt darüber so aufregen? Und das war ja damals 2024 ehrlich gesagt auch so. Klar war das eine Spitze so und gleichzeitig war dieser... Diese fremde Väter in der FAZ ja von ziemlicher Harmlosigkeit. Also da musste man schon die Insights der CDU sehr genau kennen, um die Spitze zu erkennen. Also auch da kann man doch die Dinge mit etwas mehr Gelassenheit auch einfach mal passieren lassen und sagen, eine Volkspartei zeichnet sich auch dadurch aus, dass sie unterschiedliche Stimmen hat und natürlich ganz viele jüngere und auch ältere ambitionierte Menschen, die am Erfolg dieses Landes mitarbeiten wollen. Bums. Also da so auf der Zinne zu sein, I don't get it.

Sprecher 2: Ja, ich versuche mal die Position jetzt von Merz einzunehmen, damit wir beide immer schön differenziert in Pro und Contra bleiben. Natürlich kann er auch gedacht haben, so geht es nicht. Ich muss jetzt meinen Punkt machen, sonst werde ich zermürbt. Klammer auf, das ist die wahre Taktik in Nordrhein-Westfalen. Ihn so lange anzuschießen, bis er freiwillig das Amt räumt. Denn die demokratietheoretischen Möglichkeiten, einen Kanzler zu stürzen, sind mit so vielen Wenns und Abers versehen, dass der Rückzug die einfachste Lösung ist. Vielleicht ist das das Ziel in NRW. Zumindest hat mir das ein Abgeordneter der NRW-CDU im Bundestag mal gesagt. Und Wüst, ja natürlich, man will ihm jetzt mal zeigen, so mein Freund, ich kämpfe, ich bin der Kanzler und wir haben gerade Wichtigeres zu besprechen als deine Spekulation. Also man kann es nachvollziehen, ob es hilfreich ist, weil jetzt wird es natürlich die mediale Debatte erst recht geben. Aber noch ein Satz zu Henrik Wüst, Helene. Ich meine, der Mann ist seit fünf Jahren Ministerpräsident, seit 20 Jahren im Landtag. Natürlich will der jetzt mal raus und weg und den Leuten zeigen, dass er mehr kann. Er ist der zweit- oder drittbeliebteste Politiker in Deutschland. Er hat die Landesvorsitzenden in Niedersachsen, in Hessen, in Baden-Württemberg tendenziell bei sich. Er trifft sich mit ihnen vertraulich. Da sind junge Leute. Die wissen, dass er die Zukunft ist. Also da könnte jetzt ein Machtkampf tatsächlich eskalieren, der vielleicht auch einfach mal ausgefochten werden muss.

Sprecher 3: Ja, der aber vor allem der CDU in diesem sowieso schon fragilen Stadium schaden wird. Wir haben die wichtige Landtagswahl in Sachsen-Anhalt Anfang September. Also ich glaube, das, was die CDU nicht gebrauchen kann, ist ein Infight zwischen zwei Männern, die jeweils glauben, dass sie der Bessere sind. Es ist einfach nicht die Zeit. Über 2029 kann man nachdenken, dann ist Friedrich Merz deutlich über 70. Dann kann man darüber reden, ist ein Generationswechsel notwendig. Auch für Henrik Wüst, also er kann jetzt nochmal eine Landtagswahl gewinnen. Warum sich jetzt verkämpfen in dieser Situation nach Berlin wechseln, in der die Koalition in einem so schlechten Zustand ist? Also ich würde einfach sagen, bitte nicht diese Selbstbeschäftigung. Innerkoalitionär ist schon schlimm genug, aber bitte nicht auch noch innerparteilich. Ich kann ehrlich gesagt nur den Kopf schütteln.

Sprecher 2: Auf einen Mann kommt es jetzt besonders an, Helene, und das ist Jens Spahn. Denn er ist einerseits NRW, jetzt mache ich mal die Helene-Analyse, einerseits ist er NRW-CDU, ein langjähriger, zumindest Partner in Crime mit Henrik Wüst. Die hatten vor vielen, vielen Jahren mal ein Bündnis geschlossen, du machst das Land, ich die Bundespolitik. Und das hat bisher ganz gut gehalten. Der ist aber auch einer, der zumindest qua Amt loyal zu Merz, sein muss und er wird sich irgendwann spätestens nach einer möglicherweise gewonnenen Landtagswahl von Henrik Wüst im Mai nächsten Jahres, wird er sich entscheiden müssen, bin ich im Team Wüst oder Kämpfe ich weiter für März. Das wird sehr spannend und interessanterweise ist Jens Spahn gerade auf dem Weg, sich im Osten sehr beliebt zu machen. Hat auf seiner privaten Geburtstagsfeier vor wenigen Tagen einen gewissen Holger Friedrich zu Besuch gehabt. Er ist bekanntermaßen Herausgeber der Berliner Zeitung und künftig der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung. Das ist nun wahrlich kein CDU-Mann. Also da plant einer offenbar auch neue Allianzen. Und es wird sehr spannend, wozu Jens Spahn noch bereit sein wird.

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Sprecher 2: CDU und Grüne, das kann tatsächlich ganz gut funktionieren. Nicht nur in NRW, darüber sprachen wir ja gerade eben schon, sondern auch in Schleswig-Holstein. Schleswig-Holstein, sagt man, glaube ich. Seit 2017 arbeiten die Parteien jetzt schon in der Regierung ziemlich geräuschlos zusammen und kommen laut aktuellen Umfragen auf eine Mehrheit von 52 Prozent, davon 33 bei der CDU, 19 Prozent bei den Grünen. Das ist für eine Regierungskoalition durchaus selten. Im April soll ein neuer Landtag im hohen Norden gewählt werden. Und wenn es nach Daniel Günther geht, soll Schwarz und Grün einfach an der Macht bleiben. Aminata Touré ist die aktuelle Sozialministerin im Kabinett Günther, Vizeministerpräsidentin und die Spitzenkandidatin der Grünen für die Landtagswahl. Was sagt sie eigentlich zu diesem Bündnis und auch den Spekulationen, dass Schwarz-Grün vielleicht doch die bessere Option im Bund wäre als Schwarz-Rot? Und ist der Özdemir-Kurs der Kurs, den die Grünen jetzt wollen? Oder sind dann die Partei Linken auf dem Baum? Das wollte Helene Bubrowski von ihr wissen. Frau Touré hat uns hier im Studio besucht. Los geht's.

Sprecher 3: Schön, dass Sie da sind, liebe Frau Thure. Danke für die Einladung. Sie wollen Spitzenkandidatin werden für die Wahl, die ja erst in einem knappen Jahr ist, also im April 2027. Ganz schöner Vorlauf, mit dem Sie jetzt lospreschen. Und Ihr Slogan ist, was mich nervt, ist Unentschlossenheit. Sie also sind entschlossen, weiter regieren zu wollen oder Platz 1 anzugreifen. Was ist Ihr Plan?

Sprecher 6: Genau, also ich fange sogar noch weiter vorne an. Was mich antreibt, ist Verantwortung und was mich nervt, ist Unentschlossenheit. Und das beschreibt, glaube ich, schon, wie ich politisch arbeite und wie ich an diese Rolle und Verantwortung herangehe. Und das, was ich vorhabe für diese Wahl, ist für uns als Grüne die Spitzenkandidatin zu sein und das bestmöglichste Ergebnis der Geschichte hinzubekommen. Das ist mir beim letzten Mal gemeinsam mit Monika Heinold als weibliche Doppelspitze auch schon gelungen mit über 18 Prozent. Gerade stehen wir bei den Umfragen bei 19 und ich möchte, dass wir in Schleswig-Holstein auf jeden Fall wieder eine grüne Beteiligung bei der Region haben.

Sprecher 3: Keine Doppelspitze diesmal, wie kommt's? Verabschiedet sich die Grünen von ihren Zöpfen der Vergangenheit?

Sprecher 6: Ich traue mir das zu, das zu machen. Ich bin derzeitig stellvertretende Ministerpräsidentin und trage viel Verantwortung für den Laden und bin, glaube ich, schon auch ein Gesicht für die Grünen in Schleswig-Holstein. Und deswegen haben wir gemeinsam beschlossen, dass wir das ein gutes Angebot finden.

Sprecher 3: Ist es denn eine Kampfansage an Daniel Günther? Wollen Sie Platz 1 angreifen? Wollen Sie es überhaupt erstreben? Derzeit liegen Sie in den Umfragen, ja, Sie haben gesagt 19 Prozent, aber Daniel Günther hat 33. Also ist doch noch eine Strecke zu gehen und Sie reagieren ja gut mit ihm zusammen. Also wie soll sich das Verhältnis im Wahlkampf gestalten?

Sprecher 6: Also ich hoffe und gehe auch davon aus, dass wir das nächste Jahr weiterhin gut regieren werden miteinander, weil ich glaube, dass das das Erfolgsrezept ist von uns beiden, von Daniel Günther und auch mir und als Parteien, dass knapp 60 Prozent der Menschen in Schleswig-Holstein sagen, sie finden diese Regierung gut. Solche Zustimmungswerte hat keine andere Landesregierung, erst recht nicht die Bundesregierung. Deswegen werden wir definitiv nicht in den Modus gehen, uns jetzt jeden Tag anzuschreien, sondern wir werden weiterhin für unsere Konzepte werben. Und ich werde definitiv dafür werben, dass wir eine Partei sind, die sozialpolitische Themen, die klimapolitische Themen nach vorne stellt, in was für ein Land wir leben wollen. Und ich empfinde unser Bündnis wie folgt. Daniel Günther und seine Partei decken vor allem die Mitte. Konservative Rechtswählerin sozusagen ab und wir empfinden schon die Verantwortung dafür, Mitte-Links sozusagen abzuholen. Deswegen finden wir oft gute Kompromisse, weil ich das Gefühl habe, dass wir zumindest den Anspruch haben, niemanden in der Gesellschaft zu übersehen.

Sprecher 3: Der Kompromiss im Politischen wird ja zuweilen verbrämt, weil es dann heißt, man kann die Unterschiede gar nicht mehr erkennen und alles sei im Grunde eins und deswegen nur eine Erfolgsmaschine für die AfD. Warum ist das in Schleswig-Holstein anders, wo die AfD jetzt mittlerweile auch bei 15 Prozent steht, aber die ja doch noch vergleichsweise klein ist?

Sprecher 6: Also das, was ich regelmäßig, wenn ich im Land unterwegs bin, höre, egal ob im Norden, Süden, Westen oder Osten des Landes und auch über Schleswig-Holstein hinaus ist, dass die Leute das angenehm finden, dass wir die politischen Herausforderungen, die gesellschaftlichen Herausforderungen gemeinsam lösen, sie nicht öffentlich diskutieren und schlecht reden und dem anderen irgendwas vorwerfen und dann versuchen, einen Weg zu finden. Deswegen ist jetzt auch nicht alles rosig in Schleswig-Holstein, dort gibt es keine Probleme, so würde ich unser Land niemals darstellen. Aber ich glaube schon, dass wir eine gute Art gefunden haben, gemeinsam zu regieren und dem anderen ernsthaft auch was gönnen zu können. So, wir wissen, es gibt Kompromisse, die tun mir ein bisschen mehr weh als grüne Seite oder der anderen Seite als C. Und trotzdem regieren wir einfach gerne gemeinsam.

Sprecher 3: Cem Özdemir hat die Wahl gewonnen und hat in einem Endspurt ja noch 10 Prozentpunkte aufgeholt. Sie haben denselben Wahlkampfberater, den auch Cem Özdemir hatte. Ist das auch Ihr Plan? Also um das nochmal so klar zu fassen.

Sprecher 6: Ich habe erstmal den Anspruch, wirklich es zu versuchen, als Grüne mindestens das Ergebnis einzuholen vom letzten Mal. Und ich glaube, man kann von der Art von Jam ganz viel lernen. So, und das kann man bei jeder Person, die irgendwas erfolgreich gemacht hat, abgucken. Aber ich habe gar nicht so den Anspruch, die ganze Zeit irgendwo anders hinzugucken und zu überlegen, welche Männer irgendwas woanders besser gemacht haben. Sondern ich finde, wir haben einen richtig starken Wahlkampf das letzte Mal als Grüne in Schleswig-Holstein gemacht. Wir regieren hier gut. Deswegen orientiere ich mich vor allem an den Stärken, die wir selber vor Ort haben. Natürlich wäre es cool, wenn wir noch mehr grüne Ministerpräsidentinnen hätten, gar keine Frage. Aber Baden-Württemberg ist nicht Schleswig-Holstein und Schleswig-Holstein ist nicht Baden-Württemberg. Deswegen werde ich nicht eins zu eins den gleichen Wahlkampf führen.

Sprecher 3: Ja, man hat ja manchmal das Gefühl, die Grüne Partei ist in Wahrheit 16 Parteien. Die Landesverbände sind extrem unterschiedlich, weshalb die Grünen im Bund sich auch ein bisschen schwer tun, zu sagen, wir wollen es weder genauso machen wie Jeremy Stumme noch das Gegenteil. Also es gibt einfach jetzt derzeit sehr viel, was sich unter dem Dach Grün versammelt. Auch sehr viele Personen, die jetzt da stehen und keine klare Führungsperson. Auf Bundesebene ist das nicht strategisch und kampagnentechnisch ein großes Problem?

Sprecher 6: Nö, weil jede Partei hat das. Ja, wir haben definitiv gerade eine Situation, dass wir mehrere Leute haben als Grüne, die irgendwie als Parteispitze, Fraktionsspitze, Da sind, dann haben wir noch die Länder. Haben wir aber schon immer gehabt als Grüne. Wir sind halt ein Laden, der irgendwie mit Doppelspitzen unterwegs ist. Wir sind ein Laden, der Flügel hat und so weiter. Ich zum Beispiel bin sehr bewusst in keinem Flügel organisiert, weil mir das alles reicht. Ich finde, es reicht schon, sich sozusagen politisch in einer Partei zu organisieren. Ich brauche nicht noch eine Abspaltung dessen. So und das heißt, natürlich haben wir gerade in der Oppositionszeit die Frage irgendwie, wer ist da im Lied, aber ich finde, was wir wirklich richtig gut und stark gezeigt haben, ist, wie geschlossen wir sein können und haben, glaube ich, auch Jam Özdemir als geschlossene grüne Partei sehr geholfen, dass nicht jeden Tag irgendwie in der Presse irgendjemand gesagt hat, ich sage das Gegenteil von dem, was Jam gesagt hat. Und ich glaube, das ist auch ein Grund, warum der MP geworden ist, weil die Grünen einfach geschlossen und sauber getickt haben.

Sprecher 3: Auf Bundesebene ist es mit schwarz-grünen Fantasien immer noch schwierig. Das wird auch von grüner Seite, Franziska Brandt hat es neulich hier auch im Podcast gesagt, gibt es insbesondere bei der Klimapolitik und so weiter ziemliche Hürden. Auf Landesebene reagieren Sie in Schleswig-Holstein ja, Sie haben es selber gesagt, gut zusammen. Ja, warum ist das auf Landesebene, wo es ja auch woanders funktioniert, offenbar so viel leichter? Liegt das an der Bundes-CDU?

Sprecher 6: Ja, die Bundes-CDU ist auch ein Thema. Oder an den Bundesgrünen. Aber ich finde, zur Ehrlichkeit gehört dazu, dass landespolitische Themen andere sind als auf Bundesebene. Nicht grundsätzlich, aber man hat natürlich noch viel übergeordnetere Fragen, die man auf Bundesebene zu entscheiden hat.

Sprecher 3: Aber Klimapolitik haben Sie auch im Land.

Sprecher 6: Natürlich, aber ich will damit sagen, wir haben natürlich keine Verteidigungs- und Außensicherheitspolitik und solche Fragen, die man auf Landes... Ebene zu treffen hat. Und deswegen möchte ich sozusagen einfach nur anerkennen auf Bundesebene, dass Konflikte dort manchmal heftiger ausgetragen werden, weil die Auswirkungen manchmal noch immenser sind. So, das vielleicht einmal als Vorrede. Und dann glaube ich aber trotzdem, dass es immer was mit den handelnden Personen zu tun hat. Und wenn ein Markus Söder... Wochen, Monate lang die ganze Zeit sagt, ich möchte mit den Grünen nicht regieren und das sind die Schlimmsten überhaupt, dann hat er sich das selbst zu verdanken, dass das gerade nur die eigene, einzige Option ist, in der man gerade regieren kann, schwarz-rot. Und wenn ein März, und ich habe das nicht vergessen, irgendwie an dem Wahlabend sagt, es ist jetzt vorbei mit grünen, linken Spinnereien oder sonst was, dann muss man sich als politischer Verantwortlicher schon die Frage stellen, warum man so aufrüstet und wie man dann eigentlich abrüsten kann.

Sprecher 3: Die Verletzung ist vielen Grünen da noch anzumerken über diese Äußerung, aber irgendwann muss man ja auch darüber hinwegkommen. Was ist Ihre Empfehlung? Braucht es wieder Pizza-Connection-Runden oder wie soll man sich da näher kommen? Auch inhaltlich, aber auch was die Vertrauensbildung angeht.

Sprecher 6: Also mir geht es gar nicht darum, verletzt zu sein davon, sondern dass man eine Zusammenarbeit dadurch verunmöglicht hat. Also das ist der Punkt. Ey, aber jetzt geht es ja auch nach vorne. Und nach vorne geblickt. Ich glaube, es ist ganz egal, ob man Pizza isst oder nicht. Wir tragen eine Verantwortung. Und ich glaube, unsere Grünen sind absolut in der Lage, sich mit der CDU, egal was die vorher gesagt haben, an den Tisch zu setzen und über die Verantwortung zu sprechen, die wir haben. Wir tragen die Verantwortung für Menschen in diesem Land. Ich für drei Millionen Menschen gemeinsam mit meinen Kolleginnen in Schleswig-Holstein und der Rest in der Bundesregierung für über 80 Millionen Leute. Das heißt, es interessiert die Leute auch nicht, ob wir uns jetzt persönlich... mögen oder nicht. Und das ist auch nicht der Auftrag, den wir haben. Pizza essen hin oder her, man muss sich an den Tisch setzen und überlegen, was sind die fünf Themen, mit denen man gemeinsame Regierungen bilden könnte. Und dazu wären beide in der Lage.

Sprecher 3: Gibt es solche Gesprächsgruppen schon?

Sprecher 6: Ja, natürlich. Alle sprechen mit allen und führen natürlich irgendwie Gespräche und gucken, könnte das funktionieren. Und deswegen sage ich, ich glaube, wenn man sich als ein Söder oder als ein Merz oder als ein Lindemann oder wer auch immer das alles sagt, wenn man sich hinstellt und sagt, mit denen kann ich das nicht machen, dann tut man sich ja selber keinen Gefallen, weil man dann für sich selber ausschließt, das dann am Anfang einer Legislatur tatsächlich machen zu wollen. Und das sehe ich als Problem. Die Verletzung beiseite, das können wir alle runterschlucken, sind wir alle Profis genug, das überleben wir.

Sprecher 3: Frau Thorey, sprechen wir zum Abschluss noch über das Verhältnis Bund und Länder, das ja in der Ampelzeit nicht ums Beste bestellt war. Da gab es durchaus Kritik am damaligen Kanzler Scholz. Jetzt habe ich den Eindruck, ist es wirklich nicht viel besser geworden. Ah, interessant. Erzählen Sie mal, wie fühlen Sie sich mitgenommen oder auch nicht mitgenommen von der Bundesregierung?

Sprecher 6: Also ich muss wirklich feststellen, ich habe ja jetzt die Ampel als Ministerin kennengelernt, als Landesministerin und jetzt die schwarz-bote Regierung. Und da gibt es nicht so ein großes Interesse dran, uns mit einzubinden, was keinen Sinn ergibt, weil wir am Ende als Länder die Summe ergeben, die Deutschland bildet. Das heißt, das sind abstrakte Debatten, die die Bundesregierung führt, wenn sie nicht mit uns spricht. Und mehr als das, ich möchte auch, dass die Kommunen enger eingebunden werden, weil die machen das am Ende des Tages vor Ort. Ich habe gestern mit einer Bürgermeisterin gesprochen aus Schleswig-Holstein von uns, die sagt, ständig werden irgendwelche Beschlüsse und Gesetze gefasst. Berlin. Wir haben das am Ende des Tages zu bezahlen. Wir können uns nicht wehren, aber wir werden nicht angehört. Und es funktioniert halt nicht. Und deswegen glaube ich, dass diese Bundesregierung, wenn sie Erfolg haben möchte, und ich sage das sehr bewusst, obwohl ich eine Grüne bin, ich habe kein Interesse daran, dass so eine Regierung scheitert auf Bundesebene, weil es schadet uns allen als Demokratie. Es schadet uns allen, gerade wenn man dann irgendwie Söders und Merzens hat, die sagen, es ist die letzte Patrone irgendwie der Demokratie, was nicht stimmt, weil wir haben kein Schwarz-Grün auf Bundesebene durchgespielt. Wir haben kein Jamaika durchgespielt. Es gibt noch andere politische Optionen. Nur weil die Ampel gescheitert ist, heißt es nicht, dass man sich nicht mehr an andere politische Konstellationen heranwagen darf. Aber wenn die kein Interesse daran haben, mit uns zusammenzuarbeiten, um dieses Land zu gestalten und wir sind vor Ort, wir sprechen jeden Tag mit den Leuten, nehmt uns doch ernst in unserer Expertise.

Sprecher 3: Können Sie kurz sagen, was das konkret heißt? Also die Entlastungsprämie etwa wird auf Bundesebene beschlossen und die Länder wissen wirklich gar nichts davon oder weiß der MP davon?

Sprecher 6: Die saßen da in der Villa Borsig und ich meine, ich kenne Koalitionsrunden auch und so weiter. Aber wir sind ein bisschen ausgeruhter, wenn wir Entscheidungen treffen. Wir überlegen uns das im Vorfeld, wir nehmen Ideen mit. Die saßen ja offensichtlich, das kann ich in jedem Podcast, in jeder Zeitung nachlesen, da und haben gesagt, scheiße, wir können ja nicht vor die Presse treten, ohne dass wir jetzt hier irgendeinen Vorschlag haben. Das muss man aber trotzdem besprechen. Und ich würde sogar sagen, es geht um mehr als um die Länder. Das ist ja die politische Ebene. Im Zweifel werden wir irgendwie über Bundesrat oder sonst was mit eingebunden und können es ja auch stoppen. Die haben die Unternehmer nicht mitgenommen, die haben die Arbeitnehmerinnen nicht mitgenommen in dieser Frage. Die treffen Entscheidungen in einem Raum, ohne darüber nachzudenken, was es für die anderen bedeutet. Und das heißt, bei jedem Reformprozess, bei jeder Entscheidung, die sie treffen, die müssen doch mit den Leuten reden, die das betrifft. Und das tun sie nicht. Ich weiß nicht, ob es aus einem Unvermögen, aus einer Arroganz heraus ist, aber es ist auf jeden Fall nicht gut. Und ich sehe, dass sie sich bessern in der Frage und ich glaube, dass es notwendig ist, für jeden Reformprozess, Gesetzesprozess mit den Leuten zu sprechen, die es betrifft.

Sprecher 3: Herzlichen Dank für das Gespräch, liebe Frau Thorey.

Sprecher 6: Ich hoffe, ich habe nicht zu schnell gesprochen.

Sprecher 3: Helene, war noch was? Michael fliegt nach Mallorca, andere fliegen zum Mond. Ich habe gerade nochmal den Film geschaut, Apollo 13.

Sprecher 7: Justin, wir haben ein Problem.

Sprecher 3: Aus den 90er Jahren mit Tom Hanks, dieser Film, der wirklich sehr spannend ist und beeindruckend. Es geht um die gescheiterte Mondmission 1970 und was da alles schief ging an Bord.

Sprecher 7: Wir müssen den Computer neu starten. Das SCS rekonfigurieren. Alarmkursabweitung. So, diese Dinger zünden. Macht das einfach keinen Sinn. Wir laufen lauter Wahleanzeigen, Justin. Wir müssen resetten und neu starten. Okay, ich schalte auf SCS.

Sprecher 3: Nein, aber es ist ja wirklich interessant. Der Mond bleibt ein Sehnsuchtsort für die Menschheit. Ihn zu erkunden soll jetzt wieder angegangen werden, denn damals 1969 brach man ja dann die weiteren Mondmissionen ab. Die werden jetzt aber wieder aufgenommen. Die NASA plant 81 Flüge zum Mond und will am Südpol des Mondes eine dauerhafte Außenstelle der Menschheit errichten. Also dort soll es Wohnmodul. Labore, Energieversorgung und Fahrzeuge sollen schrittweise auf den Mond gebracht werden. Also der Menschheitstraum der Besiedelung des Mondes. 2028 soll es die erste bemannte Mondmission dann wirklich auch geben. Und danach soll in drei Phasen diese Mondstation entstehen. Ich bin gespannt, was dort der Quadratmeter kostet.

Sprecher 2: Ich freue mich dann auf die Dokumentation darüber. Bitte von Stefan Lambe oder Leo Hörsch, denn fliegen will ich nicht. Aber angucken auf einer Finca in Mallorca tue ich mir das gerne. In diesem Sinne, Elena, am Freitag komme ich aber auch mit einer Sonderfolge aus Mallorca direkt in diesen Podcast. Neudenken, die Wirtschaftskonferenz von Sabine Christiansen auf Mallorca mit spannenden Gästen. Hier dazu mehr am Freitag. Bis dahin. Ciao, ciao.

Sprecher 3: Pass gut auf dich auf, Mitschitschitsch.

Sprecher 2: Danke.

Sprecher 3: Und tschüss, liebe Hörer und Hörer. Tschüss.

Sprecher 2: Herzchen, Herzchen.

Sprecher 8: Steht sie da und wartet auf den Start. Alles klar, Experten schreiten sich. Und ein paar Daten, die Crew hat dann noch. Ein paar Fragen doch. Der Countdown läuft. Effektivität bestimmt das Handeln. Man verlässt sich blind auf den anderen. Jeder weiß genau, was von ihm abhängt. Jeder ist im Stress. Doch Major Tom macht einen Job.

Sprecher 9: Ingrid und Indeed präsentieren Jobs, bei denen man sich keinen Fehler erlauben darf. Heute Friseurin.

Sprecher 10: Etwas nachschneiden bitte. Nur die Spitzen. Was ist das? Heckenschere. Viel effizienter. Die ist für Büsche. Ganz genau. Ingrid!

Sprecher 9: Das ist ein Job für Premium-Stellenanzeigen. Mit richtigen Profis wäre das nicht passiert. Vertraue Ingrid, versuch Indeed und finde qualifizierte Talente mit Premium-Stellenanzeigen. Mach's dir Indeed einfach. Jetzt auf indeed.de slash recruiting.