Das neue Matchzentrum der CDU.
Jens Spahn bleibt Fraktionsvorsitzender der Union. Er hat 86,5 Prozent der Stimmen bekommen. Die CDU hat damit Geschlossenheit demonstriert, obwohl Spahns Beliebtheit in Koalition und Öffentlichkeit seit Jahren schwächelt.[01:28]
Der EU-USA-Zoll-Deal von Ursula von der Leyen steht vor dem Scheitern. Die USA drohen mit 25-prozentigen Zöllen auf europäische Autos. Sie werfen der EU vor, die zugesagten Zollsenkungen nicht vollständig umgesetzt zu haben.
EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič und US-Handelsbeauftragter Jamieson Greer haben sich getroffen, um nach Auswegen zu suchen. [08:32]
Deutschland bewirbt sich mit vier Regionen um die Olympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044. Berlin, Hamburg, München und Rhein-Ruhr konkurrieren um die Nominierung durch den DOSB.
Michael Bröcker hat Otto Fricke zu Gast, den neuen Vorstandsvorsitzenden des DOSB. Wie will der Olympische Sportbund im September zwischen den deutschen Olympia-Kandidaten auswählen? [14:12]
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Jens Spahn hat es geschafft. Er bleibt der Fraktionsvorsitzende der Union. Und dabei gibt es doch einige, vielleicht sogar viele, die mit seiner Arbeit gar nicht so unzufrieden sind. Aber wenn abgestimmt wird, dann ist die CDU klar. Und jetzt fragen wir uns, was die Wiederwahl eigentlich für Friedrich Merz bedeutet und sprechen gleich drüber.
Sprecher 3: Was ist eigentlich aus dem EU-USA-Zoll-Deal geworden, den Ursula von der Leyen vor einem Jahr eingetütet hatte? Gestern haben sich der EU-Handelskommissar Maros Cevcovic und der US-Handelsbeauftragte Jameson Greer getroffen, um an einer Lösung zu arbeiten. Ob das geklappt hat? Wir reden mit Till Hoppe, dem Redaktionsleiter unseres Europe Table.
Sprecher 2: Berlin, Berlin. Auch diese Stadt hat jetzt ein Konzept für die Bewerbung für die Olympischen Spiele. Wenig neue Punktbauten soll es geben, dafür alte Sportstätten neu hergerichtet. Das ist das Credo. Ob es reicht, um das Olympische Komitee von der Hauptstadt zu überzeugen, das diskutieren wir mit Otto Fricke, den Sie noch als FDP-Mann kennen, aber er ist jetzt Vorstandsvorsitzender des Deutschen Olympischen Sportbundes.
Sprecher 3: Und zum Schluss eine gute Nachricht aus Berlin, denn man hat offenbar doch gelernt von dem Anschlag auf die Stromleitung im Januar. Was es genau heißt, sagen wir Ihnen ganz am Schluss dieses Podcasts an diesem Mittwoch, den 6. Mai. Schön, dass Sie bei uns sind.
Sprecher 4: Ich bin Max, Leiter von TikTok Shop Deutschland. TikTok kennt jeder. Seit März vergangenen Jahres gibt es in Deutschland auch TikTok Shop, eine Einkauffunktion auf TikTok. Mittlerweile 25.000 Händlerinnen und viele, viele Creatorinnen erfinden mit TikTok Shop E-Commerce in Deutschland neu. Sie bieten Kundinnen Discovery, Spaß beim Shoppen und schaffen neue Jobs von Bayern bis Berlin. Viel Spaß beim Entdecken von Produkten auf TikTok Shop.
Sprecher 5: Hier ist das Erste Deutsche Fernsehen mit der Tagesschau.
Sprecher 6: Vor einem Jahr wurde Jens Spahn Chef der Unionsfraktion. Damals nahm die schwarz-rote Koalition ihre Arbeit auf. Es herrschte Aufbruchstimmung. Mittlerweile ist das anders. In der Koalition knirscht es und an der Basis humort es. Heute hat sich Spahn zur Wiederwahl gestellt. Ohne Gegenkandidaten erhielt er 86,5 Prozent der Stimmen. Vor einem Jahr waren es noch 91,3 Prozent.
Sprecher 3: Wer hätte das gedacht? Der Mann, der von den Grünen seit Monaten zum Rücktritt aufgefordert wurde, der in den Beliebtheitsrankings der deutschen Politik sogar noch hinter Friedrich Merz liegt. Er ist der zweitstärkste Mann der Union. Jens Spahn ist wieder Fraktionsvorsitzender. So funktioniert Politik.
Sprecher 2: So funktioniert die CDU dann eben offenbar doch. Wenn es darauf ankommt, dann sind die Stimmen da. Naja, diese Stimmen hätte Jens Spahn auch gerne gehabt, als es um Frau Kobosius-Gerstorf ging, als es um die Rente ging. Das waren alles schwierige Kraftakte für ihn. Man muss sagen, ja, die Mehrheit dieser Koalition ist nicht groß. Deswegen hat er es schwerer als andere Fraktionsvorsitzende. Er muss um jede Stimme kämpfen. Das ist ihm nicht immer gelungen. Deswegen waren die CDUler gar nicht so zufrieden mit ihm eigentlich.
Sprecher 3: Ja, und vor allem einen hat er seine Wiederwahl jetzt zu verdanken, nämlich CSU-Chef Markus Söder, der in diesem wunderbaren Podcast ja bereits vor Monaten angekündigt hatte, dass er Jens Spahn erneut vorschlagen werde zum Fraktionsvorsitz. Herr Söder, letzte Frage. Jens Spahn, es wird diskutiert.
Sprecher 7: Ob der Mann noch der richtige Fraktionsvorsitzende ist, von außen? Immerhin ja auch mit vielen CSU-Abgeordneten im Bundestag vertreten. Ist er der Richtige? Ich habe da eine relativ große Möglichkeit, denn Fraktionsvorsitzende können nur von den beiden Parteiführern laut Satzung vorgeschlagen werden. Und ich werde mir Jens Spahn wieder vorschlagen.
Sprecher 3: Und das unabgestimmt mit Friedrich Merz. Man spürte damals schon, die CSU will... Jens Spahn weiter in dieser Rolle, auch weil er eben nicht der treueste Merzianer an dieser Spitze der gemeinsamen Fraktion ist. Auch vielleicht eine kleine Distanzierung vom Kanzler Merz. Jedenfalls ist Spahn jetzt stärker denn je, denn er ist für drei Jahre gewählt, also über die Zeit hinaus der nächsten Bundestagswahl.
Sprecher 2: Ja, das ist eine Besonderheit bei der Unionsfraktion. 1 plus 3, nicht wie bei den anderen 2 plus 2. Also jetzt ist er sicher bis zum Ende der Legislaturperiode. Tatsächlich ist er ja viel sicherer als die Minister, denen der Kanzler jederzeit das Vertrauen entziehen kann. Jens Spahn hat eine eigene Machtbasis. Aber Michael, lass uns nochmal drüber reden. Die Unzufriedenheit in der Fraktion, die war ja... Relativ groß, immer wieder flackerte das auf.
Sprecher 3: Die Wahrheit ist aber auch, es gibt innerhalb der Fraktionsgruppen mehr Unmut über den Kanzler als über Jens Spahn. Auch die Geschichte mit Brosius Gersthoff, die von den Justizianen geeint war, die von Jens Spahn dann in das Parlament getragen wurde, ist am Ende auch gescheitert, weil man von Kanzler Merz zu wenig CDU gespürt hatte und auch ein Ventil brauchte. Jens Spahn hat am Ende, ist ja rechtzeitig noch von der Platte. gezogen, muss man sagen. Also Jens Spahn würde sagen, ich habe kaum handwerkliche Fehler gemacht. Es ist eben jetzt eine andere Fraktionsführung. Ich habe nur noch zwölf Stimmen Mehrheit. Jede dieser kleinen Gruppen kann den Unterschied ausmachen und gegen diese Regierung arbeiten. Und da hat Jens Spahn natürlich eine andere Rolle. Er hat es mal schön selber beschrieben in einem Interview. Es sei wie Knorpel, dieser Fraktionsvorsitz. Man müsse Druck von mehreren Seiten abfedern aus der Regierung, der Partei und der eigenen Fraktion. Vielleicht hatte es tatsächlich Volker Kauder ein bisschen einfacher.
Sprecher 2: Ja, mit Sicherheit. Bei diesem Beispiel jedenfalls sieht man den ehemaligen Gesundheitsminister noch durchschimmern, der sich ja auch wirklich für Gesundheit interessiert hat. Aber trotzdem gehört zur Wahrheit, dass immer wieder spekuliert wurde, soll Jens Spahn ausgetauscht werden. Wäre Thorsten Frei nicht vielleicht doch der Bessere gewesen, der ja auch im Kanzleramt ein paar Schwierigkeiten hatte? Wäre er nicht die integrativere Person gewesen, um die Fraktion zusammenzuhalten? Von der Persönlichkeit eher vielleicht an Volker Kauder sehr loyal dem Kanzler gegenüber. Also diese Achse Kanzleramt-Fraktion, die dann besser funktionieren würde. Ja, diese Spekulationen, die sind jetzt alle vom Tisch, das muss man sagen. Weitere drei Jahre Jens Spahn.
Sprecher 3: Ja, und vor allem gibt es jetzt ein ganz klares zweites Machtzentrum. Jens Spahn ist jetzt safe und deswegen kann Friedrich Merz, also deswegen muss Friedrich Merz eigentlich eine neue Balance zu ihm finden, denn Jens Spahn kann jede Gesetzesinitiative aus dieser Bundesregierung jetzt abtöten, verändern, korrigieren oder eben durchwinken. Das gibt ihm eine neue Rolle. Und er hat eines, was man wahrscheinlich in der Presse... Er hat eine unfassbare Zähigkeit in der Widerstandsfähigkeit. So sehr wie er attackiert wird seit Jahren, muss man sagen, nicht nur von den Grünen, sondern auch in der Öffentlichkeit, wegen seiner Rolle damals in der Corona-Pandemie, wo viele bis heute erzürnt sind über seine sehr schnelle, sehr teure Maskenbeschaffung und auch seine Merkel-Treue in der Pandemie. Er hat das alles überstanden. Er ist der dienstälteste Parlamentarier bei der Union. Und erst knapp Mitte 40. Das ist schon eine Wahnsinnskarriere.
Sprecher 2: Das ist richtig. Ein Lesetipp übrigens, ein wirklich spektakuläres Interview fand ich in der Zeit vor einigen Wochen. Jens Spahn und Matthias Miersch, was diese beiden Fraktionsvorsitzenden verbindet und trennt, wie sie zusammenarbeiten. Ich fand es sehr lehrreich von den beiden geschätzten Kolleginnen, Mariam Lau und Tina Hildebrandt.
Sprecher 3: Sie sind ja auch zusammengewachsen, kommen aus völlig unterschiedlichen Feldern, haben aber jetzt diese Achse gefunden, die man immer eigentlich braucht in so einer Koalition. Beide lieben Roland Kaiser, das ist nur eine Gemeinsamkeit. Und sie haben gemeinsam diese Reise in die Ukraine gemacht vor einigen Monaten, Helene, die sie beide dann doch auch zusammengebracht hat. Klingbeil und Merz, beide haben jetzt mit diesem Tandem Spahn-Miersch. Ein Nebenkraftzentrum, da bin ich gespannt, wer am Ende die Politik dieser Regierung bestimmt.
Sprecher 2: Und dann gibt es natürlich noch eine weitere Frage und das ist die der Zukunft der CDU. Ist Jens Spahn auch der zukünftige Mann der CDU? Und was denkt eigentlich Hendrik Wüst darüber? Was denkt Markus Söder darüber, der ihn jetzt, du hast es gesagt, unterstützt hat? Aber man fragt sich dann auch, wie stark darf jemand werden? bis Markus Söder ihnen die Unterstützung entzieht. Also Fragen über Fragen, aber sicherlich bringt diese Wiederwahl auch eine gewisse Unruhe in den einen oder anderen Kopf von denjenigen, die gerne zumindest mehr werden wollen, als sie jetzt sind.
Sprecher 3: Im Rahmen einer Recherche über seine Biografie habe ich vor vielen, vielen Jahren von ihm den Satz gehört, den er ungern gesagt hat, vor allem nicht wirklich autorisieren wollte, nämlich bekannt bin ich, beliebt muss ich noch werden. Das ist und bleibt das zentrale Thema des Jens Spahn. Alle kennen ihn, aber beliebt ist er nicht, weil er eben ein Machtwerker ist, ein Techniker der Macht, als zu ehrgeizig gilt. Und die sanfte Seite des Jens Spahn, die es übrigens wirklich gibt, kaum einer da draußen kennt. Deswegen glaube ich nicht, dass er der Mann nach Merz ist, Helene. Hendrik Wüst wird es nicht zulassen. Hendrik Wüst ist selbes Alter, selbe Region. Er wird, wenn es zu einem neuen Parteivorsitzenden kommt, was ja immer der erste Schritt eigentlich eines Machtverlustes des Kanzlers wäre, ist Hendrik Wüst der Mann, auf den es ankommt.
Sprecher 2: So jedenfalls Michael Bröker an diesem Mittwoch, den 6. Mai. Wir werden uns und ihn daran erinnern.
Sprecher 8: Cyberkriminalität beginnt oft viel früher als man denkt, nämlich genau da, wo deine persönlichen Daten im Netz frei zugänglich sind. In Datenbanken von Datenbrokern, in Verzeichnissen, Suchergebnissen oder in KI-Antworten. Und genau diese Daten werden dann gesammelt, verkauft und im schlimmsten Fall für Identitätsdiebstahl oder Betrug genutzt. Das Problem, diese Daten selbst löschen zu lassen, kostet dich schnell hunderte Stunden und sie tauchen einfach immer wieder auf. Und genau hier kommt Incogni ins Spiel. Incogni spürt deine persönlichen Daten im Internet auf und löscht sie automatisiert bei hunderten von Datenbrokern. Also genau den Unternehmen, die deine Daten ohne deine Zustimmung sammeln und weiterverkaufen. Und weil diese Daten immer wieder neu auftauchen können, arbeitet Incogni kontinuierlich im Hintergrund weiter für dich. Das Besondere, mit der Custom Removal Funktion kannst du sogar gezielt einzelne Inhalte entfernen lassen. Einfach einen Link einreichen und echte Privatsphäre-Experten kümmern sich darum. Kurz gesagt, du holst dir die Kontrolle über deine persönlichen Daten zurück und reduzierst aktiv das Risiko von Betrug und Identitätsdiebstahl. Du kannst Incognito jetzt 30 Tage lang ohne Risiko testen. Einfach ausprobieren und wenn du mit dem Service nicht zufrieden bist, bekommst du dein Geld zurück. Mit dem Code TABLETODAY bekommst du 60% Rabatt auf den Jahresplan. Einfach mal reinschauen über den Link in den Shownotes.
Sprecher 2: Die EU hält sich nicht an den Zolldeal mit den USA. Das jedenfalls ist die Auffassung von US-Präsident Trump. Die Konsequenz, es soll jetzt 25-prozentige Zölle geben auf europäische Autos und das wäre für die Industrie ein harter Schlag, ein weiterer harter Schlag, so muss man es sagen. Ist das nun die Rache von Trump an März wegen seiner Iran-Kritik? Oder hat der Präsident am Ende vielleicht sogar ein bisschen recht und die EU hält sich eben nicht an den Deal vom Februar 2025? Das weiß Till Hoppe am besten. Er ist der Redaktionsleiter unseres Europe Table, dem Fachbriefing für alles rund um die Europapolitik. Schön, dass du bei uns bist. Hallo lieber Till.
Sprecher 9: Hallo Elin.
Sprecher 2: Ja, gestern haben sich eben EU-Handelskommissar Maros Shevchovic und der US-Handelsbeauftragte Jameson Greer getroffen, um eine Lösung zu finden in dieser vertrackten Lage raus aus dieser Eskalation. Erzähl uns mal, was ist dabei rausgekommen?
Sprecher 9: Ja, Kommissar Szefcovic und Trump-Sandelsbeauftragter Greer haben anderthalb Stunden gestern gesprochen in Paris. Das Gespräch war relativ konstruktiv. Shevchuk hat Greer gebrieft, wie die Verhandlungen laufen auf europäischer Seite, wie der Zeitrahmen ist. Man hat sich dazu bekannt, spätestens ein Jahr nach dem Abschluss des Deals, also sprich jetzt im Sommer, im August, die wesentlichen Elemente des Turnberry-Deals umzusetzen. Das klingt jetzt so, als ob das ein bisschen entspannt die Lage.
Sprecher 2: Ja, im vergangenen August. In Turnberry, da gab es eine Vereinbarung, die EU sollte die Zölle gegenüber den USA senken, im Wesentlichen auf null. Und die USA haben im Gegenzug versprochen, eine Senkung auf 15 Prozent. Man kann nun lange darüber streiten, ob das fair ist, aber... Till, was ist denn nun passiert? Was haben die Europäer gemacht und was haben sie vor allem nicht gemacht?
Sprecher 9: Donald Trump hat schon einen Punkt, das ist jetzt ein Dreivierteljahr her, das Turnberry Agreement. Die EU-Seite hat bislang nicht geliefert, jedenfalls noch nicht vollständig geliefert. Die Industriezölle auf Mule abzusenken, was eben Teil der Vereinbarung war, ist immer noch nicht beschlossen. Das hat natürlich auch Gründe. Einer der Gründe ist, dass das Europaparlament im Frühjahr gesagt hat, als Donald Trump damit gedroht hat, Grönland oder angekündigt hat, Grönland zu annektieren, gesagt hat, mit diesem Präsidenten kann man keine Deals machen. Er ist nicht verlässlich, deshalb müssen wir jetzt neue Sicherheitsklauseln einziehen, wenn Trump ernst macht. Oder auch Zölle mal wieder willkürlich erhöht, dass der Turnberry-Deal dann nicht mehr gilt. Diese Forderungen stehen jetzt im Raum, werden immer noch verhandelt. Aber unterm Strich steht, die EU hat bislang nicht geliefert.
Sprecher 2: Ursula von der Leyen intoniert es etwas anders und sagt, das Abkommen werde aktuell auf beiden Seiten umgesetzt. Also offenkundig, jedenfalls offiziell ist sich die EU keiner Schuld bewusst. Wie kann das sein, Till?
Sprecher 9: Ja, das ist natürlich auch eine taktische Aussage. Es ist ja auch nicht so, dass die US-Seite eins zu eins geliefert hat. hat das, was da in Turnberry in Schottland verhandelt wurde. Trump hat im Herbst relativ willkürlich, ohne Absprache, die Rahmenbedingungen für die Stahl- und Aluminiumzölle verändert, was gerade die deutsche Maschinenbauindustrie sehr hart getroffen hat, weil sie auf einmal 50% Zölle zahlen mussten für ihre Maschinen in die USA. Ja, also es sind schon beide Seiten, die da nicht so richtig sich an die Buchstaben der Vereinbarung halten.
Sprecher 2: Also schauen wir nochmal kurz aufs Europaparlament, das ja der Hauptbremser ist in der Umsetzung des Turnberry-Deals. Wer ist das? Vor allem sind das bestimmte Fraktionen oder gibt es bestimmte Länder, die da nicht mitziehen wollen?
Sprecher 9: Im Europaparlament waren sich die Fraktionen bislang eigentlich relativ einig, dass man neue Konditionen in diesem Deal hinein verhandeln will. Nämlich zum einen, dass er ausläuft, wenn Donald Trump nicht mehr Präsident ist. Zum Zweiten, dass die EU das Abkommen aussetzen kann, wenn Donald Trump mal wieder willkürlich die Zölle erhöht. Jetzt wächst allerdings der politische Druck. Friedrich Merz hat gesagt, wir sollten das Abkommen schnell umsetzen, um Donald Trump zu gesänftigen. Und sagt auch Manfred Weber, der Vorsitzende der EVP im Europaparlament, schnell umsetzen. Es sieht aktuell so aus, dass es vor allem Sozialdemokraten wären, Bernd Lange, der Vorsitzende des Handelsausschusses. Aber so richtig eindeutig ist das nicht. Bislang haben auch die Christdemokraten diese Forderung im Europaparlament mitgetragen.
Sprecher 2: Also ein Stück weit muss man sagen, schneidet sich die EU. Da jetzt auch ins eigene Fleisch, wie groß ist die Gefahr, dass dieser Handelsstreit weiter eskaliert und die europäische Wirtschaft darunter leidet?
Sprecher 9: Das hängt sehr stark von der Laune von Donald Trump ab. Das ist nicht das erste Mal, dass er solche Drohungen wieder ausspricht. Er hat das auch gegenüber Südkorea angedroht und da nicht umgesetzt. Es gibt so ein bisschen diesen Reflex in Europa, sobald Trump gerade mit Zöllen droht, die Wirtschaft lahmt ohnehin, besonders in Deutschland, dass man dann gleich sehr viel Kreide frisst in Europa, gerade in Deutschland. Friedrich Merz spricht ja inzwischen auch anders. Andererseits soll man sich sowas immer gefallen lassen. Also ich finde die Forderung aus dem Europaparlament, dass man diesen Deal aufkündigen kann, wenn Trump sich nicht an die Spielregeln hält, auch nachvollziehbar. Also wird es Zeit, jetzt tatsächlich es umzusetzen, das zu beschließen. Heute ist der Trilog zwischen Mitgliedstaaten und Europaparlament angesetzt. Das wäre die gute Gelegenheit, sich zu einigen.
Sprecher 2: Und was dabei rauskommt, das lesen Sie bei uns im Europe Table, wo Till Hoppe mit seinen Kollegen all diese Dinge sehr kleinschrittig und intensiv verfolgt. Vielen Dank, dass du bei uns warst, lieber Till.
Sprecher 9: Sehr gerne.
Sprecher 3: Deutschland entwickelt tatsächlich so etwas wie olympisches Fieber. Gleich vier Regionen wollen die Olympischen Spiele 2036 oder 2040 oder 2044 ausrichten. Und jetzt hat auch noch Berlin immerhin im Abgeordnetenhaus die Zustimmung erteilt für die Bewerbung. In München und in der Rhein-Ruhr-Region waren es sogar positive Bürgerentscheide. Das heißt, jetzt fehlt noch Hamburg Ende Mai, aber dann gibt es vier durchaus gute Regionen oder Städte, die sich bewerben. Was macht nun der Deutsche Olympische Sportbund, der im Herbst die Entscheidung treffen muss, welche Region, welche Stadt der einzige deutsche Kandidat sein kann? Otto Fricke, der ehemalige FDP-Politiker, ist neuerdings Vorstandsvorsitzender des Deutschen Olympischen Sportbunds. Fragen wir ihn doch einfach mal. Hallo, schönen guten Tag, Herr Fricke.
Sprecher 10: Einen ebenfalls schönen guten Tag, heute übrigens aus Berlin.
Sprecher 3: Hallo lieber Herr Fricke, sagen Sie mal, grundsätzlich, wie groß ist eigentlich die Chance, dass Deutschland die Olympischen Spiele wieder bekommt? 2,36, 2,40 oder 2,44?
Sprecher 10: Also sie ist groß. Das habe ich spätestens bei den Olympischen Winterspielen in Milano Cortina gemerkt. Weil wenn Europa dran ist, wie man so schön sagt, dann ist innerhalb Europas Deutschland schon ein Partner, auf den man mit gewissem Wohlwollen guckt. Es gibt diesen berühmten Satz, dass Deutschland in der olympischen Familie wieder zurück ist und man sich freut, wenn man einen so vertrauenswürdigen Partner hat, der in typisch deutscher Manier... seine Vorbereitungen so macht, wie man das von Deutschen erwartet.
Sprecher 3: Und hat ja der Olympische Sportbund und auch die EUC ja neue Regularien oder zumindest angepasste Kriterien erarbeitet, wie diese Olympischen Spiele im Idealfall auszusehen haben, möglichst nachhaltig, möglichst dezentral. Welche deutsche Stadt passt eigentlich am besten zu den Kriterien?
Sprecher 10: Wenn wir das genau wüssten, dann wäre es einfach, weil dann hätten wir ja nicht vier Bewerber gehabt und einen Wettbewerb, bei dem ja jeder jedes Mal noch besser wird mit zunehmender Zeit. Man muss einfach sehen, Wir leben in einer Demokratie, bei der man sowohl die Bürgerinnen und Bürger befragen muss, wie der DÖSB befindet, andererseits aber auch gucken muss, welche Ideen haben die Bewerber denn um Nachhaltigkeit, und dabei geht es nicht nur um ökologische, sondern auch um soziale und finanzielle Nachhaltigkeit möglichst gut darzustellen, damit dann, wenn das Internationale Olympische Komitee entscheidet, die Voraussetzungen sind, dass sie sagen können, oh, die können wir gut nehmen. Und da guckt man eben auch drauf, was hat Erfolg gehabt. Und vor Paris hätten wir alle das noch ganz anders gesehen. Hätten gesagt, naja, die Städte müssen sich den Spielen anpassen. Aber Paris hat eben gezeigt, die Spiele müssen sich den Städten anpassen. Und das hat in Paris gut funktioniert. Und ich glaube, das könnten alle vier Bewerber Deutschlands genauso.
Sprecher 3: Wenn ich die vier Bewerber mal durchgehe und versuche, so zu denken wie die Experten bei Ihnen oder beim IOC, dann ist Berlin sicherlich der Kandidat mit der internationalen... Den größten Strahlkraft zur Hauptstadt, selbstverständlich. Hamburg hat diese attraktive Wasserlage, was das IOC ja auch gar nicht schlecht findet. Und München hat große Erfahrung und Rhein-Ruhr hat immerhin dieses dezentrale Modell mit vielen vorhandenen Stadien und wenig Neubau. Sind die dann am Ende doch gleichwertig, weil alle ihre Stärken und Schwächen haben und entscheidet dann am Ende was?
Sprecher 10: Also ja, und ich würde jetzt sogar noch ergänzen, bei Hamburg kommt die Kompaktheit noch dazu. Wenig Wege, sehr zentral alles. Bei NRW die Zahl der Zuschauer, auch das ist für die Olympische Bewegung ja nicht unwichtig. Wie viele Leute erleben das vor Ort mit, weil gerade bei Olympischen Spielen mehr Zuschauer kommen. Ja, bei München muss man auch sehen, habe ich natürlich auch sehr, sehr viel an Sportschäden. Am Ende haben wir, und ich komme da wieder auf dieses typisch Deutsche, eine sogenannte Matrix, die übrigens auch schon, kann jeder nachgucken, auf der Homepage des DSB, die anhand von grob 80 Punkten eruiert, was haben wir an Pluspunkten für die jeweilige Seite und sind alle Bedingungen erfüllt. Das sind Fragen von Kompaktheit, der Nachhaltigkeit, der Finanzierung, Frage der Zuschauer, Frage der Entfernung zu den Athletendörfern, Frage der Größe der Athletendörfer. Ich könnte jetzt ewig weiter. Und all diese Punkte werden, nachdem wir dann mit Hamburg Ende Mai und auch mit der Abstimmung in Berlin im Parlament die letzten beiden der vier Bewerber durch den Demokraten, Teilhabeprozess haben, werden wir dann im Juni, Juli, August und September so analysieren, mit Fachgruppen, übrigens auch mit externer Hilfe, dass am Ende, ja, ich sage es jetzt mal so, der demokratische Souverän des Sports, nämlich die Mitgliederversammlung des DOSB am 26.09. Gegen 13 Uhr, live in der ARD übrigens, entscheiden können wird, wen er von den Vieren für am besten geeignet hält, auf Basis dann der klassischen Vorlage, wie wir die Punkte alle kontrolliert haben. Also es ist ein richtig komplexer, aber auch nachvollziehbarer und demokratischer Vorgang.
Sprecher 3: Aber nun sind die 80 Kriterien ja nicht alle gleichrangig. Wie wichtig ist es, dass die Bürger mitziehen und es eben keine Großprotestkultur dann gibt? In München immerhin gab es viele gescheiterte Bewerbungen, aber jetzt ein klares Votum. In Rhein-Ruhr war das Votum immer schon sehr groß, eine sehr sportbegeisterte Region. Und in Berlin wird es gar keine Bürgerbefragung geben, sondern nur ein Parlamentsentscheid. Wie relevant ist dieses einzelne Kriterium?
Sprecher 10: Also als ehemaliger Parlamentarier würde ich sagen, es ist kein Nur, sondern wir haben klar gesagt als DOSB, auch das übrigens ist von der Mitgliederversammlung entschieden worden, wir wollen hier eine möglichst große Bürgerbeteiligung, direkt oder indirekt durch die Repräsentanten der Bürger, sprich die Abgeordneten. Es gibt dann, auch das ist nach den Kriterien vereinbart, einen Abzug für die Frage, dass es keine direkte Bürgerbeteiligung ist. Und die Frage der Bürgerbeteiligung spielt eine Rolle, eine nicht unnötige. Erhebliche, aber auch keine allein entscheidende Rolle. Dann kommt es noch darauf an, wie wird denn mit welchen Mehrheiten im Parlament abgestimmt? Auch das ist ja nicht unwichtig. Und vielleicht ein letztes noch. Wenn die Frage kommt, wie gut die Chancen in Deutschland sind, es ist, sorry für die Übertreibung, aber es ist so, weltweit sind es die ersten beiden Bürgerbefragungen für Sommerolympiaden gewesen, die erfolgreich gewesen sind und dann auch noch mit zwei Drittel Mehrheit. Auch das hat international schon einen starken Widerhall gegeben gegenüber diesen ansonsten immer das Glas des halb leer Deutschen, wie sie das in Erinnerung hatten. Aber da muss man eben sehen, dass es einen Unterschied zwischen öffentlicher und veröffentlichter Meinung geben. Wir sind bundesweit. Grundsätzlich bei 70 Prozent für Olympische Spiele. Klar, wenn die Frage kommt, in meinem Vorgarten wird es nochmal differenzierter.
Sprecher 3: Otto Frickert, vielen Dank für dieses Gespräch und einen schönen Tag in Berlin.
Sprecher 10: Ich habe Hoffnung und bleiben Sie sportlich.
Sprecher 2: Mitchie.
Sprecher 3: Yeah. Yeah.
Sprecher 2: War noch was.
Sprecher 3: Helene, wir haben nicht nur wieder Strom im Südwesten, sondern die künftigen Stromausfälle sollen auch maximal minimiert werden. So muss man es verstehen, was da jetzt gemacht wurde. Denn die Berliner Stadt, der Senat, hat tatsächlich gelernt von diesem Anschlag auf die Stromleitung. Und an allen 120 Standorten von Strommasten sind jetzt Sensoren angebracht worden, die merken, wenn sich an dem Mast jemand zu schaffen macht und sofort springen dann neue Kameras an und die Polizei wird automatisch informiert. Wenn das mal nicht ein Sicherheitskonzept ist, ich hätte es Berlin gar nicht zugetraut.
Sprecher 2: Das ist deutschlandweit einzigartig. Da kann Berlin wirklich mal stolz sein. Das ist ja etwas, das wir in dieser Stadt nicht so gewöhnt sind. Ansonsten wird einem immer vorgehalten, was Bayern alles besser kann. Und man wird dann, ich werde dann manchmal zur Berlin-Verteidigerin, weil ich denke, es ist ja auch wiederum nicht so schlecht. Und dann wiederum ärgert man sich, weil man dann sagt, nee, es ist wirklich schlecht. Und jetzt habe ich es auch noch verteidigt. Also es ist immer ein Hin und Her. Das Gegenargument gegen dieses Konzept ist natürlich, ja, es verhindert Anschläge auch nicht zu 100 Prozent. Aber Michael, was ist in diesem Leben schon 100 Prozent? Eine Verbesserung ist immer eine Verbesserung.
Sprecher 3: Und als unbescholtener Bürger bin ich ohnehin ein großer Verfechter. Unbescholtener? Sehr unbescholtener Bürger. Verfechter von Kameraüberwachung an neuralgischen Punkten. Es ist einfach logisch, weil die Aufklärungsquote dadurch steigt und das abschreckt. Also auch an Strommast. wenn wir dort jetzt künftig beobachtet werden.
Sprecher 2: 12 days.
Sprecher 3: Uns hören Sie hier wieder morgen bei Table Today um 5 Uhr. Tschüss, bis morgen. Wir freuen uns.
Sprecher 11: Es ist der berühmteste Fail der Geschichte, würde ich sagen. 9. November, früher Abend, Pressekonferenz in Ost-Berlin, Günther Schabowski. Viel Huddel? Viel Huddel. Er ist im Stress. Er ist im Stress und er wird gefragt, wann denn die neue DDR-Reiseregelung gilt. Und er vertut sich und sagt, das gilt unverzüglich, sofort. Und ja, setzt damit eine Kette von Ereignissen in Gang, an deren Ende der Fall der Berliner Mauer steht. Etwas, was die Menschen sich vorher 28 Jahre lang überhaupt nicht vorstellen könnte, dass das zu ihren Lebzeiten noch passiert.
Sprecher 12: Und dann die Geschichte dieser Mauer von ihrer Errichtung bis zu ihrem Ende. Darüber reden wir in unserer neuen zweiteiligen Podcast-Folge von Was bisher geschah. Ich bin Nils Minkmar.
Sprecher 11: Ich bin Joachim Telgenbüscher und wir würden uns freuen, wenn ihr da mal reinhört.