Wie lebendig ist das Völkerrecht? Mit Prof. Claus Kreß.
Gilt das Völkerrecht nur in Schönwetterzeiten? Seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine drängt sich dieser Eindruck auf. Die regelbasierte Weltordnung steht erheblich unter Druck. Was können Deutschland und Europa tun, um das Völkerrecht zu schützen? Claus Kreß diskutiert mit Helene Bubrowski über die Angriffe auf das Völkerrecht und wie die Weltgemeinschaft es zukunftssicher machen kann. [08:35]
Es sind nur wenige Details über den mutmaßlichen Attentäter von Washington bekannt. Sicher scheint nur, dass es Cole Allen aus Kalifornien auf Mitglieder der Trump-Administration abgesehen hatte. [01:09]
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Schon wieder ein Attentatsversuch auf US-Präsident Donald Trump. Beim Korrespondenten-Dinner in Washington soll ein Mann zwei Schüsse in der Hotellobby des Hilton abgefeuert haben. Man weiß noch nicht genau, auf wen er es eigentlich abgesehen hatte. Dazu gleich mehr bei uns.
Sprecher 3: Das Völkerrecht ist die Basis für die regelbasierte Weltordnung, doch immer häufiger bekommt man das Gefühl, dass am Ende doch das Recht des Stärkeren gilt. Ist das Völkerrecht am Ende und wenn nicht, was muss getan werden, um es wieder zu stärken? Das diskutieren wir mit Professor Klaus Kress, er ist Ad-Hoc-Richter am Internationalen Gerichtshof und Völkerrechts- und Strafrechtslehrer an der Universität zu Köln.
Sprecher 2: Historischer Rekord in London. Beim Marathon ist zum ersten Mal die Zwei-Stunden-Marke geknackt worden, die ich übrigens vor zehn Jahren bei meinem ersten und letzten Halbmarathon für einen Halbmarathon gebraucht habe. Nur mal so. Darüber müssen wir dringend auch reden an diesem Montag, den 27. April.
Sprecher 4: Diese Folge wird dir präsentiert von Adobe Acrobat Studio. Kurzer Real-Life-Moment. Pitch, Präsentation, drei PDFs und Panik? Nö, denn mit Acrobat Studio packe ich alles in meinen intelligenten KI-Workspace. In den PDF-Spaces bündel ich meine Quellen und der KI-Assistent hilft mir, Inhalte sofort zu durchdringen und Infos strukturiert aufzubereiten. Das spart massiv Zeit bei Businessplänen, Reports oder Präsentationen. Wichtig für mich, meine Daten werden nicht fürs Training genutzt. Du bist neugierig? Dann schau auf www.adobe.com vorbei.
Sprecher 3: Die Reaktionen aus Europa waren sehr klar. Gewalt hat keinen Platz in der Demokratie, so hat es der Bundeskanzler auf X geschrieben. Wir entscheiden mit Mehrheit, nicht mit der Waffe. Also bei allen Differenzen, die es gibt zwischen Europa und Amerika, zwischen Deutschland und Amerika, ist es klar, beim Attentatversuch auf Donald Trump, da stellen sich alle hinter den Präsidenten und sagen, so auf gar keinen Fall.
Sprecher 2: Ein Lehrer und Ingenieur aus Kalifornien soll der mutmaßliche Täter sein, der mit einer Schrotflinte bewaffnet in dieses Gebäude stürmte und das White House-Korrespondenten-Dinner eben zu diesem Tatort machte. Was ist das eigentlich? Einmal im Jahr kommen dort eben die Korrespondenten, die über die Bundespolitik in den USA berichten, zusammen. Und Donald Trump ist das erste Mal dabei gewesen. 2011 hatte sich noch Barack Obama bei dem Dinner über Trump lustig gemacht. Das ist wirklich ein interessantes Happening zwischen Politik und Medien. Man macht sich über sich gegenseitig lustig. Und Donald Trump fand das natürlich nie so gut, weil die Witze über ihn dort auch ziemlich scharf waren. Jetzt war er erstmalig als US-Präsident da und prompt kommt es zu diesem Vorfall.
Sprecher 3: Natürlich kommen Fragen auf, wie kann es eigentlich sein, dass dieser Mann ja da so weit gekommen ist. Am Ende ist ja ein Agent des Secret Service auch... Angeschossen worden. Also es gibt jetzt schon Fragen, was war das eigentlich mit dem Sicherheitskonzept? War das gut genug? Kann künftig dieses White House Correspondents Dinner noch in dieser Form überhaupt stattfinden? Das sind die Diskussionen einerseits, die in den USA unmittelbar ansetzen.
Sprecher 2: Ja, was man über den Täter weiß, ist angeblich ein Antichrist. Er wollte unbedingt Mitglieder der Trump-Administration treffen, ist ein Lehrer aus Kalifornien. So sagt es das Weiße Haus gestern Abend. Man weiß noch nicht genau, wen er wirklich treffen wollte in einem Manifest, was dann veröffentlicht wurde. Später heißt es, er wolle Mitglieder der Trump-Administration treffen. Ob den Präsidenten selber oder andere Regierungsmitglieder ist noch nicht offensichtlich. Aber die Security-Beamten haben Donald Trump am Ende schützen können. Das muss man nochmal einmal sagen. Zurückbringen hinter die Kulissen und der mutmäßige Täter ist verhaftet.
Sprecher 3: Es ist das zweite Attentat auf Donald Trump in seiner zweiten Amtszeit nach dem 1. Im Juli 2024 in Pennsylvania, wo er ja am Ohr verletzt worden ist. Und jetzt lobt Trump deshalb auch seine Sicherheitsbeamten und sagt, sie seien diesmal viel besser vorgegangen als beim letzten Mal.
Sprecher 5: But incredibly acted upon by Secret Service and law enforcement. And this was an event dedicated to freedom of speech that was supposed to bring together members of both parties with members of the press.
Sprecher 2: Da etwas wirre Statements. Er nutzte nochmal die Gelegenheit, um auch an den umstrittenen Ballsaal zu erinnern, den er da gerade bauen lässt, für den er einen Teil des Weißen Hauses hat abreißen lassen. Und alleine wegen Vorfälle wie diesen bräuchte es diesen Ballsaal, um auch Sicherheit gewährleisten zu können, wie er diese Verbindung zieht. Hat keiner wirklich verstanden. Jedenfalls gibt es selbstverständlich wieder einmal große Diskussionen in Amerika über die Sicherheitsvorkehrungen. Wie sicher ist eigentlich der US-Präsident? Wie sehr geschützt ist er?
Sprecher 3: Dieser Präsident, der mit eigenen Autos durch die Welt reist und ständig von einer Masse von Menschen umgeben ist, der war offenbar bei diesem Anlass nicht besonders gut geschützt. Da gibt es zum Beispiel den Umstand, dass es ausreichte, dass man einen Screenshot der Einladung am Eingang vorzeigt, um dann... In diesen Festsaal zu kommen. Kein Ausweis oder ähnliches war notwendig. Und erst wenn man in den Essensraum wollte, dann musste man durch einen Metalldetektor, also wirklich ungewöhnlich, wenn man darüber nachdenkt, dass sogar beim Bundespresseball eine Taschenkontrolle stattgefunden hat. Wenn man mal bedenkt, dass in Deutschland ja die Sicherheitsvorkehrungen eh harmloser sind als in Amerika. Naja, und dann ist es eben so, dass in diesem Hotel auch andere Gäste sich ganz normal einquartieren und es wird eben davon ausgegangen, dass dieser Angreifer der 31-Jährigen, Jahre alte Cole Thomas Allen, dass der schon Tage vorher ein Zimmer angemietet hatte in dem Hotel und so Waffen ins Hotel bringen konnte. Ja, da gibt es natürlich in der Tat Fragen, wie dieses Sicherheitskonzept aussah, ob es gut genug war, aber natürlich auch an das Umfeld von Donald Trump. Warum hat niemand... Das gecheckt, das ist völlig unklar, wenn man sich überlegt, wie gut die Sicherheitsvorkehrungen sonst sind.
Sprecher 2: Was man über den Täter noch weiß, er hat ein Maschinenbaustudium abgeschlossen 2017 und einen Master in Informatik dann gemacht. Er hat für die Kampagne von Kamala Harris gespendet, allerdings nur 25 Dollar. Und laut einem Bericht der New York Post bezeichnete Cole Thomas Allen sich selbst als Friendly Federal Assassin, also für den freundlichen Bundesmörder, um es mal latent zu übersetzen, und gab zu, dass er versucht habe, Mitglieder der Trump-Regierung zu töten. Also, was man politisch dazu natürlich sagen kann, Donald Trump wird diese erneute Attentat auf ihn, was nicht zum Erfolg geführt hat, wenn man es mal so zynisch formuliert, nutzen, um vor den Midterms nochmal Wahlkampf für sich selbst zu machen. Und einige der linken Aktivisten in den amerikanischen Medien... Glauben deswegen daran, dass das alles nur gestaged, also inszeniert sei, um Donald Trump wieder einmal angesichts der Probleme im Iran-Krieg zu einem Mörderstatus zu verhelfen und neue Unterstützung vor den Midterms zu organisieren.
Sprecher 3: Naja, und deswegen schießen jetzt ja eben Spekulationen ins Kraut, auch wegen einer... Äußerung von der Sprecherin, von Trumps Sprecherin Carolyn Leavitt, die kurz vor diesem Dinner angekündigt hatte, heute Nacht würden ein paar Schüsse abgefeuert. Sie meinte damit, dass es eine scharfe Rede des Präsidenten geben würde, die er dann ja gar nicht mehr gehalten hat, weil der Vorfall direkt zu Beginn der Veranstaltung war, jedenfalls vor seiner Rede. Da gibt es aber nun Leute, die sagen, naja, sie hat ja selbst von Schüssen gesprochen, also sie hat es... Offenbar vorausgesagt, vorsichtig angedeutet. Ja, das weiß man alles nicht. Man sollte sich an solchen Spekulationen auch nicht beteiligen. Wir sehen, dass die europäischen Regierungschefs sich auch wirklich nicht daran beteiligen, sondern die Gewalt, wir haben es gesagt, ganz klar verurteilen. Und trotzdem, umgekehrt kann man sagen, solche Vorfälle helfen Donald Trump, darin, dass er nun irgendwie als wahrer Präsident unter Beschuss steht in dem ganzen Narrativ, dass er ein Opfer ist von dunklen, bösen Mächten. Das mobilisiert seine Anhänger, die sich Sorgen machen, die sich für ihn stärker noch einsetzen. Also, ja, ob es da eine andere Geschichte noch gibt, dafür gibt es derzeit einfach gar keine Anzeichen. Deswegen sollten wir uns an diesen Spekulationen nicht beteiligen. Aber dass es ihm hilft, das ist doch ziemlich klar.
Sprecher 2: Jedenfalls geht es diese Woche weiter in Washington Business as usual. King Charles, der britische König, wird weiter zum Besuch kommen und dieser Besuch soll auch angesichts dieser Aktualität nicht abgesagt werden.
Sprecher 6: Cyberkriminalität beginnt oft viel früher als man denkt, nämlich genau da, wo deine persönlichen Daten im Netz frei zugänglich sind. In Datenbanken von Datenbrokern, in Verzeichnissen, Suchergebnissen oder in KI-Antworten. Und genau diese Daten werden dann gesammelt, verkauft und im schlimmsten Fall für Identitätsdiebstahl oder Betrug genutzt. Das Problem, diese Daten selbst löschen zu lassen, kostet dich schnell hunderte Stunden und sie tauchen einfach immer wieder auf. Und genau hier kommt Incogni ins Spiel. Incogni spürt deine persönlichen Daten im Internet auf und löscht sie automatisiert bei hunderten von Datenbrokern. Also genau den Unternehmen, die deine Daten ohne deine Zustimmung sammeln und weiterverkaufen. Und weil diese Daten immer wieder neu auftauchen können, arbeitet Incogni kontinuierlich im Hintergrund weiter für dich. Das Besondere, mit der Custom Removal Funktion kannst du sogar gezielt einzelne Inhalte entfernen lassen. Einfach einen Link einreichen und echte Privatsphäre-Experten kümmern sich darum. Kurz gesagt, du holst dir die Kontrolle über deine persönlichen Daten zurück und reduzierst aktiv das Risiko von Betrug und Identitätsdiebstahl. Du kannst Incognito jetzt 30 Tage lang ohne Risiko testen. Einfach ausprobieren und wenn du mit dem Service nicht zufrieden bist, bekommst du dein Geld zurück. Mit dem Code TABLETODAY bekommst du 60% Rabatt auf den Jahresplan. Einfach mal reinschauen über den Link in den Shownotes.
Sprecher 3: Das Völkerrecht hat es schwer und das war eigentlich schon immer so, denn sein Schwert ist nicht besonders scharf. Auf internationaler Ebene gibt es bekanntlich keinen Gerichtsvollzieher, der es durchsetzen kann. Aber nun ist es noch mal schwieriger geworden, denn Großmächte wie Russland und auch die USA verstoßen gegen das Gewaltverbot und es macht den Eindruck, als ob die Großen und Starken machen können, was sie wollen. Und selbst in der Bundesregierung, die doch immer als Verteidigerin der regelbasierten Ordnung aufgetreten ist, ist nun die Rede von einem normativen Überschuss, dem man offenkundig entgegentreten will. Wie schlimm steht es um die Akzeptanz des Völkerrechts und was kann Deutschland und auch Europa tun, um dem Bedeutungsverlust entgegenzuwirken? Darüber sprechen wir jetzt mit Professor Klaus Kress. Er ist Völkerrechtslehrer und Strafrechtslehrer an der Universität zu Köln und ich kenne ihn schon aus Studententagen und deshalb duzen wir uns auch. Seit 2019 ist Kress Ad-Hoc-Richter am Internationalen Gerichtshof in der Sache Gambia gegen Myanmar. Und seit Januar läuft das Hauptsacheverfahren und deshalb erreichen wir ihn jetzt in Den Haag. Hallo, ich freue mich sehr, dass du bei uns bist, lieber Klaus.
Sprecher 7: Ich freue mich auch. Ich grüße dich, Helene.
Sprecher 3: Ja, vor einigen Tagen ist der internationale Gerichtshof 80 Jahre alt geworden. Es gab eine Feierlichkeit in Den Haag. Aber wie siehst du das eigentlich? Ist das wirklich ein... Grund zum Feiern oder in diesen Tagen angesichts der Weltlage eher ein Grund zur Sorge, vielleicht sogar der Verzweiflung?
Sprecher 7: Es war eine würdige Feier, aber natürlich eine würdige Feier in einem Moment tiefgreifender Krise, was die Völkerrechtsordnung anbetrifft und der Kern dieser Krise. Besteht darin, dass sich Russland und die Vereinigten Staaten von der völkerrechtsbasierten Ordnung abgewandt haben, von der völkerrechtsbasierten Ordnung, die 1945 nach der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs ins Leben gerufen wurde. Auf der anderen Seite gilt auch, es sind zu diesem Zeitpunkt so viele Verfahren anhängig vor dem Internationalen Gerichtshof wie nie zuvor. Der Internationale Gerichtshof tut unverdrossen seinen Dienst am Völkerrecht. Aber der Präsident, der japanische Präsident des Gerichtshofs, hat in seiner sehr eindrucksvollen Ansprache auch eines gesagt. Der internationale Gerichtshof wird weder allein noch mit allen anderen internationalen Gerichtshöfen das Völkerrecht verteidigen können. Am Ende wird es auf den politischen Willen der Staaten ankommen, ob wir die völkerrechtsbasierte Ordnung, so wie wir sie errichtet haben, im Kern erhalten können.
Sprecher 3: Ja, das Völkerrecht lebt von der Akzeptanz, so ist es. Und jetzt sehen wir, dass die Vereinigten Staaten, aber auch natürlich Russland und China gegen das Gewaltverbot verstoßen und dabei aber interessanterweise sich zum Teil auf das Recht berufen und die Rechtfertigung im Völkerrecht angeblich finden. Und das nennt sich dann autoritäres Völkerrecht, was ja mit der Ursprungsidee, die du gerade skizziert hast, schwer in Einklang zu bringen ist. Also klär uns mal auf, wie völkerrechtlich ist dieses sogenannte autoritäre Völkerrecht eigentlich?
Sprecher 7: Ich würde an der Stelle unterscheiden zwischen Russland und den USA auf der einen Seite und China auf der anderen Seite. Russland und die Vereinigten Staaten haben das Gewaltverbot fundamental verletzt in der letzten Zeit. Das kann man so für China nicht sagen. Was für China gilt, und das nicht erst seit gestern, ist, dass es kein Freund eines anderen Aspekts des Völkerrechts ist, des völkerrechtlichen Schutzes der Menschenrechte. Und an der Stelle begegnet es sich natürlich mit Russland, auch dies schon seit einiger Zeit, und die Vereinigten Staaten stoßen jetzt zu diesen beiden autoritären Regimen hinzu. Und das bedeutet nun für das Völkerrecht eine kritische Perspektive, die besteht zum einen darin, dass das Völkerrecht, was den Schutz des einzelnen Menschen anbetrifft, den völkerrechtlichen Menschenrechtsschutz, zurückgebaut wird gegenüber dem Erreichten. Und zum anderen bedeutet es die Gefahr eines Umbaus. Und jetzt kommt das von dir genannte Wort, eines Umbaus hin zu einem autoritären Völkerrecht. Und dieses autoritäre Völkerrecht wäre ein zwischenstaatliches Völkerrecht. bei dem die Staaten durchaus miteinander kooperieren, aber nicht mehr zum Schutz der Freiheit des Menschen, sondern zur Beseitigung dieser Freiheit. Das wäre im Kern eine Entwicklung hin zum autoritären Völkerrecht. Und wie weit wir das erleben werden, wird im Kern von der inneren Entwicklung der Staaten abhängen. Das Völkerrecht ist nicht auf Dauer unabhängig von der inneren Verfasstheit der Staaten. Je mehr ein autoritäres Regierungsmodell Schule macht, je größer die Gefahr eines Umbaus des Völkerrechts zu einem autoritären.
Sprecher 3: Du hast es mal in einem Interview sehr schön genannt, wir müssen das Völkerrecht gut über den Winter bringen und mit dem Winter ist ja jedenfalls mal die Zeit der Administration von Donald Trump gemeint. Vielleicht kannst du es nochmal fassen, was erwartest du von der Bundesregierung, damit das... funktioniert, dieses über den Winter bringen?
Sprecher 7: Ich würde zwei Stichpunkte nennen. Der erste Stichpunkt Stärke, Stärkung und der zweite Stichpunkt Partnerschaften. Was die Stärke anbetrifft, Stärke ist kein Gegensatz zum Völkerrecht, sondern Stärke ist wichtig für das Völkerrecht, dann wenn sie eingesetzt wird, um das Völkerrecht, um die Völkerrechtsordnung zu hüten, zu schützen. Und Abhängigkeiten, die wir jetzt schmerzhaft feststellen, natürlich in allererster Linie. Militärische Abhängigkeiten, aber auch digitale, die gilt es eben im Sinne einer europäischen Autonomie, darüber wird ja auch viel gesprochen, zu überwinden. Das ist der Punkt Stärke. Und dann der Punkt Partnerschaft. Natürlich kann es Deutschland nicht allein. Es sollte... Kern und zwar ein zentraler Kern des politischen Kurses Deutschlands, aber auch der Europäischen Union sein, Partnerschaften zu bilden zur Verteidigung des Völkerrechts, die über den Westen hinausgehen. Und das ist anstrengend und anspruchsvoll. Denn man wird mit nicht westlichen Staaten vereinfachend, wird hier vom globalen Süden sehr häufig gesprochen, du weißt, was ich damit meine, auf nicht westliche Staaten zugehen. Und bei diesen nicht westlichen Staaten besteht zwar auf der einen Seite eine große Bereitschaft zur Verteidigung des Völkerrechts, wenn der Westen das ohne Doppelstandards tut, Aber diese Staaten hadern auch mit der Völkerrechtsordnung unter verschiedenen Gesichtspunkten. Sie fühlen sich in Institutionen nicht hinreichend abgebildet. Und auch die eine oder andere Regel, etwa im Bereich des internationalen Wirtschaftsrechts, empfinden sie nach wie vor nicht als fair. Das heißt, an dieser Stelle, man wird nicht alle Konflikte, die es gibt, alle Meinungsverschiedenheiten in Harmonie auflösen können, aber man muss dann auch zum Entgegenkommen, zu Kompromissen bereit sein gegenüber diesen Staaten, damit das Völkerrecht... Das bleibt oder vielleicht an der der einer oder anderen Stelle auch das erst erreicht, was es beansprucht, ja wirklich universell zu gelten.
Sprecher 3: Letzte Frage, lieber Klaus, schauen wir nochmal auf den Internationalen Strafgerichtshof, mit dessen Arbeit du auch bestens vertraut bist, weil du seit einigen Jahren den Chefankläger berätst in der Frage des Verbrechens der Aggression. Nun gibt es einen sich zuspitzenden Konflikt zwischen dem Internationalen Strafgerichtshof und der Trump-Administration. Die Vereinigten Staaten sind nicht Mitglied des Gerichtshofs, sind dem nicht beigetreten, dem Statut. Trump hat dem Gericht Machtmissbrauch vorgeworfen und nun mehrere Richter mit Sanktionen belegt. Wie geht der Gerichtshof damit um und welche Unterstützung? Erwarten die Richterinnen und Richter und die anderen Mitarbeiter, zu denen du ja auch gehörst, von der Bundesregierung? Was droht da und was gilt es abzuwenden?
Sprecher 7: Man könnte sagen, dass beim internationalen Strafgerichtshof die gegenwärtige Krise, die Ausgangspunkt, die Beginn unseres Gesprächs war, fast körperlich fassbar wird. Und da ist vielleicht wichtig noch zu ergänzen, es sind nicht nur die Vereinigten Staaten, die den Gerichtshof sanktionieren, sondern eine ganze Reihe von Richtern sind inzwischen in Russland in Abwesenheit verurteilt worden zu hohen Freiheitsstrafen. Man begegnet den Richtern des Internationalen Strafgerichtshofs hier in Den Haag zum Teil nur noch in Begleitung von Bodyguards. Also das meine ich mit die Krise, die Herausforderung, die Angelegenheit. Griffe auf das Völkerrecht werden hier spürbar. Was kann und was sollte Deutschland, Europa, aber natürlich letztlich alle Vertragsstaaten tun? Zwei Dinge sind aus meiner Sicht zentral. Das erste ist, den Gerichtshof auch und insbesondere dann zu verteidigen, wenn seine Entscheidungen aus der jeweiligen nationalen politischen Warte unbequem sind. Und nicht, das ist das Allerschlimmste, die Autorität des Gerichtshofs sogar in Frage stellen, etwa dann, wenn man, Stichwort Netanjahu, einen von dem Gerichtshof mit internationalem Haftbefehl Gesuchten zu einem Staatsbesuch nach Deutschland einlädt. Und der zweite Punkt ist, es geht um die Arbeitsfähigkeit des Gerichts. Und diese Arbeitsfähigkeit leidet jetzt schon unter den personenbezogenen Sanktionen. Sie droht, das wäre der Worst Case. Noch einmal zugespitzt zu leiden, wenn die Amerikaner die letzte Eskalationsstufe tun werden und den Gerichtshof insgesamt sanktionieren als Institution. Für diesen Fall gilt es, den Gerichtshof nun vorzubereiten, auch da, wenn du so willst, winterfest zu machen. Und zwar dadurch, dass Unabhängigkeit geschaffen wird. Auch hier geht es um Unabhängigkeit jetzt im Kleinen von amerikanischen Unternehmen. Von amerikanischen Banken, aber auch von amerikanischen Digitalunternehmen. Es heißt also an dieser Stelle sehr konkret, noch mehr in diese Institution zu investieren, wenn man an ihrem Überleben und an ihrem Dienst am Völkerrecht für das Völkerrecht interessiert ist.
Sprecher 3: Ja, ich hörte davon, dass es so weit geht, dass man nun nach Banken sucht, die unabhängig sind und nicht unter das Sanktionsregime der Amerikaner fallen, damit die Richter überhaupt noch ihr Gehalt bekommen können und überhaupt ihre Bankgeschäfte abwickeln können. Also so weit ist es schon gekommen.
Sprecher 7: Ganz genau.
Sprecher 3: Klaus, eine düstere Perspektive, die du uns hier aufzeigst und gleichzeitig danke ich dir sehr für die Hoffnung, die du versprühst in dein Eintreten für das Völkerrecht und insbesondere natürlich für dieses erhellende Gespräch bin ich dir sehr dankbar. Alles Gute dir weiterhin in Den Haag.
Sprecher 7: Ich danke dir sehr, Helene. Tschüss.
Sprecher 2: So, Helene, war noch was.
Sprecher 3: Michael, ein neuer Rekord beim Marathon vom Kenianer Sebastian Saville, der erste Mensch auf der Welt, der einen Marathon unter zwei Stunden gelaufen ist, im Schnitt über 21 kmh. Das ist schneller als ein E-Scooter. Wirklich Wahnsinn, wenn ich denke, dass ich auf dem Laufband... Irgendwie so 12 oder 13 kmh laufe, wenn ich im Park laufe, stoppe ich nie meine Geschwindigkeit, aber auf dem Laufband weiß ich es. Und von 15 unfassbar schnell finde und mir dann überlege, man läuft 42 Kilometer mit 21, dass ein Mensch das kann, will mir gar nicht in den Kopf.
Sprecher 2: Ja, Wahnsinnsrekord. Also als ich das letzte Mal ernsthaft gelaufen bin vor zehn Jahren, Halbmarathon in Berlin, 1,58,30. Das heißt, ich laufe einen Halbmarathon in meiner allerbesten, fittesten Zeit, die nie wieder kommen wird. Und der Mann macht in dieser Zeit mal eben den gesamten Marathon. Wahnsinn. Jedenfalls gibt es jetzt schon die Geschichten, warum dieser außergewöhnliche Athlet das geschafft hat. Und Sportwissenschaftler sind unterwegs. Es geht um Talentscouting. Man hat diesen Mann früh entdeckt. Es geht um die Carbonsohlen, die er unter den Füßen trägt. Und die Schlafforschung, die ihn zu einem ausgeruhteren, fitteren Menschen angeblich gemacht haben soll. Jedenfalls außergewöhnlich, übermenschlich, aber wir gönnen es ihm. Wir freuen uns über sportliche Leistungsfähigkeit.
Sprecher 3: Natürlich. Und wir wissen, jeder kann irgendetwas. Insofern kommen Sie gut in diese Woche. Wir freuen uns, wenn Sie am Dienstag wieder dabei sind. Und bis dahin. Tschüss.
Sprecher 2: Ciao, ciao.
Sprecher 8: Run, boy, run. This world is not meant for you. Run, boy, run. They're trying to capture you. Run, boy, run. Running is a victory. Run, boy, run. Beauty lies behind the hills. Run, boy, run. This life is a journey to run, boy, run. The secret inside of you. Run, boy, run. This race is a prophecy. Run, boy, run. And disappear in the trees. Tomorrow is another day And you won't have to hide away You'll be a man for me But for now it's time to run, it's time to run Tomorrow is another day When the night fades away You'll be a man of all. For now, it's time to run. It's time to run.
Sprecher 9: Bringe deinen Tag auf Touren und arbeite intelligenter. Mit Acrobat Studio. Kombiniert Acrobat Pro Tools, KI-gestützte Arbeitsbereiche, Assistenten und Inhaltserstellung. Alles an einem Ort. Deine Daten sind damit sicher und sie werden niemals für Trainingszwecke eingesetzt. Arbeite schneller, intelligenter, erledige mehr mit Acrobat Studio. Mach es einfach mit Acrobat. Probiere es jetzt auf adobe.com slash acrobat aus.