Wann kollabiert das Regime im Iran, Herr Nouripour?
Im Iran reagiert das Regime nach außen geschwächt und nach innen brutal. Grünen-Politiker Omid Nouripour – geboren in Teheran – berichtet von willkürlichen Verhaftungen, öffentlicher Angst und einem System, das sich stabilisiert, indem es „Menschen leiden lässt“. Gleichzeitig sieht er Brüche im Machtapparat: „Wenn das System Doomsday wittert, kann es extremen Schaden anrichten – nach innen und außen.“
Donald Trump will mit dem „Big Beautiful Bill“ die Steuern senken, Militärausgaben erhöhen und Sozialprogramme massiv kürzen. Ashley Bamford-Kaemmereit aus dem Table Today-Team erklärt, warum selbst Republikaner ausscheren, was mit Medicaid auf dem Spiel steht und wie knapp die Abstimmungen in Senat und Repräsentantenhaus werden.
Die Marathon-Abstimmung im Senat läuft an diesem Morgen noch. Selbst wenn der Senat zustimmt, ist das Repräsentantenhaus ein weiteres Mal am Zuge.
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: In den USA steht ein gigantisches Gesetzespaket kurz vor dem Durchbruch. The Big Beautiful Bill, so hat Donald Trump es genannt. Warum es Billionen kostet und Millionen Menschen die Krankenversicherung nehmen könnte, das bespreche ich gleich mit unserer Kollegin Ashley Bamford-Kammerer. Der Terror gegen die Zivilbevölkerung im Iran nimmt immer mehr zu. Das Regime ist so geschwächt wie noch nie und probiert seine Macht mit Gewalt zu erhalten. Wir sprechen mit Omid Nouripour, dem Bundestagsvizepräsidenten der Grünen, über die aktuelle Lage im Land und wie wahrscheinlich es ist, dass sich das Volk gegen das Regime stellt. Es ist Dienstag, der 1. Juli, der Hochsommer beginnt. Es wird heiß, hier im Studio ist es zum Glück kühl.
Sprecher 3: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.
Sprecher 2: In Deutschland sorgt schon die Debatte über neue Schulden in Höhe von 500 Milliarden Euro für Aufregung. Da wird einem bayerischen Ministerpräsidenten nach eigenen Worten sogar schwindelig. In den USA haben wir es mit ganz anderen Dimensionen zu tun. Der Big Beautiful Bill von Donald Trump steht kurz vor dem Durchbruch. Es ist ein Gesetzespaket, das das Haushaltsdefizit in den nächsten Jahren um über 3,3 Billionen Dollar erhöhen könnte. Laut offiziellen Prognosen wäre die Schuldenquote dann auf bei 118 Prozent des BIP. Aktuell liegt sie bei 98 Prozent und schon das ist deutlich höher als in Deutschland, wo sie bei 62 Prozent liegt und da ja schon einigen schwäbischen Hausfrauen und Männern die Düse geht.
Sprecher 4: The one big beautiful bill will make the 2017 tax cuts permanent. This will provide individuals and businesses with certainty and build economic momentum. The legislation is squarely aimed at boosting the working and middle class and reinvigorating American manufacturing. The one big beautiful bill will also incentivize unprecedented investment in U.S. Manufacturing.
Sprecher 5: Will the big beautiful bill add to the national debt? Yes or no? Is that a yes or a no? That's a no? Yes?
Sprecher 4: Sorry?
Sprecher 5: What did you say? I'm sorry.
Sprecher 4: It remains to be seen.
Sprecher 2: Da haben wir gerade Scott Besson gehört, den Finanzminister, wie er vor dem US-Kongress gesprochen hat. Beim Big Beautiful Bill geht es aber nicht nur um Zahlen. Es ist auch eine politische Richtungsentscheidung in diesem Gesetz. Eine Richtungsentscheidung für weniger Staat, weniger soziale Absicherung und mehr Macht in den Händen des Präsidenten. Die Handschrift des Mager-Movements ist deutlich zu lesen. Was genau in diesem Gesetz steht, wer sich dagegen stellt und wer dabei auf der Strecke bleibt, darüber spreche ich mit Ashley Bamford-Kemmerer. Sie ist Amerikanerin, hat in der American Academy gearbeitet und ist jetzt neu bei uns bei Table. Schön, dass du bei uns bist. Hallo Ashley.
Sprecher 6: Danke, freut mich.
Sprecher 2: Was ist denn an diesem Bill, also an diesem Gesetz nun eigentlich big und was ist beautiful?
Sprecher 6: Also der Big Beautiful Bill umfasst tatsächlich fast tausend Seiten. Es ist Trumps Versuch, seine zentralen Wahlversprechen umzusetzen. Dabei geht es um die massive Steuerkürzungen, mehr Geld fürs Militär, härtere Einwanderungspolitik. Das Ganze soll dann finanziert werden durch Einschnitte bei Sozial- und Umweltprogrammen. Und genau diese Mischung macht das dann so kontrovers, selbst in den eigenen Reihen.
Sprecher 2: Darüber müssen wir gleich nochmal reden, aber das heißt, um es mal festzuhalten, ein Weg bedeutet also auch einfach sehr, sehr lang. Und Finanzierung von all dem eben nicht nur über Schulden, auch wenn wir es hier mit 3,3 Billionen zu tun haben, sondern auch über Einsparmaßnahmen. Das ist umstritten auch in den Reihen der Republikaner, die ja sowieso nicht so ganz aligned sind.
Sprecher 6: Eine von ihnen aus meinem Heimatstadt war Dender Tom Tillis. Er hat sich öffentlich gegen die Kürzung bei Medicaid gestellt, also der Krankenversicherung für Geringverdienende.
Sprecher 2: Ja, da ist das entscheidende Stichwort gefallen, Medicaid.
Sprecher 6: Genau, das hat mit Obamacare zu tun. Tom Tillis und ein weiterer Republikaner befürchteten, dass Millionen Menschen ihre Krankenversicherung verlieren könnten. Das war für sie ein Gewissenskonflikt gegen die eigene Partei, gegen den Präsidenten.
Sprecher 2: Sehr interessant, weil ja aus Sicht vieler Amerikaner unser deutsches Krankenkassensystem der pure Sozialismus ist, den sie überhaupt nicht verstehen. Und damals bei der Einführung von Obamacare und überhaupt der Krankenversicherung in Amerika fanden das ja viele Amerikaner auch übergriffig, obwohl wir ja alle denken, Sie profitieren doch davon. Das ist für uns hier nicht so wirklich nachvollziehbar. Aber klar ist, es steht viel auf dem Spiel. Millionen Menschen könnten den Versicherungsschutz verlieren. Seit Wochen wird in den USA um dieses Gesetz gerungen. Erklär uns mal, wie das jetzt läuft.
Sprecher 6: Ja, sehr gerne. Also erst hat das Repräsentantenhaus abgestimmt, dann ging der Anwurf in den Senat. Dort wurde er verändert.
Sprecher 7: And even if this does ultimately pass in the Senate, then the legislation goes back over to the House, where, as you know, Speaker Johnson has that razor-thin majority. And already we are hearing from some Republicans who are opposed to the changes that have been made in the Senate. But the White House is adamant. President Trump wants this bill on his desk so he can sign it on the 4th of July.
Sprecher 2: Wie wird die Abstimmung ausgehen, Ashley? Hast du deine Glaskugel dabei?
Sprecher 6: Die Glaskugel habe ich nicht dabei, aber es wird. Da werden alle Einzelnen noch einmal bearbeitet, denn die Mehrheit ist wackelig.
Sprecher 8: There's still work to be done in the Senate to get the bill passed. But if it does, the identical package needs to be voted on in the House. But already House members like David Valadao of California are warning they will vote no. Republicans can only afford to lose three votes in the House and have the bill pass.
Sprecher 6: Sollten drei oder mehrere republikanische Abgeordnete dagegen stimmen, würde der One Big Beautiful Bill scheitern.
Sprecher 2: Interessant, wie da versucht wird, die Einzelnen auf die Seite zu ziehen. Das kennt man ja auch aus Serien wie West Wing und so weiter. Da haben ja die Abgeordneten immer auch natürlich ihre eigene politische Karriere im Blick. Nicht zuletzt, weil doch auch im nächsten Jahr wieder Wahlen anstehen.
Sprecher 6: Die Zwischenwahlen, die Midterms finden nächstes Jahr im November statt. Und dann muss jeder einzelne Republikaner sich fragen, A, wenn ich zustimme und meine Wähler das nachgesehen haben, werde ich dann vielleicht nicht wiedergewählt. Oder B, wenn ich nicht zustimme, dann verärgere ich den Präsidenten, der dann alles daran setzen wird, mich durch einen anderen Republikaner bei den Midterms zu ersetzen.
Sprecher 2: Und es gilt hier wie dort das Zitat von Otto von Bismarck. Gesetze sind wie Würste, man sollte besser nicht dabei zusehen, wie sie gemacht werden.
Sprecher 6: Ja, so ein englisches Zitat gibt es in den USA auch. There are two things you don't want to see being made. Laws and sausages.
Sprecher 2: Okay, sehr gut. Vielen Dank, dass du heute bei uns was uns aufgeklärt hast über das Würste machen in den USA.
Sprecher 3: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.
Sprecher 2: Für das Mullah-Regime im Iran scheint die Gewalt gegen die eigene Bevölkerung das einzige zu sein, was sie an der Macht hält. Durch den Angriff der USA und Israels auf die Atomanlagen, den Tod der militärischen Führung und das Wegbrechen von Verbündeten ist das Regime so schwach wie lange nicht mehr. Aber gibt es einen Regimewechsel, was die USA erst wollten und dann doch nicht? Gibt es einen Machtwechsel und wenn ja, woher kommt der von außen oder vielleicht auch von den Iranerinnen und Iranern, die sich auflehnen gegen das Mullah-Regime? Darüber spreche ich jetzt mit Omid Nouripour, dem Bundestagsvizepräsidenten der Grünen. Er ist in Teheran geboren, lebte die ersten 13 Jahre seines Lebens im Iran und hat bis heute Familie im Land. Schön, dass Sie heute bei uns sind. Hallo, Herr Nouripour.
Sprecher 9: Ich grüße Sie.
Sprecher 2: Erstmal vorweg, wie schätzen Sie die Lage im Iran ein? Donald Trump hat gesagt, der Zwölftageskrieg ist vorbei. Ist das so oder droht jetzt weitere Eskalation?
Sprecher 9: Ich glaube, dieser Krieg ist erst einmal um. Ich glaube, dass jetzt vor allem das Regime wunden leckt. Es ist aber nicht weg, das Regime, sodass die Aggression gegen Israel weiterhin bestehen bleibt, das Streben nach der Bombe bestehen bleibt und die Repression gegen das eigene Volk und der Terror in der Region auch. Also ich hoffe, dass wir... andere Lösungen finden als militärische, sonst werden wir im nächsten Krieg landen.
Sprecher 2: Sie haben gerade gesagt, die Unterdrückung gegen das Volk geht weiter. Wie ist denn die Stimmung im Volk? Wie lange lässt sich das Volk noch unterdrücken?
Sprecher 9: Die Leute waren die letzten Wochen ja in erster Linie damit beschäftigt, ihr Leben zu organisieren, aus der Schussbahn zu geraten, zu fliehen aus den Großstädten oder aus der Nähe von... Militäranlagen und Ähnlichem. Das Ende des Krieges war quasi gleichbedeutend mit einer neuen Repressionswelle, mit einer großen Verhaftungswelle. Es ist noch nicht ganz durch, wie viele Leute verhaftet worden sind oder auch exekutiert worden sind. Die Gerüchte sind irgendwie im hohen dreistelligen Bereich, vielleicht auch im vierstelligen Bereich verhaftet und etliche umgebracht. Und vor allem hat auch eine Bombe eingeschlagen, hat im Erwien-Gefängnis, dem berüchtigsten Symbol der politischen Unterdrückung im Land, hat am Ende der Dissidentenschaft auch nicht geholfen, sodass die Leute ehrlich gesagt nur mit sich selber zur Zeit beschäftigte.
Sprecher 2: Zumal ja auch die Strafe für die Nutzung des Internets gerade wieder erhöht wurde. Wer Starlink benutzt, obwohl die Regierung das ausgeschaltet hat, wird zu Peitschen heben oder auch mit zwei Jahren Gefängnis belangt. Das heißt, es gibt eigentlich gar keinen Rahmen, in dem sich so etwas wie eine freiheitliche, demokratische Zivilgesellschaft ausbilden kann.
Sprecher 9: Ja und nein. Auf der einen Seite ist es richtig, die Repression wird immer heftiger. Nein, weil das ist ja auch ein Zeichen davon, dass das System sieht, dass... seine Fundamenta bröckeln. Die gesamte militärische erste Reihe ist, jetzt nicht die gesamte, aber fast alle sind weg. Die Hälfte der zweiten Reihe, jetzt müssen sie in größter Geschwindigkeit laut aus der dritten Reihe nach vorne holen. Das sind eher radikalere, als die, die in den letzten Jahren auch das Sagen hatten. Gleichzeitig gibt es ja jetzt schon, das hat man ja gesehen an diesen Tagen, an diesen vielen Tagen, an denen der Revolutionsführer nicht mehr erschienen war, gleichzeitig gibt es jetzt schon natürlich den großen Wettkampf darum, wer ihm nachfolgt. Auch das ist eher ein Wettkampf der Radikalität. Nichts davon deutet darauf hin, dass das Regime in den nächsten... Monaten eher moderater wird, im Gegenteil.
Sprecher 2: Das heißt, je instabiler es wird, desto härter geht es gegen die eigene Zivilgesellschaft vor, könnte man vielleicht sagen. Zumal ja auch die Unterstützer aus dem Ausland schwächer werden. Also die Hamas ist geschwächt, die Hezbollah ist geschwächt. Bei den Russen ist man sich nicht mehr so sicher, wie stark eigentlich die Unterstützung ist. Gibt es denn eine Chance, dass dieses System implodiert?
Sprecher 9: Es gibt natürlich die Chance, vor allem weil es ökonomisch ja eigentlich längst am Ende ist. Aber wie Sie sagen, je größer der Druck, desto eher schlägt das System auch um sich, nach innen, aber auch nach außen. Assad ist weg, das dürfen wir auch nicht vergessen. Also die gesamte regionale Architektur des Irans, das dahin ist, ist zusammengebrochen. Wenn das System das Gefühl hat, dass Doomsday kommt, dann kann das extrem große Schaden anbieten. anrichten in alle möglichen Richtungen, in der gesamten Region wie im Land selbst. Ehrlich gesagt, das wird nur funktionieren, entweder wenn es einen zivilen Übergang gibt, mir fehlt die Fantasie, wie das gehen soll, oder eben, dass das System in einer Plötzlichkeit zusammenkrachen würde. Also dass die Leute von den Sicherheitskräften jetzt einfach Krawatte anziehen, sich rasieren und rausgehen und sagen, wir waren schon immer auf der Seite der Revolution. Das System stabilisiert sich zurzeit und jeder Tag, an dem es sich stabilisiert, ist ein Tag, an dem Menschen leiden.
Sprecher 2: Ihre Familie lebt zum Teil noch in Iran. Wie geht es denen?
Sprecher 9: Viele waren auf der Flucht irgendwo hin, um die Bombentage zu überstehen, gerade für die Älteren, auch vor allem für die, die so alt sind, dass sie eigentlich die beispielsweise Terra nicht verlassen konnten, war das alles massiv retraumatisierend, dass jetzt wieder Bomben in der Nachbarschaft eingeschlagen sind. Das haben sie alle in den 80ern ja schon mal heftigst erlebt im Iran-Irak-Krieg. Die Leute sind mit sich beschäftigt und damit, wie die den Tag überstehen.
Sprecher 2: Sie sind in Teheran geboren, haben dort auch die ersten Jahre verbracht, sind dort zur Schule gegangen und haben mal gesagt, dass sie selber auf dem Schulhof standen und Tod Israel gerufen haben, weil man das als iranisches Kind so gelernt hat, also diese Indoktrination in der Schule. Sie haben dann in Deutschland... Ganz anders zu denken gelernt, ein anderes Israelbild entwickelt. Erzählen Sie mal, wie man das eigentlich schafft, so eine Indoktrination loszuwerden. Ist ja eine Art von Gehirnwäsche, sagen wir mal im positiven Sinne, erforderlich, oder?
Sprecher 9: Ich habe im Unterricht mal in Frankfurt am Main in der Musterschule erzählt, der Sechstagekrieg konnte ja nur gewonnen werden, weil die Amerikaner für die Israelis gekämpft haben. Das habe ich im Iran in der Schule gelernt. Das ist blanker Unsinn. Und ich habe das mit der großen Herze und auch mit relativ viel Ausgelachtwerden, auch vom Lehrer, gelernt, dass das einfach grober Unfug ist. Das Zweite ist, es stimmt nicht, es war eine Lehrerin. Die Lehrerin gab mir auch was zu lesen mit, damit ich auch anderes Wissen habe. Und dann hat sie uns alle geschnappt und ist mit uns in Schindlers Liste gegangen, damit wir verstehen, worüber wir eigentlich sprechen. Er braucht erstens Härte, zweitens braucht es einfach andere Zugänge, andere Informationen, die man den Leuten zur Verfügung stellt und drittens Geduld. Weil was ich als Kind gelernt habe im Iran, das wächst ja nicht weg, weil ein Lehrer mich anschreit, sondern weil ich tatsächlich verstehe, warum es Unsinn war, was ich da gelernt habe.
Sprecher 2: Sie haben sich dann sehr mit den Frauen solidarisiert, die vor einigen Jahren aufgestanden sind nach dem Tod von Massa Amini. Was ist aus dieser Frauenbewegung geworden?
Sprecher 9: Es gab etliche Wellen von Aufstand und Freiheitskampf im Iran die letzten 45 Jahre. Und ehrlich gesagt, egal wer in der ersten Reihe stand, getragen wurden sie immer von den Frauen. Diese letzten drei Jahre waren das erste Mal, dass die Frauen wirklich auch selbst vorne standen. Teilweise ihren Peinigern mit Gewehr in der Hand, ein Kopftuch auch ins Gesicht geschleudert. was ihnen aufgezogen worden ist. Das war sensationell und unglaublich inspirierend und das ist nicht weg. Dass die Frauen jetzt nicht auf offener Straße mehr sind, weil wer jetzt demonstriert, sofort verhaftet wird und unter Spionageverdacht für Israel vor Gericht steht, ist verständlich. Aber ehrlich gesagt, die nächste Auseinandersetzung wird kommen. Ich weiß gar nicht, wie viele Wellen es davon gegeben hat. Und jedes Mal ist das System im Kern zusammengeschrumpft ein bisschen. Vielleicht auch mehr als ein bisschen. Und irgendwann mal wird es erodieren.
Sprecher 2: Ihre Parteifreundin und ehemalige Außenministerin Annalena Baerbock wollte in Deutschland die feministische Außenpolitik einführen und wurde und wird kritisiert, weil man sagte, gerade mit Blick auf den Iran hat Deutschland weiterhin versucht zu deeskalieren, versucht ein Abkommen wieder zu verhandeln und ist eben nicht mit der Härte vorgegangen, wie es jetzt die Amerikaner gemacht haben. Und das sei doch eigentlich ein Verrat an den Werten der feministischen Außenpolitik, denn dieses Land, wie Sie gerade beschrieben haben, behandelt Frauen schlechter als die allermeisten anderen Länder dieser Welt. Ist an der Kritik was dran?
Sprecher 9: Nein, weil dieser Begriff feministische Außenpolitik ist eigentlich einfach nur was Gutes, nämlich das Eintreten für Gleichberechtigung weltweit. Was daran falsch sein soll, habe ich bis heute nicht verstanden. Es ist ja eher als Kampfbegriff von denjenigen, die Annalena Baerbock nichts gegönnt haben, aufgefasst worden. Und die Gespräche mit dem Regime zu führen, das macht Wadervul auch. Wadervul sagt nur nicht, dass er feministische Außenpolitik... Ich habe dieser Tage in einem Interview gelauscht, in dem der Außenminister, ich glaube, wortwörtlich mit der Frage konfrontiert wurde, Sie führen jetzt wieder Verhandlungen und Gespräche mit dem iranischen Regime. Warum stützen Sie die Mullahs? Ich finde das grotesk. Man stützt niemanden, weil man mit ihm redet. Und das ist das originäre Job einer Außenministerin oder eines Außenministers, genau mit solchen Leuten zu reden.
Sprecher 2: Trotzdem gibt es ja jetzt Leute, die sagen, die europäische Iran-Politik, wenn man denn überhaupt davon sprechen kann, ist gescheitert. Die letzten 20 Jahre haben eigentlich nur zu einer Verschärfung der Lage geführt. Und was die Amerikaner jetzt gemacht haben, robust reinzugehen, sei bei allen völkerrechtlichen Bedenken politisch doch richtig gewesen. Also Stichwort Drecksarbeit. Wie sehen Sie es?
Sprecher 9: Ich finde das zu leichtfertig zu sagen, ihr habt nichts erreicht. Ihr habt das Patriarchat im Iran, was ja hunderte alt ist, einfach nicht mit dem Fingerschnipsen abgeschafft. Und die Frauen leiden immer noch. Ich glaube, dass man einfach sehen muss, Sanktionen wirken grundsätzlich langfristig. Es hätte mehr sein können, ja unbedingt. Hat man das nicht hinbekommen? Nein, leider nicht. Das hat auch was damit zu tun, dass Sanktionen nur einstimmig in Europa beschlossen werden können. Und diese Einstimmigkeit gibt es halt einfach nicht für alles. Aber unter dem Strich, diese Mischung von Härte und Dialog ist und bleibt aus meiner Sicht richtig. Die amerikanische Intervention hat jetzt nicht dazu geführt, dass das Regime weg ist. Das ist aber der Wunsch und das Begehren alter Leute, die die europäische Linie die letzten Jahre kritisiert haben. Verstehe ich jetzt gar nicht, wo sie hinwollen.
Sprecher 2: Wenn das Regime weg ist, weg sein sollte eines Tages, wer kommt denn dann?
Sprecher 9: Das weiß niemand. Und es gibt sehr viele Gründe, das Schlechteste anzunehmen. Aber solche Regime leben ja von diesem Argument der Friedhofsruhe. Die sagen, wenn ich weg sein sollte, dann gibt es Chaos und Verdammnis. Kann sein, kann nicht sein. Das ist kein Grund daran festzuhalten, dass die Frauen im Iran unterdrückt werden.
Sprecher 2: Ja, Herr Noripo, vielen Dank für Ihren Bericht aus dem Land und über das Land. Danke, dass Sie bei uns waren.
Sprecher 9: Ich danke Ihnen.
Sprecher 6: So, Helena, war noch was?
Sprecher 2: Ashley spielt zu Tennis.
Sprecher 6: Nein, nicht selbst, aber ich schaue gerne zu.
Sprecher 2: Ja, Ashley, dann hast du ja jetzt einiges zu tun, denn gestern ist Wimbledon wieder losgegangen. Nicht nur Tennis auf höchstem Niveau, sondern auch wirklich ein gigantisches logistisches Projekt, wo nichts dem Zufall überlassen wird. Auf dem Centercourt zum Beispiel wird nur eine einzige Grassorte verwendet mit dem Namen Zwergrot-Schwingel. Wo man sich fragt, wie die Briten das aussprechen. Hast du eine Idee?
Sprecher 6: Zwerg-Wurtschmingel, aber das ist kein üblicher Begriff.
Sprecher 2: Nein, ist es nicht und sicherlich ein ganz schöner Zungenbrecher. Jedenfalls dieses Gras wächst senkrecht und lässt sich ganz sauber bespielen. Offenbar 85 Gramm Saat pro Quadratmeter, insgesamt etwa 54 Millionen Halme. Also da wird wirklich bis ins letzte Detail durchreguliert. Vieles läuft ganz traditionell ab, wie immer schon. Aber es gibt eine entscheidende Änderung. In diesem Jahr kommen keine Linienrichter mehr zum Einsatz, sondern nur noch ausschließlich die Hawkeye-Technik. Hochgeschwindigkeitskameras übernehmen jede Entscheidung. 300 Menschen sind damit überflüssig geworden. Dafür gibt es 80 neue Match-Assistenten, die sich um alles kümmern. Wie findest du das?
Sprecher 6: Was passiert, wenn die Technik mal ausfällt?
Sprecher 2: Ja, das passiert ja immer wieder. Da hat wahrscheinlich der Technikgott noch nicht mal vor dem Zwerg Rutschwinkel. Respekt. Aber man kann auch sagen, der Linienrichter ist nicht mehr an allem schuld, oder? Ja, korrekt. Er ist also nicht mehr der Bad Guy. Und damit verabschieden wir uns und freuen uns, wenn Sie am Mittwoch wieder dabei sind, wenn die Hitze losbricht. Passen Sie gut auf sich auf. Tschüss.
Sprecher 10: Like when you get mad Guess I'm pretty glad that you're alone You said she's scared of me? I mean, I don't see what she sees But maybe it's cause I'm wearing your cologne
Sprecher 3: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.