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Nachhaltigkeit als Haltung – Finanzierung für Kommunen und Mittelstand im Wandel

von Bianca Heldmann

Nachhaltigkeit in Umwelt, Sozialem und verantwortungsvoller Unternehmensführung ist heute weit mehr als eine regulatorische Vorgabe. Sie ist Ausdruck von Haltung, Überzeugung und Verantwortung gegenüber kommenden Generationen. Die Diskussion um nachhaltige Finanzierung ist von Unsicherheiten geprägt: Politische und regulatorische Rahmenbedingungen ändern sich rasant, das Ziel der Klimaneutralität bleibt jedoch bestehen. Gerade jetzt ist es wichtig, Nachhaltigkeit nicht als Pflicht, sondern als Chance und moralische Aufgabe zu begreifen.

Solidität, Verantwortung und Gemeinwohlorientierung sind gefragt. Die Energiewende ist eine konkrete Aufgabe vor Ort. Kommunen und Unternehmen müssen ihre Energieinfrastruktur modernisieren und nachhaltiger gestalten. Die Investitionsbedarfe sind enorm – oft übersteigen sie das Zwei- bis Dreifache der Bilanzsumme oder des Umsatzvolumens. Nicht alle Mehrkosten können auf Verbraucherinnen und Verbraucher umgelegt werden. Es braucht tragfähige, ganzheitliche Finanzierungskonzepte, die Eigen- und Fremdkapital intelligent kombinieren und die Substanz der Unternehmen und Stadtwerke stärken. Die Verschuldungskapazität und Kapitaldienstgrenzen setzen dabei klare Grenzen.

Vom Mittelstand, oft familiengeführt, können wir lernen: Für viele ist Nachhaltigkeit seit Jahrzehnten gelebte Praxis. ESG-Bewusstsein ist Teil der Unternehmenskultur, unabhängig von regulatorischen Vorgaben wie der EU-Omnibus-Verordnung oder dem Nachhaltigkeitsberichtstandard (VSME). In vielen Gesprächen mit dem deutschen Mittelstand zeigt sich, wie Unternehmerinnen und Unternehmer aus Überzeugung Nachhaltigkeitsgrundsätze umsetzen. Daraus entstehen innovative Finanzierungsprodukte, etwa bilaterale Rahmenkredite, gekoppelt an Nachhaltigkeitskennzahlen und mit attraktiven Konditionen. Die Erfahrung zeigt: Wollen und Machen gehören zusammen.

Im kommunalen Sektor, insbesondere bei Stadtwerken im kommunalen Mehrheitsbesitz, wird ein maßgeblicher Beitrag zur Energiewende geleistet. Der Markt ist noch zögerlich, doch die nächste Investitionswelle zeichnet sich ab. Die kommunale Wärmeplanung ist auf dem Weg, viele Projekte warten auf den Startschuss. In Gesprächen mit Sparkassen und Kommunen wird deutlich: Das Bewusstsein für die Stärkung der Eigenkapital- und Innenfinanzierungskraft als Grundvoraussetzung für die Finanzierung wächst.

Drei zentrale Punkte sind für die Sparkassen-Finanzgruppe und die Helaba besonders wichtig:

1. Einheitliche, vereinfachte Eigenkapital-Hinterlegung für Mezzanine-Kapital in Infrastruktur

Um die Finanzierungsbereitschaft institutioneller Investoren für Infrastrukturmaßnahmen zu erhöhen, sind einfache und verlässliche aufsichtsrechtliche Vorgaben erforderlich. Unterschiedliche Modalitäten führen dazu, dass identische Investorengruppen Folgeprojekte als weniger attraktiv bewerten. Einheitliche Regeln schaffen Planungssicherheit und fördern Investitionen.

2. Bürgerbeteiligungen

Mit der Bürgerbeteiligungs-Plattform HelabaCrowd bietet die Sparkassen-Finanzgruppe eine Lösung zur aktiven Einbindung der Bürgerinnen und Bürger. So werden Betroffene zu Beteiligten. Dadurch können z.B. Windparkprojekte oder nachhaltige Sparkassenbriefe effizient umgesetzt werden. In Kooperation mit Sparkassen, Landesbanken und der Deutschen Leasing-Gruppe entsteht eine Gesamtlösung für Fremdfinanzierung und Bürgerbeteiligung.

3. Beteiligung der Bundesländer an Eigenkapital-Maßnahmen – Beispiel EnergieFonds Hessen

Neben klassischen Fremdkapitalfinanzierungen ist die Beteiligung der Bundesländer an Eigenkapital(förder)maßnahmen von großer Bedeutung. Das Beispiel des neuen EnergieFonds Hessen der Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen zeigt, wie innovative Lösungen geschaffen und die Finanzierungskraft der öffentlichen Hand gezielt gebündelt werden können.

Die Helaba richtet ihre Beratung an ESG-Grundsätzen aus und verbindet diese mit einer werteorientierten Ausrichtung. Sie berät Unternehmen und Kommunen umfassend bei der nachhaltigen Transformation – mit individuellen Konzepten, ESG-linked Loans, nachhaltigen Schuldscheinen und der Integration von Fördermitteln. Die langjährige Erfahrung und die aktive Mitarbeit in DSGV-Projekten schaffen einen wirksamen Hebel für die Transformation der regionalen Wirtschaft.

Nachhaltige Finanzierungen sind ein Hebel für Innovation und Zukunftsfähigkeit. Organisationen, die Nachhaltigkeit systematisch in ihre Entscheidungen und Unternehmenskultur integrieren, stärken ihre Position und Wirtschaftlichkeit und leisten einen aktiven Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung unserer Gesellschaft.

Autorin: Bianca Heldmann ist Bereichsdirektorin und Abteilungsleiterin Vertrieb Süd Sparkassen und Mittelstand der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen.

Wie können öffentliche und private Investitionen zusammen die größtmögliche Wirkung für eine Modernisierung Deutschlands entfalten? Das Table.Forum "Gespräche im Liebermann-Haus am Brandenburger Tor" greift diese strategisch entscheidende Zukunftsfrage für Schlüsselbereiche wie Bauen und Wohnen, resiliente Infrastruktur und Altersvorsorge auf.

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