Merz bei Trump: Was im Oval Office gelang – und was nicht

Friedrich Merz traf in Washington nach dem Iran-Angriff auf Donald Trump. Der Kanzler vermied direkte Widersprüche, während der US-Präsident scharf europäische Partner kritisierte.

04. März 2026
March 3, 2026, Washington, District Of Columbia, USA: U.S. President Donald Trump speaks during a bilateral meeting with German Chancellor Friedrich Merz in the Oval Office at the White House on March 3, 2026 in Washington, D.C. Trump is meeting with the German Chancellor just days after the U.S. and Israel launched widespread attacks on Iran, killing Iran™s Supreme Leader Ayatollah Ali Khamenei and other senior leaders in air strikes across the region Washington USA - ZUMAs152 20260303_faa_s152_126 Copyright: xSamuelxCorumx-xPoolxviaxCNPx
Beim Besuch von Kanzler Friedrich Merz in Washington übt US-Präsident Donald Trump harsche Kritik an Spanien und Großbritannien. (IMAGO / ZUMA Press Wire)
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Auf den ersten Blick ist das Treffen zwischen Friedrich Merz und Donald Trump am Dienstag harmonisch gelaufen. „Unsere Länder kommen gut miteinander aus“, sagt Trump. Merz sei ein erfolgreicher Regierungschef und ein „Freund“, den er in „interessanten Zeiten“ treffe.

Der Kanzler wusste, dass es ein heikles Treffen wird. Er ist der erste europäische Regierungschef, der nach dem Angriff der USA und Israels auf den Iran nach Washington reiste. Eigentlich wollte der Kanzler mit Trump über die Zollpolitik und weitere Unterstützung für die Ukraine sprechen. Nun überlagerte das Thema Iran all das. Es sei nicht der Moment, Partner zu belehren, sagt Merz dazu in Washington. Mit Blick auf das Völkerrecht sei man zwar ernüchtert. Nur heiße das nicht, dass es damit vom Tisch sei. Man wisse zudem, dass die Angriffe nicht ohne Risiken blieben.

Vorsicht ist besser als Nachsicht, scheint sich Merz zu denken. Und beim Besuch des Kanzlers in Washington zeigt sich auch, was passiert, wenn man Trump widerspricht. So übt der US-Präsident scharfe Kritik an Spaniens Premier Pedro Sánchez. Der hatte Trump in der Vergangenheit immer wieder deutlich verurteilt. Nicht nur mit Blick auf den Krieg im Iran, sondern auch wegen der Intervention der Vereinigten Staaten in Venezuela oder der Ablehnung des Nato-Ausgabenziels.

Spanien zieht nicht mit – und hat erst mal das Nachsehen. Nachdem Sánchez angekündigt hatte, die USA dürften keine spanischen Militärstützpunkte mehr nutzen, sagte Trump nun: „Niemand schreibt den USA vor, was sie zu tun oder zu lassen haben.“ Er könne den Stützpunkt auch ohne Erlaubnis nutzen. Die Verweigerung sei unfreundlich gewesen. Deshalb werde er seinen Finanzminister Scott Bessent anweisen, „alle Deals“ mit Spanien hintanzustellen.

Auch mit Großbritannien rechnet Trump ab. Premier Keir Starmer hatte den USA zunächst ebenfalls verwehrt, Angriffe auf den Iran von britischen Stützpunkten aus durchzuführen. Obwohl Starmer mittlerweile eingelenkt hat, sagte Trump, er sei „nicht glücklich“ über die Briten. Kanzler Merz widerspricht Trump hier nicht. Als der Präsident Witze über Spaniens Regierung macht, lacht Merz sogar mit. Wohl auch, um den Konflikt auszusparen.

Denn am Ende bleibt mit Blick auf den Iran die zentrale Frage weiterhin offen. Was passiert, wenn die Führung vor Ort militärisch besiegt ist? Was kommt danach? Für Merz war das bei den Gesprächen zentral. Immerhin haben die Entwicklungen seit dem Tod des religiösen Führers Ali Chamenei gezeigt, dass der Kampf gegen das Regime so leicht nicht beendet ist. Und auch die Frage nach der Unterbringung der vielen Iranerinnen und Iraner, die sich auf den Weg gemacht haben, ihr Land zu verlassen, könnte für Europa und Berlin schnell großes Gewicht bekommen.

Hinzu kamen die Themen Zoll und Ukraine, die Merz ansprechen wollte. Mit einem verärgerten Trump wäre das schwer geworden – vielleicht gar eskaliert. Trump bekräftigte seine Absicht, einen weltweiten Zoll auf Importe in die USA von 15 Prozent erheben zu wollen. Dies könne er bis zu fünf Monate lang tun, sagte er am Dienstag. Zudem untersuche seine Regierung weiter die Möglichkeit unterschiedliche Zölle für unterschiedliche Länder zu erheben, sagte Trump weiter – und witzelte dann an den neben Merz ebenfalls im Oval Office anwesenden US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer gewandt: „Wie behandeln wir Deutschland? Ich denke, bei denen solltest du sehr, sehr hart zuschlagen.“

Fazit: Der Kanzler hat sich entschieden, die Trump-Show stoisch über sich ergehen zu lassen. Nur hat er damit Probleme im eigenen Vorgarten riskiert. Denn nichts zu sagen, wenn europäische Partner so scharf kritisiert werden, dürfte nicht unbemerkt bleiben.

Letzte Aktualisierung: 27. März 2026