CEO.Table – Ausgabe 82

KI-Skills von Bewerbern + CEOs und Merz beim CDU-Wirtschaftstag + Wie Elon Musk sein Imperium aufbaut

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Executive.Summary

Jobsuche

Unternehmen fordern KI-Skills von Bewerbern – wissen aber nicht, wie man sie misst

Ein viel zitierter Satz zur Arbeitswelt der Zukunft lautet: Nicht KI nimmt Menschen die Jobs weg – sondern andere Menschen, die KI beherrschen. Entsprechend gilt der Umgang mit KI als eine der zentralen „Future Skills“ auf dem zunehmend umkämpften Arbeitsmarkt. Arbeitgeber fordern diese Kompetenz immer häufiger in Stellenausschreibungen ein. Unklar bleibt jedoch oft, was genau damit gemeint ist und woran sich KI-Kompetenz messen lässt. Gleichzeitig gewinnen menschliche Qualitäten an Bedeutung.

Begriffe aus dem KI-Kontext tauchen immer häufiger in Stellenanzeigen auf, nicht nur im Tech-Bereich. Das zeigt eine Auswertung der Anzeigen auf der Jobplattform Indeed: Im Marketing etwa werden KI-Schlagworte in 15 Prozent der Anzeigen genannt, im Personalwesen in 13 Prozent, in Management und Vertrieb in gut sieben Prozent. Der Trend ist deutlich: Zwischen Februar 2025 und Februar 2026 ist die Zahl der Jobs mit KI-Anforderungen stark gestiegen – um 225 Prozent im Personalwesen und um 100 Prozent in der Buchhaltung.

Die Anforderungen bleiben jedoch oft vage. Formulierungen wie „Prompting sollte kein Fremdwort sein“ oder „Sie gestalten die KI-Transformation aktiv mit“ sind typisch. Konkreter wollen Unternehmen das oft nicht machen: „KI-Skills sind wichtig, aber nicht nur im Sinne reiner Tool-Kenntnisse“, erklärt eine Sprecherin des Hamburger Konsumgüterkonzerns Beiersdorf. Entscheidend sei, dass Bewerber „KI sinnvoll, reflektiert und verantwortungsvoll einsetzen können“. Auch bei der Allianz verstehe man KI-Skills „nicht im Sinne spezialisierter technischer Expertise“, so eine Sprecherin. Stattdessen erwarte man von Bewerbern „Offenheit gegenüber neuen Technologien“ und die Fähigkeit, „Dinge auszuprobieren und KI als alltägliches Werkzeug zur Unterstützung ihrer Arbeit zu verstehen – nicht als Ersatz für eigenes Denken“.

Zwei Schwierigkeiten scheinen für Recruiter und Bewerber hier zusammenzukommen:

  • Erstens sind viele Unternehmen in einer Findungsphase: Wie und wo wollen sie KI einsetzen? Das Tempo, in dem sich KI weiterentwickelt, macht es schier unmöglich, dazu finale Entscheidungen zu treffen – selbst für Tech-Unternehmen: „Wir schätzen die Kombination aus einer soliden akademischen Ausbildung und praktischer Erfahrung“, erklärt André Heinz, Chief People and Culture Officer beim Softwareunternehmen Celonis. „Mindestens ebenso wichtig ist jedoch die Bereitschaft, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln und weiterzubilden, um angesichts der rasanten technischen Entwicklung – insbesondere im Zusammenhang mit KI – stets auf dem aktuellen Stand zu bleiben.“

  • Zweitens fehlen bislang einheitliche, vergleichbare Nachweise für KI-Kompetenz. Trainingsangebote und Zertifikate gibt es viele, doch ihre Aussagekraft variiert stark. Christina Langer, Ökonomin des Jobportals Stepstone, berichtet von einer Studie, im Rahmen derer Recruitern CVs vorgelegt wurden: einer ohne Angaben zu KI-Skills, einer mit KI-Kenntnissen, belegt durch ein Linkedin-Zertifikat, und beim anderen durch eine Unternehmensweiterbildung. Es gab keinen klaren Sieger – aber einen eindeutigen Verlierer: Am schlechtesten schnitt der CV ohne Angaben zu KI-Fähigkeiten ab.

Es scheint egal zu sein, wie Bewerberinnen und Bewerber ihre KI-Kenntnisse nachweisen. Die Chancen, auf ein Interview eingeladen zu werden, steigen laut Studien aber, sobald überhaupt KI-Kenntnisse genannt werden. Stepstone-Ökonomin Langer sagt: „Das kann man dahingehend interpretieren, dass es auch für Unternehmen derzeit noch schwierig ist, angegebene KI-Kompetenzen und Zertifikate überhaupt zu evaluieren.“

In der Praxis setzen Recruiter daher auf Gespräche. „Wir stellen gezielt Fragen, die Aufschluss darüber geben, wie jemand neue Technologien erlernt, reflektiert einsetzt und Ergebnisse kritisch einordnet“, so die Sprecherin der Allianz. Zertifikate gelten eher als Indikator für Engagement. Entscheidend ist, wie KI konkret eingesetzt wurde und welche Ergebnisse erzielt wurden.

Während KI-Skills wichtiger werden, aber vage bleiben, gewinnen auch „Soft Skills“ an Gewicht – und zwar ganz konkret. Eine Untersuchung von Stellenanzeigen auf Stepstone zeigt: 2019 wurden in nur einem Viertel aller Ausschreibungen „Soft Skills“ verlangt. 2025 waren es hingegen 43 Prozent. Besonders an Gewicht gewonnen haben Zuverlässigkeit und Selbstständigkeit. Im Gespräch mit den Menschen aus der Praxis werden auch Neugier, Lernbereitschaft, Kommunikationsfähigkeit und Teamarbeit häufig genannt. Der Trend wird sich fortsetzen, vermutet Stepstone-Ökonomin Langer: „Human-Centric-Skills werden im nächsten Jahr eine noch größere Rolle spielen.“

Auch der „Global Workforce of the Future Report“ von Adecco nennt Soft Skills wie Anpassungsfähigkeit, Proaktivität und Technikaffinität als künftige Schlüsselqualifikationen. Der Deutschland-Chef des Personaldienstleisters mahnt aber auch: „Unternehmen können sich nicht mehr darauf verlassen, fertig qualifizierte Fachkräfte am Markt zu finden“, sagt Peter Blersch. Für Future Skills sollten sie selbst Verantwortung übernehmen. „Sie müssen deutlich stärker als bisher in die Entwicklung ihrer eigenen Belegschaft investieren. Re- und Upskilling werden zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor.“

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CEO.News

Kanzler Friedrich Merz beim Wirtschaftstag - bitte Bilderdownload erlauben

Merz beim CDU-Wirtschaftstag: „Die Verunsicherung im Land ist mit Händen zu greifen“

Friedrich Merz hat am Dienstagabend versucht, Unternehmerinnen und Unternehmer mit viel Verständnis und Ermutigungen abzuholen. Doch am Ende der Rede verließ rund ein Drittel der Unternehmerinnen und Unternehmer auf dem Wirtschaftstag des Wirtschaftsrats der CDU nach einem verhaltenen Applaus den Saal.

Der Bundeskanzler verwies auf Erfolge: das Mercosur-Abkommen, Fortschritte des Digitalministers Wildberger beim Bürokratieabbau, der geplante Rückbau bei Regelungen zum Einsatz Künstlicher Intelligenz, zum Beispiel. „Wir sind nicht hilflos, wir sind nicht hoffnungslos und schon gar nicht verloren“, so Merz. „Denn wir haben unsere Stärken ja nicht verloren.“

Er wolle nichts beschönigen, hatte Merz seine Rede 40 Minuten zuvor begonnen. Ihm sei klar: Die Lage ist ernst. „Ich weiß, die Stimmung im Land ist kritisch, sogar sehr kritisch“, sagte der Bundeskanzler. „Die Verunsicherung im Land ist mit Händen zu greifen.“

Die Stimmung im Land hatte bereits am Vormittag Jens Spahn angesprochen. Dass sie noch schlechter sei als im letzten Jahr, habe ihm jemand schon beim Ankommen zugerufen, berichtete der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Umso mehr bemühten er und andere Redner aus der Politik sich, zu überzeugen: Die Probleme seien erkannt, die Regierung arbeite daran.

Die Reformen passieren den Unternehmerinnen und Unternehmern zu langsam. Sie fordern insbesondere weniger Bürokratie, weniger nationale Übererfüllung von EU-Vorgaben, geringere Energiepreise und geringere Lohnnebenkosten. „Der Wumms der Reformen muss sich in den Kostenstrukturen der Unternehmen widerspiegeln“, sagte Markus Kamieth, Vorstandsvorsitzender von BASF. Die Präsidentin des Wirtschaftsrates, Astrid Hamker, plädierte wiederholt für die „Rückkehr zum Erfolgsmodell der Sozialen Marktwirtschaft“.

Versäumisse aus den letzten Jahren fallen der Politik jetzt auf die Füße. „Seit 2009 machen wir – mal gut, mal schlecht – Krisenpolitik“, sagte CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann. Zehn Jahre Null- oder Negativzinsen seien „Gift für Politiker gewesen, weil wir nicht gemacht haben, wofür wir bezahlt werden, sondern uns zurückgelehnt haben.“ Linnemann war der einzige Redner, der vom Publikum mit Standing Ovations bedacht wurde.

Zugleich verwies auch er auf fest geplante und bereits angestoßene Maßnahmen: Die Körperschaftsteuer werde von 15 auf zehn Prozent sinken, das Kapitalmarktversprechen werde eingelöst, das Bürgergeld durch eine Grundsicherung ersetzt. Zur Rentenreform sagte er: „Das Ding wird gut werden“. Nina Anika Klotz

Wie Bundeskanzler Friedrich Merz alte Verbündete zurückgewinnen will, lesen sie im Berlin.Table.

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Siemens-CEO: „80 Prozent und schnell ist besser als 100 Prozent und fünf Jahre zu spät“

Siemens investiert mehr als eine Milliarde Euro in die Erforschung und Entwicklung industrieller KI – der größte Teil davon fließt in die USA, ein weiterer nach China. Roland Busch, Vorstandsvorsitzender des Konzerns, erklärte beim Wirtschaftstag 2026 des Wirtschaftsrats der CDU, warum das so ist: Wo Modelle für Künstliche Intelligenz (KI) am schnellsten entstehen, muss Siemens präsent sein – und das sei derzeit nicht Europa.

Die Begründung liegt im Tempo. Die Zeiträume technologischer Transformationen halbieren sich – von 60 Jahren für die Dampfkraft über 30 Jahre bei Elektrizität und 15 Jahre bei Computern und dem Internet. Bei KI werden es demnach acht Jahre sein, so Busch, „drei Jahre sind schon vorbei“, sagte er. Das Fenster, in dem Deutschland noch reagieren kann, schließe sich schneller, als die Politik handelt.

Dabei sieht Busch industrielle KI als eine der wenigen Chancen, in denen das Rennen noch nicht gelaufen ist. Deutschland kenne die reale Welt, baue die Maschinen, kenne die Prozesse – und besitze damit den wichtigsten Rohstoff für KI: industrielle Daten. Siemens hat gerade einen „Engineering Agent“ vorgestellt, der selbstständig Software schreiben, validieren und Systemkonfigurationen entwickeln soll. Bei Audi sei das System schon im Einsatz und prüfe Tausende Schweißpunkte pro Minute.

Was Busch von der Politik fordert, fasste er knapp zusammen: „80 Prozent und schnell ist besser als 100 Prozent und fünf Jahre zu spät.“ Statt kleinteiliger Regulierung brauche die Wirtschaft Leitplanken und Vertrauen. Für die derzeitige politische Trägheit zeigte Busch kein Verständnis – dass Siemens seinen KI-Forschungsschwerpunkt in die USA verlagert, sei die Konsequenz aus genau dieser Langsamkeit. Alex Hofmann

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Gemeinsamer Appell: Europas Tech‑CEOs warnen vor digitalem Wettbewerbsverlust

Führende Köpfe der europäischen Technologiebranche drängen auf einen Kurswechsel, um die digitale Wettbewerbsfähigkeit Europas zu sichern. Vergangene Woche hatten sie ihre Bedenken in einem persönlichen Treffen mit EU‑Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vorgetragen – nun legen sie öffentlich mit einem gemeinsamen Gastbeitrag nach.

Zu den Unterzeichnern gehören Börje Ekholm (Ericsson), Guillaume Faury (Airbus), Christophe Fouquet (ASML), Roland Busch (Siemens), Christian Klein (SAP), Justin Hotard (Nokia) und Arthur Mensch (Mistral AI). In dem Beitrag machen die CEOs deutlich, dass Innovation Vorrang vor immer neuer Regulierung haben müsse und digitale Technologien schneller in Industrie, Infrastruktur und Wirtschaft zum Einsatz kommen sollten. „Die nächste Phase der Innovation wird davon bestimmt sein, wie digitale Fähigkeiten in der realen Welt angewendet werden – über Branchen, Infrastrukturen und ganze Volkswirtschaften hinweg“, schreiben sie.

Europa verliere täglich an Wettbewerbsfähigkeit, warnen die Unternehmenslenker. Verantwortlich seien unter anderem komplexe und sich überschneidende Regeln, die technologische Entwicklung und Skalierung ausbremsen. Notwendig seien Reformen bei Kapitalmärkten, Wettbewerb und Unternehmenszusammenschlüssen sowie der gezielte Aufbau eigenen geistigen Eigentums. „In einer Zeit beispiellosen technologischen und geopolitischen Wandels werden die Entscheidungen der kommenden Monate und Jahre darüber bestimmen, ob Europa in den nächsten Jahrzehnten wettbewerbsfähig bleibt und erfolgreich ist“, heißt es weiter. Alexander Wiedmann

Europe’s Tech Creators' Wake-Up Call: Let's act as One Europe, Now

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Die Auswirkungen von KI werden nicht nur technologisch sein

KI wird kurzfristig überschätzt – der Wert entsteht nicht in der Infrastruktur, sondern in ihrer Anwendung. Das sagte Scott Galloway, Marketing-Professor an der Stern School of Business der New York University und Seriengründer, am Dienstag beim OMR Festival in Hamburg.

Rechenzentren sind aus Galloways Sicht zu einer „Bubble“ geworden, die bald platzt – hoher Energieverbrauch, steigende Strompreise, kaum lokale Jobs. Aber es gebe auch KI-Gewinner. Sein Tipp: Amazon. Das Unternehmen verfüge über eine der größten Roboterflotten der Welt und realisiere Effizienzgewinne in der Logistik. Die Vormachtstellung von Nvidia und OpenAI währenddessen sei stark am Bröckeln, weil sich neue, anwendungsnahe Angebote etablieren.

Den nächsten Billionenmarkt sieht Galloway im All. Sinkende Startkosten und steigende Rüstungsnachfrage treiben die Raumfahrt; neben SpaceX sieht er Raum für neue Anbieter. Auf der Verliererseite stehe etwa die Filmindustrie. Die stehe vor einem radikalen Umbau: KI-gestützte Produktion mache Tausende Beteiligte überflüssig – schon heute zeige sich, wie Inhalte mit einem Bruchteil der Kosten erstellt werden können.

Die düsterste Prognose betrifft nicht Märkte, sondern Menschen. Immer mehr junge Nutzer entwickelten Bindungen zu KI-Systemen. Aber wer keine echte Zurückweisung erlebe, lerne auch nicht, damit umzugehen – und das werde sich auf die Gesellschaft auswirken. Alex Hofmann

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Raumfahrt: Europa bei Investitionen auf Platz drei

Weltweite Investitionen nach Land/Region und Anzahl der Delas pro Jahr, 2020-2025

2025 wurden weltweit 11,7 Milliarden Euro investiert, zeigt eine Studie des European Space Policy Institute (ESPI). Das ist ein Plus von 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Mit umgerechnet fast acht Milliarden Euro bekamen Unternehmen in den USA das meiste Geld. Platz zwei geht an China, der dritte an Europa. Chinesische Firmen zogen rund 1,8 Milliarden Euro an, während europäische Raumfahrt-Ventures 1,4 Milliarden Euro einwarben – ein Rückgang von offiziell acht Prozent. Die Autoren führen das allerdings auch darauf zurück, dass nicht alle Kaufpreise öffentlich bekannt gegeben wurden. Innerhalb Europas bleibt Deutschland mit 264 Millionen Euro führend, Großbritannien fiel zurück. Welche Länder aufgeholt haben, lesen Sie im Space.Table. Ralf Nestler  

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Studie: Green Finance gewinnt weiter an Bedeutung

Das Interesse an nachhaltigen Finanzierungen nimmt in deutschen Unternehmen weiter zu. Laut einer Studie von ING Deutschland und F.A.Z. Business Media Research haben sich 77 Prozent der befragten Finanzentscheider bereits mit Green‑Finance‑Instrumenten beschäftigt, nach 65 Prozent im Vorjahr. Grundlage der Untersuchung sind Befragungen von 152 Unternehmensentscheidern und 159 Finanzentscheidern.

In der konkreten Nutzung zeigt sich jedoch eine Differenzierung: ESG‑gebundene Finanzierungen werden weniger genutzt, stattdessen setzen Unternehmen häufiger auf zweckgebundene Finanzierungen. Der Markt gilt damit als gereift, wächst aber selektiver als in den Vorjahren, heißt es in der Studie. 15 Prozent der Finanzentscheider nutzen Green Loans, 13 Prozent Green Bonds.

Gleichzeitig bremsen regulatorische Anforderungen die Umsetzung. 57 Prozent der Befragten nennen unklare gesetzliche Vorgaben als größtes Hindernis für weitere Nachhaltigkeitsinvestitionen. Zudem empfinden 73 Prozent der Finanzentscheider den Aufwand für ESG‑Reporting als unverhältnismäßig hoch. 63 Prozent der Unternehmensentscheider berichten, dass geopolitische und wirtschaftliche Unsicherheiten ihre nachhaltige Transformation verzögert haben. „Nachhaltige Finanzierung entscheidet zunehmend darüber, ob Transformation vorankommt oder ins Stocken gerät“, sagt Eddy Henning, Firmenkundenvorstand der ING Deutschland, Table.Briefings „Viele Unternehmen sind bereit zu investieren, stoßen aber an Grenzen, weil Regulierung und Reporting immer komplexer werden. Daraus kann eine echte Finanzierungslücke entstehen.“ Alexander Wiedmann

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Umwelttechnologien als Wachstumstreiber: Zwischen Potenzial und politischer Realität

Umweltminister Carsten Schneider betont im Interview mit Table.Briefings, dass Umwelttechnologien oft unterschätzt werden, obwohl sie weltweit stark wachsen und Deutschland hier eine führende Rolle einnimmt. Anders als in klassischen Industrien gebe es keine Krise, sondern kontinuierliche Entwicklung und großes Zukunftspotenzial, insbesondere wenn Innovationen aus Forschung und Patenten stärker in marktfähige Produkte und Arbeitsplätze umgesetzt werden. Gleichzeitig wächst der internationale Wettbewerb, vor allem durch China, weshalb deutsche Unternehmen ihre vorhandenen Vorteile aktiv nutzen und ausbauen müssen.

Auch auf europäischer Ebene wird zunehmend erkannt, dass nachhaltige und zirkuläre Geschäftsmodelle nicht nur umweltpolitisch notwendig, sondern ein zentraler wirtschaftlicher Wettbewerbsvorteil sind. EU-Umweltkmmissarin Jessika Roswall beschreibt Kreislaufwirtschaft im Interview mit Table.Briefings als wirtschaftliche Notwendigkeit und Wettbewerbsvorteil für Europa. Sie betont, dass nachhaltige Geschäftsmodelle helfen, Rohstoffkosten zu senken und Abhängigkeiten zu reduzieren. Einigkeit besteht darin, dass politische Rahmenbedingungen entscheidend sind - etwa durch Förderung von Nachfrage nach Recyclingmaterialien, beispielsweise über öffentliche Beschaffung.

Sowohl auf Schneider als auch Roswall zeigen auf, dass es noch Umsetzungsprobleme gibt: Uneinigkeit über konkrete Maßnahmen, fragmentierte Märkte in Europa und eine bislang zu geringe Nachfrage nach Sekundärrohstoffen bremsen die Entwicklung. Inhaltlich wird zudem deutliche, dass Kreislaufwirtschaft über Recycling hinausgeht und den gesamten Produktlebenszyklus umfasst.

Trotz aktueller Schwierigkeiten, etwa in der Recyclingbranche, überwiegt langfristig der Optimismus. Umwelttechnologien und zirkuläre Ansätze gelten als zentral für nachhaltiges Wachstum - erfordern jedoch verlässliche politische Rahmenbedingungen und ein stärkeres langfristiges Denken. Caspar Dohmen, Marc Winkelmann

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Mehr von Table.Briefings

Agrifood.Table: Verbände fordern Verzicht auf staatliches Tierhaltungs-Logo. Namhafte Verbände aus Fleischwirtschaft und Lebensmitteleinzelhandel finden das für nächstes Jahr geplante Tierhaltungs-Label unnötig. Die Pflicht zur Tierhaltungskennzeichnung befürworten sie trotzdem. Wie das zusammen passt, lesen Sie hier.

China.Table: Europas Fahrassistenten liegen nur in China hinten. In China werden moderne Fahrerassistenzsysteme immer mehr zum entscheidenden Verkaufsargument. Auf dem chinesischen Markt liegen die Europäer zwei Jahre hinter der heimischen Konkurrenz. Weshalb die Sache anderswo in der Welt besser für sie aussieht, lesen Sie hier.

Research.Table: Sprind will jetzt auch soziale Innovation fördern. Die Bundesagentur für Sprunginnovationen startet den neuen Bereich „Sprind Society“. Es gehe nicht um philanthropisches Engagement, sondern um gesellschaftliche Rendite. Ziel seien skalierbare Lösungen mit messbarem Nutzen. Wie genau die Sprind „Impact-Unicorns“ fördern will, lesen Sie hier.

Climate.Table: Gebäudegesetzentwurf ohne Enddatum für fossile Heizungen. Der Entwurf für das Gebäudemodernisierungsgesetz liegt vor. Neben bekannten Vereinbarungen enthält er erstmals konkrete Zahlen für die weiteren Stufen der Biotreppe. Ein Enddatum für die Nutzung fossiler Brennstoffe fehlt aber. Was der Entwurf sonst noch enthält, lesen Sie hier.

Lernen Sie alle Table.Briefings in voller Länge kostenlos kennen: Vier Wochen, ohne automatische Verlängerung, ohne Zahldaten – und informiert wie die Topentscheider.

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CEO.Presseschau

Handelsblatt

Unicredit: Bank legt Angebot für Commerzbank vor – und meldet Rekordgewinn

Die italienische Großbank Unicredit hat ein Übernahmeangebot für die Commerzbank vorgelegt und bietet 0,485 neue Unicredit-Aktien pro Commerzbank-Papier. Die Offerte unterliegt zahlreichen Bedingungen wie kartellrechtlichen Freigaben. Gleichzeitig meldete Unicredit für das erste Quartal einen Rekordgewinn von 3,2 Milliarden Euro. Die Commerzbank und die Bundesregierung lehnen eine Übernahme ab.
Tagesschau

Biontech streicht fast 1.900 Stellen

Biontech will wegen sinkender Nachfrage nach Covid-Impfstoffen und Überkapazitäten mehrere Standorte schließen und bis zu rund 1.900 Stellen abbauen. Betroffen sind auf frühere Standorte des übernommenen Unternehmens Curevac, die im Zuge der Integration stillgelegt oder verkauft werden sollen. Mit den Einsparungen will sich das Unternehmen stärker auf die Entwicklung von mRNA-Krebstherapien konzentrieren und langfristig Kosten senken.
manager magazin

SAP mit Milliardeninvestition: Softwarriese übernimmt KI-Spezialisten Dremio und Prior Labs

Der Softwarekonzern SAP baut sein KI-Geschäft aus und übernimmt die US-Datenplattform Dremio sowie das Freiburger Start-up Prior Labs. Während die Kaufpreise ungenannt bleiben, plant SAP, über eine Milliarde Euro in die Weiterentwicklung von Prior Labs zu investieren. Dessen KI ist auf strukturierte Daten spezialisiert, Dremio harmonisiert Daten aus unterschiedlichen Quellen.
FAZ

Quantencomputer: Rekordinvestition in Siegener Quanten-Start-up

Das Siegener Deeptech-Unternehmen Eleqtron erhält 57 Millionen Euro von Investoren für die Entwicklung von Quantencomputern auf Ionenfallenbasis. Die Finanzierungsrunde wird von Schwarz Digits, der IT-Sparte der Schwarz Gruppe (Lidl, Kaufland), angeführt. Ziel ist der Aufbau der Produktion und Vermarktung, um Quantencomputing von der Forschung in die industrielle Anwendung zu überführen.
Wall Street Journal

Coinbase entlässt 14 Prozent der Belegschaft und schafft ‚reine Manager‘ ab

Die Krypto-Börse Coinbase entlässt 700 Mitarbeiter (14 Prozent der Belegschaft) im Rahmen einer Restrukturierung zur Kostensenkung und Optimierung für die KI-Ära. Das Unternehmen reduziert Managementebenen und erwartet von Führungskräften, dass sie neben der Teamleitung auch selbst operative Aufgaben übernehmen. CEO Brian Armstrong begründet den Schritt mit dem schwachen Markt und der verstärkten Nutzung von KI.
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CEO.Picks

Wenn KI Entscheidungen verschlechtert

Viele Führungskräfte erwarten, dass KI die Qualität von Entscheidungen verbessert. Je schneller Analysen vorliegen und je klarer Empfehlungen formuliert sind, desto größer erscheint die Sicherheit.

Tatsächlich verstärkt sich dadurch ein bestehender Fehler. Entscheidungen werden weiterhin primär an ihren Ergebnissen gemessen, nicht an der Qualität des Prozesses. KI verschärft dieses Muster, weil ihre Antworten früh Orientierung geben und Diskussionen darauf ausrichten. Teams beginnen nicht mehr mit der Struktur der Entscheidung, sondern mit der Rechtfertigung eines bereits gesetzten Ausgangspunkts.

Daraus entsteht ein Risiko für die Art und Weise, wie Entscheidungen zustande kommen. Unsicherheit wird ausgeblendet statt sichtbar gemacht, Annahmen bleiben implizit, Alternativen werden zu früh verworfen. Die Organisation lernt langsamer, weil Ergebnisse im Nachhinein plausibilisiert werden, statt den Entscheidungsprozess zu hinterfragen. Die wahrgenommene Klarheit der KI ersetzt dabei oft die notwendige Auseinandersetzung mit Zielkonflikten, Risiken und den Bandbreiten möglicher Alternativen.

Verändern Sie in der nächsten Strategie-Runde den Einsatz von KI im Entscheidungsprozess. Halten Sie vor jeder Nutzung fest, welche Entscheidung getroffen werden soll, welche Alternativen tatsächlich bestehen und welches Ziel verfolgt wird. Nutzen Sie KI erst danach, um Annahmen offenzulegen, Alternativen zu erweitern und Risiken systematisch zu prüfen.

Christoph Burger ist Senior Lecturer an der ESMT Berlin. Die CEO.Picks sind eine Kooperation zwischen der ESMT und Table.Briefings.

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CEO.Index

Welche Dax-CEOs treiben die Debatte um Energiepreise voran?

Energiepreise sind einer der medialen Dauerbrenner seit dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs. In Anbetracht dessen müsste man erwarten, dass alle DAX-CEOs sich zu diesem Thema permanent äußern würden. Immerhin könnten niedrige Energiepreise ein positiver Differentiator vor allem im internationalen Vergleich sein. Aber: Vergleicht man die quantitative Anzahl der Nennungen bei den Fragen, mit denen wir die KIs untersucht haben, rangiert das Thema deutlich hinter den vorherigen Schwerpunkten (KI und „Buy European").

An der Spitze und das auch ziemlich deutlich: Markus Krebber (63 Erwähnungen). Der RWE-Chef fordert seit Monaten einen subventionierten Industriestrompreis – bis zu 15 Milliarden Euro jährlich, festgeschrieben auf mindestens zehn Jahre. Auf Platz zwei Roland Busch (Siemens, 52 Nennungen), der damit zum dritten Mal in Folge in den Top 3 des CEO-Rankings landet. Dahinter Leonhard Birnbaum (E.ON, 49 Erwähnungen), der zwar sinkende Preise für 2026 prognostiziert, aber langfristig vor steigenden Kosten durch den Umbau des Energiesystems warnt.

Für das Gros der DAX-CEOs sind die Energiepreise offenbar kein Thema, mit dem man sich profilieren möchte. 25 Chefs der 40 DAX-Unternehmen erhalten null Erwähnungen.

Sachar Klein ist Gründer und Geschäftsführer der Kommunikationsberatung hypr.

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CEO.Nachtisch

„Character Limit“: Wie Elon Musk sein Imperium aufbaut

44 Milliarden US-Dollar für ein soziales Netzwerk – und am Ende steht womöglich der größte Börsengang der Geschichte. Elon Musk baut sein Imperium nicht durch Profitabilität auf, sondern durch Erzählung und Konzernverschachtelung. Cate Conger und Ryan Mac, Investigativjournalisten der New York Times, haben nach zwei Jahren Recherche das Buch „Character Limit“ über Musks Twitter-Übernahme geschrieben.

Die Konzernarchitektur folgt einer einfachen Logik: Verlustbringer verschwinden in Gewinnern. X wurde in X.AI eingegliedert – Musks KI-Unternehmen, das laut Mac und Conger rund eine Milliarde US-Dollar pro Monat verbrennt. X.AI ging dann in SpaceX auf. Zwei Verlustbringer, eingebettet in ein Raumfahrtunternehmen mit echten Erlösen aus Raketenstarts und dem Satellitendienst Starlink. Am Ende steht ein Börsenkandidat, der eine Bewertung von 1,5 Billionen US-Dollar anpeilt. 75 Milliarden US-Dollar sollen beim IPO an neuem Kapital fließen.

Musks stärkstes Talent sei nicht das Engineering, wie er sagt, sondern das Verkaufen. Das Konzept der „Datenzentren im All“ – Rechenkapazitäten für KI, betrieben von Satelliten im Orbit – tauchte als Narrativ erst in den vergangenen sechs Monaten auf, so Mac und Conger. Rechtzeitig genug, um die Verschmelzung seiner Firmen zu einer kohärenten Vision zu fügen: vom sozialen Netzwerk über künstliche Intelligenz bis zur Mondkolonie.

Für Investoren ist das Ergebnis ambivalent. Frühe SpaceX-Aktionäre, die auf Raumfahrt gesetzt hatten, halten nun plötzlich Anteile an einem KI-Unternehmen und einer strauchelnden Plattform. Späte Twitter-Investoren dagegen atmen auf: Ihre spekulative Wette dockt nun an ein Unternehmen mit verlässlichen Einnahmen an. Wer in Musk investiere, so Mac und Conger, kaufe damit immer auch eine Option – und die Hoffnung – auf sein nächstes Projekt. Alex Hofmann

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