Taxfix-CEO: „Gründer warten wochen- oder monatelang auf Steuernummern“

Trotz politischer Bemühungen, Deutschland zur Start-up-Nation zu machen, klagen Gründer über langwierige Verfahren und bürokratische Hürden im Alltag.

03. Januar 2026
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Taxfix-CEO Martin Ott im Table.Today Podcast Studio in der Ständigen Vertretung. (Table.Briefings)

Deutschland will zur Start-up-Nation werden, doch in der Praxis kommen die politischen Versprechen bei vielen Gründern noch nicht an. Zwar habe die Bundesregierung mit der Schaffung eines eigenen Digitalministeriums erstmals ein deutliches Signal gesetzt. Die Weichen werden gestellt, und das Verständnis ist da, dass wir nicht so weitermachen können wie bisher“, sagt der CEO des Berliner Fintechs Taxfix, Martin Ott, im Gespräch mit Table.Briefings.

Gleichzeitig räumt er ein, dass von den großen Versprechen aus dem Koalitionsvertrag bislang wenig im Gründeralltag angekommen sei. Es sei „noch nicht messbar einfacher geworden“, in Deutschland zu gründen. „Noch immer warteten Gründer wochen- oder monatelang auf Steuernummern“, kritisiert Ott und verweist darauf, dass Identitäten analog verifiziert werden müssten oder Gründer zwischen verschiedenen Behörden wechseln müssten.

Dabei formuliert der Koalitionsvertrag klare Ambitionen: Die Bundesregierung kündigt an, Unternehmensgründungen künftig deutlich zu beschleunigen, bürokratische Hürden abzubauen und mit Instrumenten wie dem Zukunftsfonds und dem Deutschlandfonds mehr privates Kapital für Start-ups zu mobilisieren. Zudem sollen Verwaltungsprozesse stärker digitalisiert werden.

Abhilfe schaffen solle ein staatlicher One-Stop-Shop, über den sich eine Gründung vollständig digital abwickeln lasse. Ein solches Vorhaben ist auch im Koalitionsvertrag der Bundesregierung vorgesehen. „Gerade junge Start-ups ohne eigene Rechts- oder Finanzabteilungen würden dadurch erheblich entlastet“, sagt Ott.

Auch beim Zugang zu Wachstumskapital sieht Ott Nachholbedarf. Während sich die Frühphasenfinanzierung in Deutschland verbessert habe, fehlten in späteren Unternehmensphasen große heimische Investoren. Dass Taxfix eine Finanzierungsrunde über mehr als 200 Millionen Euro mit einer kanadischen Pensionskasse abgeschlossen habe, sei symptomatisch. Deutsche Pensionskassen dürften bislang kaum in Venture-Capital-Fonds investieren – mit der Folge, dass Renditen und Wertschöpfung ins Ausland abwanderten.

Trotz aller Kritik glaubt Ott grundsätzlich an den Standort Deutschland. Er würde „definitiv noch einmal in Deutschland gründen“, sagt er. Deutschland verfüge über starke Universitäten, qualifizierte Talente und einen großen europäischen Markt. Ob das Land tatsächlich zur Start-up-Nation werde, entscheide sich nun daran, ob die politischen Versprechen der schwarz-roten Koalition schnell und konsequent umgesetzt würden. Alexander Wiedmann

Martin Ott ist seit 2021 CEO von Taxfix. Zuvor arbeitete er als Vice President bei Meta, damals noch Facebook, und verantwortete als Managing Director die Geschäftsentwicklung in Zentraleuropa. Taxfix bietet digitale Software zur Erstellung von Steuererklärungen und richtet sich vor allem an Privatpersonen ohne steuerliche Vorkenntnisse. Im Podcast Table.Today spricht Ott darüber, wie sich Steuerprozesse durch den Einsatz von KI weiter automatisieren lassen, wo dabei rechtliche Grenzen bestehen und warum fehlende digitale Schnittstellen in der Verwaltung die Weiterentwicklung solcher Angebote bremsen.

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Letzte Aktualisierung: 03. Januar 2026