Digitale Souveränität: Wie das Konzept des „Venture State“ Europa unabhängiger machen könnte

10. Januar 2026

Spätestens seit dem deutsch-französischen Gipfel im vergangenen Herbst diskutiert Europa darüber, wie es digital unabhängiger werden kann. Manuel Kilian, Gründer des Global Government Technology Centre, fordert einen Perspektivwechsel in der europäischen Technologiepolitik: Weg vom Staat als Regulierer und Fördermittelverwalter, hin zum Staat als strategischem Investor in zukünftige Märkte. Sein Konzept des „Venture State“ orientiert sich an der Logik von Venture Capital: viele frühe Wetten, hohe Ausfallquoten, schnelle Skalierung der wenigen Gewinner. Entscheidend ist nicht, ob Europa Technologien erfindet, sondern ob es sie in marktdominante Positionen überführt – denn nur wer Plattformen, Infrastrukturen und Schlüsseltechnologien kontrolliert, definiert die Spielregeln.

Für Unternehmen ist diese Logik vertraut: Marktmacht entsteht nicht durch Perfektion, sondern durch Geschwindigkeit, Kapital und Skalierung. Kilians These trifft damit einen wunden Punkt europäischer Wirtschaftspolitik: Während Konzerne global längst nach Plattformeffekten, Lock-ins und Ökosystemen denken, verharrt der Staat in Risikoaversion und Absicherungslogik. Der Venture State würde öffentliche Aufträge, Regeln und Kapital gezielt zusammenbringen, um starke technologische Wettbewerbsvorteile aufzubauen. An diesen Vorteilen würden sich globale Märkte orientieren. Souveränität wäre dann kein politisches Versprechen mehr, sondern das Ergebnis wirtschaftlichen Erfolgs. Wie dieser Perspektivwechsel gelingen kann – und warum er Europas Technologiepolitik grundlegend verändern würde –, erläutert Kilian in seinem Gastbeitrag. Leonard Schulz

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Letzte Aktualisierung: 10. Januar 2026