Wie der Wohnungsbau angekurbelt werden kann

Positive Signale im Wohnungsbau: Baugenehmigungen nehmen erstmals seit drei Jahren zu. Fachleute mahnen jedoch beschleunigte Verfahren und mehr Investitionen in Neubauten an.

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Im Max-Liebermann-Haus wurde diskutiert, wie in Deutschland schnell mehr Wohnungen entstehen können. (Dirk Enters)
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Erste Daten deuten auf eine Stabilisierung der Bauwirtschaft hin, zugleich bestehen weiterhin Risiken auf dem Weg zur Erholung. Nach drei Jahren mit rückläufigen Zahlen ist die Zahl der Baugenehmigungen im Wohnungsbau 2025 erstmals wieder gestiegen – um 10,8 Prozent auf rund 238.500 Wohnungen (siehe Grafik). Damit zeigt sich ein erstes positives Signal, denn Baugenehmigungen gelten als wichtiger Frühindikator für die Bautätigkeit.

Auch die Investitionsbereitschaft steigt wieder, getragen von besseren Finanzierungsbedingungen. Sparkassen-Präsident Ulrich Reuter sagte beim CEO-Round-Table im Max-Liebermann-Haus: „Die Investitionsbereitschaft im Wohnungsbau steigt langsam an. 2025 haben wir 55 Milliarden Euro neue Zusagen für Wohnungsbaukredite vergeben – ein Plus von 20 Prozent gegenüber dem schwachen Zeitraum 2023/24.“ Die Branche profitiert derzeit von einem stabilen Zinsumfeld, konstanten Baupreisen sowie von den Bundesmitteln für Infrastrukturprojekte. Im Sondervermögen sind allein für den Wohnungsbau elf Milliarden Euro vorgesehen.

Für die Wirtschaft fließt das Kapital noch nicht dorthin, wo es am dringendsten gebraucht wird. „Investiert wird derzeit nicht überwiegend in Neubauten, sondern vor allem in Bestandsimmobilien“, so Sparkassen-Präsident Reuter. Dadurch bleibt der Aufschwung im tatsächlichen Neubau hinter den Erwartungen zurück.

Hinzu kommt: Die angespannte geopolitische Lage könnte den kleinen Aufschwung wieder zunichtemachen. Sollte der Krieg im Iran die Energiepreise deutlich ansteigen lassen, könnte dies die Inflation erneut antreiben – mit entsprechenden Folgen für Zinsen, Finanzierungskosten und Baupreise.

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Im Max-Liebermann-Haus wurde diskutiert, wie schnell mehr Wohnungen in Deutschland entstehen können. (Dirk Enters)

Bauverbandschef Tim-Oliver Müller machte deutlich, dass die Bauunternehmen deutlich mehr leisten könnten, wenn entsprechende Aufträge vorhanden wären. „Wir haben genug Kapazitäten und wir würden viel mehr bauen, aber viele Unternehmen müssen wegen fehlender Aufträge Kurzarbeit machen.“ Die wirtschaftliche Lage sei weiter angespannt: „Im vergangenen Jahr lagen wir beim Umsatzwachstum bei minus einem Prozent und in diesem Jahr kommen wir aus dem Tal heraus – mit einem sehr kleinen Wachstum.“

Weil der Bau zudem lange Vorläufe hat, steigt der Druck auf die Politik. Müller sagt: „Wir sehen ein zaghaftes Pflänzchen und ich erkenne die Initiativen des Ministeriums, aber wir brauchen endlich deutlich mehr Geschwindigkeit.“ Felix Pakleppa Hauptgeschäftsführer des Zentralverband Deutsches Baugewerbe weiß ähnliches zu berichten. Er betont: „Wir können die AfD noch kleinbauen in dieser Legislaturperiode, aber uns läuft die Zeit davon. Im Wohnungsbau haben wir einen Vorlauf von rund 22 Monaten zwischen der Baugenehmigung und dem fertigen Gebäude. Das heißt: Wir brauchen noch in diesem Jahr ein klares Signal.“

Martin Fecke, CEO der Planungssparte des Schweizer Baukonzerns BKW, fordert von der Politik mehr Tempo. „Die größten Verzögerungen entstehen durch die langsame Bearbeitung von Baugenehmigungen“, sagte er Table.Briefings. „Dagegen hilft nur mehr Personal in den zuständigen Behörden.“ Zudem seien die Anforderungen stetig gewachsen. „Die Zahl der Bauvorschriften und Normen hat sich in den vergangenen 30 Jahren vervielfacht“, sagt Fecke. Helfen könnten dabei digitale Planungsmethoden und standardisierte Schnittstellen, die für Effizienz und Planungssicherheit sorgen.

Doch auch die Baubranche selbst könnte für mehr Tempo sorgen, meint Fecke. „Es beschleunigt die Planung sehr, wenn wichtige Prozesse gebündelt werden können, weil alle Planer von Beginn an einem Tisch sitzen.“ Strukturen wie die BKW, die viele zuvor eigenständige Architektur- und Ingenieurbüros übernommen hat, bieten aus seiner Sicht viele Vorteile. „Größere Büros und Netzwerke, die Architektur, Ingenieurleistungen, Gebäudetechnikplanung und Landschaftsplanung aus einer Hand bieten, können die regulatorischen Anforderungen schneller erfüllen.“

Die eigentliche Bauphase könne vor allem durch serielles Bauen beschleunigt werden, sagt der Ingenieur – also durch vorgefertigte Gebäudeteile, die fertig auf die Baustelle geliefert werden. „Wenn die Politik Standardisierung ermöglicht und regulatorische Hürden abbaut, entstehen durch Skaleneffekte Tempo und deutlich niedrigere Kosten.“

Wie groß der Wohnungsmangel ist, zeigen aktuelle Zahlen: 2025 werden voraussichtlich gerade einmal 205.000 Wohnungen fertiggestellt, wie aus einer aktuellen Studie des ifo-Instituts hervorgeht. In den darauffolgenden Jahren erwarten die Experten einen weiteren Rückgang, erst 2028 rechnen die Forscher wieder mit einem Anstieg auf 215.000 Einheiten (siehe Grafik). Zur Erinnerung: Das Ziel der Ampel-Koalition lag bei 400.000 Wohnungen pro Jahr.

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Letzte Aktualisierung: 07. März 2026