Private Credit: Der Markt wächst – ist aber nicht für alle Mittelständler offen

13. Mai 2026
Private Credit: Das Risikoprofil klassischer Bankkredite passt zu vielen Wachstumsinvestitionen nicht. (picture alliance / Zoonar | Ingrid Ruch)

Zu groß für kleine Banken und zu klein für große Banken – weil viele Mittelständler dieses Problem bei der Finanzierung haben, greifen sie immer häufiger auf Private-Credit-Fonds zurück. Die beginnen dort, wo übliche Hausbankkredite aufhören, und sind deshalb längst zu einer wichtigen Finanzierungsquelle geworden. Das Problem: Die Fonds, die diesen Markt bedienen, schauen derzeit besonders kritisch auf ihre Kreditnehmer – und das Kapital fließt zunehmend selektiv. Hinzu kommt: Die Bedingungen für Folgefinanzierungen werden schlechter.

Der europäische Private-Credit-Markt verwaltet bereits rund 450 Milliarden Euro. In den ersten neun Monaten des Jahres 2025 flossen 55 Milliarden Euro (65 Milliarden US-Dollar) in europäisch fokussierte Fonds, wie Sascha Steffen ermittelt hat. „Private Credit ist kein Nischenprodukt mehr. Aber die aktuelle Marktgröße bildet weder die strukturelle Chance noch das strukturelle Risiko ab“, so der Finanzprofessor an der Frankfurt School of Finance.

Private Credit funktioniert anders als ein klassischer Bankkredit. Statt einer Bank vergibt ein Fonds das Darlehen – oft in Zusammenarbeit mit Private-Equity-Fonds auf der Eigenkapitalseite –, etwa die deutschen Mittelstands-Kreditfonds von Rantum Capital und HF Debt, internationale Private-Credit-Plattformen mit starkem Deutschland-Bezug wie Berenberg, Invesco und Amundi sowie die in Deutschland verfügbaren Private-Debt-ELTIFs von Tikehau, StepStone und M&G. Das Kapital in den Fonds stammt meist von Versicherungen, Pensionskassen oder vermögenden Privatkunden. Vorteil für Unternehmen: schnellere Entscheidung, flexible Strukturen, oft nur ein Verhandlungspartner statt eines ganzen Bankenkonsortiums. Nachteil: Sie sind meist teurer.

Der strukturelle Rückenwind für Private Credit in Deutschland wächst – nicht zuletzt, weil Banken sich aus der direkten Kreditvergabe weiter zurückziehen. Für den Euroraum meldete die jüngste EZB-Umfrage, dass Banken ihre Kreditvergabe im ersten Quartal 2026 in allen Kreditkategorien deutlich verschärften; bei Firmenkrediten hält dieser Straffungstrend laut Bericht seit dem dritten Quartal 2023 an und für das zweite Quartal 2026 wurden weitere Einschränkungen erwartet.

Das Kapital ist da – es ist die Verteilung, die das Problem schafft. Nach Abschreibungen auf Softwareunternehmen in US-Portfolios – deren Geschäftsmodelle der Vormarsch Künstlicher Intelligenz unter Druck setzt – prüfen Fonds vor allem technologiegetriebene Geschäftsmodelle kritischer. Wer heute Kapital sucht und in diesem Bereich tätig ist, muss auch hierzulande damit rechnen, dass Fonds mit Blick auf KI Fragen stellen – insbesondere, weil das Geld in hiesigen Finanzierungen zu großen Teilen von US-Fonds bereitgestellt wird.

Die nächsten 18 Monate werden den europäischen Private-Credit-Markt zum ersten Mal ernsthaft testen – und mit ihm tausende Mittelständler, die zwischen 2021 und 2022 zu Niedrigzinskonditionen Kapital aufgenommen haben. „Die Jahrgänge 2021-22 nähern sich ihren Anschlussfinanzierungen 2026–27, möglicherweise vor dem Hintergrund höherer Finanzierungskosten“, warnt Steffen. Konkret heißt das: Wer damals zu günstigen Konditionen einen mehrjährigen Kredit aufgenommen hat, muss ihn jetzt in einem Markt verlängern, in dem die Risikoprämien wieder steigen und Fonds genauer hinsehen.

Bei Unternehmen mit starker Bonität hat sich die Verhandlungsmacht sogar verbessert. „2024 endete das Golden Age sehr abrupt. Die Banken sind zurück“, sagte Robert Scheer, Co-Head Private Credit Origination bei M&G, bereits vor einem Jahr auf der SuperReturn-Konferenz in Berlin. Für das Mid-Market-Segment, in dem M&G als Senior Direct Lender tätig ist, sei ein Margenrückgang von rund 100 Basispunkten zu beobachten. Starke Kreditnehmer haben damit mehr Spielraum, beide Finanzierungswege – Banken oder Privat – gegeneinander abzuwägen.

Viele mittelständische Unternehmen zögern derzeit mit Investitionen. Die generelle Verunsicherung, das zeigt eine Erhebung von Creditreform, sorgt für Zurückhaltung. Derzeit planen demnach 44,7 Prozent der Befragten ein Investitionsvorhaben. Das liegt zwar über dem niedrigen Vorjahreswert von 41,7 Prozent, bleibt aber deutlich unter dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre (siehe Grafik). Die Investitionsbereitschaft wird auch von strukturellen Schwächen am Standort Deutschland gebremst.

Mittelfristig könnte sich das Kapitalangebot verbreitern. Deutsche Versicherer verwalten laut Finanzprofessor Steffen rund 1,8 Billionen Euro. „Selbst eine Umschichtung von zwei bis drei Prozentpunkten in Private Credit erzeugt Kapitalflüsse, die das gesamte jährliche Fundraising des europäischen Marktes übersteigen“, rechnet er vor.

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Letzte Aktualisierung: 13. Mai 2026