Die fünf wichtigsten Fragen und Antworten zum aktuellen Ölmarkt

Die Ölpreise schwanken stark, getrieben von geopolitischen Risiken. Gleichzeitig diskutiert die Politik über mögliche Maßnahmen zur Stabilisierung. Table.Briefings erklärt die Lage in fünf zentralen Fragen und Antworten.

11. März 2026
Ein Tanker vor der iranischen Küste: Die Sperrung der Straße von Hormus legt zentrale Ölrouten lahm und treibt die Preise weiter nach oben.
  1. Welche wirtschaftlichen Auswirkungen drohen bei einem hohen Ölpreis in Deutschland?

Der Ölanteil am industriellen Endenergieverbrauch ist laut Deutsche Bank Research über die Jahre gesunken und liegt inzwischen bei unter vier Prozent. Dennoch hätte ein dauerhaft hoher Ölpreis spürbare Folgen für die Wirtschaft. „Ölpreisschocks wirken über verschiedene Kanäle“, erklärt die Handelsexpertin Samina Sultan im ZDF. „Sie beeinflussen direkt und indirekt die Kaufkraft von Haushalten und Unternehmen, die dann ihre Konsum- und Investitionsausgaben einschränken.“

Bereits im Februar stieg die Inflationsrate im Euroraum um 0,2 Prozentpunkte auf 1,9 Prozent. Je nach Dauer des Konflikts könnten die Inflationsraten weiter zunehmen. Janek Steitz, Direktor des Climate and Energy Teams am wirtschaftspolitischen Institut Dezernat Zukunft in Berlin, hat verschiedene Szenarien berechnet. Er sagt: „Im extremsten Fall kann der Inflationsschock um bis zu drei Prozentpunkte steigen. Den Höhepunkt erreicht er nach etwa sechs Monaten, bevor er allmählich wieder abklingt.“ Das wird auch zur Belastungsprobe für die Volkswirtschaft: Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft würde ein Ölpreis von 100 US‑Dollar pro Barrel das BIP bereits 2026 um 0,3 Prozent und 2027 um 0,6 Prozent belasten. Über zwei Jahre entspricht das einem Rückgang der Wirtschaftsleistung von rund 40 Milliarden Euro.

  1. Wie ist der aktuelle Ölpreis im historischen Kontext einzuordnen?

Laut einer aktuellen Analyse der Deutschen Bank nähern sich die Finanzmärkte einem Umfeld, in dem Anleger zunehmend Risiko meiden und verstärkt in sichere Anlagen umschichten („risk off“). Doch die typischen Voraussetzungen für einen klassischen Ölpreisschock sind derzeit noch nicht erfüllt. In früheren Ölkrisen, etwa in den 1970er-Jahren, während des Golfkriegs 1990 oder im Jahr 2022, kam es erst dann zu schweren Marktverwerfungen, wenn drei Faktoren gleichzeitig eintrafen: ein lang anhaltend hoher Ölpreis, eine harte geldpolitische Reaktion und wirtschaftliche Verschlechterungen, die direkt auf den Ölpreis zurückzuführen sind. Diese Kombination ist aktuell noch nicht gegeben (siehe Grafik).

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  1. Wie entsteht der Ölpreis?

Es gibt nicht den einen Ölpreis, sondern verschiedene Referenzsorten, die an Rohstoffbörsen gehandelt werden. Brent aus der Nordsee und WTI aus den USA gelten als die beiden zentralen Referenzsorten für den globalen Ölmarkt. Der Preis entsteht im Kern durch das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage.

Wichtig zu wissen ist, dass Rohöl überwiegend über Terminkontrakte (Futures) gehandelt wird. Die Lieferung erfolgt zeitversetzt, und die Kontrakte werden monatlich fällig. Oft werden sie jedoch vorher weiterverkauft, sodass häufig nur der Vertrag den Besitzer wechselt und nicht das physische Öl.

Ein weiterer zentraler Faktor ist die Handelswährung. Öl wird in der Regel in US-Dollar abgerechnet, wodurch Wechselkursbewegungen den Preis beeinflussen können.

  1. Warum ist der Ölpreis gerade so volatil?

Die Schwankungen speisen sich aus geopolitischen Risiken und abrupten Erwartungsänderungen am Markt. Rund 20 Millionen Barrel Öl fallen durch die Blockade der Straße vom Hormus täglich vom Weltmarkt weg. Als der Rohölpreis der Sorte Brent am Montag zeitweise um rund 30 Prozent bis knapp an 120 US‑Dollar stieg, lag das vor allem an veränderten Markterwartungen. Gunther Schnabl, Direktor des Thinktanks Flossbach von Storch Research Institute, sagt Table.Briefings: „Viele Akteure gingen plötzlich davon aus, dass der Konflikt länger andauern könnte als zunächst angenommen. Kurzfristig treibt das die Preise nach oben“. Nur 24 Stunden später fiel der Preis, nachdem Donald Trump in einem Interview des US-Senders „CBS News“ ankündigte, der Krieg sei so gut wie beendet, auf rund 90 US-Dollar.

  1. Wie schätzen Experten die weitere Entwicklung des Ölpreises ein?

Kurzfristig hängt viel davon ab, wie lange und wie intensiv der Konflikt anhält. Entsprechend halten viele Marktteilnehmer weitere Preisspitzen für möglich. Energieexperte Gerard Reid, der mit Händlern gesprochen hat, beschreibt die Stimmung so: „Je länger der Konflikt andauert, desto größer die Chance auf neue Rekordhöhen – einige Marktteilnehmer halten sogar 250 US‑Dollar je Barrel für möglich.“

Gleichzeitig rechnen die Märkte nicht damit, dass der Ölpreis dauerhaft so hoch bleibt. Ökonom Schnabl betont, dass sich der Preis mittel- bis langfristig wieder auf ein „moderates Niveau“ einpendeln dürfte. Er verweist dabei auf mehrere strukturelle Faktoren, insbesondere ein hohes Angebot sowie eine schwächere globale Konjunktur, die eher für sinkende Preise sprechen.

Wie Brüssel auf Europas Energiekrise reagiert und nach neuen Antworten auf bekannte Probleme sucht, lesen Sie im Europe.Table.

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Letzte Aktualisierung: 11. März 2026