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„KI ist in vielen Unternehmen ein Kostenblock und kein strategisches Thema“

04. März 2026

Der zentrale KI-Engpass in deutschen Unternehmen liegt nicht in der Technologie, sondern in den Führungsetagen. Kaan Bludau, CEO der Personalberatung BludauPartners, beobachtet in seinen Gesprächen ein doppeltes Kompetenzdefizit: „Vielen Vorständen fehlt das technologische Grundverständnis, um Chancen, Risiken und wirtschaftlichen Nutzen realistisch einzuschätzen.“ Gleichzeitig können diejenigen, die KI im Unternehmen vorantreiben sollen, den strategischen Wert oft nicht überzeugend vermitteln. Das Ergebnis: Projekte werden verzögert, falsch priorisiert oder gar nicht erst angestoßen.

Ein wesentlicher Faktor liegt für Bludau in der organisatorischen Rolle des CIO, die in vielen Unternehmen zu weit von der Geschäftsstrategie entfernt ist. Er sagt: „In vielen deutschen Unternehmen berichtet der CIO immer noch an den CFO. Damit ist KI per definitionem ein Kostenblock und kein strategisches Thema.“ Für ihn gehört der CIO „eigentlich direkt an die Seite des CEOs oder ins Board“.

Hinzu kommt die kommunikative Lücke zwischen Technologie und Vorstandsebene. Bludau beschreibt CIOs als technisch hervorragend, aber in Kommunikation und Leadership oft nicht stark genug ausgebildet. „Sie können ihr Fachwissen nicht so vermitteln, dass ein Vorstand sie als strategischen Partner wahrnimmt“, sagt er.

Bludau beschreibt zudem ein kulturelles Muster, das die Skalierung von KI in Deutschland bremst. „Deutschland optimiert Prozesse, während andere Länder Geschäftsmodelle verändern. Wenn wir nicht endlich experimentierfreudiger werden, bleiben wir in der KI nur Zulieferer und verlieren unsere Rolle als Innovationsstandort“, erklärt er.

Aus seiner Sicht wurzeln diese Unterschiede in einer grundlegenden kulturellen Prägung vieler Organisationen. „Deutschland hat vor allem ein kulturelles KI‑Problem. Wir sind zu perfektionistisch, zu hierarchisch und zu risikoavers, und wir denken zu wenig aus Sicht des Kunden. Während amerikanische Unternehmen bei KI immer vom Kundennutzen ausgehen, diskutieren wir zuerst über Prozesse, Tools und Regulierung“, sagt Bludau.

Kaan Bludau verfügt über mehr als 25 Jahre aktive Beratungserfahrung. Er ist Gründer und Geschäftsführer von BludauPartners.

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Letzte Aktualisierung: 04. März 2026