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Investoren blicken gelassen auf Trumps Zolldrohungen: Deutschlands Aufholbewegung rückt in den Fokus

Kapitalmärkte reagieren nur verhalten auf Trumps Zolldrohungen. Analysten sehen Deutschland mit seinen Investitionsplänen zunehmend im Fokus internationaler Investoren.

24. Januar 2026
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Die Börsen reagieren nicht mehr so stark auf einzelne Aussagen von Donald Trump. (Imago Images)

Die Kapitalmärkte scheinen sich an die Eskapaden von Donald Trump gewöhnt zu haben: Auf seine Zolldrohungen reagierten die Aktienmärkte nur mit leichten Kursverlusten, zum Ende der Handelswoche schlossen DAX, S&P 500 und Nasdaq-100 nahezu unverändert.

Analysten zeigen sich entsprechend gelassen. Kurzfristig bewegten externe Faktoren wie Zolldrohungen zwar die Kurse, aber „über die Schlagzeilen hinaus bleibt das Wachstumsbild positiv“, sagt Matthias Klein von der Bank of America im Gespräch mit Table.Briefings. Die US‑Wirtschaft sei weiterhin robust, Europa dürfte im Jahresverlauf an Dynamik gewinnen – und Deutschland verfüge mit seinen Investitionsplänen über „einen klaren Hebel“.

Aus dem Ausland betrachtet wirkt der Standort Deutschland deutlich attraktiver, als es viele Anleger im Inland wahrnehmen. Internationale Investoren schätzten die jüngsten Investitionspläne und die konjunkturellen Perspektiven merklich optimistischer ein, berichtet Klein. In den vergangenen Wochen habe die Kundenaktivität spürbar angezogen: Eine erste Welle sei bereits im vergangenen Sommer sichtbar gewesen, die Jahresendphase sei zwar ruhiger verlaufen, doch nun sei „die Drehzahl wieder hoch“.

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Erste Daten zeigen die Belebung. Laut IW Köln flossen im Jahr 2025 hochgerechnet 96,4 Milliarden Euro an Direktinvestitionen nach Deutschland, während 86,2 Milliarden Euro an Kapital aus Deutschland abfloss. Damit ergibt sich erstmals seit 2020 ein positives Saldo (siehe Grafik). Außerdem legte der Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe im November ungewöhnlich stark zu, der Einkaufsmangerindex für das Baugewerbe kletterte im Dezember um fünf Punkte nach oben und auch der ZEW‑Index der Konjunkturerwartungen hat sich zuletzt verbessert. Klein fasst das so zusammen: „Der Markt ist vorausschauend; er preist das Drehen der Konjunktur oft früher ein, als die Realwirtschaft es zeigt.“

Gleichzeitig verändert sich der Blick der Investoren auf die großen Zukunftsthemen. Künstliche Intelligenz bleibt das zentrale Leitmotiv, doch laut Klein ist eine deutliche Diversifikation erkennbar. Kapital rotiere aus den US‑Megacaps neben Asien und zunehmend auch nach Europa. Investoren suchten „die nächste Ertragswelle jenseits der offensichtlichen Namen“, also dort, wo Bewertungen tragfähig seien und Investitionen sowie Produktivitätshebel erst allmählich Wirkung in den Geschäftsmodellen entfalten.

Besonders europäische KI‑Anwender könnten davon profitieren. Chancen sieht Klein vor allem in den Bereichen Finanzen, Industriewerte, Gesundheitswesen und Consumer/Retail. Dort zeigten sich bereits die schnellsten Nutzungseffekte – von Betrugserkennung über effizientere Screening‑Prozesse bis hin zu optimierten Abläufen in Planung, Logistik und Beständen. Genau in diesen Bereichen könne Produktivität früh und messbar steigen.

Matthias Klein ist Leiter Makro Aktien Sales bei Bank of America in Europa.

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Letzte Aktualisierung: 24. Januar 2026