Wie öffentliche Investitionen privates Kapital hebeln

Ein Industrieprojekt von Vulcan Energy zeigt, wie der Staat privates Kapital mobilisiert und welche Hebelwirkung der neue Deutschlandfonds entfalten soll.

02. Mai 2026
Von l. n. r.: Dr. Horst Kreuter (Gründer von Vulcan Energy), Dr. Jan Klasen (KfW), Ministerpräsident Boris Rhein, Oberbürgermeister Mike Josef, Dr. Joachim Kreysing (Geschäftsführer von Infrasev), Cris Moreno (CEO von Vulcan Energy) und Dr. Matthias Koehler aus dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) beim ersten symbolischen Spatenstich (Copyright: ARTIS Uli Deck)

Dass staatliches Engagement private Milliarden mobilisieren kann, zeigt ein Industrieprojekt von Vulcan Energy, einem australischen Unternehmen aus dem Bereich erneuerbare Energien und Bergbau. Ende April wurde im Industriepark Höchst der Spatenstich für die Zentrale Lithiumanlage (Central Lithium Plant, CLP) gesetzt. Dort soll künftig nachhaltiges, in Deutschland gewonnenes Lithiumhydroxid‑Monohydrat (LHM) im kommerziellen Maßstab produziert werden – ein Schlüsselrohstoff für die europäische Batterie‑ und Automobilindustrie.

Die Finanzierung des Projekts ist für KfW‑Chef Stefan Wintels ein Paradebeispiel für den Hebeleffekt öffentlicher Investitionen. „Vulcan Energy ist ein gutes Beispiel dafür, wie öffentliche Investitionen private Investitionen hebeln können“, sagte Wintels Table.Briefings am Rande des Ludwig‑Erhard‑Gipfels. „150 Millionen Euro Eigenkapital aus dem Rohstofffonds der KfW, Teil des Deutschlandfonds, haben dazu beigetragen, ein Gesamtfinanzierungsvolumen von 2,2 Milliarden Euro zu mobilisieren. Das Projekt ermöglicht strategische Wertschöpfung im Bereich Lithium‑Ionen‑Batterien in Deutschland und schafft Arbeitsplätze.“ Das sogenannte „Lionheart“-Projekt ist damit das erste Vorhaben, das im Rahmen des neu aufgesetzten Deutschlandfonds von der Bundesregierung gefördert wird.

Der Deutschlandfonds ist als Investitionsrahmen konzipiert und wird schrittweise weiterentwickelt. Der Bund stellt dafür öffentliche Mittel und Garantien in Höhe von rund 30 Milliarden Euro bereit, mit denen insgesamt Investitionen von rund 130 Milliarden Euro ausgelöst werden sollen. Die KfW koordiniert den Deutschlandfonds und fungiert als Ansprechpartnerin für nationale und internationale Investoren. Der Fonds werde kontinuierlich weiterentwickelt, sagte Wintels. Noch vor der Sommerpause rechne man mit dem Start zusätzlicher Instrumente, um die Mobilisierung privaten Kapitals weiter auszuweiten.

Der überwiegende Teil der Investitionen in Deutschland wird von privaten Unternehmen getragen. „Wir dürfen nicht vergessen: Über 90 Prozent der Investitionen kommen von Unternehmern, nicht vom Staat“, betonte Wintels auf dem Ludwig‑Erhard‑Gipfel. Aufgabe der Politik sei es daher vor allem, verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen, unter denen Unternehmen investieren können. Staatliches Engagement solle privates Kapital ergänzen und mobilisieren – nicht ersetzen.

Internationale Investoren zeigen weiterhin Interesse an Deutschland, entscheidend ist jedoch die Projektpipeline. „Das Zeitfenster für ausländische Investoren, die in Deutschland investieren wollen, ist grundsätzlich immer offen, weil Deutschland nach wie vor attraktive Rahmenbedingungen vorzuweisen hat“, sagte Wintels. Entscheidend sei jedoch, dass ausreichend geeignete Projekte verfügbar seien: „Große internationale institutionelle Investoren suchen Mindestticketgrößen von 500 Millionen Euro. Deshalb ist es wichtig, kleinere Projekte zu bündeln, zu standardisieren und anschließend zu skalieren.“

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Letzte Aktualisierung: 02. Mai 2026