Deutschland-App: Kritik über Vergabe an Telekom und SAP wird immer lauter

18. April 2026

Mit der „Deutschland-App“ will das Digitalministerium die Verwaltung „effizienter, schneller und serviceorientierter“ gestalten. Doch am Prozess der Vergabe des Leuchturmprojekts von Karsten Wildberger gibt es Kritik. Denn: Den Prototypen sollen auf Wunsch von Wildbergers Ministerium zwei bekannte und große Player bauen: T-Systems (Telekom) und die SAP – obwohl Wildberger immer wieder betont, das Start-Up-Ökosystem stärken zu wollen.

Einen, den die Vergabe besonders wurmt, ist der Wormser IT-Unternehmer Ismet Koyun. Denn er hat die vom BMDS geplante „Super-App“ eigentlich bereits entwickelt – für die Metropolregion Istanbul. Mit ihr lassen sich Zahlungen im Nahverkehr, Zugang zu Wlan an öffentlichen Orten, Arzttermine, Führerscheinanträge, Strom- und Wasserrechnungen und digitale Identitätsüberprüfungen abwickeln. Die App ist dabei lediglich eine Plattform, auf der dann sogenannte „Mini-Apps“ für bestimmte Dienstleistungen laufen.

Die „Deutschland-App“ soll eine Anwendung des „Deutschland-Stacks“ werden, also der übergeordneten IT-Architektur, die auf Bemühen des Ministeriums derzeit neu aufgesetzt wird. Dass nun ausgerechnet jene Firmen, die bereits die Corona-Warn-App entwickelten daran arbeiten sollen, ergibt einerseits Sinn: Die Corona-Warn-App gilt als positives Beispiel für die relativ schnelle Umsetzung einer bundesweiten IT-Anwendung. Anderseits aber gab es daran unter anderem wegen hoher Kosten und nicht durchdachter Integration in die Verwaltung auch viel Kritik.

Koyun, der seit über dreißig Jahren auf die Entwicklung solcher Apps spezialisiert ist, wäre gerne mit der deutschen Regierung ins Geschäft gekommen. „SAP und Telekom sollen ihre Sachen machen. Aber die werden niemals so gut sein in der Super-Technologie wie wir. Wieso? Weil das nicht deren Hauptgeschäft ist.“ Der Unternehmer findet, das sei ein klassischer Fall von „Nobody ever got fired for buying IBM“ – einem geflügelten Spruch in der Digitalszene. Er ergänzt: „Wenn man mit dem sogenannten Noname das Geschäft machen möchte und irgendetwas läuft schief, da wird man gekündigt.“ Im Gespräch mit Table.Briefings sagt der Unternehmer, dass das Ministerium mit ihm bereits im Kontakt war, aber sich dann nicht wieder meldete.

Auch aus der Opposition sieht man die Vergabe kritisch – immerhin wäre eine Reformierung des langwierigen Vergabeverfahrens ja genau die Aufgabe für das Staatsmodernisierungsministerium. Der Digitalpolitiker Moritz Heuberger, der für die Grünen im Bundestag und dort im Digitalausschuss sitzt, sagte Table.Briefings, dass er die Idee einer zentralen App zwar prinzipiell begrüßte. Gleichzeitig warnte er: „Wenn Minister Wildberger über bestehende Rahmenverträge eine Vorentscheidung fällt, ohne echten Wettbewerb und ohne sichtbares Betriebskonzept, droht am Ende bloß eine leere Hülle statt echter Staatsmodernisierung.“

Im Hause Wildberger betont man, dass es sich bei der Vergabe nur um die Überprüfung der technischen Machbarkeit und der Entwicklung eines Prototyps geht. „Für diese zeitlich begrenzte Initialphase werden bestehende Rahmenverträge aus dem Kaufhaus des Bundes genutzt.“ Danach erfolgt eine offene Ausschreibung. An ihr will sich auch Koyun beteiligen – seine Chancen dort sieht er als nicht sehr hoch an.

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Letzte Aktualisierung: 18. April 2026