Leitfaden für Dienstgeräte: So kompliziert wie Panzer-Beschaffung

Leitfaden Dienstgeräte
Mit dieser Grafik will das „Bündnis für Bildung“ die Beschaffung von Dienstgeräten erleichtern.

Darauf haben die Schulträger und -leiter lange warten müssen: einen „Leitfaden zur Beschaffung von Lehrerdienstgeräten“. Jetzt ist er da, erstellt vom „Bündnis für Bildung„, zusammen mit einer Reihe von Experten diverser Gerätehersteller. Sie reichen von HP über Acer bis Fujitsu. Gut daran ist, dass der Leitfaden alle Fragen vom Auswahlprozess für die Endgeräte über Ausschreibung, Finanzierung und Support bis zum Rollout aufgreift; sogar den Nutzen von Dienstgeräten erklären die Autoren. Nicht so gut daran ist, dass das Vademecum geschlagene 36 Seiten zählt. Darunter einige Grafiken, die einem Laien im Lehrerzimmer wahrscheinlich nicht helfen, sondern eher verwirren. 

Der Leitfaden ist ein erster wirklich großer Überblick über die komplizierte Frage der Dienstgerätebeschaffung. In welche Abgründe dienstliche Laptops und Tablets führen können, hatte das 500 Millionen Euro schwere Programm des Bundes gezeigt. Obwohl damit erstmals flächendeckend Endgeräte für Lehrkräfte besorgt werden sollten, gingen Schulträger und Lehrer schnell auf die Barrikaden. Der Städte- und Gemeindebund Brandenburg riet seinen Mitgliedern sogar, sich an dem Dienstgeräteprogramm keinesfalls zu beteiligen. Der Grund: Es ist eine bislang offene Frage, wer eigentlich für die Ersatzinvestitionen zuständig sein soll, wenn Dienstgeräte kaputtgehen.

Nicht im Leitfaden: Kommunen erwarten wegen Dienstgeräten Kostenlawine

Das Bündnis für Bildung beantwortet den Streit auf eine interessante Art. „Bund und Länder müssen einen gemeinsamen Plan zur dauerhaften, zeitlich unbegrenzten Finanzierung von ITAusstattung und Administration entwickeln und umsetzen“, heißt es in dem Leitfaden. Die Wahrheit ist: Jedes Bundesland muss sich mit seinen jeweiligen Schulträgern darauf einigen. Solche Vereinbarungen auf einer wirklich auskömmlichen Kostenteilung für Städte und Kreise sind bisher nicht zu erkennen. Auf die Kommunen rollt eine Kostenlawine zu, sobald die jetzt durch den Bund finanzierten Dienstgeräte nicht mehr funktionsfähig sind. 

Wie komplex und zugleich banal die Causa Dienstgeräte für Lehrkräfte ist, sieht man an zwei Checklisten am Anfang und am Ende des Leitfadens. Sie machen rund 20 Prozent des Textteils aus – und klingen so, als richteten sie sich an Personen bar jeden Fachwissens. So wird Lehrerinnen und Lehrern die Nutzung von Dienstgeräten mehrfach mit dem Hinweis schmackhaft gemacht, man könne mit Laptops und Tablets auch Notizen anfertigen. Im Hause Apple dürfte man über einen derartigen Leitfaden schmunzeln. Das Unternehmen mit dem Apfel setzt die meisten Dienstgeräte an Schulen ab. Es hat diesen Leitfaden der Verlierer im Rennen um die Digitalpaktmilliarden nicht mitformuliert. Christian Füller

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