Berater von Krisenchat warnen vor depressivem Winter

Es gibt Warnzeichen, dass Kindern und Jugendlichen ein Winter mit vermehrten psychischen Problemen bevorsteht. Darauf weist das Portal für psychologische Beratung Krisenchat hin, das rund um die Uhr für Gespräche offen ist. Die Betreiber des Portals führen ihre Prognose auf eine extrem stark gestiegene Anzahl an Krisenberatungen im Sommer dieses Jahres hin. „Die Chat-Anfragen haben im Vergleich zum Sommer des Vorjahres extrem zugenommen“, sagte Co-Gründer Kai Lanz. Er berichtet ein Plus von 150 Prozent im Vergleich zum Sommer 2021. Im Sommer des zweiten Corona-Jahres verzeichneten die psychologischen Berater 4.700 Chatanfragen von Kindern und Jugendlichen. Im Sommer 2022 waren es dagegen über 12.000 Krisenchats

Die minderjährigen Anfragenden bewegt vor allem der Krieg in der Ukraine und seine Folgen wie wirtschaftliche Unsicherheit oder ein gereiztes öffentliches Klima. „Der bevorstehende Winter mit steigender Inflation, Energiepreisen und Corona-Maßnahmen wird die psychische Verfassung von jungen Menschen weiter verschärfen“, befürchtet Kai Lanz. Er erwarte einen „erheblichen Zuwachs an psychischen Problemen bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen.“ Eine Umfrage des Krisenchats hatte bereits Anfang des Jahres gezeigt, dass es acht von zehn jungen Leuten belastet, Nachrichten über den Krieg in der Ukraine zu sehen. Krisenchat hat nach Kriegsbeginn auch eine Beratung für ukrainische Anfrager eingerichtet. 

Über seine Situation per WhatsApp chatten – mit Profis

Krisenchat hatte sich im ersten Corona-Jahr 2020 gegründet. Die Idee war, Kindern und Jugendlichen über Medien, die sie täglich nutzen, die Möglichkeit zu geben, sich mit Profis über ihre mentale Situation auszutauschen. Schüler können sich per WhatsApp oder Kurzmitteilung an Krisenchat wenden. Sie haben 24 Stunden täglich Gelegenheit, mit Psychologen zu schreiben. In den neun Monaten nach Gründung wurden damals 17.000 digitale Kummergespräche via Messenger geführt. Rund ein Fünftel der Schüler äußerten im Chatverlauf depressive Stimmungen bis hin zu suizidalen Gedanken. In solchen Fällen stellt der Krisenchat eine Verbindung zu psychologischen Beratungsstellen her. Das Team von Krisenchat hat wiederholt darauf hingewiesen, dass es eine große Lücke bei niedrigschwelligen psychologischen Beratungsangeboten für Kinder und Jugendliche gibt. Christian Füller 

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