Whitelist gibt Lehrern Sicherheit – und Freiheit

Welchen pädagogischen Vorteil hat eine White- und Blacklist wie die von Lutz Hasse? 

Eine solche Whitelist bringt, endlich, Planungssicherheit für Lehrkräfte – und damit Freiheit. Lehrer:innen müssen jetzt nicht mehr Mut aufbringen für den Einsatz digitaler Plattformen und Apps – sie wissen nun, worauf sie sich einlassen. Es lohnt sich für sie, sich in ein Tool einzuarbeiten. Motto: Ich hab Bock darauf – weil ich es nutzen darf. Und ich kann ein Tool auch schulweit einführen, ohne zurückgepfiffen zu werden. Auch für Entwickler ist das wichtig. Sie strengen sich dadurch mehr an, datenschutzkonforme Medien und Inhalte für Schulen anzubieten. 

Gibt es einen Zusammenhang zwischen rechtlicher Sicherheit und technischen Voraussetzungen?

Ja. Wenn ich weiß, welche rechtlichen und technischen Grundvoraussetzungen herrschen, um ein Tool effektiv oder passgenau zu betreiben, kann ich als Lehrer das Pferd auch mal von hinten aufzuräumen. Ich kann schauen, was hab‘ ich schon und was kann ich damit eigentlich machen? Unsere Erfahrung der letzten Jahre war, dass wir viel mehr mit dem ausreizen konnten, was wir schon hatten. Die Entwicklung, ständig neue Apps und Tools einsetzen zu sollen, ist nicht immer hilfreich gewesen. Es wird gern übersehen, dass viele Bordmittel schon völlig ausreichend sind. Als Lehrkraft kann man nämlich mit sehr einfachen Mitteln oft sehr tolle Dinge beim Lernen veranstalten. „Was will ich mit einem Tool erreichen?“ – das ist in meinen Augen die zentrale Frage. Und auch das ist ein sehr wichtiger Gesichtspunkt: Womit kann ich Lernerfolge leichter erreichen – ohne dass ich in große Ausgaben rutsche. 

Braucht man eine White- und Blacklist auch für die Zeit des Präsenzunterrichts? 

Unbedingt! Wir stehen ja mitten in einem pädagogischen Wandel, in dem wir immer ein Auge auf die Datensouveränität der Schüler haben müssen. Da hilft die Liste sehr. Lernsettings wie der flipped classroom, die neuen Lernorte außerhalb der Schule und die veränderten Lerngewohnheiten der Schülerinnen und Schüler bringen auch für uns Lehrkräfte einen Wandel: es ist ratsam, vom Allein-Unterhalter zum Lernbegleiter zu werden. Das neue Lernen hat zu einer Demokratisierung des Lernens geführt – und die ist, weiß Gott, wert, beibehalten zu werden.

Pro Tipp

Die Liste bringt meines Erachtens einen großen Schub in die Entwicklung digitalen Lernens. Sie zeigt uns, wie konstruktive Hinweise des Datenschutzes zu einer positiven Tool-Entwicklung führen. Die Geschichte von Taskcards ist ein Beispiel dafür. Viele Lehrerinnen und Lehrer haben vorher Padlet verwendet – bei dem datenschutzrechtlich für mich letztendlich nie geklärt war, ob wir diese digitale Pinnwand eigentlich datenschutzkonform benutzen können. Das hat dazu geführt, dass die Entwicklung der Taskcards vorangetrieben wurde, das eins zu eins umsetzte, was das Padlet kann. Selbst die Integration und die automatische Übernahme und Synchronisierung schon vorhandener Padlets war dadurch möglich. Ohne die Diskussion über datenschutzkonforme Inhalte wäre m.E. ein wunderbares und sicheres Tool wie Taskcards vielleicht nie entstanden. 

Kritik 

Die Kritik an einer Whitelist kann allenfalls sein, dass es die nicht schon längst gibt. Da war wohl wieder der Föderalismus im Weg. Schon seit vielen Jahren sind wir in der Diskussion und fordern eine Positivliste von den verschiedensten Seiten. Hier könnte der Staat aber noch mehr tun. Die Bundesregierung sollte zusammen mit den Ländern gemeinsam eine Plattform bereitstellen, auf der die White- und Blacklist laufend aktualisiert wird. Zum einen, um Rechtssicherheit gewähren zu können, und zum anderen, um etwaige Klagen der großen Anbieter abfedern zu können. Hier würden dann Profis auf Profis treffen – und nicht der kleine Schulrektor mit Giganten wie Microsoft, Google oder Amazon in Konflikt geraten. 

Und natürlich gehört zur Kritik, dass die Liste nicht schon seit langem öffentlich ist. 

Klaus Ramseier ist Lehrer für Gemeinschaftskunde, Sport und Englisch. Er hat an der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg Bildungsmanagement studiert und leitet die Friedrich-Boysen-Realschule Altensteig in Baden-Württemberg. 

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