Lernraum Berlin: Digitale Schule voranbringen – und Probleme überwinden

Anfang 2020, zu Beginn der Pandemie, mussten Schulen, Universitäten, Fachhochschulen – sämtliche Bildungseinrichtungen – umrüsten. Die Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie stellte mit Lernraum Berlin ein kostenloses Online-Lernportal zur Verfügung. Die Plattform baut auf der Open-Source-Lösung Moodle auf und richtet sich an Lehrkräfte, Referendare und pädagogisches Personal an allen öffentlichen Schulen und Oberstufenzentren Berlins. Lernraum Berlin bietet Online-Kursräume für den Unterricht und die Schulorganisation an, enthält pädagogische Beratung von Lehrkräften und ein breit gefächertes Spektrum von Fortbildungen. Lehrkräfte können sich via Online-Sprechstunde und in Themen-Workshops austauschen. Das Team der neuen Lernplattform bietet speziell zugeschnittene Fortbildungen zu Themen wie GeoGebra, Schulverwaltung, Fachbereichsorganisation und Notenberechnung an. Auf dem Youtube-Kanal des Support-Teams von Lernraum Berlin sind Videos zu Fragestellungen hochgeladen, die die Nutzung des Portals betreffen, meist konzipiert für Lehrerinnen und Lehrer. Titel lauten zum Beispiel „Sprache auf Lernraum Berlin ändern“ oder „Einschreibeschlüssel erstellen als Lehrkraft“.

Erfolg kam mit Schulschließungen

Das Angebot von Lernraum Berlin ist ein zentraler Bestandteil des eEducation Berlin Masterplans. Mit dem Programm will die Senatsverwaltung digitale Kompetenzen von Lehrkräften an allgemeinbildenden Schulen fortbilden. Sie sollen dabei unterstützt werden, digitale Ressourcen zu erschließen und zu erstellen und digitale Geräte und Medien in Lehr- und Lernprozesse einzubinden. Das digitale Lernen erhalte so einen neuen Schub, betonte die damalige Bildungssenatorin Sandra Scheeres im März 2020. Erst mit den Schulschließungen in der Pandemie hat sich die Lernplattform in der Unterrichtskultur fest etabliert. Wie Kommune 21 Ende März 2020 berichtete, hätten die Administratoren des Lernraums Berlin in der Phase vor den Schulschließungen etwa 50.000 Zugriffe täglich registriert, seit den Schließungen wären es täglich weit mehr als eine Million Zugriffe gewesen.

Probleme: Lernraum Berlin überlastet und Datenschutz

Doch die Plattform erhält nicht nur positives Feedback. Lernraum Berlin birgt auch Probleme. Wie der Tagesspiegel 2020 berichtete, äußerte Berlins damalige Datenschutzbeauftragte Maja Smoltczyk Kritik. Grund waren zahlreiche Hinweise auf Verstöße gegen die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Die Berliner Bildungsverwaltung hatte laut Tagesspiegel auf Smoltczyks Anfrage dazu nicht geantwortet – bis heute.

Oft scheint Lernraum Berlin überlastet. Denn ein elementares Problem bei Lernraum Berlin sind die regelmäßigen Störungen und Ausfälle. „Warum der Lernraum Berlin nicht lockdown-fähig ist“, titelte der rbb im Januar 2021 und bezeichnete die Software als ungeeignet für den Online-Unterricht. Auslöser war ein Totalausfall des Lernportals – ausgerechnet am ersten Schultag nach den Winterferien, dem ersten Tag des Digital-Unterrichts. Der Twitter-Account von Lernraum Berlin ist gespickt mit Service-Posts, die Ausfälle und Wartungsarbeiten ankündigen oder sich für diese entschuldigen. Das Zuse-Institut, das für die technische Stabilisierung von Lernraum Berlin verantwortlich ist, twitterte: Unzureichende Netze, Firewalls oder Serverkapazitäten seien nicht der Auslöser für die Probleme gewesen. Der Grund sei vielmehr: Die Konzipierung des Programms habe bereits 2005 begonnen und wurde für wesentlich geringere Nutzerzahlen entwickelt. Wenn gleichzeitig viele hundert Schüler und Lehrkräfte das Problem nutzen, sei das System überfordert. „IT-Experten gehen davon aus, dass die Datenbanken der Software neu strukturiert und für die aktuelle Nutzung angepasst werden müssten“, schreibt auch der rbb.

Senatsverwaltung sieht Zukunft für Lernraum Berlin

Die Zukunft von Lernraum Berlin hängt davon ab, wie die Senatsverwaltung das System an die modernen Anforderungen anpasst. Und, wie sich die Konkurrenz beweist. Eine Software, die immer wieder genannt wird: itslearning. Im Februar 2021 beschloss die Berliner Senatsverwaltung, dass Schulen künftig mit der norwegischen Plattform arbeiten können. Wie CheckPointELearning berichtete, sagte die damalige Bildungssenatorin Sandra Scheeres: „Mit dem Erwerb der Landeslizenz von itslearning bringen wir die Digitalisierung unserer Schulen weiter voran und schaffen zusätzliche Möglichkeiten für das schulisch angeleitete Lernen zu Hause. Itslearning stellt eine Ergänzung zum Lernraum Berlin dar, den wir ebenfalls weiter zur Nutzung empfehlen und ausbauen.“ Die Senatsverwaltung setzt demnach weiter auf Lernraum. Auch Stefanie Remlinger, Grünen-Expertin für das Thema Schul-Digitalisierung, sagte: Der Lernraum Berlin dürfe nicht still und heimlich beerdigt werden, sondern müsse weiter ausgebaut werden. Wie die Berliner Zeitung im Januar 2021 berichtete, werde die Architektur der Lernplattform von der Senatsverwaltung für Bildung grundlegend, um mittel- und langfristig einen reibungslosen Betrieb garantieren zu können.

Seit Mai sind die Plattformen Lernraum Berlin, sowie itslearning und bettermarks im Berliner Schulportal zusammengefasst. Darüber hinaus bietet das Portal Service- und Support-Angebote für die zugänglichen digitalen Lösungen an. Wie Kommune 21 berichtete, sei es der Anspruch des Berliner Schulportals, die Herausforderungen der Digitalisierung anzunehmen und den Schulen abzunehmen. Dies soll unter anderem durch einen vereinfachten Zugang, mit einer zentralen Anmeldung zu digitalen Werkzeugen, Fachverfahren, Bildungsmedien und Serviceangeboten geschehen. Darüber hinaus solle das Portal als Ort für sichere Kommunikation zwischen allen Beteiligten in der Schule ausgebaut werden. Im Oktober teilte die Senatsverwaltung mit, dass nun auch das Angebot „Diagnose und Fördern“ des Schulbuchverlags Cornelsen ins Berliner Schulportal eingegliedert wird. Kommune 21 berichtete, die Senatsverwaltung wolle mit dem Einsatz solcher digitalen Lernangebote eine Förderung des individualisierten Lernens mit direktem und automatisiertem Feedback ermöglichen. Dies sei in der Digitalisierungsstrategie vorgesehen. Zum neuen Schuljahr hat die Senatsverwaltung nach eigenen Angaben die aktuelle Landeslizenz verlängert und plant zudem den Ausbau des Angebots an adaptiven Lehr- und Lernmitteln – insbesondere für die Klassenstufen 5 und 6. Die Lernplattformen Lernraum Berlin und itslearning würden weiter mit neuen Diensten bestückt und stärker in das Schulportal integriert.

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