Feedbook

Welchen pädagogischen Vorteil hat Feedbook?

Wir setzen dieses intelligente tutorielle System in Klasse sieben im Englisch-Unterricht ein. Es analysiert Schülerantworten – und zwar innerhalb von Millisekunden. Das bedeutet, jeder Schüler kann sofort ein individuelles Feedback bekommen. Das könnte eine Lehrkraft im Unterrichtsalltag in dieser Schnelligkeit gar nicht leisten. Wenn die Schüler im Heft oder im Arbeitsbuch Aufgaben erledigen, dann bespricht der Lehrer dies meist kollektiv von vorne im Klassenverband – ohne auf jeden Einzelnen einzugehen. Oder die Schüler können die Lösung später selbst nachgucken. Unmittelbares individuelles Feedback bekommt man aber bisher nicht in so kurzer Zeit. Für die Lehrkraft besteht der Vorteil darin, dass sie sowohl auf der individuellen Ebene der Schüler sehen kann, wo Stärken und Schwächen liegen – als auch für die Klasse als Ganzes. Der Lehrer weiß dann sofort, was er wiederholen muss und wie er individuell auf Schüler- oder auf Klassenebene Rückschlüsse für den Unterricht zieht. 

Welche technischen Voraussetzungen sind nötig? 

Um das Feedbook einzusetzen, braucht man nur Internet-Zugang und Browser, ganz egal ob auf PC, Tablet oder Smartphone. Jedes Betriebssystem kann mit dem Feedbook umgehen. 

Kann man das Feedbook auch im Präsenzunterricht nutzen?

Ja, auch in der Präsenz in der Klasse kann das System helfen. Entweder bei den Hausaufgaben oder an den Schulformen, wo individuelle Arbeitszeiten möglich sind, in denen die Schüler etwa mit Laptops arbeiten. Jeder Schüler bekommt auch hier sofort das Feedback und muss zum Beispiel nicht bis zur nächsten Stunde warten. Es gibt auch Kolleginnen und Kollegen, die es bereits im Unterricht einsetzen, etwa wenn sie nach dem Lehrervortrag fünf bis zehn Minuten Zeit für individuelle Arbeitsphasen geben. Oder sie schauen gleich nach einer Unterrichtseinheit im System nach, ob die Schüler den Stoff bereits erworben haben. 

Pro-Tipp

Damit Schüler das System wirklich sinnvoll nutzen können und es nicht zu Frustrationserlebnissen kommt, sollte man die ersten ein oder zwei Sessions im Klassenzimmer testen. Bei jedem neuen technischen System ist es hilfreich, den Schülern Gelegenheit zu Fragen zu geben. Eltern sollten sich nicht erwarten, wenn sie das System einmal selbst testen wollen, dass sie adäquate Antworten auf ihre Fragen bekommen – das System ist auf Siebtklässler ausgerichtet. 

Kritik 

Ein ganz wichtiger Punkt ist der Umgang mit Daten. Ein intelligentes Tutor-System muss Daten sammeln und auch speichern. Sonst ist es nicht in der Lage, individuelles Feedback an einen Schüler zu adressieren oder adaptiv Aufgaben zuzuteilen. Die entscheidende Frage ist, wo werden diese Daten gespeichert und wie werden sie anonymisiert oder pseudonymisiert? Es muss sichergestellt sein, dass nicht Unternehmen irgendwie auf einzelne Schüler Rückschlüsse ziehen können, um damit auf dem Markt zu agieren. 

Florian Nuxoll ist Lehrer für Englisch am Geschwister Scholl Gymnasium in Tübingen und zugleich ans FeedBook-Projekt der Computerlinguistik der Universität Tübingen abgeordnet. Nuxoll betreibt den Podcast Doppelstunde.

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