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Wahlabend in Baden-Württemberg: Erfolg für Cem Özdemir, große Gewinner und schwere Verlierer in der Mitte

Cem Özdemir gewinnt mit den Grünen die Landtagswahl in Baden-Württemberg knapp vor der CDU um Manuel Hagel. SPD nur knapp im Landtag, FDP scheitert an der Fünf-Prozent-Hürde, AfD und Linke bleiben schwächer als erwartet.

08. März 2026
Cem Özdemir und Manuel Hagel am Wahlabend (picture alliance/dpa/Bernd Weißbrod; picture alliance/dpa/Marijan Murat)

Der Trend hat sich bestätigt. Was sich zuletzt andeutete, hat sich am Wahlabend fortgesetzt: Obwohl Cem Özdemir lange hinten lag, haben er und die Grünen die Landtagswahl aller Voraussicht nach gewonnen. Um 21.30 Uhr liegen sie laut statistischem Landesamt gut 25.000 Stimmen vor der CDU, kurz bevor alle Wahlkreise ausgezählt sind. Es wäre ein sehr persönlicher Sieg für den 60-Jährigen mit seiner langen und wechselhaften Geschichte; und eine Niederlage für die CDU, die in der Nach-Kretschmann-Ära unbedingt wieder ins Staatsministerium einziehen wollte.

Landtagswahl in Baden-Württemberg: Hochrechnung

Kommt es, wie es am Abend aussieht, dann droht der CDU im Land wie im Bund eine Debatte über die Ursachen dieser Niederlage. Auch wenn sie in Stuttgart Teil der Regierung bleiben wird, lässt sich nicht absehen, was das Ergebnis fürs Regieren in Berlin bedeuten könnte. Zumal die SPD bei dieser Wahl einmal mehr zurückstecken musste: Sie schafft es nur knapp in den Landtag. So gesehen ist die Wahl kein positives Signal für Berlin. Auch wenn für Özdemir erstmal ein Balance-Akt beginnt, weil er seine Grünen mitnehmen muss, obwohl er im Wahlkampf manches vertreten hat, was viele seiner Parteifreunde in Berlin ganz anders sehen.

Ein anderes Ergebnis könnte darüber fast untergehen: dass ein faires Duell in der politischen Mitte die Mitte stärken kann. Insbesondere Özdemir und Manuel Hagel sind betont freundlich miteinander umgegangen. Fast schon so, wie es in skandinavischen Ländern eher üblich ist, haben sie in der Sache Unterschiede definiert, ohne sich persönlich zu diffamieren oder als unfähig zu beschimpfen. Das Ergebnis: Die Linke schaffte es nicht in den Landtag, und die AfD ist schwächer rausgekommen, als sie lange gehofft hat. Allerdings gibt es einen Kollateralschaden: die SPD ist gefährlich knapp an die Fünf-Prozent-Hürde herangerückt, sie hat in BaWü ihre erste Nahtod-Erfahrung gemacht. Und die FDP? Sie ist im einstigen Stammland aus dem Landtag geflogen.

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Letzte Aktualisierung: 08. März 2026