Berlin.Table Talk of the town

Wie die MSC zum Startpunkt neuer europäischer Stärke werden soll

Krieg, Machtverschiebungen und ein brüchiges transatlantisches Bündnis setzen Europa unter Druck. Auf der Münchner Sicherheitskonferenz beraten Staats- und Regierungschefs über die Zukunft des Kontinents. Erwartet wird das Who is Who der internationalen Politik.

08. Februar 2026
Neue Partner in einer veränderten Welt: Kanadas Premier Mark Carney und Friedrich Merz werden das auch in München zeigen (picture alliance / ZUMAPRESS.com | Christinne Muschi)

Im Osten Europas ein nuklear bewaffneter Kriegstreiber, der schon im vierten Jahr seine Truppen durch die Ukraine wüten lässt. Im fernen Osten eine immer mächtigere Volkswirtschaft, die kaum noch angewiesen ist auf Technologie, Autos und Maschinen „made in Germany“. Und im alten Westen ein US-Präsident Donald Trump, der sich von Europa abwendet und die einstigen Verbündeten mit Hohn und Spott oder Zöllen überzieht. Nicht in Jahrzehnten war die Lage für Europa und Deutschland so gefährlich wie heute.

Wenige Tage vor der 62. Münchner Sicherheitskonferenz steckt der Kontinent fest in einem geopolitischen Taifun. Zumal die jüngste Ankündigung der USA, bis Sommer einen Frieden in der Ukraine zu verhandeln, auch bedeutet, dass sich die US-Amerikaner aus dem Konflikt herausziehen könnten, sollten sie ihr Ziel nicht erreichen. „Under Destruction”, unter Zerstörung, lautet passenderweise die Überschrift des Munich Security Report, den die MSC an diesem Montag in Berlin vorstellen wird – und über den MSC-Chairman Wolfgang Ischinger mit Verteidigungs-Staatssekretär Nils Hilmer und 50 Diplomaten, Politikern und Sicherheitsexperten am Abend bei Table.Briefings diskutieren wird.

Das inoffizielle Motto der Münchner Sicherheitskonferenz lautet wohl: Europa, wach auf! „Es ist 5 vor 12: die immer gefährlichere Bedrohungslage Europas erfordert historische Entscheidungen jetzt. Deshalb muss die MSC dieses Jahr für die Führungsriege Europas Anlass sein, endlich von Beschwörungsformeln wegzukommen und erste konkrete Entscheidungen zum Bau eines europäischen Verteidigungspakts zu treffen“, sagte der langjährige Botschafter und MSC-Chairman Wolfgang Ischinger Table.Briefings. Ähnlich sieht man das in der Bundesregierung. „Die Nato muss europäischer werden“, hatte Verteidigungsminister Boris Pistorius am Rande des Table.Briefings-Neujahrsempfangs gesagt. Auch er wird in München dabei sein. Dazu passt, dass Generalinspekteur Carsten Breuer ab 2028 den mächtigen Nato-Militärausschuss leiten soll; in Sicherheitskreisen gilt er seit längerem als Favorit.

Mit mehr als 60 Staats- und Regierungschefs sowie Ministerinnen und Ministern ist die EU dieses Jahr in Rekordzahl vertreten. War die Konferenz seit ihrem Beginn 1963 vor allem ein transatlantisches Forum, so geht es dieses Jahr in vielen Panels und Diskussionsrunden um die militärische und technologische Souveränität Europas und neue Bündnispartner für den alten Kontinent. Besonders viel Aufmerksamkeit dürfte Kanadas Premierminister Mark Carney erfahren, der erstmals nach München kommt, wie aus der Teilnehmerliste hervorgeht, die Table.Briefings vorliegt. Der Kanadier hatte mit einem beherzten Appell für eine neue Allianz der Mittelmächte beim Weltwirtschaftsforum in Davos für Schlagzeilen gesorgt.

Erstmals bleibt auch der deutsche Regierungschef mehrere Tage vor Ort. Am Samstag eröffnet Friedrich Merz mit seiner Rede im Hauptsaal den zweiten Tag der Konferenz, aus dem Kabinett haben sich Vizekanzler Lars Klingbeil, Innenminister Alexander Dobrindt, Außenminister Johann Wadephul und die Kabinettsmitglieder Dorothee Bär, Nina Warken, Karsten Wildberger, Reem Alabali Radovan angemeldet. Außerdem auf der Liste: die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen, die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas, Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez und Nato-Generalsekretär Mark Rutte. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will wohl auch kommen.

Insgesamt rechnet MSC-Chef Ischinger mit einer Rekordbeteiligung von 65 Staats- und Regierungschefs und knapp 100 Ministern. Auch der iranische Oppositionelle Reza Pahlavi und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj werden erwartet. Die 55 Mitglieder umfassende US-Delegation führt Außenminister Marco Rubio an, auch Trumps Sonderbeauftragter für die Ukraine, Steve Witkoff, und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner gehören dazu. Erstmals nach drei Jahren sind auch wieder AfD-Politiker dabei.

Deutschland muss umsatteln, vom sanften Hegemon hin zu mehr militärischer Stärke und Resilienz. Auch wir bei Table.Briefings nehmen den geopolitischen Umbruch ernst und stärken unsere Berichterstattung über Sicherheitspolitik, Geostrategie, Cyberabwehr und Rüstungsindustrie. Das auf acht Journalistinnen und Journalisten aufgestockte Team unseres Security.Table wird Sie ab diesem Montag, 9. Februar, immer werktäglich ab 6 Uhr mit News, Analysen und Vorabinformationen aus der Sicherheitsszene versorgen. Den Newsletter können Sie kostenlos hier testen.

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Table.Today mit Michael Bröcker und Helene Bubrowski. "MSC Spezial."

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Letzte Aktualisierung: 08. Februar 2026