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Trump in Davos: Demütigungen, Schmeicheleien und am Abend eine große Überraschung

Donald Trump sorgte in Davos mit harten Forderungen an Europa für Verwirrung. Ein überraschender Tweet des US-Präsidenten ließ die europäischen Verbündeten schließlich doch aufatmen.

21. Januar 2026
Donald Trump in Davos (picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Markus Schreiber)

Es sah nicht gut aus bis zum Abend. Kein Treffen mit dem Kanzler, eine Rede voller Besitzansprüche auf Grönland; dazu Botschaften an die Europäer, die von Distanz und harter Linie geprägt waren. Doch dann versandte US-Präsident Donald Trump einen Tweet, der die Welt wenigstens für einen Moment ein kleines bisschen heller erscheinen lässt. Auf seinem eigenen Truth-Social-Kanal erklärte Trump, nach einem Treffen mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte gebe es eine prinzipielle Einigung. Deshalb werde er auch keine Zölle gegen bisherige Grönland-Unterstützer verhängen.

Wie lange das gilt und was es für Grönland bedeutet, blieb fürs erste offen. Deshalb waren in der deutschen Delegation auch nicht alle Sorgen mit einem Mal verschwunden. Trotzdem darf angenommen werden, dass bei den Europäern für den Augenblick ein klein wenig Erleichterung eingetreten ist. Und das umso mehr, nachdem der Tag bis dahin nicht gerade optimal gelaufen war. Zwar hatte sich der Kanzler auf alles Mögliche in einem möglichen Treffen mit Trump vorbereitet. Genau das aber war dann gar nicht zustande gekommen. Lag es an der am Ende eher knappen Verspätung des US-Präsidenten? An der abnehmenden Lust des deutschen Regierungschefs? Oder an einem schlichten Desinteresse des Amerikaners? So recht konnte oder wollte das am Mittwochabend niemand sagen. Zumal der Tweet von Trump mit einem Mal alle Fragen dazu in den Hintergrund drängte.

Bis zu seiner überraschenden Botschaft hatte Trump einen denkwürdigen Eindruck hinterlassen. Einerseits schloss er aus, sich Grönland mit militärischen Mitteln einzuverleiben. „I won’t use force“, erklärte er in seiner Rede. Seinen Anspruch auf die Insel in der Arktis gab der US-Präsident aber nicht im Mindesten auf. Die USA benötigten Grönland, sie hätten sich Grönland verdient, da solle jetzt niemand undankbar sein und dafür kein Verständnis haben. Wieder erklärte er, ihm gehe es auch um Sicherheitsinteressen. Er versprach sogar, dort ein riesiges Abwehrschild aus Raketen zu errichten, das den amerikanischen Kontinent genauso schützen werde wie Europa. „Ich will dieses Stück Eis, um die Welt zu schützen. Sie können Ja sagen, dann sind wir dankbar. Sie können Nein sagen, aber dann wird sich Amerika das merken.“

Der US-Präsident hatte seinen Besitzanspruch sogar historisch begründet. Die USA hätten die strategisch bedeutsame Insel im Zweiten Weltkrieg gegen die Nazis verteidigt – ein ziemlich giftiger Hinweis an die Dänen, sie sollten diesen Teil der Geschichte doch bitte nicht vergessen. Danach hätten die USA Grönland leider an Dänemark zurückgegeben, was Trump als „dumme Entscheidung“ der damaligen US-Regierung bezeichnete. Nur die USA seien in der Lage, „die gigantische Landmasse, dieses großes Stück Eis zu verteidigen“. Die Gefahr für den Zusammenhalt in der Nato spielte Trump herunter. Stattdessen wiederholte er mehrfach, wieviel die USA für das Bündnis getan hätten und tun würden. Deshalb solle niemand in der Nato jetzt undankbar sein und sich querstellen.

Beim Blick auf Verbündete wie Kanada und Europa spielte Trump mit Schmeicheleien und Demütigungen. Einerseits erklärte er, er liebe die Länder Europas, so wie sie früher gewesen seien – und erklärte andererseits, dass sie alle noch nicht verstanden hätten, was gerade mit ihnen passiere. Insbesondere nicht ihre politischen Führer. Seine kaum verdeckte Botschaft: Nur er, Donald Trump, könne sie vor ihrem eigenen Untergang retten. Dazu geißelte er alle Bemühungen der Europäer für mehr Klimaschutz als grundfalsch. „Nur dumme Leute kaufen Windräder“, so Trump. An vielen Stellen seiner Rede gab Trump dem Rest der Welt zu verstehen, dass sie nur zu retten sei, wenn sie sich ihm anschließen würde.

Der Kanzler verzichtete nach Trumps Auftritt bewusst auf eine Kommentierung. Und dürfte sich nach dem überraschenden Tweet bestätigt fühlen. Jede schnelle Reaktion hätte womöglich wieder zu einer Gegenreaktion geführt, die er vermeiden wollte. Merz hat sich aber vorgenommen, in seiner Rede am Donnerstag auf die Überraschung wie auf die zuvor gehaltene Rede zu reagieren. Genau wahrgenommen hatten die Europäern Trumps Aussage, er werde in Grönland keine Gewalt anwenden. Mancher Diplomat las darin den leisen Versuch des Amerikaners, ein kleines bisschen von dem Baum runterzukommen, auf den er zuvor geklettert war. Nach dem Tweet dürften sie sich bestätigt fühlen. Der EU-Sondergipfel freilich, der sich vor allem mit den Zoll-Drohungen Trumps beschäftigen wird, soll – Stand Mittwochabend – trotzdem stattfinden.

Wie die aktuellen Krisen das Verhältnis zwischen Merz und der italienischen Regierungschefin Giorgia Meloni verändert haben, lesen Sie im Europe.Table.

Über Trump und die Zukunft Europas spricht auch der norwegische Autor und Unternehmer Anders Indset im Podcast Table.Today. Das Gespräch hören Sie ab 5 Uhr hier.

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Letzte Aktualisierung: 21. Januar 2026