Rente: Warum Zuwanderung und inländisches Potenzial die effektivsten Hebel wären

Mehr Zuwanderung und eine höhere Erwerbsquote könnten das Rentensystem stabilisieren. Neue Berechnungen zeigen: Diese Hebel würden gerade die Renditen jüngerer Generationen deutlich verbessern.

15. April 2026
Die Koalition ringt um eine Rentenreform, die allen Generationen gerecht wird. (picture alliance/Westend61/Alona Antoniadis)

Beiträge nicht zu sehr steigen lassen, das Rentenniveau nicht zu sehr absenken. Das sind im Kern die Ziele all derer, die an der Reform der gesetzlichen Rentenversicherung arbeiten. Ein Team um Camille Logeay von der HTW Berlin hat nun für die Hans-Böckler-Stiftung unterschiedliche Szenarien berechnet. Die stärksten Hebel, um die Rente ohne Schlechterstellung großer Bevölkerungsteile zu stabilisieren, sind demnach mehr Zuwanderung und eine bessere Ausschöpfung des inländischen Erwerbspotenzials. Logeay ist Mitglied der Rentenkommission und hat ihre Erkenntnisse dort auch vorgestellt.

So wirkt sich Zuwanderung auf Beitragssatz und Rentenniveau aus

100.000 Zuwanderer mehr pro Jahr würden zu einer Entlastung des Rentensystems führen. „Eine moderate Erhöhung der jahresdurchschnittlichen Zuwanderung von 250.000 auf 350.000 Personen ab 2030 bremst den Beitragssatzanstieg bis 2070 spürbar“, schreibt die Gruppe um Logeay. Das bedeute außerdem ein „dauerhaft höheres Sicherungsniveau und weniger Bundeszuschüsse.“ Ähnlich positive Effekte ließen sich auch durch eine verbesserte Ausschöpfung des inländischen Erwerbspotenzials erreichen. Darunter würden Maßnahmen fallen, die bisher Erwerbslose in Beschäftigung bringen und damit höhere Beschäftigungsquoten erreichen.

Eine höhere Erwerbsquote führte zwischen 2005 und 2024 schon einmal zu einer finanziellen Entlastung der Rentenversicherung. Eine bessere oder schlechtere Entwicklung am Arbeitsmarkt verändere schon kurzfristig die Einnahmen der Rentenversicherung, betonen die Forscher. In der optimistischen Variante nähern sich zum Beispiel die Erwerbsquoten von Frauen und Männern in Ostdeutschland stärker den Quoten westdeutscher Männer an als im Basisszenario. Das würde bedeuten, dass die Erwerbsquote der 15- bis 64-Jährigen bis 2070 von gut 80 Prozent auf knapp über 83 Prozent steigt.

Ihre Szenarien verglichen die Wissenschaftler mit der aktuellen Bevölkerungsvorausberechnung. Dieses sogenannte Basisszenario wurde den Szenarien mit weniger oder mehr Zuwanderung, schlechterer und besserer Arbeitsmarkt-Entwicklung gegenübergestellt. Bei mehr Zuwanderung verbesserten sich auch die „internen Renditen“ der jüngeren Jahrgänge. Gemeint ist damit das Verhältnis von eingezahlten Beiträgen und empfangenen Rentenzahlungen.

Mehr Zuwanderung würde zu einer Erholung des Rentensystems führen. 2010 geborene Männer erreichen demnach beispielsweise höhere Renditen als alle Babyboomer-Jahrgänge. Die Renditen der 2010 geborenen Frauen liegen wiederum auf dem Niveau, das mit jenem der in den 1950er-Jahren Geborenen vergleichbar ist. Im Szenario mit geringerer Zuwanderung verschlechtern sich die Renditen hingegen für alle Jahrgänge ab 1965.

Die Anhebung der Regelaltersgrenze auf 68 Jahre hat „Nebenwirkungen“. Zwar würde ein solcher Schritt den Beitragssatzanstieg begrenzen und das Sicherungsniveau erhöhen. Allerdings würden dadurch auch alle Menschen, die ab etwa 1970 geboren sind, einen Rückgang ihrer internen Rendite erleben. Der Vorschlag der jungen Unionsabgeordneten, das Sicherungsniveau zu senken und Bundeszuschüsse zu begrenzen, führe ebenfalls zu einer Schlechterstellung der Jüngeren und Jüngsten. Als Maßnahme für eine verbesserte „Generationengerechtigkeit“ sei der Vorschlag „nicht geeignet“.

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Letzte Aktualisierung: 15. April 2026