Berlin.Table Talk of the town

Neujahrsempfang von Table.Briefings – eine kurze Atempause in schweren Zeiten

Krisen, Trump und große Unsicherheit prägen den Jahresanfang. Beim Neujahrsempfang von Table.Briefings diskutieren Spitzen aus Politik und Wirtschaft Sorgen, Strategien und Hoffnungen – und warum viele trotz allem an ein besseres 2026 glauben.

28. Januar 2026
Auf dem Neujahrsempfang von Table.Briefings (Marco Urban)
Bernhard Pötter, Carsten Schneider, Nikolai Fichtner
Antje Sirleschtov, Michael Bröcker, Julia Schwanholz, Boris Pistorius
Dorothee Bär, Nicola Kurth

Die Ukraine in Not, Donald Trump im Nacken, die ökonomischen Probleme noch nicht gelöst – Politik und Wirtschaft haben zum Jahresanfang vor allem eines: viele heikle Baustellen. Zugleich wächst die Sehnsucht, endlich wieder mit etwas Optimismus in die Zukunft blicken zu können. Diese Mischung aus Sorgen und Hoffnung ist es, die auch auf dem Neujahrsempfang von Table.Briefings am Mittwochabend viele Gespräche geprägt hat. Wir stellten dazu einigen Gästen drei Fragen:

Ein Jahr Trump – was geht Ihnen durch den Kopf?

Wolfram Weimer: „Die Cineasten würden sagen: Viel Drama, viel Western, bisschen Comedy, wenig Romance. Wir sollten trotzdem auf ein Happy End hoffen.“

Boris Pistorius: „Die Unvorhersehbarkeit wird immer unvorhersehbarer.“

Britta Haßelmann: „Ich erinnere mich genau an den 6. November, morgens um fünf Uhr zwanzig bin ich aufgestanden, schaute CNN und wusste: Er ist das zweite Mal Präsident. Ich habe die Befürchtung gehabt, es wird schlimm. Aber dass es so schlimm wird, und wirklich alles, was wir haben, in Frage gestellt ist, das haben die meisten so nicht erwartet.“

Carsten Schneider: „Cool bleiben.“

Ricarda Lang: „Oligarchie, weil eigentlich die Tech-Bros regieren. Faschismus, weil Menschen auf offener Straße erschossen werden. Und Aufmerksamkeit, weil Trump die als Waffe einsetzt und wir damit noch nicht den richtigen Umgang gefunden haben.“

Karsten Wildberger: „Mir schießt durch den Kopf, wie wichtig Werte sind.“

Josephine Ballon von Hate Aid: „Die Situation betrifft uns ganz direkt. Wir wurden Weihnachten von einem Einreiseverbot des State Department beglückt. Wir spüren sehr persönlich den Druck, der auf Europa ausgeübt wird, Big Tech Konzerne nicht zu behelligen mit Regeln. Wir setzen uns weiterhin dafür ein, dass digitale Souveränität in Europa noch was zählt.“

Wie sollten wir auf Trump reagieren?

Boris Pistorius: „Souverän, gelassen, entschlossen, aber vor allem geeint als Europäer. Wenn wir das tun, dann werden wir die nächsten Jahre gut überstehen und wahrscheinlich noch gestärkt daraus hervorgehen.“

Carsten Schneider: „Selbstbewusst, eigenständig, unabhängig sollten wir sein.“

Ricarda Lang: „Wir sollten uns nicht treiben lassen, indem wir nur noch über Trump reden. Dieser Schock hat System: Er lenkt von seinem innenpolitischen Versagen ab und bindet unsere Kräfte, indem gar kein Raum mehr für eigene Ideen, geschweige denn Visionen bleibt. Aber genau die brauchen wir jetzt für ein starkes Europa.“

Wolfram Weimer: „Konzentriert bleiben, bei uns bleiben, europäisch bleiben, weltoffen, Freunde der Aufklärung. Und am Ende bleiben die Amerikaner unsere Freunde. Wir sollten uns nicht irritieren lassen.“

Karsten Wildberger: „Wir müssen, basierend auf unseren Werten, selbstbewusst agieren und schauen, dass wir trotzdem auch den Kommunikationskanal nicht abreißen lassen.“

Josephine Ballon: „Wir sollten sehr selbstbewusst mit Trump umgehen und klar machen, dass unsere europäischen Regeln im digitalen Raum zu gelten haben. Und dass wir uns da nicht erpressen lassen. Es ist nicht gut, weder für die Bevölkerung noch die Demokratien, die durch die Macht der Big Tech Konzerne destabilisiert werden.“

Was gibt Ihnen Hoffnung, dass 2026 ein gutes Jahr wird?

Boris Pistorius: „Zunächst mal mein eigener mir innewohnender Optimismus, der unerschütterlich ist. Und zum anderen die Erkenntnis, dass ich erlebe, dass sich die Menschen überall, wo ich hinkomme, nach Ruhe und Frieden sehnen. Und ich hoffe, dass sie sich am Ende durchsetzen. Dass die Vernunft zurückkehrt. Und diese Hoffnung werde ich auch notfalls noch in das Jahr 2027 mitnehmen.“

Wolfram Weimer: „Es wird ein gutes Jahr, weil wir überraschende Aufschwünge erleben werden. In der Wirtschaft, im europäischen Zusammenhalt. Wir werden einen Aufschwung in der Filmwirtschaft sehen und in der Kultur.“

Britta Haßelmann: „Viele Menschen spüren, wie die Demokratie, die Grundwerte, die Freiheit und die Sicherheiten gefährdet sind. Und dass es auf jede und jeden ankommt. Deshalb bin ich zuversichtlich. Wenn wir es hinkriegen, zusammen zu stehen, dann kann es sich zum Positiven wenden.“

Carsten Schneider: „2026 wird ein Superjahr. Denn wir werden Fußball-Weltmeister.“

Ricarda Lang: „Mir gibt Hoffnung, dass ganz viele Menschen das, was uns im politischen Leben manchmal fehlt – Fürsorge, Verantwortung, Liebe füreinander – in ihrem Umfeld, sei es in der Gemeinde, im Verein, in der Familie jeden Tag leben. Ich glaube, dass die Menschen viel solidarischer sind, als wir es in der Politik manchmal glauben.“

Karsten Wildberger: „Weil wir endlich anfangen, Dinge, über die wir schon lange diskutieren, endlich umzusetzen. Und wir feststellen: Wir haben viel mehr Talente und dieses Land kann so viel mehr, als wir uns bisher zugetraut haben.“

Boris Pistorius, Patrick Schnieder, Michael Bröcker, Joachim Nagel, Karsten Wildberger, Leo Schulz
Patrick Schnieder, Helene Bubrowski
Aletta von Massenbach, Sebastian Turner
Wolfram Weimer, Stefan Braun
Karin Prien, Tim Gabel, Vera Kraft

Weitere Gäste: Die Kabinettsmitglieder Patrick Schnieder, Karin Prien, Stefanie Hubig, Dorothee Bär und Reem Alabali Radovan. Außerdem Ex-Chef BK Wolfgang Schmidt, die MdBs Norbert Röttgen, Ricarda Lang, die Fraktionsvorsitzende Britta Haßelmann, Mathias Middelberg, Stefan Seidler, PStin Mareike Wulf, der hessische CdS Benedikt Kuhn, der BaWü-Bevollmächtigte Rudi Hoogvliet, Johannes Dimroth aus dem BMJV,

Bundesbankpräsident Joachim Nagel, Google Deutschland-Chef Philipp Justus, der Pressesprecher der Bertelsmann Stiftung Hendrik Baumann, Senior Director bei 365 Sherpas Marian Bracht, der CEO der Charité Heyo Kroemer, der Vorstandsvorsitzende der RheinEnergie AG Andreas Feicht, der Vorstandsvorsitzende der KfW-Bankengruppe Stefan Wintels, der Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft Martin Keller, die Präsidentin der Deutschen Afrika Stiftung Uschi Eid, den Leiter Kommunikation der BASF Markus Röser, Thomas Heilmann, der Direktor des Leibniz-Instituts für Agrarentwicklung in Transformationsökonomie Alfons Balmann.

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Letzte Aktualisierung: 29. Januar 2026