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Landtagswahl 2027: Die NRW-SPD und die schwierige Suche nach dem Wüst-Herausforderer

Noch in diesem Monat will die SPD entscheiden, wer 2027 in ihrer einstigen Hochburg NRW gegen den beliebten Ministerpräsidenten Hendrik Wüst antreten soll. Partei und Führung ringen um einen Kandidaten mit Profil und Rückhalt.

LB
14. Januar 2026
Mögliche Spitzenkandidaten der NRW-SPD: Sarah Philipp, Jochen Ott und Garrelt Duin (picture alliance / dts-Agentur, picture alliance / SZ Photo | Rainer Unkel, picture alliance / SvenSimon | Malte Ossowski/SVEN SIMON)

Noch in diesem Monat will die SPD in NRW entscheiden, wer für sie als Spitzenkandidat bei der Landtagswahl 2027 antreten soll. Bei der Klausurtagung am 23. und 24. Januar will die Partei einen Personalvorschlag machen, bestätigt die Partei Table.Briefings. Am 13. Juni wird der Kandidat dann offiziell auf der Delegiertenkonferenz gewählt. Nach der Absage des Parteifavoriten, des Duisburger Oberbürgermeisters Sören Link, Ende vergangenen Jahres, müssen die Landesvorsitzenden Achim Post und Sarah Philipp einen neuen Kandidaten oder eine neue Kandidatin finden.

Wie mehrere Personen aus der Spitze der NRW-SPD berichten, haben Jochen Ott, der Landtagsfraktionschef, und die Co-Parteivorsitzende Sarah Philipp intern ihr Interesse angemeldet. Der Kölner Gymnasiallehrer Ott sitzt seit 15 Jahren für die SPD im Landtag, ist tief verwurzelt in der Partei und war von 2008 bis 2018 deren stellvertretender Landesvorsitzender. Ein Aufbruchssignal wäre die Personalie allerdings nicht, heißt es in der SPD. Bei der Kommunalwahl im vergangenen Jahr wurde die SPD mit einem Wahlergebnis von 22 Prozent abgestraft. Dennoch gilt Ott als erfahren, ehrgeizig und umtriebig. Sarah Philipp, die seit 2023 mit dem Bundestagsabgeordneten Achim Post die NRW-SPD anführt, ist seit 2012 Landtagsabgeordnete und stünde ebenfalls zur Verfügung. Die 42-jährige Duisburgerin ist allerdings jenseits der eigenen Partei kaum bekannt.

In den Städten und im konservativen Flügel der Partei wird immer wieder auch der Name Garrelt Duin genannt. Der frühere NRW-Wirtschaftsminister war zwischenzeitlich Chef der Handwerkerschaft in Köln und ist seit 2024 als Regionaldirektor des Regionalverbands Ruhr so etwas wie ein Botschafter des Ruhrgebiets. Dort setzen sich hinter den Kulissen manche Bürgermeister für den SPD-Mann ein. So heißt es, dass Duin ein überraschender Kandidat mit Format sei. „Jeder, der Duin im Wahlkampf erlebt hat, weiß, dass er das kann“, erfuhr Table.Briefings aus Parteikreisen. Auch Bundestagsabgeordnete aus NRW sprechen sich für Duin aus.

Im Umfeld des CDU-Ministerpräsidenten Hendrik Wüst gilt Duin als gefährlicher Herausforderer. Ihm wird zugetraut, auch im bürgerlichen und wirtschaftsaffinen Lager punkten zu können. Auch pflegt Duin einen engen Draht zu SPD-Chef Lars Klingbeil. Doch die Kandidatur wird im Landesvorstand entschieden und dort hat der Wirtschaftsmann wenig Berührungspunkte und noch weniger Fans.

Nach einer historischen Schlappe der NRW-SPD bei der vergangenen Landtagswahl (26,7 Prozent) gilt die NRW-Wahl im Frühjahr 2027 als existenziell. Und als Voraussetzung für ein mögliches Comeback im Land und im Bund. „Wenn wir an Rhein und Ruhr wieder untergehen, ist es auch im Bund vorbei“, sagt einer aus der NRW-Landesgruppe im Bundestag. Gleichzeitig fürchten bereits jetzt einige Genossen, dass ein Sieg gegen Hendrik Wüst kaum möglich sei. Die CDU sei in NRW stark aufgestellt und sehr gut organisiert, heißt es. Da könne die SPD kaum mithalten.

Die Zeit drängt. „Der Kandidat oder die Kandidatin braucht ein Jahr Vorlauf, um in NRW Bekanntheit und Vertrauen zu erlangen“, sagt Mönchengladbachs OB Felix Heinrichs, der auch im Landesvorstand sitzt. Wer auch immer für die SPD in den Wahlkampf ziehen wird, geht ein hohes Risiko ein. Nach einer verlorenen Wahl könnte die Person nicht einfach wieder in ihr Amt zurückkehren. Co-Parteichefin Bärbel Bas hat intern die Wahlen in NRW als wesentliche Wegmarke auf dem Weg zurück an die Macht im Bund beschrieben. Sie selbst hatte eine Kandidatur schon kurz nach der Bundestagswahl in kleinem Kreis abgelehnt und sich fortan für den Oberbürgermeister ihrer Heimatstadt, Sören Link, starkgemacht. Doch der ist gerade erst wiedergewählt worden und hatte zuletzt öffentlich sein Interesse dementiert.

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Letzte Aktualisierung: 15. Januar 2026