Kubicki und Sachsen-Anhalt: Warum diese Wahl für den neuen FDP-Chef eine Chance ist – und für alle anderen vielleicht auch

Die FDP hofft auf ein Comeback: Trotz schwacher Umfragen sehen viele noch Potenzial für ein Comeback unter Kubicki. In Sachsen-Anhalt könnte die Partei zum Faktor werden und die Kräfteverhältnisse zulasten der AfD verschieben.

Wolfgang Kubicki (picture alliance/Jörg Carstensen)

Umfragen haben gerne mal zwei Seiten. Das gilt auch für die jüngste Umfrage von Forsa für RTL. Diese kommt zu dem Ergebnis, dass eine Zwei-Drittel-Mehrheit der Befragten der FDP unter ihrem designierten Frontmann Wolfgang Kubicki keine Chance auf eine Renaissance gibt. Allerdings kann man das Ergebnis auch umdrehen und daraus ablesen, dass gut ein Viertel der Befragten Kubicki und den Liberalen eben diese Hoffnung macht. Wenn man bedenkt, dass die Partei aktuell bundesweit zwischen drei und vier Prozent pendelt, könnte das Ergebnis immerhin andeuten, dass für die Liberalen noch genügend Potenzial vorhanden ist, um die magische Fünf-Prozent-Hürde doch wieder zu überspringen.

Diese Chancen räumen die Deutschen der FDP für ihr Comeback ein

Das könnte gerade in Sachsen-Anhalt Folgen für die AfD haben. Dort spricht mancher bereits von der FDP als womöglich unterschätztem Underdog. Einige in der Partei halten es für mindestens denkbar, dass die Liberalen die Szenarien für Sachsen-Anhalt durcheinander wirbeln könnten. Bislang lassen manche Prognosen befürchten, dass nur drei Parteien nach der Wahl im September im Landtag vertreten sein werden: AfD, CDU und Linke. Die SPD kann sich nicht darauf verlassen, im September über die Fünf-Prozent-Hürde zu kommen. Dagegen könnten Kubickis Wahl am kommenden Samstag und die damit verbundene Aufmerksamkeit der FDP Aufwind verschaffen. Und so könnte die in Magdeburg noch mitregierende, aber in der öffentlichen Wahrnehmung so gut wie totgesagte Partei die Überraschung werden.

Seit Kubicki seine Kandidatur angekündigt hat, gewinnt die FDP in Sachsen-Anhalt Sympathie. Mit seiner oft wenig diplomatischen Art und einem Gestus des Onkels an der Bar hole Kubicki viele in Sachsen-Anhalt ab, heißt es aus AfD-Kreisen. Eine Kubicki-FDP könnte die AfD deshalb wichtige Stimmen kosten und sie so um die Möglichkeit bringen, erstmals in ihrer Geschichte zu regieren. Bei nur drei Fraktionen und mehreren an der Fünf-Prozent-Hürde gescheiterten Parteien bräuchte sie deutlich weniger Stimmen, um die Mehrheit von derzeit 97 Sitzen im Landtag zu bekommen; kämen SPD und FDP in den Landtag, würde es dagegen schwieriger. AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund gilt vielen zwar als „Posterboy“, der gut ankomme; allerdings fehlten ihm das Format und die Erfahrung eines Wolfgang Kubicki, heißt es. Zudem ist denkbar, dass die FDP auch aus taktischen Gründen gewählt wird, wenn absehbar ist, dass ihr Einzug in den Landtag eine absolute Mehrheit der AfD verhindern würde.

Auch dem FDP-Landesverband gibt Kubickis Kandidatur Hoffnung. Spitzenkandidatin Lydia Hüskens sprach sich besonders früh für den 74-Jährigen aus; nach den Hessen waren die Sachsen-Anhaltiner die Zweiten. Die FDP brauche jetzt eine Persönlichkeit, „die Orientierung gibt, Debatten nicht scheut und unsere liberalen Grundüberzeugungen mit Nachdruck vertritt“, begründete Hüskens die einstimmige Wahlempfehlung des Vorstands für Kubicki.

Einen kleinen Effekt könnte sogar Christian Lindner bringen. Dessen neuer Arbeitgeber, die Autoland AG, ist formaljuristisch zwar in Berlin gemeldet, sitzt tatsächlich aber in Brehna im Landkreis Anhalt-Bitterfeld. Zwar spielt der zurückgetretene Parteichef für die Ausrichtung der FDP kaum eine Rolle mehr; als Symbolfigur funktioniert er gleichwohl immer noch – und könnte mit seiner Arbeit für ein Unternehmen mit Sitz im ländlichen Sachsen-Anhalt ausgerechnet das Narrativ nähren, man sei ganz nah an ganz normalen Menschen dran.

Wenn am nächsten Sonntag Landtagswahl in Sachsen-Anhalt wäre

Briefings wie Berlin.Table per E-Mail erhalten

Keine Bankdaten. Keine automatische Verlängerung.

Sie haben bereits das Table.Briefing Abonnement?

Anmelden

Letzte Aktualisierung: 26. Mai 2026