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Fünf Landtagswahlen: Wie die AfD auf Erfolge hofft und Personalquerelen unter der Decke hält

Im Superwahljahr 2026 hofft die AfD auf starke Ergebnisse und reale Machtoptionen in mehreren Ländern. Doch beim Bundesparteitag im Juli könnten konfliktreiche Personalentscheidungen zur innerparteilichen Belastungsprobe werden.

04. Februar 2026
Der aktuelle AfD-Bundesvorstand nach seiner Wahl 2024 (picture alliance/dpa | Bernd von Jutrczenka)

Die AfD hofft, dass sich 2026 zu einem historischen Jahr entwickeln wird. Bei den fünf Landtagswahlen erwartet die Partei sehr gute Ergebnisse. In Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern rechnet sie sich sogar Chancen aus, nicht nur die Mehrheit der Stimmen zu bekommen, sondern vielleicht auch die Landesregierung anführen zu können. Dass in diesem Jahr auch wichtige, parteiinterne Wahlen anstehen und es deswegen Streit geben könnte, betrachten manche als Chance, viele in der AfD aber auch als ein potenzielles Problem. Ausufernde Personaldebatten, die sich womöglich zu einem unkontrollierbaren Streit entwickeln, könnte in einem Superwahljahr niemand gebrauchen, heißt es.

Und so wird versucht, die Querelen unter der Decke zu halten – so gut es eben geht. Ob das vollständig gelingt, wird sich für die Bundes-AfD spätestens am ersten Juliwochenende in Erfurt zeigen. Dort will die Partei ihren Bundesvorstand neu bestimmen. Schon jetzt lässt sich sagen: Regelrechte Schlachten wie in früheren Zeiten dürften nicht zu erwarten sein. Doch von Harmonie kann auch keine Rede sein.

Zwar war die Begeisterung für das Spitzen-Duo schon einmal größer. Das bestätigen auch Spitzenfunktionäre. Dennoch ist nicht damit zu rechnen, dass Alice Weidel und Tino Chrupalla beim Bundesparteitag ernsthafte Probleme bekommen könnten, wiedergewählt zu werden. Auch einige weitere Vorstandsmitglieder lassen Table.Briefings wissen, dass sie weitermachen wollen. Darunter sind Kay Gottschalk, Hannes Gnauck, Heiko Scholz und Carsten Hütter. Andere wünschen sich eine neue Zusammensetzung des Vorstands. Drei von 15 Mitgliedern kommen aus Brandenburg. Andere Landesverbände seien dagegen gar nicht im Vorstand vertreten, oder zumindest unterrepräsentiert, heißt es. Das müsse sich ändern.

Auch mit persönlicher Kritik an anderen Vorständen halten sich manche AfD-Bundesvorstandsmitglieder nicht zurück. In Gesprächen mit Table.Briefings nennen sie Kollegen zu faul, zu unwissend, zu undiszipliniert, zu unberechenbar, zu peinlich oder zu „Sexboomer“ im Auftreten. Einige sehen in Schatzmeister Hütter einen Wackelkandidaten. Er wird für den Eklat um die Bundesgeschäftsstelle mitverantwortlich gemacht. Noch aber hat sich kein aussichtsreicher Kandidat in Stellung gebracht, um amtierenden Vorstandsmitgliedern Konkurrenz zu machen. Am ehesten trauen das viele in der AfD Beatrix von Storch zu. Sie will offenbar zurück in den Bundesvorstand, dem sie bis 2022 angehörte. Allerdings ist noch unklar, ob sie im eigenen Berliner Landesverband genügend Unterstützung findet. Von Storch hat in der Hauptstadt bei weitem nicht nur Fans.

Ohnehin sind es derzeit in der AfD eher die Landesverbände als die Bundespartei, in denen die führenden Köpfe zum Teil vehement gegeneinander vorgehen. Ausgerechnet in Sachsen-Anhalt, wo die AfD in Umfragen bei bis zu 40 Prozent steht, überschattet ein massiver Machtkampf diese Erfolgsaussichten. Auf der einen Seite steht der Bundestagsabgeordnete Jan-Wenzel Schmidt, der bis vor einem Jahr Generalsekretär des Landesverbands war. Auf der anderen Seite stehen seine langjährigen Kollegen aus dem Landesvorstand. Sie beschuldigen ihn, sein Mandat für private Geschäfte ausgenutzt zu haben, ein Parteiausschlussverfahren läuft; er wirft ihnen falsche Abrechnungen, Vetternwirtschaft und potenzielle Straftaten vor, will dafür nun regelmäßig Mails mit Belegen versenden.

Auch in NRW befindet sich die Partei in einem Dauerstreit. Der vorläufige Höhepunkt dürfte Anfang März erreicht sein, wenn sich Landeschef Martin Vincentz zur Wiederwahl stellt. Er steht im Vergleich zur letzten Vorstandswahl geschwächt da. Denn ein Skandal, in den ein enger Vertrauter verwickelt war, belastet ihn ebenso wie der Dauerkampf gegen seinen Erzfeind Matthias Helferich. Zwei MdB aus NRW haben angekündigt, gegen Vincentz anzutreten. In AfD-Spitzenkreisen rechnen einige damit, dass Vincentz die Wiederwahl knapp gelingen könnte; allerdings kaum mit gesichtswahrendem Ergebnis. Denkbar wäre, dass er sich künftig auch mit Leuten aus dem verfeindeten Lager wird umgeben müssen. Und mit Parteimitgliedern aus der Gruppe jener, die angesichts der Dauerfehde eines ist: genervt.

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Letzte Aktualisierung: 04. Februar 2026