Besuch im Sauerland: Warum Wüst und Merz sich gerade noch brauchen

Mit demonstrativer Geschlossenheit wollen Friedrich Merz und Hendrik Wüst die Spekulationen über einen möglichen Kanzlertausch beenden. Ganz verschwinden dürfte Wüst aus den Machtdebatten der CDU allerdings nicht.

01. Juni 2026
Friedrich Merz und Hendrik Wüst (picture alliance/dpa/Oliver Berg)

An diesem Montag wollen Hendrik Wüst und Friedrich Merz einen Konflikt beenden, den es eigentlich gar nicht gibt. Zwar war der Besuch des Kanzlers bei der Klausurtagung der NRW-CDU im sauerländischen Meschede lange geplant. Trotzdem ist es das erste Aufeinandertreffen der beiden Männer seit der Debatte um einen möglichen Kanzlertausch. Merz will nicht nur ein für alle Mal die Gerüchte um seine Ablösung begraben. Er muss als Parteichef Geschlossenheit erreichen. Zuletzt bröckelte die Unterstützung in der eigenen Partei immer mehr.

Schon die Ankunft des Kanzlers verlief betont harmonisch. Ein lockerer Spruch beim Händeschütteln, viele Bilder, alles recht freundlich. Wüst hatte schon vor Beginn der Klausur betont, der Kanzler habe seine volle Unterstützung. Auch am Montag soll der NRW-Ministerpräsident gleich zu Beginn der Sitzung deutlich gemacht haben, was er von der Debatte halte. Solche Personalspekulationen seien „Quatsch“, er wolle ausdrücklich davor warnen, so Wüst Teilnehmern zufolge. Zwischen dem Ministerpräsidenten und dem CDU-Chef habe es einen „guten Austausch“ gegeben. Die Botschaft ist klar: Bitte gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen.

Für Merz ist das wichtig; er braucht eine Partei, die ihm den Rücken stärkt – gerade mit Blick auf die anstehenden Reformen. Er weiß, dass ihm sonst sowohl in den Gesprächen mit der SPD als auch bei Abstimmungen über mögliche Gesetze die notwendige Autorität zu fehlen droht. Eine Umfrage für den Stern und RTL zeigt zwar, dass eine Mehrheit (53 Prozent) der eigenen Anhänger nicht glaubt, dass die Union von einem Wechsel profitieren würde. Zugleich gaben aber immer noch 41 Prozent der Befragten an, sie glaubten an einen positiven Effekt, sollte es einen Kanzlerwechsel geben. Merz weiß, dass er keine breite Mehrheit hinter sich hat.

Die vergangenen Wochen machen einmal mehr deutlich: Für eine breite Unterstützung in der Partei braucht Merz seinen NRW-Vorsitzenden. NRW ist der größte und mächtigste Landesverband. Der CDU-Chef gehört ihm zwar an, die Zügel hält jedoch Wüst in der Hand. Darüber hinaus ist man in Düsseldorf bestens mit den anderen CDU-Landesverbänden verdrahtet. Wohl auch deshalb hatte Merz seinen Ministerpräsidenten schon bei der Kanzlerkandidatur um Unterstützung gebeten – und sie bekommen.

Zur Wahrheit gehört: Auch Wüst hat ein Interesse daran, die Wogen zu glätten. Die Debatte um einen Kanzlertausch hilft gerade weder dem einen noch dem anderen. In Nordrhein-Westfalen wird 2027 gewählt. Gerüchte über einen möglichen Wechsel des eigenen Spitzenkandidaten nach Berlin kann da keiner in der CDU gebrauchen. Deshalb wird im Umfeld von Wüst dieser Tage von einer „Scheindebatte“ gesprochen, die in Berlin entstanden und groß gemacht worden sei.

Der NRW-Ministerpräsident mag die Frage nach einem Kanzlertausch ausgeräumt haben – aus dem Spiel nimmt er sich nicht. Wüst dürfte weiter interessant bleiben und als Regierungschef des größten Bundeslandes Punkte sammeln wollen. Auslöser für die Spekulationen um einen möglichen Kanzlertausch war sein Besuch in Polen. Spannend wird sein, wie Wüst sein außenpolitisches Profil in den kommenden Monaten weiter ausbauen wird.

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Letzte Aktualisierung: 01. Juni 2026