Berlin.Table – Ausgabe 764

Linnemanns Steueridee + Hilfe im Drohnenkampf + Zukunft der Chemie-Branche

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Talk of the Town

Linnemanns Steuerreform-Idee: Warum es sich um ein Ablenkungsmanöver handelt

Kurz vor dem Parteitag befindet sich Carsten Linnemann in einer Zwickmühle. Der CDU-Generalsekretär weiß um die Stimmung in den eigenen Reihen. Der Wunsch nach mehr „CDU pur“ ist groß. Immerhin hat die Parteiführung es so im Wahlkampf versprochen. Doch ein Jahr später sind viele desillusioniert. Der Tenor: Friedrich Merz lasse sich mit Blick auf die Innenpolitik zu viel von der SPD gefallen. Es sei kaum noch klar, wer in dieser Koalition der Juniorpartner sei. In der Fraktion wie in den Landesverbänden wünscht man sich, dass die CDU wieder mehr zum „Tonangeber“ wird. Und so dürften viele Johannes Winkel, dem Vorsitzenden der Jungen Union, ausdrücklich zugestimmt haben, als er jüngst im Focus forderte, dass die CDU „die Samthandschuhe ausziehen“ müsse.

Der CDU-Generalsekretär weiß um den Druck. Um dem Rechnung zu tragen, fordert er eine große Steuerreform. In einem Interview mit der Bild am Sonntag schlägt er vor, dass der Spitzensteuersatz künftig nicht schon bei 68.000 Euro Jahresbruttoeinkommen greift, sondern erst bei 80.000 Euro. Gemeint war das zu versteuernde Einkommen. Hier greift der Spitzensteuersatz ab einem Jahreseinkommen von rund 69.000 Euro. Mit Blick auf das Jahresbruttoeinkommen liegt die Grenze also deutlich höher. Der Unterschied: Das Bruttoeinkommen ist der Betrag vor Abzügen, zum Beispiel Sozialabgaben. Das zu versteuernde Einkommen ist der steuerlich relevante Betrag nach Abzügen. Auf Nachfrage von Table.Briefings sagt Linnemann, dass er sich versprochen habe.

So resolut das klingt: Der Vorschlag ist nicht neu. Linnemann hat sich bei früheren Ideen bedient. Das dürfte auch daran liegen, dass der Kanzler in der letzten Sitzung des Bundesvorstands darum gebeten hatte, bis zu den Landtagswahlen im März nicht ständig neue Ideen in Umlauf zu bringen. Also stellt Linnemann etwas ins Schaufenster, was dort schon einmal stand. Seine Vorschläge finden sich im CDU-Grundsatzprogramm aus dem Jahr 2024 und in der „Agenda 2030“, die der Bundesvorstand vor ziemlich genau einem Jahr auf seiner Klausur beschlossen hatte.

Damals wie heute fehlt jedoch eine Antwort auf die Frage, wie die Vorschläge finanziert werden könnten. Wer die Mitte entlasten will, kann das nicht ohne Mehrkosten erreichen. Doch diese Mehrkosten kann sich die Regierung zum jetzigen Zeitpunkt nicht leisten. Zumal das Geld schon für bereits vereinbarte Projekte wie die geplante Unternehmenssteuerreform fehlt. Eine weitere Steuerreform ist ohne Gegenfinanzierung also kaum realistisch.

Dabei gab es dazu in der Vergangenheit eine Idee, die für die CDU revolutionär wäre. Während des Grundsatzprogrammprozesses zeigten sich Teile der Partei offen für eine „moderate“ Erhöhung des Spitzensteuersatzes für sehr hohe Einkommen. Das ging im Sommer 2023 aus dem Vorschlag einer Arbeitsgruppe unter dem damaligen Unionsfraktionsvize Jens Spahn hervor. Die Idee: Zusammen mit der Abschaffung des Solidaritätszuschlags könne „der Spitzensteuersatz für sehr hohe private Einkommen moderat angehoben werden”.

Allerdings sorgte der Vorstoß seinerzeit für zu viel Unruhe in den eigenen Reihen. Aus Sorge vor dem Echo behielt die CDU zwar die Entlastungen bei, entledigte sich jedoch des Vorwurfs einer „Steuererhöhung für Top-Verdiener“. Die Frage der Finanzierung blieb damit unbeantwortet – bis heute. Denn auch in diesen Tagen fürchtet die CDU kaum etwas so sehr wie den Vorwurf, sie sei für höhere Steuern – an welcher Stelle auch immer.

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News

Drohnenkampf: Ukrainer sollen Bundeswehrsoldaten trainieren. Die Bundeswehr will ukrainische Instrukteure für Schulungen in Drohnenabwehr einsetzen – ein Schritt, den Verteidigungsminister Boris Pistorius und der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz vereinbart haben. Russlands Krieg gegen die Ukraine zeigt, wie verwundbar westliche Armeen gegenüber Drohnen sind. Der Fokus der geplanten Ausbildung soll zunächst auf den Landstreitkräften liegen; der konkrete Beginn des Programms steht noch nicht fest.

Die Initiative ist die Folge einer schmerzhaften Erkenntnis. Bei der Nato-Übung „Hedgehog 2025“ im vergangenen Mai hatten einige wenige ukrainische und estnische Drohnenspezialisten innerhalb kurzer Zeit zwei Nato‑Bataillone ausschalten könnten. Und dabei hatten sie noch nicht einmal so einen intensiven Drohneneinsatz simuliert, wie es ihn täglich auf den Schlachtfeldern der Ukraine gibt. Was diese neue Kooperation mit der Ukraine für die Nato-Armeen bedeutet, lesen Sie im Security.Table. Viktor Funk

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Zukunft der Chemie-Branche: Was das Kabinett plant. Die Bundesregierung will der Chemieindustrie mit einer Chemieagenda 2045 aus der Krise helfen und beispielsweise an der kostenlosen Zuteilung von CO₂-Zertifikaten festhalten. Der Plan wird derzeit von BMWE, BMUKN und Kanzleramt in drei Arbeitsgruppen entwickelt und soll noch im Frühjahr vorgelegt werden. Allerdings beklagen Wirtschaftsvertreter einen zu engen Fokus auf den Emissionshandel. Die Regierung müsse mehr Signale zur Transformation der Chemieindustrie senden. Laut NGOs könnten nur so Arbeitsplätze erhalten werden.

Experten haben acht Vorschläge vorgelegt, wie Soforthilfe und Transformation miteinander vereint werden können. Entlastungen sollten an klar definierte Bedingungen wie Transformationspläne und Investitionen in eine klimaneutrale Produktion geknüpft werden. Die Experten schlagen Subventionen für die Betriebskosten, steuerliche Investitionsanreize, staatlich subventionierte Abnahmegarantien für grünes Methanol und Maßnahmen zur Unterstützung der Innovationskraft vor. Warum es für die Chemie-Transformation einen großen Wurf statt einer engen Chemieagenda braucht, lesen Sie im Climate.Table. Nico Beckert

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Der demografische Wandel ist die größte sozialpolitische Herausforderung. Auf dem „Ärztinnen- und Ärztegipfel Südwest“ diskutierten Vertreter aus Politik und Gesundheitswesen die Zukunft der medizinischen Versorgung insbesondere in ländlichen Regionen. Dabei waren sich alle einig: Eine gesicherte Vergütung ist dafür unverzichtbar. Und da kommt die PKV ins Spiel. (mehr auf pkv.de)

Geldanlagen: Sozialversicherungsträger sollen Investitionen strenger überprüfen. Der Bund will mit einer neuen Verordnung Renten-, Unfall- und Krankenversicherung zu einem besseren Anlage- und Risikomanagement verpflichten. Das betrifft etwa Investitionen in Onlineplattformen oder gemeinsam von mehreren Krankenkassen genutzte IT-Dienstleister. Hintergrund ist eine Änderung von 2025, wonach sich die Sozialversicherungsträger an privatrechtlichen Unternehmen in der EU beteiligen dürfen. Der Wert solcher Beteiligungen soll nun mindestens alle fünf Jahre geprüft und bei einem „tatsächlichen Substanzverlust oder verschlechterten Zukunftsaussichten“ außerplanmäßig abgeschrieben werden. Ausgenommen von der Abschreibungspflicht sind Investitionen von Krankenkassen in digitale Innovationen, zum Beispiel in KI-Startups. Der Bundesrat muss noch zustimmen. Okan Bellikli

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KI-Verordnung: Normenkontrollrat lobt Bündelung bei Bundesnetzagentur. Durch die neue Rolle der Bundesnetzagentur als zuständige KI-Behörde könnten Synergien geschaffen werden. Das geht aus einer Stellungnahme des Normenkontrollrats zur KI-Verordnung hervor. Die Netzagentur ist bereits für andere EU-Digitalgesetze wie den Data-Act und den Data-Government-Act zuständig. Deswegen hat sich das Haus von Karsten Wildberger dazu entschieden, der Netzagentur auch die Aufsicht für die KI-Verordnung zu übertragen. In einigen fachspezifischen Fällen wie Medizintechnik oder Arbeitsschutz bleibt die Aufsicht aber bei den zuständigen Landesbehörden. Hier warnt der NKR vor einer „föderalen Zersplitterung“. Die Entscheidung des Digitalministeriums, keine neue KI-Behörde zu schaffen oder die gesamte Aufsicht auf die Landesbehörden zu übertragen, begrüßt der NKR jedoch. Leonard Schulz

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Organisation non grata: DAAD schließt seine Vertretung in Moskau. Nachdem das russische Justizministerium den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) zur „unerwünschten Organisation“ erklärt hat, schließt dieser nun sein Büro in Moskau. Nach dem Überfall auf die Ukraine vor vier Jahren waren bereits alle wissenschaftlichen Kooperationen mit Russland beendet worden. Der DAAD hatte seine Vertretung „als eine der letzten Brücken für die Zivilgesellschaft“ aufrechterhalten. Dort konnten sich Studierende weiterhin auf Stipendien in Deutschland bewerben.

Die Wissenschaft selbst hatte der Kooperationsstopp hart getroffen, unter anderem in der Polarforschung und der Astrophysik. Bei großen Forschungsanlagen wie dem Teilchenbeschleuniger Fair und dem Röntgenlaser XFEL, die in Deutschland gebaut beziehungsweise betrieben werden, ist Russland jedoch weiterhin beteiligt – obwohl derzeit keine Forscher aus dem Land hier tätig sein dürfen. Ob sich nun auch dort ein Ausstieg andeutet, lesen Sie im Research.Table. Ralf Nestler

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U-Boot-Abwehr im Nordatlantik: Norwegen will mehr Lastenteilung. Deutschland, Norwegen und Großbritannien müssten mehr Verantwortung bei der Beobachtung und Abwehr von russischen U-Booten im Nordatlantik übernehmen, fordert Norwegens Verteidigungsminister Tore O. Sandvik im Interview mit Table.Briefings. Hintergrund ist die wachsende Aktivität Russlands rund um die Kola-Halbinsel. Dort ist ein großer Teil des russischen Nukleararsenals stationiert und von dort aus machen sich strategische U-Boote auf den Weg Richtung Nordpol und Nordatlantik.

Bei der MSC in München haben Deutschland und Norwegen deshalb ein neues Verteidigungsabkommen geschlossen. Dies sei nicht als Absicherung gegen politische Unsicherheiten in Washington zu werten, sondern als strategische Stärkung Europas durch mehr Standardisierung, Integration und gemeinsame Fähigkeiten, sagte Sandvik. Er wirbt für einen Einstieg Kanadas in die deutsch-norwegische U-Boot-Kooperation. Zusammen mit Boris Pistorius will er Kanada davon überzeugen, „dass das deutsche U-Boot das beste U-Boot ist“. Warum Sandvik dieser Kooperation eine so hohe Bedeutung beimisst, lesen Sie im Security.Table. Lisa-Martina Klein

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US-Finanzhilfe für europäische NGOs: Forderungen nach mehr Transparenz. Die US-Regierung will nach einem Bericht der Financial Times ihr nahestehende NGOs, Wohltätigkeitsorganisationen und Thinktanks in Europa finanziell unterstützen. Dagegen regt sich Widerstand. Thinktanks und Parteien sollten ihre Geldgeber offenlegen, fordert der Europaabgeordnete Daniel Freund (Grüne). Zu den Washingtoner Plänen passt, dass US-Außenminister Marco Rubio am Montag bei einem Besuch in Budapest eine offene Wahlempfehlung für Viktor Orbán ausgesprochen hat. Orbán kann zudem auf die Unterstützung der USA hoffen, sollte seine Regierung in finanzielle Schwierigkeiten geraten. In welchen Ländern die USA möglicherweise ebenfalls vor Wahlen rechte Politiker unterstützt, lesen Sie im Europe.Table. Markus Grabitz, Stephan Israel

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Konkurrenzkampf nach westlichem Vorbild: Peking lässt Tech-Riesen gewähren. Zum chinesischen Neujahrsfest liefern sich die großen Tech-Konzerne des Landes einen Preiskrieg. Mit Lockangeboten im Wert von umgerechnet Hunderten Millionen Euro versuchen die Konzerne, neue Nutzer für ihre generativen KI-Chatbots zu gewinnen. Noch toleriert Peking den Preiskampf als Teil des industriellen Aufbaus eines schnell wachsenden Sektors.

Doch es ist ein schmaler Grat. Seit Monaten betonen Regulierer in Peking, ruinöse Preiskämpfe in der Branche eindämmen zu wollen. Die Behörden sprechen schon von „Involution“, einem Wettbewerb, der immer kostspieliger wird, aber keine nachhaltigen Gewinne mehr schafft. Welche Gefahren der chinesischen Volkswirtschaft drohen, lesen Sie im China.Table. Marcel Grzanna, Jörn Petring

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EU-Beitritt der Ukraine: Die Hürden in der Landwirtschaft sind hoch. Die ukrainische Regierung drängt auf einen schnellen EU-Beitritt, doch die Anpassung an die EU-Standards im Agrarsektor braucht noch Zeit. Für die Erzeuger im Land ist das mitten im Krieg eine schwere Aufgabe. Zudem kämpft die ukrainische Landwirtschaft mit einem Arbeitskräftemangel und dem Klimawandel, der zuletzt zu längeren Dürreperioden geführt hat. Aber auch Brüssel muss die Gemeinsame Agrarpolitik reformieren. Wo das Konfliktpotenzial besonders groß ist, lesen Sie im Agrifood.Table. Cornelia Meyer

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Table.Today Podcast

Table.Today mit Reem Alabali Radovan. "Wie viel Entwicklungshilfe können wir uns noch leisten, Frau Alabali Radovan?"

Die Kürzungen im Bundeshaushalt haben das Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hart getroffen: In diesem Jahr umfasst der Etat weniger als zehn Milliarden Euro. 2022 standen dem Haus noch 12,3 Milliarden Euro zur Verfügung. Wie kann gewährleistet werden, dass das Geld in Zeiten knapper Kassen effizient eingesetzt wird und wie sucht Deutschland Verbündete, wenn gleichzeitig die internationale Zusammenarbeit nachlässt? Das hat Helene Bubrowski mit Ministerin Reem Alabali Radovan besprochen. Das Gespräch hören Sie ab 5 Uhr hier.

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Table.Documents

Best of Table

Security.Table: BMVg prüft US-Investitionen im Rüstungssektor. Es geht vor allem um das Risiko, das von Investitionen von Tech-Milliardären wie Peter Thiel und Elon Musk ausgehen könnte. Das zeigt eine interne Einladung, die Table.Briefings vorliegt. Was das mit der Beschaffung von Drohnen zu tun hat, lesen Sie hier.

China.Table: Wie Peking die Neujahrsgala als Softpower-Bühne nutzt. Bei der TV-Neujahrsgala zum Jahr des Pferdes beschwörte das chinesische Staatsfernsehen die technologische Stärke des Landes. Welche subtilen Botschaften die Propaganda sonst noch vermittelte, lesen Sie hier.

Agrifood.Table: Alleingang bei der Anbindehaltung. Niedersachsen plant den Ausstieg aus der von Tierschützern kritisierten Anbindehaltung bei Rindern. Wie der Schritt finanziert werden soll, lesen Sie hier.

Europe.Table: Spar- und Investitionsunion verzögert sich. Die Pläne der EU-Staats- und Regierungschefs zur Integration der Kapitalmärkte sind noch nicht auf der Arbeitsebene angekommen. Das zeigen Dokumente, die Table.Briefings vorliegen. Woran es hakt, lesen Sie hier.

Climate Table: Gründe für Klima-Optimismus. Bei einer Tagung der evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt wurden Ideen für „radikalen Optimismus in der Transformation“ gesammelt. Was dabei herausgekommen ist, lesen Sie hier.

Research.Table: Wie deutsche Klimaforscher in den USA aushelfen. Frank Oliver Glöckner vom Alfred-Wegener-Institut erläutert, wie deutsche Wissenschaftler helfen, wichtige Datensätze in den USA zu sichern. Warum ihre Prognosen künftig trotzdem weniger präzise sein werden, lesen Sie hier.

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Staatsminister Christian Bernreiter über die Zukunft des Güterverkehrs in Bayern. Table.Forum

Time.Table

Außenpolitik: Frank-Walter Steinmeier setzt seinen Besuch im Libanon fort. In Beirut besucht er den Ort der Explosionskatastrophe von 2020. Am Abend reist er weiter nach Jordanien.

Digitales: Karsten Wildberger reist zum AI Impact Summit in Neu-Delhi, an dem auch Sam Altman, CEO von OpenAI, und Emmanuel Macron teilnehmen.

Verteidigung: Boris Pistorius besucht das KSK in Calw.

Kultur: Friedrich Merz und Wolfram Weimer empfangen die Berlinale-Intendantin Tricia Tuttle und die internationale Jury um Wim Wenders im Bundeskanzleramt.

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Must Reads

FAZ: Die CDU muss Reformen vorantreiben. In einem Gastbeitrag schreiben die CDU-Politiker Johannes Winkel und Pascal Reddig, die CDU stünde vor einer Entscheidung: „Entweder schaut sie der Realität ins Auge und geht mutige Reformen an. Oder sie wird – ob sie es politisch will oder nicht – im nächsten Jahr die Schuldenbremse auflösen müssen.“ Wie die Reform des Sozialstaats aussehen soll, darüber gebe es noch Dissens zwischen den Regierungsparteien. Die Union sei gut beraten, weniger Einzelvorschläge als vielmehr ein Gesamtkonzept vorzustellen. („Die CDU muss Reformpartei werden“)

SZ: Geheimdienste warnen vor raschem AfD-Verbotsverfahren. Der Verfassungsschutz müsste alle V-Leute abziehen, um das Verfahren nicht zu gefährden. Dabei dringe man gerade in die Führungsebene einer Landes-AfD durch. Zahlen zu V-Leuten gibt der VS nicht heraus. In Brandenburg etwa hieß es aber, dass Spitzel leicht zu finden waren. AfDler mit steuerndem Einfluss wie MdL, MdB und MdEP dürfen nicht angeworben werden. („Geheimdienste fürchten, ‚blind und taub‘ gegenüber der AfD zu werden“)

Handelsblatt: Cem Özdemir fordert eine Rentenreform. Der Grünen- Spitzenkandidat in Baden-Württemberg, Cem Özdemir, befürwortet eine Flexibilisierung des Renteneintrittsalters. Dabei solle nach Berufsgruppen und Beitragsjahre unterschieden werden. „Es wird so getan, als würde die Republik nur noch aus Dachdeckern bestehen.“ Zudem solle eine Aktien-Rente als zusätzliche Säule gedacht werden. („Cem Özdemir fordert Rentenreform und niedrigere Steuern“)

Tagesspiegel: Berlins Berufsstruktur hat sich radikal gewandelt. Vor 30 Jahren stellten Arbeiter die größte Klasse, jetzt ist Berlin auf dem Weg zu Expertenmetropole. Das zeigt eine neue Studie. 40 Prozent der Produktionsstellen verschwanden, Bürojobs nahmen zu – mehr als in jeder anderen deutschen Großstadt. Hochqualifizierte, Manager und Fachkräfte machen heute 50 Prozent aus. Freelancer mit oft niedrigem Einkommen fehlen in der Studie allerdings. („Von der Arbeiter- zur Expertenstadt“)

Nicht überlesen!

SZ: Frankreich verbannt Zoom, Teams & Co. Frankreich treibt die Digitalisierung von Schulen und Behörden voran und setzt dabei verstärkt auf europäische statt US-amerikanische Tech-Anbieter, schreibt Alexandra Föderl-Schmid. Aus Sorge vor politischer Abhängigkeit und dem Zugriff auf sensible Daten sollen Dienste wie Microsoft, Teams oder Zoom schrittweise ersetzt werden. In der Region Île-de-France arbeiten bereits rund 550.000 Schüler und Lehrkräfte mit einer Open-Source-Plattform auf Basis des deutschen Anbieters Nextcloud, deren Daten in Frankreich gespeichert werden. („Wir wollen nicht mehr so abhängig von den Amerikanern sein“)

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Schlagzeilen von morgen

Meistgelesenes von heute

Heute Abend in den Talkshows

Blome & Pfeffer, 23:30 Uhr: Ricarda Lang, Thorsten Frei

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Interviews von morgen

Deutschlandfunk

6:50 Uhr: Susanne Lin-Klitzing, Deutscher Philologenverband: Debatte um ein Social-Media-Verbot für Jugendliche

7:15 Uhr: Rolf Mützenich, SPD-Außenpolitiker: Braucht Europa eine eigene nukleare Abschreckung?

8:10 Uhr: Ottmar Edenhofer, Potsdam Institut für Klimafolgenforschung: Trumps Ausstieg aus dem Clean Air Act

ZDF

7:05 Uhr: Helena Melnikov, DIHK: Konjunkturumfrage

8:05 Uhr: Nina Warken, Bundesgesundheitsministerin (CDU): Gesundheitsabgabe auf Miet- und Kapitalerträge

8:35 Uhr: Isabel Brandhorst, Psychologin: Debatte um ein Social-Media-Verbot für Jugendliche

rbb24–Inforadio

6:45 Uhr: Markus Staudt, Bundesverband der deutschen Heizungsindustrie: Heizungsumbau

7:25 Uhr: Marcel Fratzscher, DIW: Debatte um Senkung des Spitzensteuersatzes

phoenix

9 Uhr: Kai Whittaker, CDU-Sozialexperte: Debatte um eine Rentenreform

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Geburtstage von morgen

Christian Luft, Staatssekretär im BMG, 64

Stephan Pilsinger, MdB (CSU), 39

Cornelia Schmachtenberg, Landwirtschaftsministerin von Schleswig-Holstein (CDU), 35

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Nachttisch

Unser Tipp führt sie heute ins Westberlin der 70er Jahre. Interzonenzüge, Bier, Zigaretten, Currywurst, Zuhälter am Savignyplatz und ein Fürst der Unterwelt. Benjamin, der Drehbuchautor, und Gorski, der Regisseur, recherchieren den Plot für einen neuen Film. Um einen Geldtransport soll es gehen, um den Sold für die amerikanischen Soldaten, um einen Überfall an einem Bahnübergang. Erst ist es nur die Idee für eine Geschichte, dann ein Plan, der immer realistischer wird, und schließlich der Gedanke: „Ich rede von einer Million Dollar und davon, dass ich sie haben will.“ Ulf Miehe hat diesen Klassiker des westdeutschen Kriminalromans vor mehr als fünfzig Jahren veröffentlicht. Es macht immer noch Spaß, ihn zu lesen. Sven Siebert

Ulf Miehe: Ich hab noch einen Toten in Berlin | dtv/SZ Krimibibliothek

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Das war’s für heute. Good night and good luck!

Heute haben Nico Beckert, Okan Bellikli, Laura Block, Stefan Braun, Helene Bubrowski, Damir Fras, Daniel Friesen, Viktor Funk, Markus Grabitz, Marcel Grzanna, Stephan Israel, Lisa-Martina Klein, Franziska Klemenz, Cornelia Meyer, Ralf Nestler, Jörn Petring, Sven Siebert und Sara Sievert mitgewirkt.

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