Ölpreis: Händler fürchten längeren Konflikt im Iran

Ölpreis: Händler fürchten längeren Konflikt im Iran. Der Preis für ein Barrel der Sorte Brent ist am Montag zeitweise auf fast 120 US‑Dollar gestiegen und hat damit den höchsten Stand seit dem Sommer 2022 erreicht. Es kam zu verstärkten Käufen, weil Händler kurzfristig mit einer eingeschränkten Verfügbarkeit von Öl rechnen. Gunther Schnabl, Direktor des Thinktanks Flossbach von Storch Research Institute, sagte Table.Briefings: „Viele Akteure gingen plötzlich davon aus, dass der Konflikt länger andauern könnte als zunächst angenommen. Diese veränderten Erwartungen trieben die Preise kurzfristig nach oben.“

Energieexperte Gerard Reid bezeichnet die Lage nach Gesprächen mit Rohstoffhändlern als „ernst“. Er berichtet, dass Marktakteure nicht nur von einer längeren Phase erhöhter Unsicherheit ausgehen, sondern angesichts möglicher Angebotsengpässe sogar ein neues Allzeithoch beim Ölpreis für möglich halten. Einem Bericht der Financial Times zufolge wird innerhalb der G7‑Staaten eine koordinierte Freigabe strategischer Ölreserven diskutiert. Die USA sollen demnach eine gemeinsame Freigabe von 300 bis 400 Millionen Barrel anstreben, um den Preisanstieg abzufedern und das weltweite Angebot zu stabilisieren.

Für Deutschland hätte ein länger anhaltend hoher Ölpreis spürbare wirtschaftliche Folgen. Das Bundeswirtschaftsministerium könnte nach Informationen von Table.Briefings deutsche Ölreserven per Verordnung freigeben. Allerdings dienen diese Reserven eigentlich nicht dazu, Preisanstiege zu lindern. Es gibt sie, um zu verhindern, dass bei Engpässen Versorgungsnöte entstehen. Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft würde bereits ein Preisniveau von 100 US‑Dollar pro Barrel Belastungen von 0,3 Prozent des BIP im Jahr 2026 und 0,6 Prozent im Jahr 2027 verursachen. Über zwei Jahre entspräche das einem Rückgang der Wirtschaftsleistung von rund 40 Milliarden Euro. Stefan Braun, Alexander Wiedmann

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Letzte Aktualisierung: 09. März 2026