Nach dem Zornesausbruch des Kanzlers: Partei und Fraktion hoffen auf Einkehr

28. Mai 2026
Friedrich Merz und Hendrik Wüst (IMAGO/Revierfoto)

Nach dem Zornesausbruch des Kanzlers: Partei und Fraktion hoffen auf Einkehr. Einen Tag nachdem sich Friedrich Merz über seine Leute Luft verschafft hat in der Debatte über eine vermeintliche Kanzlerdämmerung und einen Wechsel zum Düsseldorfer Regierungschef Hendrik Wüst, wächst in der Union der überragende Wunsch, alle weiteren derartigen Spekulationen zu beenden. Spricht man mit führenden Politikern in Partei und Fraktion, fordern sie einen strikten Fokus auf die anstehenden Reformen. „In der Koalition denkt niemand über Personalfragen nach“, so ein Mitglied der Fraktionsführung zu Table.Briefings. „Wir wissen, dass wir in vier Wochen liefern müssen.“

In der Union gibt es niemanden, der am Kanzler nichts auszusetzen hätte. Aber immer mehr Abgeordnete und Politiker innerhalb der CDU halten die Wucht und die Aufgeregtheit für übertrieben und gefährlich. „Die schlechte Bewertung der Regierung ist maßlos. Und die Dinge, die die Regierung schon umgesetzt hat, werden einfach ignoriert“, sagt eine sehr erfahrene Unionsvertreterin, die lange große Verantwortung trug, Table.Briefings. Ihr Diktum: „Wir alle haben gerade Maß und Mitte verloren.“

Öffentlich will sich derzeit niemand äußern – aus Sorge, dass das die Debatte nur verlängern würde. Intern aber wird heftig diskutiert, weil die meisten die Debatte in der aktuellen Situation für selbstzerstörerisch halten. Ein Gefühl, das offenbar auch Wüst teilt. Er erklärte inzwischen, der Kanzler habe „jede Menge Herausforderungen zu leisten“, global, in Europa und in Deutschland. „Und dabei hat er meine volle Unterstützung.“

Merz’ Zornesausbruch schwingt gleichwohl nach. Manche erinnern daran, dass sich Helmut Schmidt in solchen Fällen von einem besonderen Spruch leiten ließ: „nicht mal ignorieren“. Der Kanzler dagegen hatte am Mittwoch über sein Umfeld scharfe Kritik an der Debatte und ihren möglichen Verursachern verbreiten lassen. Wer diese Debatte befeuere, bediene nur die Interessen der AfD und schwäche die Autorität der politischen Mitte (und damit auch seine), zitierte Table.Briefings Vertreter aus seinem Umfeld.

Ehemalige Merkel-Anhänger erinnern in diesem Zusammenhang daran, dass solche Konflikte nicht ganz neu sind. Die frühere Kanzlerin habe in den ersten Jahren Ähnliches erlebt. Auch damals gab es Berichte über einen Ersatzkanzler (Roland Koch). Und es gab mehrere MPs, die sich ihr in den Weg stellten, darunter irgendwann auch einer aus Nordrhein-Westfalen (Jürgen Rüttgers). Die Schwäche eines Zornesausbruchs aber habe Merkel ihren Widersachern nie geschenkt. „Sie saß das aus, so schwer es ihr auch manchmal fiel“, heißt es. Stefan Braun

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Letzte Aktualisierung: 28. Mai 2026